Nummer 1
b. Januar 1�21
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kck»e»ve»lnsz>ck, KU»? untl fdtlicht, Bpinttfltr und fefinftle nicht, Denn da«(dort, das du critlOgett, Das wird nie und nie geflögelt. Marie Eiiner- Esche ubach,
hütet das Zeuer! Bs» Heinz Fuchs. An» Kreuzberge. Der Abend giuft durch Wolke» und Jiveige. Der Himmel löscht seine starken Lichter ans. Die Burschen ritten näber an ihre Mädchen. Irgendwo auS einem lichten Fenster singt eine Geige. Da stapfen zwei Burschen den Weg herauf meiner Bank zu. Bride in Krücken. An meiner Seite hocken sie nieder. Dem grosien Blonden brennt ein Flackerfeuer auS beißen Augen. „Sehen Siel Heute jährt sich mein erster Arbeitstag zum zweiten Male. Der jahrelang ersehnte I Von der Schulbänke haben sie uns durchs Rotcxamen in den Schützengraben gezogen' Wer hat uns danach gefragt, ob wir»oollien? Wir mnbten' Die Bücher zugeklappt— ging'S hinan». Draußen haben wir Ge- chichte erlebt. Da unten vor dein Potsdamer Platze hinter grünen Garten- bäumen sollte ich sie lehren. Die großen Jungen um mlch s Haben Sie einmal solch liebe Kerle geschc», denen brennendes Mitleid au? den Auge» quillt? Denken Sie, unsere heranwachsenden Burschen sind alle Herden« tiere, die sich stoßen und schieben lasten t Lassen Sie sich erzählenl „Halten Sie eine freie Stunde l* sagt« man mir bei meiner Einführung. Die Bursche» saßen stille. Vierzig Augenpaare lagen aus meinen Krücken. In meiner Rocktasche knisterte die Zeitung. Geschichten und Geschichte darin. Nicht» für die Burschen hier l Oder doch?! Da tvächst hinten einer an der Wand hoch. Einer mit abgrundtiefe« Augen, mit Händen zu Fäusten geballt. .Wir halten hier von Zeit zu Zeit eine.freie' Stunde. Eine Stunde de» Aussprechen?, des rücksichtslosen Sich« Aussprechen« Könnens ist uns Bedürfnis geworden. Jedem steht da das Wort zu, der elwaS auf der Seele hat. Heute meld« ich mich I Ein Menschenleben soll so unendlich viel wert sein. ES auS« zulöfchen, wird als die schwerste Freveltat bestraft. Warum läßt man aber so viele deutsche Männer noch heute in Sibirien lang« sam verlöschen? Warum haben wir lvl? nicht Frieden bekommen? Da hätten sie uns den Vater nicht weg geschleppt ins graue Elend, wer weiß, wohin l Ob er überhaupt noch lebt? Vater ist 1914 ernst ausgezogen. Das Schreien und Brüllen hat er ntchl mitgemacht. Mit Socgenfalten und. grauen Haaren ist er ein einzige? Mal auf Urlaub gekommen. Die Heimat wollte ihm nicht mehr ge- fallen. »Sie kann Ilicht danken l' sagte er.
.Wir leiden, stehen und fallen draußen. Ihr aber zu Hause müßt an uns glauben! Ihr müßt uns stützen l Sonst ist alles aus!' Der Vater ist uns genommen. Ich renne die Treppen auf und ab. Hau» um HauSl Tag für Tagt Trage Zeitungen früh und spät auS. Zerre Wagen von der Markthalle bis in unsere stille Straße, komme zur Schul«, koche bann zu Hause, ziehe drei kleine Mädel an, die ihre Vlaie an die Fensterscheiben brücken und warten, ob nicht heute endlich der Bater kommt. Die Mutter steht zwischen de» Kartoffelhaufen, Kohlköpfen und Obstkörben den ganzen Tag. „Wenn der Vater doch käme!' stöhnt sie. » Der älteste Bruder wäre 20 ln diesem Jahr«. Don haben die Polen erwürgt. Bei Siemens haben die Ingenieure die Hälse über seine Zeich- «ungen gereckt: .Seht, den Teufelskerl! Hier hat er schon wieder etwa? ausgeheckt l Stock einen Schritt weiter, und er ist ci» gemachter Mann. Dem müssen wir helfen 1' Wer gibt uns unseren Bruder wieder? » Und das biffel Leben wird teurer und teurer. Wer das wirk- llch noch nicht am eigenen Leibe erfährt, der sehe sich unter unseren armen Müttern um. De» schreit das todwundgequälte Mutterherze aus müden, schattenumzogenen Augen. Wenn ich an mein« Mutter denke i Im TageSdämmer sitzen tvir zusammen ans der Kellertreppe. Ich neben ihr. Die MädeiS schlafen schon in ihrem Schöße. Und sie erzählt mir, wie sie einmal glücklich und zufrieden gelebt hat. Bater ist arbeit?« und lebensfroh gewesen. Alle Tage hat er zu Sonnentagen gemacht. Nun haben sie ihn verschleppt, vielleicht doch schon umgebracht. Wer ist eigentlich wirklich schuld an diesem Fluchkrlege? O, ein Invalide au» dem Nachbarhause hat mir einmal aus die Schulter gell ptt. Der kennt mich! .Du quälst und rackerst Dich wie ein Großer ab! Mit Dir kann man auch sprechen tvie mit einem Großen. Siehst Du, den, der uns den Frieden in Wahrheit gestohlc» hat, müßte man anfhängeu l Nicht an einer Laterne I- Viel zu schade! Da hinten im dunkelsten Berlta steht eine Rotunde. Die Arbeiter gehen in großem Bogen vorüber und spucken ihren Priemlabak danach auS. Eine Pestluft ringsum. Dort eine» Strick gedreht«nd--—* Lebt wirklich noch ein Gott, zu strafen und zu richtend » Die Mutter hat das Beten verlernt. Abend» faltet sie die Hände, stiert tnS Leere, und von ihren Lippen tropft'S; „Ja wenn der Vater heimkommen würde." » Ich sitze dabei, beiße mir in die Handballen, um nicht aufzu« schreien. Ich balle die Fäuste. Zwischen meinen Zähnen- fließt süßlich warmes Blut. Mein Blutl Menschenblut I Die Adern köilnt ich mir durchbeißen, wenn ich der Mutter den Vater heiin- bringen könnte.. Wenn um'S rot vor den Augen flimmert, rüttelt nnch die Mutter: „Geh schlafen, Bubei' sagt sie. Dann wühle ich mich in der Ecke ein mit heiße» Augen und zuckenden Händen. ltnd die Mutler sitzt und stiert... Ich mag ein junger Bursche sein t Ein Dummer, bin ich nicht! Zwei reißen mich vor: der Vater und der Bruder. Ich vergesse