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Nummer 20

S

Heimwelt

19. Mai 1921

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Unterhaltungsbeilage des Vorwärts

Mutter will heiraten..

Bon Theodor Thomas

Um der dampfenden Kartoffelschüssel fißen Frau Käthe Schau­mann mit ihren Rindern. Rechts, der Mutter gegenüber sißt der neunzehnjährige Kurt, oben am Tischende Erna, die 22 Jahre mit fich herumträgt, und gleich neben ihr der neunjährige Felig. Der Bater ist seit mehreren Jahren gestorben, Käthe schlägt sich mühsam burch, die Kinder helfen brav mit. Die Frau ist noch sehr jugendlich, fast tönnte man meinen, es wäre Ernas Schwester. Boll und träftig mit schelmischem Gesicht sicht sie ihren Kindern zu, wie sie sich an Kartoffeln und Hering gütlich tun. Reiner redet ein Wort, nur wenn einer bem andern die schönste Kartoffel wegschnappt, hörst du ein furzes Knurren, aber schon geht es weiter, bis, ja bis es zu einem merkwürdigen Ende kommt.

Kurt ist gerade dabei, die 27. Kartoffel aufzuspießen, als die Mutter in die Stille hinein das Wort ergreift:

Kinder, was meint Ihr, ich will mich wieder verheiraten." Die Kartoffel, die Kurt eben in der Arbeit hat, fällt dumpf zu Boden, Erna plagt in ein Gelächter aus, daß ihr ein Stück Gräte In die Sonntagsgurgel tommt. Sie lacht immerzu, während Kurt täfeweiß geworden ist. Boller Angst schreit er beinahe ble Mutter an: ,, Das leib ich nicht, wir brauchen feinen fremden Mann im Haus, dazu bekommst Du nie meine Einwilligung."

Räthe Schaumann lacht verschmitt, dann sagt fie: ,, Glücklicherweise braucht eine Mutter die Einwilligung ihrer Rimber nicht, um heiraten zu können."

Haben wir nicht alles für Dich getan, habe ich Dich nicht ver­forgt, wie ein richtig gehender Bater?" fragt Kurt aufgeregt. Rathrine Streichelt ihrem Sohn die Hand:

,, Du bist ein guter Junge, aber ben Bater ersehen kannst Du nicht. Dent mal, wenn Ihr Euren eigenen Hausstand gründet, wo bleibe ich, wo ich doch erst 42 Jahre bin? Und Felig?"

Wir bleiben alle bei Dir, Mutter, Ehrenwort, ich schwöre." Er hält die Gabel hoch in die Luft und sieht die Mutter ängstlich an, ob sie nun nicht doch ihre Heiratsgedanken aufftecken möchte. Erna hat sich von ihrer Gräte erholt und blickt gleichfalls auf Mutter, ble nun voll ihre beiden großen Kinder anlächelt:

"

Wenn Ihr den neuen Vater tennen lernt, werdet Ihr fröhlich fein, er ist ein fleber Mensch." Schwärmerisch schaut sie in die Gasflamme.

Ich will ihn gar nicht sehen", sagte Kurt bösartig. Der Mann ift mir schon jeßt unsympathisch; wer ist es denn?"

Erna sagt nichts, doch blickt sie ihre Mutter vorwurfsvoll an, als wollte sie sagen: Also, so tief bist Du gesunken." Kurt dagegen erklärt: Er fommt mir nicht ins Haus. Boriges Jahr hab ich ihn noch beim Turnfest im Ringkampf geschmiffen, feßt soll ich" Papa" lagen? Der ist doch man eine handvoll Mensch, nee Mutter, ba hast Du feinen guten Geschmack entwickelt, da hätt' ich Dir andere verraten

können."

Wechselrede zu kümmern; auf einmal fragt er ganz unvermittelt; Felly hat bis dahin aufmerksam zugehört, ohne sich um die Du, wie Schmidt's so eines?" Kriegen wir da auch noch Kinder? Das wär fein, Mutti, weist

Schaumann und bekommt einen Kopf wie Zinnober, Kurt steht blöd " Halt Deinen Schnabel, vorlautes Göhr", schimpft Mutter auf Felig, weil er den Zusammenhang nicht versteht. Nur Erna lacht verlegen, sie murmelt: Ahnungsvoller Engel."

heute abend Herr Haueisen kommt, seid freundlich." Also nun wißt Ihr Bescheid," sagt Käthe resolut, und wenn

Der wird guden," brummte Kurt, vielleicht schmeiß ich ihn wieder freihändig" auf den Vorplay."

verkloppst mich immer," schreit Felig. Dann helf ich meinem neuen Papa, der is gut zu mir. Du

,, Laß ihn nur erst mal hier festsißen, dann friechste schon von dem auch Dei' Schmiß."

Is das wahr Mutti?" fragt der Kleine verzweifelt.

Ach was; Emil, ich wollt sagen Herr Hauelsen ist ein lieber Mensch, laß Dich nicht verfohlen von dem da."

,, Nu, wann soll nun die Heiraterei losgehen, damit man noch vorher ausrücken kann?"

,, Kinder, Ihr braucht nicht fort. Das ist ja Unsinn. Es hat doch jeder Play."

,, Nee, mit Haueisen bleib ich nicht," beharrte Sturt. Ueberleg Dir's, antwortet Mutter. Und Du?"

Ich dent," sagt Erna, er wird mich nicht fressen, man tann ja warten."

Kurt schreit empört: Gell, Du meinst, er heiratet Dich gleich mit? Bleib Du nur, aber ich nicht. Niemals; wenn er sich von mir damals nicht hätte schmeißen lassen, vielleicht. So nicht. Der hat ja gar keine Muskeln, der da."

,, Nun, Du brauchst ihn ja nicht zu heiraten, das laß mal meine Gorge sein, gell?"

Da flingelt es und herein tritt Haueisen.

Nun," fragte er Käthe, ist alles in Ordnung?" ,, Ja, Emil, nur der Kurt ist noch gegen Dich."

So, Du Kurt?" Er lacht, daß man sein Gebiß glänzen sieht,

Nun mal ruhig Kurt, Ihr fennt doch den Herrn Hauelsen?" geht auf Kurt zu und sagt: Shre Stimme zittert.

Hau

-

Haueisen? Der? Jeht weiß ich, warum der immer so falsch grinst, wenn er mich steht. Zu dem soll ich Bater.. Nee, ntemals."

Aber Mutter", wendet sich nun auch Erna zu Kathrine. Herr Haueisen ist doch nicht viel älter als ich?"

Der Jawohl", ruft Rurt, ber soll die Erna heiraten und Dich in Muhe lassen."

Nun wird aber bie Frau unsicher. Nicht viel älter als Du? Er ist an die Dreißig."

,, Na ja, aber ich meine nur, ber ist für Dich doch nichts, der paßte boch eher für mich."

Sehr richtig Ernal Mutter, Du kannst doch nicht verlangen, daß wir den Haueisen als Bater ins Haus nehmen? Also, dann sleh ich aus."

Ja, ich muß dann wohl auch fort, Mutti, ich glaub immer, Du hast Dir das nicht richtig überlegt. Weißt Du..., läßt sich das nicht noch rückgängig machen?"

Mutter Schaumann fleht auf ihren neunjährigen Felig: Ich hab es mir hundertfach durch den Kopf gehen lassen.. Bielleicht hätte ich es Euch eher berichten sollen, nun ist es zu spät." Sie schämte sich beinahe vor ihren Kindern.

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,, Wollen wir' s mal zusammen versuchen?" Er hält ihm die Hand hin ,,, na schlag ein! Wir wollen gute Freunde werden." Da sieht sich Kurt verzweifelt im Zimmer um, aber feiner tommt ihm zu Hilfe. Er blinzelt auch einmal zur Tür, als wolle er an Emil vorbei zum Loch hinaus. Dann ergreift er doch ble bar. gebotene Hand, den Kopf aber wendet er noch ab.

Aber Vater sag ich nicht," protestiert er, um doch noch zu zeigen, daß er grollt.

,, Gut, den Bater schent ich Dir," antwortete ihm Emil lachend, weißte was? Nennst mich Onkel."

,, Auch nicht, ich werde Sie einfach Du" nennen."

" Ist mir recht, im Mai werde ich sowieso erst offiziell Dein Bater, bis dahin bin ich es vielleicht schon in Deinem Herzen, meinst nicht?"

Kurt blieb die Antwort schuldig, doch der Mutter Augen glänzten, sie wußte, alles würde gut gehen.

Erna hat sich mit Tränen in Augen aus der Stube geschlichen, und Felig ruft vergnügt:

,, Nun bist Du unser neuer Bater, bringst Du uns auch noch Kinder mit?"

Werden leben, werden sehen," meint der, Räthe und Emil aber lachen geschämig....