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Nummer 14 Heimweh 1Z.NprNly22 �lntsrhaltunHsbeilage öes vorwärts Awisthen Generalprobe unö Premiere. Von Karl Ettlinger (München ). Der Herr Direktor und der Herr Regisseur gehen von der Generalprobe nach Hause. Der Regisseur: Also so eine Sorte Autor ist mir in meiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen. Verrückt, einfach oerrückt. Und dieser Jüngling mit lockigem Haar will mir altem. erfahrenem Theaterhasen Ratschläge geben. Der Direktor: Sie haben ganz recht, lieber Müller. Der Regisseur: Ich Hab ihm in aller Freundschaft gesagt: �Lieber Meister, Ihr Stück ist Mist, Blödsinn, die Langeweil« In sechster Potenz." Aber bei dem Kerl hilft ja alles liebenswürdige Aureden nichts. Wissen Sie, was das heute abend wird? Ein Theaterskandal. Ich garantier« Ihnen, nach dem zweiten Akt sind nur noch drei Leute im Parkett. Der Direktor: Sie haben ganz recht, lieber Müller. Der Regisseur: Und diese mimosenhafte Empfindlichkeit. Weil ich das bißchen Mond scheinen lasse, wo er Sonnen- schein vorschreibt, schlägt er Krach:Aber der Chor singt doch: Die Sonne lacht", Herr Regisseur."-- Haben Sie schon solch« Einwände gehört? Dann hat eben einfach der Chor zu singen: Der Mond lacht". Aber so«in junger Autor hält jedes Wort von sich für eine göttliche Ofenbarung. Der Direktor: Sie haben ganz recht, lieber Müller. Der Regisseur:Lieber junger Freund," Hab ich zu ihm gesagt,wir haben da acht reizend« weibliche Beine engagiert, die müssen Sie unbedingt in das Stück hineinbringen." Statt einen Freudenschrei auszustoßen, dreht er mir den Rücken zu. Das sind die jungen Autoren von heute. Aber ich wasch' meine Hände in Unschuld. Der Direktor: Waschen Sie, lieber Müller, waschen Sie. Der Regisseur: Solange es solche Autoren gibt, sollte man überhaupt nur mit einem Maschinengewehr auf die Probe kommen. Da ist meine Elektrische. Servus, Herr Direktor. Der Direktor: Adieu, lieber Müller. Und Sie haben ganz recht.(Der Regisseur springt auf die Elektrische.) Man muß immer objektiv sein: gestern Hab ich dem Autor versichert, daß er ganz recht habe, heute versichere ich's dem Regisseur. In Wirklichkeit hat nur einer recht beim Theater: der Kassenbericht. Die Souffleuse fährt von der Generalprobe im Omnibus heim und tut dabei etwas, was ihr in ihrem Berus schon viel« Grobheiten eingetragen hat: sie denkt. Und zwar folgendes: Also ich kenn mich in dem Soufflierbuch nicht mehr aus. Auf seder Seit« zehn blau« Striche und fünfzehn Bleististeinträge. Und was auf Seite eins steht, wird auf Seite fünf gesprochen: und wo steht:Der Vorhang fällt", geht der zweite Akt an. Ich kenn mich nicht mehr aus. Aber«in fescher Kerl ist der Autor. Er Hot so liebe Augen. Und wie er den Regisseur angefahren hat. so hat mich lang' nichts mehr gefreut. Und wie der Regisseur dann ihn an- gefahren hat es war entzückend. Und wie sich die Solisten all« geärgert haben es war himmlisch. Ach, und wie die Soubrette beim Umbau über das Derfatzstück gestolpert ist e» war wonnig. Einfach wonnig. Aber In dem Soufflierbuch kenn ich mich nicht mehr aus. Und so liebe Augen hat er... so lieb... Ein Kritiker, der der Generalprob« beigewohnt hat und sich nun auf dem Weg« nach seinem Stammcafe befindet: Der erste Akt: O Gott..., der zweit« Akt: O Gott, o Gott ..., der dritte Akt: O Gott, o Gott , o Gott ... Er denkt lieber an etwa» anderes. Der Komiker hat soeben seinen Nachmittagskejse« getrunken «ld wirft sich nun auf die Chaiselongue: In vier Stunden ist die Premiere. Ob ich noch schnell mein« Roll« lerne? Nein: ersten» ist e» überhaupt keine Rolle, und zweiten» Hab ich noch n i« ein« Rolle gelernt. Da» stumme Spiel während der Verlegenheitspausen, da, ist ja, was mich berühmt g«. macht hat. O, diese modernen Operetten. Wenn ich mir vev» gegenwärtig«, wie ich damals bei der Uraufführung derFledew maus" den Frosch gespielt er vergegenwärtigt e« sich n i ch t, we» er damals noch nicht beim Theater war... Mir scheint, jetzt Hab ich auch noch mein Stichwort vergessen... Und das war da» einzige, was ich überhaupt gewußt habe. Cr gähnt. Warum streiten sich der Autor und der Regisseur immer? Das kann doch nicht ausschließlich zu meinem Vergnügen geschehen?... Der Regisseur sagt, ich soll von recht» auftreten, der Autor sagt, ich soll von links auftreten: folglich komme ich au» der Versenkung. Ob ich im zweiten Akt wieder den Witz au» dem Jahrgang 1839 derNiegenden Blätter" Improvisiere? Warum nicht? Der hat noch in jeder Operette gewirkt. Der Autor wird weinen, aber'» Publikum wird lachen. Er gähnte. Kathi, wenn jemand nach mich fragt, dann sagen'», ich bin beim Rollenstudium. Er schläft ein. Einige Statisten unterhalten sich in der Stehbierhalle: Also, wenn noch einem solch enen Krach auf der Generalprob'n kein unerhörter Erfolg wird, nacher glaub ich überhaupt an keinen Aber- glauben nicht mehr. Er singt leise den Schlager der Operette: ... Dann leg' ich meine beiden Arme stramm. Um dein« süßen hundert Kilogramm Und seufze: Ach, welch eine Himmelslust, Zu ruhen sonst an" Der im Lokal befindliche Musikautomat wartet den unvermeidlichen ReimBrust" nicht ab, sondern explodiert vor Entsetzen schon vorher. Der Autor ist einige Stunden geistesgestört in der Stadt umhergeirrt und hat sich unter den Kirchtürmen denjenigen aus- gesucht, an dessen Spitze er sich aufzuknüpfen gedenkt. Jetzt ist er in ein Restaurant geraten und stiert verwirrt in die Speisekarte, während der Oberkellner abseits im Telephonadreßbuch die Nummer der Sanitätswache sucht. Mir ist alles wurscht... alles. Schweinebraten mit Ge­rösteten? Nein, das ist mir zu fett.... Wenn jemand behauptet, die Operette wäre von mir, die sie da spielen nachher schlag' ich ihn tot... wenn ich noch die nötige Energie dazu hob. Denn mir is alles wurscht... alles. Den Regisseur, den sollte man zu einem zwanglosen Strychninfrühstück einladen.... Und die Sängerin... die Sängerin... Hammelrippchen mit Bohnen, nein, das Hab ich erst gestern gegessen.... Also, wenn ich da» Publikum wär', ich tät's auspfeifen. Glatt auspfeifen.... Wird das Publikum auch ohne mich tun.... Aber mir is ja alle» wurscht... alles.... Wie gut hat's doch ein Missionar, der unter die Kannibalen gerät, gegen einen Autor, der unter die Operettenstars gerät.... Aber mir is ja olles wurscht... alles.... Na, die Presse kann morgen gut werden.... Um acht Uhr beginnt die Hinrichtung.... Lieber Gott, laß um sieben Uhr den Blitz in das Theater einschlagen, oder.... Aber mir i» ja alle»... Er versenkt sich in die Speisenkarte.--- Nachspiel bei der gemütlichen Zusammenkunft nach der Premiere. Der Direktor erhebt gerade da» Sektglas und bringt einen Toast aus, in dem es unter anderem heißt: ,... Und wenn ich mich frag«, wem ist der heutig« jubelnde Erfolg zu verdanken? Mein« Damen und Herren, einzig und allein dem einmütigen, harmonischen Zusammenarbeiten von Autor, Regisseur und Dar- stellern. Da» gemeinsam« hohe Ideal, da» Operettendichter und Operettenpersonal in stiller, friedlicher Arbeit oereinigt, nur diese» ist es, welche»..." Der Dichter kann selbst mit den glänzendsten Farben seiner Kunst einen Naturgegenstand nicht so ausmalen, daß man feine Beschreibung für eine wirkliche Landschaft hält. H u m«.