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Nummer 27

Heimwelt

20. Juli 1922

J

Unterhaltungsbeilage des Vorwärts

Theaterferien.

Bon Peter Michel

Der Sommer brütet auf der Stadt, Die Lüfte glühn und kochen,

und wer das nöf'ge Kleingeld hat Berreift auf ein'ge Wochen.

Den einen zieht es nach der Schweiz

Und ihren ew'gen Gletschern,

Dem andern scheint's ein größerer Reiz, Im Meer herumzuplätschern. Das Bein stolziert

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hollodrio!

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Im grünen Badenstrumpfe, Der Bademantel, as Trikot

Erringen jetzt Triumphe.

Im Schranke hängt der Frack verwaist Samt all dem andern Krempel.

In diesen Tagen schließt zumeist

Thalia ihre Tempel.

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Und aus der Welt des schönen Scheins Des Schwindels, nennt's die Profs Zieht aus die Elfa, der Karl Heinz, Die Wolfin und der Posa,

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Man tüßt die Hand, man lüpft den Hut. Sagt: Servus, Gott befohlen!"

Und denkt dabei: Berdammte Brut!

Der Deibel soll euch holen!

Wie bin ich froh, daß ich euch mal

Für ein'ge Zeit entwische!-

Und schon beim nächsten Morgenstrahl

Geht's in die Sommerfrische.

Es steht ein Haus auf hoher Alm Im prallen Schein der Sonne.

Fern von der Städte Staub und Qualm

Haust dort die Primadonne.

Im Dirndlkleid bis an die Knie Und den foldehaaren

Hopst munter auf der Wiese sie Troß ihren hmzig Jahren.

Sie schlingt gefchickt um ihren Kropf Ein Lüchlein buntgetüpfelt, Sie flicht sich Kränze für den Kopf, Juhut und schnadahüpfelt,

Und rupft der Ochs vom Schädel ihr Den Blumenschmud, den melten, So streichelt fie das füße" Tier Und will es durchaus melken.

Indeffen füllt ihr Partner grad', Tristan der Vielgetreue,

Am Brunnen im Marienbad Sein Kurglas stets aufs neue.

Es schmückt ihn, wo er geht und steht,

Ein dicker Pelz von Biber;

Denn: Auf den Höhn der Menschheit meht

Gin scharfer Mind, mein Lieber!"

Wen er beglückt mit seiner, Gunft,

Rann stündlich von ihm hören,

Wie leid's ihm ist, mit seiner Kunst

Die Weiber zu befören.

Es ging um ihn von Kind und Mann

Die schöne Gräfin Friesen,

Und manche tat sich schon was an,

Weil er sie abgewiesen.

Selbst bis an einen Königsthron

Spült eines seiner Dramen,

Jedoch er hält auf Diskretion,

Drum nennt er feinen Namen.

Der erste Held ging in die Schwetz­Das heißt, in die in Sachsen ! Sechs Wochen vorher ließ bereits Er sich den Schurbart wachsen.

Am Elbestrande wandelt er, Hoffährtig wie ein Godel, Und äugt dabei von oben her Auf Pöbel durchs Monokel. Er hält von unsrer Politik Die Deutsche Tageszeitung,

Drum schimpft er auf die Republik Und ihre janze Leitung",

Auf seine Reden lauschen brav Drei biedre Ehemänner.

Die Kellner nennen ihn: Herr Graf", Denn sie sind Menschenkenner.

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Auf völlig anderen Bahnen fährt

Der würd'ge Heldenvater.

Er haßt, obschon es ihn ernährt, Inbrünstig das Theater.

Sein Sinn steht nach Familienglüd, Die laute Welt beirrt ihn,

Drum zog er sich aufs Land zurüd, Und zwar mit seiner Wirtin. Man munkelte schon lange Zeit,

Daß beide etwas haben,

Jeht sieht man ständig sie zu zweit

Mit einem muntern Knaben.

Sie achten sorgsam auf ihr Kind.

O wie den Eltern grauste,

Als einst ein Auto pfeilgeschwind Des Wegs vorübersauste.

Mit einemmal gab's einen Krach,

Am Wagen sprang die Kette ,.

Und plöhlich rief der Mime: ,, Ach,

Da sitt ja die Soubrette!"

Sie war's! Bom Kopf bis zu den Zehn

In Lederdreß gekleidet,

Und neben ihr saß der Mäcen,

Den ihr so manche neidet.

Er hat viel Geld, das in der Hut

Der Amsterdamer Bank ist,

Er hat ein großes Rittergut Und eine Frau, die frank ist.

Er machte Schmalz in schwerer Zeit- Woraus, ist unbeschreiblich

Nun ist sein Herz der Kunst geweiht, Sofern sie jung und weiblich.

Der ganze Thespistarren reift. Nur eine blieb zu Hause:

Das ist der alte Raftengeist,

Die gute Mutter Krause.

Im Rampenlicht stand einst auch sie,

Der hohen Kunst beslissen,

Bis ihr, da sie zu heftig schrie,

Im Halse was gerissen.

Seit dem

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bei der Erzählung tropft

Es heißt von ihren Nüstern

Seit dem ist ihr Organ verstopft,

Jetzt fann sie nur noch flüstern.

Des Busens Schmerz, der streng und scharf,

Rann nur das eine lindern,

Wenn sie mal rezitieren darf

Bor ihren Entelfindern.

Als Hirtenstab den Besen, steht Sle da und schwenkt die Glieder Und frächzt dabei: Johanna geht, Und niemals fehrt sie wieder." Wenn dann des Herbstes Nebelflor Erstickt des Sommers Flammen, Dann findet auch Thaliens Chor Sich wieder facht zusammen. Da werden Küsse ausgetauscht, Und Freudentränen rinnen,

Die Glocke schrillt, der Vorhang rauscht­Das Spiel fann neu beginnen!