Jugend- Vorwärts
Nr. 3
Beilage zum Vorwärts
21. März 1926
Der Weg zur Freiheit.
ihm Brot und Auskommen fichert. Und wir wollen, daß die Bindungen, die den einzelnen Menschen immer an sein Volt und an die Menschheit fetten werden, so gestaltet werden, daß er die Frethelt erhält, sein personliches Leben nach eigenen Wünschen und Nelgun
Wir wollen euch Jungen, die ihr nun mit heißem Herzen| Bolt, Jeder einzelne in der großen Menschheit einen Platz findet, der hinausstrebt in die weite Welt des bunten Lebens, nicht mit großen Lebensregeln in den Weg treten. Sie würden wenig fruchten, denn ftärker als Ermahnungen ist euer Wille zum Leben, das nicht mehr Gebunden ist an die harten Gesetze des achtjährigen Schulzwangs, stärker ist eure Sehnsucht, in dieser Welt nun endlich als ganze Menschen gewertet zu werden.
Es wäre auch nicht sozialistisch, diese Sehnsucht zu betritteln und den Willen nach der Geltung im Leben zu brechen. Auch wir wollen, daß das Geschlecht proletarischer Jugend start und fret erhobenen Hauptes durch das Leben schreitet. Und wenn wir jetzt an dieser Wende eures Lebens euch in unsere Mitte nehmen, so treibt uns der Wille, euch zu stärken und euch den Weg zu weisen, auf dem ihr euch troß der Härte dieser Zeit. euren Lebenswillen, euren Lebensmut erhalten fönnt.
Es ist schon recht, wenn ihr diesen Tag erwartet habt als.elnen Tag der Freiheit. Der Freiheit von den alten Bindungen der Schule, dle acht Jahre hindurch die Stunden eurer Kindheit zerschnitt und oft mit harter Hand in die herrliche Welt eurer Phantasien griff. Die Schulzeit ist nun vorüber, die Lehrer werden nun nicht mehr hinter euch stehen, euer Tun und Laffen zu prüfen, eure Eltern werden auch über furz oder lang freigeben müffen, thre Sorgen, die euch oftmals harter Zwang dünkten, werden nicht mehr Stunde um Stunde um euch sein, und eines Tages werdet ihr als Erwachsene von den Eltern schelden, um das elgene Leben ganz nach eignem Willen zu gestalten.
Hört...!
Jugend.
Es bohrt... und stemmt.... Und wühlt..
Und drängt...!.
Hebt quellenungestüm Die Erdwucht,
Die fich widerwillig zäh zum Lichtebäumt... Hebt engverfilztes Wurzelnet, Das flechtenwirt
Darüber hängt.
Begräbt in derben Schollenbrocken Halbes
Schwaches Grün
Das angegilbt verträumt... Und platzt
Gewaltig... Jugendstark Ins Jetzt!!
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Wie fäfteftraffer, ranter Reim, Der daselushell aus dunkler Fäulnis Bricht
Und formenglattes Erdreich bröckelt Und verletzt.
gen zu gestalten. Alle Menschen follen fo gläubig und zuversichtlich im Leben stehen, wie ihr jest in den Bund der arbeitenden Menschen eintretet.
So ist eure Sehnsucht unsere Sehnsucht, und darum ist auch unser Weg euer Weg. Kommt zu uns! Sett dem Zwang des Lebens und der Arbeit die Gemeinschaft der Gleichgesinnten, die Solidarität ber arbeltenden Jugend entgegen. Nur so gewinnt ihr die Frethelt, bas Leben zu gestalten nach euren Idealen.
Es ist nicht die Pflicht der Werbung, die uns die Feder in die Hand drückt, die uns drängt, euch zu rufen. Es ist der Geist der Kameradschaft und der Freundschaft, der uns bewegt. Wir sehen vor uns die Zahllosen, ble in früheren Jahren den Marsch ins Leben an traten. Ste waren, mle ihr, begeistert und voller großer Pläne. Wir haben auch damals gerufen, Biele tamen nicht. Gle meinten, daß sie es allein schaffen würden. Sie wollten zum Zwang der Arbelt nicht auch den 3wang der Einord nung in eine Gesinnungsgemeinschaft fügen. Und wo find sie geblleben? Wir fanden sie nicht im stiffen Käm merlein, wo sie sich mühen, mit den Problemen des Lebens fertig zu werden. Sie haben auch die Gesellschaft der Altersgenossen gesucht, weil Jugend immer die Gemein schaft fucht. Aber ihre Gesellschaft suchen sie auf Tanzböden, in Kinos, oder auf der Straße. Ihre Lebensbegeisterung ist dahin, sie ist zerbrochen wie sprödes Glas, als das Leben sie hart anfaßte. Und nun jagen fie einem Trugbild nach, suchen sich zu betäuben mit Alkohol und Nikotin, suchen schlechte Gesellschaft, titschige Literatur und seichte Filme. Noch in der Blüte ihrer Jugend hat sie das Meer des Lebens schon an den Strand gespült. Und während fle sich wunder wie erwachsen und erhaben fühlen, wenn sie als Siebzehn- oder Achtzehnjährige mit ihren erwachsenen Leidensgenossen vor ihrem Glas Bter fizen, fte sind in Wahrheit doch recht arme Wichte. Menschen, die sich nicht nur im Alltag nicht behauptet haben, sondern die nun auch ihre Freiheit allen möglichen Lastern und Ungezogenheiten ausgeliefert haben. Die ganz frei sein wollten, find Knechte geworden.
Und kühn durch dumpfe Schwere Sticht!
Alles schon recht. Aber das ist doch nur die Lösung alter Bin bungen. Vielleicht auch alten Zwanges. Aber es ist noch nicht die Freihelt. Ehe ihr es noch wißt, seid ihr schon wieder eingeengt durch neue Verpflichtungen, durch einen stärkeren 3wang. Gestern trieb es euch zur Schule, weil unbegründete Schulverfäumnis bestraft wird. Morgen treibt das Leben euch an die Arbeitsplätze weil der Profetarier Arbeitsverfäummis mit Hunger büßen muß. Ihr tennt die Not eurer arbeitslosen Eltern. Ihr habt sicher thre Sorge um das tägliche Brot empfunden, wenn der farge Lohn nicht hinreichen wollte. Diese Gorge ist von morgen an auch eure Sorge. Und se weiter ihr euch von dem Lebenstreis der Kindhelt und des Elternhauses entfernt, desto ständiger wird die Sorge um den Lebensunterhalt euer Begleiter sein.
Keine Macht der Welt fann euch davon befreten. Ihr könnt auch nicht ausbrechen aus dieser Lebensbahn, sondern ihr müßt dem Leben weiterhin bei Strafe des Untergangs euren Tribut zahlen. Freilich ist nicht auf ewig unabänderlich, daß diefer Tribut des jungen Proletarlats an das Leben so groß und schwer sein muß wie In der Gegenwart. Wir wollen gerade, daß dem arbeitenden Menschen ein sorgenfreies Leben bereitet wird, daß jeder in unserem
Eugen Gcafa.Weiß.
Wahre Freiheit, die höchste Erfüllung seiner Sehnsucht, findet nur der Mensch, der die Bindungen seines Lebens erkennt und nun in der Gesellschaft der Gleichgestellten und Gleichgesinnten danach ftrebt, fie zu erfüllen mit einem neuen Inhalt, mit einem Leben der freien Arbelt und der wahren Freude. Diese Gemeinschaft ist für die Jugend allein die sozialistische Jugendbewegung.