Jugend- Vorwärts
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Beilage zum Vorwärts
30. Rovember 1929
Jugendaufgaben nach der Wahl
Bon den Ergebnissen der Novemberwahl sind die der Groß- Berliner Wahl am auffälligften, well fie im Biber spruch zu den übrigen Ergebnissen stehen. Die Bartelen der äußersten Linten und Rechten haben so start zugenommen, daß eine arbeitsfähige Mehrheit im Rathaus taum zustande gebracht werden fann. Eine wichtige Aufgabe für die nächste Zeit ist, die verpestete Atmosphäre des Mißtrauens gegen die Selbstverwaltungskörperschaften zu reinigen und Borbereitungen für die weiteren sachlichen Kämpfe im Intereffe der Arbeiterschaft zu treffen. Es gibt hier sehr viel zu tun; wir wollen aber nur einige Fragen herausziehen.
beime, die meist nur für Männer bestehen, die vorbildlichen Lehrlingsheime mit viel zu wenigen Blähen find stets besetzt. Es bleiben nur jene Arbeiterinnenheime, Jugendbewahrungsheime der freien Wohlfahrtspflege mit ihrem armenpflegerischen", religiösen Anstrich. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Herberge des Gewerkschaftshauses. Die Schaffung von Ledigenheimen und freien weltlichen" Jugendwohnstätten ist für Groß- Berlin viel wichtiger als das von der bürgerlichen Jugendbewegung Berlins geforderte zentrale., Haus der Jugend".
Die Linderung der Unterkunftsnot für ble junge Arbeiterschaft ist brennender als die Schaffung eines zentralen Hauses, das in der Viermillionenstadt doch nur
Bel der Behandlung der Frage Wohnungsnot und Jugend ist ferner nicht zu übersehen, daß die Jungwähler auch insofern ein besonderes Interesse an der Behebung der Wohnungsnot haben, als aus ihren Kreisen die Jungverbeirateten in großer Zahl hervorgehen, die noch immer jahrelang warten müssen, ehe sie in ble Lage kommen, eine eigene Wohnung als ihr Heim einzurichten. Der öffentliche Wohnungsbau wird darum in der Werbung unter den Jungwählern immer eine besondere Bedeutung haben.
Bei den Wahlen in Berlin hat zweifellos die Schicht der Jungwähler eine wichtige Rolle gespielt. Ob sie den Ausschlag nach links oder nach rechts bei diesen Ber - repräsentativen Charakter hat. ärgerungswahlen gegeben haben, steht nicht fest. Wichtig ist aber die Erkenntnis, daß diese Jungwählerschaft von Wahl zu Wahl an Bedeutung zunimmt. Die Stellungnahme dieser Wählermassen wird ganz besonders bei den tünftigen Kommunalwahlen abhängen von den Leistungen, bie im Interesse der erwerbstätigen Jugend erfolgen. Zweifellos sind die unter sozialdemokratischer Führung geschaffenen Einrichtungen auf dem Gebiete des Gesund heitswesens und der Jugendwohlfahrt vorbildlich, aber sie reichen noch nicht aus. Neben der Arbeits. und Berufsnot der Jugend, die nicht nur in Berlin ein brennender Notstand ist, sind es die Wohnungs- und Heimverhältnisse, die ständig unerträglicher werden. Dieses Elend treibt den jungen Menschen auf die Straße mit ihren zersehenden Einflüssen. Hier helfen besser als Geseze zum Schuße der Jugend vor Schmutz und Schund" und schlechten Luftbarkeiten solche Einrichtungen und Maß nahmen, in denen die Jugend ihr Leben entfalten kann und Jugendgemäß gestalten fann. Der Ausbau der Jugendpflege, die weitere Schaffung von Jugendheimen und Sportpläßen muß energisch betrieben werden. Jede bieser Einrichtung macht eine Menge Einzelmaßnahmen der Jugendfürsorge, wie Schußaufsicht und Fürsorgeerziehung, überflüssig.
Besonders interessiert ist die Arbeiterjugend am Stand unseres Bäder wesens. In wachsendem Maße hat man die Bedeutung des Bades als wichtiges Hilfsmittel zur Erhaltung der Gesundheit erkannt. Die Tatsache, daß Berlins Bäderwesen erst an 45. Stelle ber deutschen Städte steht, zeigt, daß die Erkenntnis von der Notwendigkeit des Badens nur erst zu wenigen Taten geführt hat. Was bisher an neuen Hallenbädern und Frelbädern geschaffen wurde, ist ein Wert der sozialdemokratischen Initiative. Um der Bädernot einigermaßen zu steuern, brauchen wir aber neben den Freibädern vor allem Hallenbäder, damit auch im Winter der Badebedarf befriedigt werden kann. Eine Betriebsvereinfachung und Zentralisation der Berwaltung würde die laufenden Kosten verringern. Es handelt sich hier nicht um Lurusforderungen, sondern um lebensnotwendige Bedürf nisse, denn etwa 74 Proz. aller Wohnungen in Groß- Berlin, in Alt- Berlin sogar 86 Proz., sind ohne Badegelegenheiten. Auch um die feit Jahren als notwendig erkannte Forderung der Jugenderzieher und Schulärzte nach Einführung des obligatorischen Schulschwimmunterrichts durchzuführen, muß eine beschleunigte Besserung herbeigeführt werden. Von den 6000 Menschen, die Jahr für Jahr dem Ertrinkungstode zum Opfer fallen, tönnte eine erhebliche Zahl dem Leben erhalten werden, wenn schon in frühester Jugend das Schwimmen gepflegt wurde.
Die andere Seite, des Wohnungselends, trifft Jene große Schar der jungen Arbeiterschaft, die auf der Suche nach Arbeit heimatlos wurden oder aus der entseg. lichen Enge der elterlichen Wohnung flüchteten. Sie leben größtenteils als Untermieter und sind dann nur allzuoft den burch die eigene Not rücksichtslos und brutal gewordenen Bermietern ausgeliefert. Das Schicksal dieser ledigen Untermieter ist viel zu wenig bekannt. Sie hausen in den Arbeitervierteln in sogenannten Wohnkellern oder in Wohnlauben, ständig bedroht vom Gespenst der Arbeitslosigfeit und des Herabfintens ins Lumpenproletariat. Wie oft Es handelt sich hier nur um einige Forderungen an ist einer solchen jungen Arbeiterin oder einem solchen Ar- die Kommunalpolitik im Interesse der erwerbstätigen beiter die Berzögerung der Mietszahlung zum Verhängnis Jugend. Diese Jugend wird in furzer Zeit bei den politischen geworden, indem der Vermieter sich schadlos hielt an den Entscheidungen mitwirken. Die Sozialdemokratie tann sie wenigen Habjeligkeiten des Untermieters. Verzweiflungs- am leichtesten für sich gewinnen, wenn sie auf gute Leistungen taten sind dann die Folge. Aber alle diese Jugendlichen in der eben genannten Art hinweisen kann. Wenn die Sozial Berlin sind noch gut gestellt gegenüber denjenigen, die ihre demokratie jetzt mit verstärkter Kraft an die Arbeit geht, Buflucht zu fogenannten Uebernachtungsheimen nehmen dann tann sie zuversichtlich neuen Wahlfämpfen entgegen mußten. Die wenigen städtischen, einwandfreien Ledigen- fehen. G. B.