Jugend- Borwärts

Nr. 7

Beilage zum Vorwärts

29. Juli 1930

Aufruf an die Jugend!

Der Reichstag ist aufgelöst. Das deutsche Volk ist aufgerufen, am 14. September an die Wahlarne zu freten, um von neuem über sein Geschick zu entscheiden. Die Reichstagsauflösung ist von der Sozialdemokratie erzwungen worden, im Kampf gegen den Generalabbau der sozialen Gesehgebung, wie er von der Bürgerblockregierung Brüning durchgeführt werden sollte: Abbau der Arbeitslosen- und Kranken­versicherung, dazu Einführung der unsozialen Ledigen- und Kopfstener.

Die Auflösung des Reichstags war außerdem notwendig zum

Schutze der Rechte des Volkes,

verankert in der Reichsverfassung von Weimar . Gegen den Willen der Mehrheit der Reichstagsabgeordneten und entgegen den klaren Bestimmungen der Verfassung haben Reichsregierung und Reichspräsident die un­sozialen Steuergesetze verordnet, deren Aufhebung die Auflösung des Reichstags herbeigeführt hat. Von der verfassungswidrigen Anwendung des Artikels 48 der Reichsverfassung bis zur offenen Diktatur ist nur noch ein Schrift. Die Reichstagswahlen sind ein Akt in dem großen

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Kampf zwischen Arbeit und Kapital.

Es geht um die Rechte des arbeitenden Volkes gegen die Interessen der Besitzenden. Zwei Heereshausen stehen sich gegenüber: die organisierte Arbeiterschaft unter den roten Fahnen der Sozialdemokratie und das Bürgertum, zwar gespalten in vielerlei Gruppen und Grüppchen mit kleinlichen Zielen, aber einig in dem Willen, den Einfluß der Arbeiterschaft in Reich, Ländern und Gemeinden zu beseitigen, den Schuh der Arbeit einzuschränken, die Lasten des verlorenen Krieges auf die Schultern der Schwachen abzuwälzen. Kommunisten und Nationalsozialisten haben in diesem gigantischen Ringen durch ihre Hehe gegen die sozialistische Bewe­gung und durch die Züchtung des politischen Rowdytums den Fortschritt gehemmt, die Reaktion gefördert.

Die arbeitende Jugend in Stadt und Dorf kann in ihrer großen Masse noch nicht aktiv mitbestimmen, wohin sich in diesem Wahlkampf die Schale des Sieges neigen soll. Sie ist aber befähigt, durch Wahlhilfe und Auf­klärungsarbeit die Entscheidung mitzubeeinflussen. Sie ist dazu verpflichtet, weil

vom Ausgang der Wahlen jeder Jugendliche persönlich betroffen

wird. Ein Sieg des Bürgertums und der extremen Gruppen bedeutet Sieg der sozialen Reaktion, bedeutet weitere Verschlechterung der Lebenslage des Volkes und der arbeitenden Jugend, bedeutet im besonderen Abbau. oder sogar Beseitigung der Arbeitslosenversicherung für die Jugend und der bescheidenen Anfäße eines modernen Jugendschutzes und Jugendrechtes, bedeutet Einführung der Arbeitsdienstpflicht, Herauffehung des Wahlalters auf 25 Jahre und fördert den Faschismus.

An die Jungwähler ergeht der Ruf,

fich restlos an der Wahl zu beteiligen. Rund drei Millionen junge Männer und Frauen im Alter von zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren sind wahlberechtigt; sie können fünfzig Abgeordnete wählen. Bei den Stärkeverhältnissen der Parteien sind diese Abgeordneten das 3ünglein an der Waage in den kommenden politischen Auseinander­setzungen. Von den Jungwählern wird es im starken Maße abhängen, ob in Zukunft die soziale Demokratie im Geiste der Verfassung von Weimar, oder ob der Portemonnaieftandpunkt der Krauter und Junker die Gesez­gebung beherrschen. Die Entscheidung kann nicht schwer fallen.

An unfere Jugendgenoffinnen und-genoffen appellieren wir,

sich in bekannter und bewährter Weise der Sozialdemokratischen Partei 3rr Wahlarbeit zur Verfügung zu stellen. Die Sozialistische Arbeiterjugend hat die Pflicht, in der Wahlschlacht der Arbeiterbewegung die begeistertfie und arbeitsfreudigste Truppe zu stellen. Sie hat mit dabei zu sein, wenn es zu kämpfen gilt

für den Schutz der Arbeit, gegen die soziale Reaktion

für die Demokratie, gegen den faschismus

für den Sozialismus, gegen den Kapitalismus

Der Hauptvorstand des Verbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutſchlands