A Mitteilungs- Blatt
des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend.
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Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post. Redaktion u. Verlag: 0.27, Schicklerstr. 5. Fernruf: Alexander, 3007. Nr. 24. Berlin, den 9. September 1917.
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12. Jahrgang.
Regierungsfozialistische Katbalgereien.
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Berlin, den 4. September 1917.
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Reichstagsanflösung und Neuwahlen? Soldaten nicht wählen dürfen. Es ist aber be, mann in die Wolle gebracht. Dieser Herr hat schon Zwischen dem Grafen Reventlow und dem zeichnend, daß auch weder der Vorwärts" noch manche Sensationsleistung vollbracht. Schrieb er regierungssozialistischen Zentralorgan tobt seit Dr. David fein Wort über die Aufhebung des doch seinerzeit in seinem Chemnizer Blatte die langem ein grimmer Streit. Der Herr Graf leit- Belagerungszustandes und der Zensur für etwaige klassischen Worte:„ Ich gehe zu Hindenburg!" Und artikelt täglich spaltenlang in der Deutschen ständlich? Nach den Erfahrungen, die sie bisher teure der„ Humanité" und Kollegen Jean Jaurès Neuwahlen sagen. Erscheint ihnen das selbstver- nicht vergessen darf ihm werden, daß er die RedakTageszeitung" gegen den Scheidemannschen ,, Bankerottfrieden" und gegen die ach so kümmerlichen in puntto Belagerungszustand haben machen kön- der Mittäterschaft am Morde dieses großen SoziaDemokratisierungs- Experimente des Juliblockes. nen, sollte ihnen doch bewußt sein, daß es bei den listen beschuldigte. Da die„ Deutsche Tageszeitung" Der Vorwärts" dagegen sucht nachzuweisen, daß Selbstverständlichkeiten doppelt und dreifach zu sons behauptet hatte, die deutsche Demokratie habe heutigen Zeitverhältnissen notwendig ist, auch in bezug auf die Erörterungen der Antwort Wildie Friedensresolution der Reichstagsmehrheit unterstreichen. Herrn Davids ganze Sorge besteht sich auf die Seite Wilsons gestellt, schrieb Herr und die Parlamentarisierung der Welt im allge= meinen und dem deutschen Volke im besonderen darin, Arm in Arm mit den bürgerlichen Freunden Heilmann aufgeregt, man begreife angesichts soldas Heil bringen werde. Jeder der beiden Kämpen schieren. Außerdem hat er ein feines, technisches litiker wahnsinnig geworden seien, oder„ ob lauter des Juliblockes in den Wahlkampf hineinzumar- cher Behauptung nicht mehr, ob die deutschen Pobehauptet, die Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich zu haben. Schließlich hat sich Graf System ausgetüftelt, das den Feldgrauen die Verbrecher jetzt die Zeitungen schreiben", die BeReventlow dafür ins Zeug gelegt, daß der gegen Wahrnehmung ihres Wahlrechtes ermöglichen soll. hauptung der Deutschen Tageszeitung" sei eine wärtige Reichstag aufgelöst werde und daß Neu- Von irgendwelchen sozialistischen Zielen dreiste Unwahrheit, nur der Vorwärts" wahlen stattfinden sollten. Der Vorwärts" hat für einen Wahlkampf ist bisher weder im Vor- habe sich auf die Seite Wilsons ge= diesen Gedanken aufgegriffen und Herr Doktor wärts" noch in der anderen regierungssozialisti- le II t. Das ging dem braven Sozialpatrioten David hat bereits einen fix und fertigen Feldzugs- schen Presse die Rede gewesen, und der Einpeitscher Stampfer gegen den Strich. Heute ist zwar in plan für etwaige Kriegsneuwahlen entworfen. David schweigt erst recht davon. Für ihn genügt Deutschland jeder zweite Mensch ein offener oder An der Seite des Grafen Reventlow fechten jetzt als etwaige Wahlparole:„ Verständigungsfrieden versteckter Freund oder Agent des feindlichen Ausdie ,, Kreuzzeitung" und andere alldeutsch- konser- und freiheitliche Neuordnung im Innern". Ver- landes; mußte sich doch sogar kürzlich die natiovative Organe, während die von Stampfer in- ständigungsfrieden natürlich in der verwaschenen nalliberale Reichstagsfraktion von der„ Kreuzspirierte regierungssozialistische Parteipresse dem und objektiv unehrlichen Form der Mehrheits- zeitung" sagen lassen, daß Lloyd George an ihr seine ,, Vorwärts" sekundiert. resolution und innere Neuordnung nach dem Freude haben werde. Aber Herr Stampfer konnte Der gegenwärtige Reichstag vegetiert nun schon Muster der bisherigen demokratischen Glanz- den Heilmannschen Tusch nicht auf sich sitzen lassen. im siebenten Jahre. Er ist, darin hat Graf Revent- leistungen des Juliblockes! Und in solchem Zeichen In seiner sentimental- weinerlichen Art legte er im low Recht, unter ganz anderen Voraussetzungen will die sozialdemokratische Kampfpartei der Vorwärts" mit Namensunterschrift vor aller gewählt worden und daher überreif für die Auf- Parteivorsitzende Ebert behauptet ja heute noch, Welt Zeugnis ab von seiner treudeutschen GeArm in Arm finnung. Seine Verteidigungsepistel ist so rührend, lösung Gegen einen Appell an das deutsche Volt daß seine Partei eine solche seiwäre also unter normalen Verhältnissen nichts ein- mit 3entrumsmännern und der liberalen Bour- daß wir sie wenigstens teilweise in unserem ,, MitEs heißt zuwenden. Aber den Reventlows liegt natürlich geoisie in einen Wahlkampf gehen, der wie nie teilungsblatte" wiedergeben wollen. nicht das mindeste an einer ehrlich demokratischen einer zuvor über die Geschicke des deutschen Volkes darin: Neuwahl. Am liebsten wäre ihnen, wenn die Re- entscheiden soll. gierung den Reichstag nach Hause schickte, die Neu- Die Alldeutschen und Konservativen und vor noch schärferer Betonung als irgendein reaktionäres Blatt wahlen bis nach Friedensschluß hinausschöbe und allem die hinter diesen stehenden ökonomischen gegen das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei ohne parlamentarisches Feigenblatt nach innen Kräfte gehen aufs Ganze. Graf Reventlow liefert die verleumderische Behauptung, es habe sich auf die Seite und nach außen eine Politik der gepanzerten Faust ja nur die Ideologie und die journalistische Inter- einer Macht gestellt, mit der sich Deutschland im Kriege durchführte. Dieser Gedanke ist aber zu schön, als pretation ihrer letzten Ziele. Auch die Heeres- befindet. Und das, weil der Vorwärts sich erlaubt hat, daß er verwirklicht werden könnte. Darum ruft leitungen zeigen täglich, wie sie geradlinig auf die Bedingungen der Wilson- Note ohne Gereiztheit zu der alldeutsch- konservative Herold nach Neuwahlen, ihre bestimmten militärischen Ziele losgehen. Nur prüfen und wahrheitsgemäß festzustellen, daß die einzige aber so, wie er sie versteht. Er denkt natürlich die abhängige deutsche Sozialdemokratie will von in ihr wörtlich ausgesprochene Bedingung, die Demokratinicht an ein offenes, ehrliches Messen der politi- einem entscheidenden Wahlkampf von dieser Gerad- fierung Deutschlands, den Wünschen des deutschen Volkes schen Kräfte, sondern verlangt sachliche Auf- linigkeit in der Verfolgung ihrer demokratischen selbst entspricht. klärung des Volkes durch die berufenen amtlichen und sozialistischen Ziele nichts wissen. Doch das Stellen". Also Landratswahlen, verschärft durch mögen die Parteidiplomaten und Parteiſtrategen wird es immer geben. Aber Denunziationen aus den Belagerungszustand und Zensur! mit sich abmachen.
J. K. kontra ,, Vorwärts"
oder
„ Die Internationale Korrespondenz erhebt damit mit
Meinungsverschiedenheiten hat es immer gegeben und
eigenen Reihen sind eine neue und hoffentlich vorüber
hat, unterzeichne ich diese Entgegnung mit meinem Namen. Für diejenigen, die mich nicht kennen, füge ich hinzu, daß ich vom ersten Tage des Krieges an bis zum heutigen Tagemit der einzigen Unterbrechung meines Felddienstes die Sache der deutschen Landesverteidigung täglich publizistisch vertreten habe."
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Reichstagswahlen unter Belagerungszustand Sollte es wirklich zu einem Wahlkampf fom- gehende Erscheinung in der sozialdemokratischen Parteiund Zensur wären ein Experiment, gegen das die men, ob mit, ob ohne Belagerungszustand, so wird geschichte. berüchtigten Volksabstimmungen Napoleons III. für uns die Parole lauten: Für einen Frieden demokratische Musterleistungen gewesen wären. ohne Annexionen und ohne Kriegsentschädigungen brecher jetzt die Zeitungen schreiben", sondern daß einzig Da Ernst Heilmann versichert, daß nicht lauter BerWenn der Gedanke an Neuwahlen während und unter Wahrung des Selbstbestimmungsrechtes und allein der Vorwärts sich auf die Seite Wilsons gestellt des Krieges wirklich ernsthaft erörtert werden soll, der Völker, für Sozialismus und Demokratie. dann ist die erste und unbedingte Voraussetzung die Aufhebung des Belagerungszustandes und der Zensur, die restlose Sicherstellung aller gesetzlichen Bestimmungen, die für den Wahlkampf gegeben sind. Sonst wird die ganze Wahl zu einer elenden Komödie, die im Innern feine Klärung schaffen und nach außen den gegnerischen Kriegshehern Seit Herr Heilmann der geistige Leiter der einen unbezahlbaren Agitationsstoff liefern würde. J. K. ist, liebt er es, sich am„ Vorwärts" und Völlig unter die Räder aber kommen würde ein besonders an Herrn Stampfer zu reiben. Wie es baldiger Friede. Eine zweite Voraussetzung wäre, ja überhaupt mit der Einigkeit im Lager der daß alle zurzeit im Militärdienst stehenden Wähler Regierungssozialisten sein eigenes Bewenden hat. auch ihr Wahlrecht ausüben können, und zwar frei und ungehindert. Denn ohne die vielen Millionen wahlberechtigter Männer, die jetzt aus tem bürgerlichen Leben herausgerissen sind, würde die Neuwahl einer jämmerlichen Mißgeburt gleichen.
Wer ist der größere Patriot?
Kürzlich hat nun Heilmann dem armen Stampfer ganz empfindlich auf die Füße getreten. In der esprechung der Antwort Wilsons auf die Friedensnote des Papstes hatte Stampfer die Bemerfung gemacht, daß die undemokratischen innerpoliDie Reventlows schweigen sich über diese un- tischen Zustände Deutschlands ein großes Friedens erläßlichen Voraussetzungen aus. Ja, in der hindernis seien und daß es keine Schande für das ,, Kreuzzeitung" hielt es ein als miles( Soldat) deutsche Volk sei, wenn es Wilsons Forderung auf zeichnender Einsender für selbstverständlich, daß die Demokratisierung erfülle. Damit hat er Herrn Heil
Diese Kazbalgerei zweier regierungssozialistischer Federhelden, die täglich im Namen der deutschen Arbeiterschaft schreiben, ohne mit der eigentlichen Arbeiterschaft irgendwelche Fühlung zu haben, wäre an sich belanglos. Es birgt sich dahinter aber ein sehr tiefgehender Meinungsunterschied in den Kreisen der führenden Regierungssozialisten. Einmal passen den erklärten Sozialimperialisten die hysterischen Demokratisierungstiraden des„ Vormärts" nicht in den Kram, dann haben aber auch die führenden Gewerkschaftsgrößen offenbar kein rechtes Interesse an dem Jdeal eines parlamentarischen Regimes, wie es dem Stampfer- ,, Vorwärts" vorschwebt. Das geht ziemlich deutlich aus einem