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A Mitteilungs- Blatt

des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend.

Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.- Redaktion u. Verlag: 0.27, Schicklerstr. 5. Fernruf: Alexander, 3007. Nr. 18. Berlin, den 4. August 1918.

13. Jahrgang.

Offene Feinde und falsche Freunde des Sozialismus.

Ein Auferstandener.

Berlin, den 30. Juli 1918.

des deutschen Volfes. Der Gedanke, die sozialdemokra- schon längst, daß unter der Decke der patriotischen tische Arbeiterschaft, die doch mit uns um Leben und Phraseologie der Klasseninstinkt der Kapitalisten Der Vorwärst" hat dieser Tage an die letzte Sein kämpft wie alle übrigen Volksglieder, durch und Reaktionäre lustig weiterwuchert und daß diese große Friedensdemonstration der Berliner Arbeiter fortwährende Zugeständnisse bei guter und Reaktionäre lustig weiterwuchert und daß diese vor Ausbruch des Weltkrieges erinnert. Er nennt gaune zu erhalten und sie für die Erfüllung ihrer ein- Herrschaften mit weit mehr Klarheit und Energie, vor Ausbruch des Weltkrieges erinnert. Er nennt fachen Pflicht zu belohnen, trägt unheilvolle Früchte. ihre Klasseninteressen verfechten, als es gewisse jenen 28. Juli 1914 einen Ehrentag der Berliner Arbeiter und meint, diese könnten mit tiefer Genug- fehlte staatssozialistische Maßnahmen Klasseninteresse tun. Das wissen die Macher des Das deutsche Wirtschaftsleben, das durch ver- Sozialisten und Arbeiterführer für das proletarische tuung an diesen Tag zurückdenken. Wir, die wir schon genug geschädigt ist, geht nach dem Fri den Reichsverbandes auch recht gut. Darum bieten sie mit der Stimmung der großen Mehrheit der sozia- fchweren Erschütterungen entgegen. Heftige

listischen Arbeiterschaft Groß- Berlins besser vertraut Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, daß der fähigen Kundschaft an. Wie der Herr General listischen Arbeiterschaft Groß- Berlins besser vertraut Lohukämpfe nach dem Kriege find zu erwarten. Die ihre politischen Landsknechtsdienste der zahlungs­find als die derzeitigen Herren im Vorwärts"- nächste Reichstag die Durchführung des bewährten von Liebert einst seine ostafrikanischen Askaris sie haben ja in der Hauptsache mehr mit der Orga- Bismarckschen Grundsatzes des Schutzes der natio- den Buschkrieg führen ließ, so will er jetzt die jour­nisationsbürokratie als mit der eigentlichen Arnalen Arbeit in Stadt und Land" nicht mehr gewähren nalistischen und agitatorischen Askaris des Reichs­beiterschaft Fühlung, fönnen feststellen, daß bei wird. Dann würden Reichstagsauflösungen den denkenden Arbeitern von Genugtuung nicht viel dem Boden obigen Grundsatzes stehen, sich nicht erfolg- men lassen. Aber Landsknechtsheere werden nur sich häufen, wenn die bürgerlichen Parteien, die auf verbandes gegen die Arbeiterbewegung ausschwär­zu spüren ist. Destomehr aber von bitterem In- reich zusammenschließen, um der roten Flut einen mit Geld zusammengehalten. Daher der Appell grimm. Denn sie wissen, daß dem 28. Juli der Damm entgegenzusetzen. an die feuerfesten Geldschränke der Großkapita­

4. Auguſt folgte, der Tag, an dem die leitenden Da gilt es, beizeiten zu rüsten, um die drohenden listen und Großagrarier. Die Herren werden sich Faktoren der deutschen Arbeiterpartei auf ein politischen und wirtschaftlichen Kämpfe beſtehen zu der Mahnung nicht verschließen. Ihr feines Sichaufbäumen gegen das Schicksal" verzichteten. fönnen. Der Friedensdemonstration vom 28. Juli folgte semokratie" muß abermals, wie vor den Wahlen Masseninstinkte" eine sehr gefährliche Sache sind, Der Reichsverband gegen die Sozial- Klaſſengefühl sagt ihnen, daß die proletarischen die von den Instanzen verkündete Harmonieparole, des Jahres 1907, eine umfassende und großzügige Auf- ganz besonders nach den Erschütterungen des Welt­die Festlegung auf den Burgfrieden" und die klärungsarbeit in die Hand nehmen. Dazu bedarf er frieges. Die Reichsverbandsherolde wissen daher weiteren unzähligen Sünden gegen den Geist des erheblicher Mittel und ist am Werke, um diese Arbeit auch ihre Kundschaft an der empfindlichen Stelle proletarischen Emanzipationskampfes, Mit Ge- leiſten zu können, einen Wahlschatz zu sammeln. Wollen wir nicht russischen Zuständen ent- 3 packen. Sie verweisen mit Geschick auf die mugtuung" hat das nicht das mindeste zu tun. gegensehen, wird Opferwilligkeit zur rechten Zeit un- staatssozialistischen" Maßnahmen, die zwar herz­Selbst unter den Arbeitern, die bisher gläubig erläßlich sein, um den Zusammenbruch der bürgerlich wenig vom Geiste unseres Sozialismus an dem sozialpatriotischen Evangelium gelauscht haben, lichen Gesellschaft zu verhüten. ich haben, den Industriemagnaten und Grund­regen sich jetzt Zweifel und Unzufriedenheit mit Wer die Zeichen der Zeit erkennt und dafür ist, herren aber ein Greuel sind. Der Hinweis auf den Führern, deren politischen Praxis zu Beginn daß mit der Fackel der Wahrheit in die weitesten die heftigen Lohnkämpfe nach dem Kriege" zeigt des fünften Kriegsjahres noch genau dieselbe ist Volkskreise hineingeleuchtet wird, um schwere Schädi­gungen des Volksganzen zu verhüten, setzt sich dem deutlich, daß die kapitalistischen und reaktionären wie vor vier Jahren. späteren Vorwurf nicht aus: Du hättest rechtzeitig das Elemente ganz genau wissen, daß der Arbeiterschaft An so manches, was damals geschah, wollen Deine dazu beitragen können, die drohende Gefahr ein Notfrieden bevorsteht, der ihnen den Kampf die Herren nicht gern erinnert sein. Die Tatsache abzuwehren. gegen das Kapital aufzwingt. Für diesen Kampf ist aber nicht aus der Welt zu schaffen, daß viele Wir richten daher an Ew. Hochwohlgeboren die will der Reichsverband schon jetzt die Waffen lie­dringende Bitte, zu unserem Wahlschatz nach Kräften von ihnen ergriffen waren von dem damaligen beizusteuern, um darauf hinzuwirken, daß nicht die fern. Vor allem sind es aber die russischen Zu­Harmoniefieber. Dafür zeugen zahllose Zeitungs- defte Gleichmacherei proletarischer Masseninstinkte stände, die in dem Aufrufe als Schreckgespenst vor­artikel in der Partei- und Gewerkschaftspresse, das auf den Trümmern der bürgerlichen Gesellschaft und geführt werden. beweisen die schönen Harmoniebücher, die die unserer Wirtschaftsordnung die Welt regiert. Wir sind sicher, der auferstandene Reichsverband Scheidemann, Schulz, Legien, Winnig und wie sie Wir sind im Verteidigungskrieg gegen alle heißen, im Verein mit konservativen, liberalen den sozialdemokratischen Angriff. 3 um serieg- wird Geld, Geld und nochmals Geld" zur Ge­und klerikalen Politikern geschrieben haben. In mals Geld! Wir hoffen, daß unser Appell an Ihre dungsfeldzug wird es ihm nicht fehlen. Aber sein führen gehört aber Geld, Geld und noch- müge erhalten. An Mammon für seinen Berleum­jener Zeit konnte man auch in der regierungs- oft bewährte Opferwilligkeit auch diesmal nicht ver- Appell an den Geldsack der Besitzenden ist gleich sozialistischen Presse mehr als einmal lesen: Jeßt, gebens sein wird und zeichnen

da es keine Parteien, sondern nur noch Deutsche gibt, hat auch der Reichsverband zur Be­kämpfung der Sozialdemokratie für

mit vorzüglicher Hochachtung

ergebenste Hauptstelle

des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie.

immer das Zeitliche gesegnet. Jebt, wo die deutsche Der Vorstand des Neichsverbandes gegen die Sozial­

demokratie.

Wirkl. Geh. Rat Graf von Arnim, M. d. H., Muskau.

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zeitig eine Fanfare für die Arbeiterklasse. Möge sie die Müden, Trägen und Verdrossenen aufrüttelv.

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Arbeit für den Reichsverband.

Es ist ein Verdienst des Vorwärts", den Auf­ruf des Reichsverbandes an das Licht der Deffent­

Sozialdemokratie durch die Tat bewiesen hat, daß sie das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stiche läßt, ist der Reichsverband tot, mausetot, und niemals wird es für ihn ein Auferstehen Oberstleutnant a. D. Graf von Bücher, Rostock. lichkeit gebracht zu haben. Weniger rühmlich ist geben.

General d. Inf. z. D. von der Boeck. Wirkl. Geh. Rat von Dirksen, M. d. H., Gröditzberg. Landrat a. D. Graf zu Dohna, Potsdam. Landrat a. D. Dr. von Goẞlar, M. d. A., Schätz bei Guhrau. Justizrat Haarmann, M. d. A., Dortmund. Syndikus Hirsch, M. d. R. u. A., Effen. Generaldirektor Reg.- Rat a. D. Kleindorf, Schloß Waldenburg. General d. Inf. 3. D. von Liebert, M. d. A., ( 1. Vorsitzender), Berlin. Fürst von Pleß, M. d. H., Fürstenstein. Direktor Dr. Ruhnau, Berlin. Landrat a. D. Rötger, M. d. A., Berlin. Geh. Reg.- Rat Dr. Schmidt, Berlin. Geh. Kommerzienrat Vorster, M. d. A., Köln. Landgerichtsdirektor Dr. Wagener, Dresden.

Richtig ist, daß zu Anfang des Krieges besagter Reichsverband eine Zeitlang die Bude zugemacht hat. Oder richtiger: Er hat vorübergehend das offene Ladengeschäft geschlossen, hinten in seiner Geh. Werkstatt ist er aber desto fleißiger gewesen. Die wenigen Sozialdemokraten, denen von vornherein klar war, daß der Kriegssturm die bestehenden Klassengegensätze nicht verwehen, wohl aber ber­tiefen und verstärken werde, glaubten nicht an das selige Ende des Reichsverbandes. Die Entwick­lung der Dinge hat hier wie in so vielen anderen Fragen ihrem Skeptizismus Recht gegeben. Dieser Lage mußte der Vorwärts", dessen derzeitige In­haber gerade um ihrer buzgfriedlichen Gesinnung willen in den Besitz des Blattes gekommen sind, folgenden Aufruf des totgesagten Reichsverbandes bekannt geben:

Berlin SW. 11, im Juli 1918. Dessauer Str. 30.

Euer Hochwohlgeboren!

Die Hochstimung des ersten Augusttages des Jahres 1914 ist bei der langen Dauer des Krieges ver­flogen, Verbitterung herrscht in weiten Schichten

Die

aber das Begleitwort, das er ihm mit auf den Weg gibt. Nach einigen allgemeinen Säßen über den Mammonismus und nach einer Jammerarie über die Bruderkämpfe in der Arbeiterschaft sucht er den Aufruf dahin zu erläutern, daß er sich nur " gegen die deutsche Sozialdemokratie" richte. Strömungen, die die Sozialdemokratie von links her bekämpfen" d. h. also in erster Linie die Unabhängige Sozialdemokratie würden in dem Aufruf mit Schonung" behandelt. Und dann wird ein Register der Sünden der Parteiopposition aufgezählt.

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Es ist das ein demagogischer Kniff, der nicht zum ersten Male angewandt wird. Die Tatsache, Der Aufruf ist in aller Stille an die kapita- daß die reaktionäre Presse sich mit besonderem listischen, und reaktionären Interessenten versandt Eifer mit Scheidemann und seiner Partei herum­worden in einer Zeit, in der die Zeitungen alltäg schlug, benutzte man von regierungssoziallistischer lich in auffallendem Druck Mahnungsnotizen in Seite dazu, den urteilslosen Arbeitern zu sagen: ihren Terten einschieben, die Einheit der Heimat- Seht, was sind wir für schneidige Sterle; wir front" unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. bringen die reaktionären Geister in Wut, von den Da macht sich eine solche Kampfansage gegen alles, Unabhängigen dagegen spricht kein Mensch." Nach was Sozialismus heißt, besonders nett. Wir dem gleichen Rezept" arbeitet der Vorwärts" jetzt regen uns darüber nicht sonderlich auf. Wir wußten bei dem Aufruf des Reichsverbandes.