JVs 18.] Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint wöchentlich. Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig. In Heften ä 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter. Goldene und eiserne Letten. Erzählung aus schweren Tagen von C. Lübeck. Na, was soll das Schreien und Drängen!" rief er.Man steht hier nicht vor der Schenke. Solch Lärmen ist man hier nicht gewöhnt!" Den Umgang mit Menschen auch nicht, wie es scheint!" antwortete Egler. Ei, seht doch den Hungerleider!" schrie Heilmann wieder. Wie das noch trotzig ist! Wartet nur, man wird euch den Stolz aus dem Bauernkittel schon auszuklopfen wissen!" Wir sind keine Bediente," antwortete Egler wieder.Nur für Bediente ist der Stock gewachsen." Heilmann'S Gesicht war ganz dunkelroth vor Zorn geworden. Eben wollte er mit einer Venvunschung antworten, als hinter ihm eine Gestalt erschien, bei deren Anblick die meisten Weber erschrocken zusammenfuhren und rasch die Mützen von den Köpfen rissen.Der junge Graf!" flog es murmelnd durch den Kreis. Heilmann machte ihm ehrerbietig Platz, und dieser, ein Mensch mit abgelebtem nichtssagenden Gesichte, trat, mit dem Kneifer auf der Nase, in die Thür. Er trug die Uniform des Regiments, bei dem er Lieutenant war. Mit geringschätzigem Lächeln über- stogen seine Blicke die Schaar der Weber. WaS will das?" frug er Heilmann in jenem näselnden Teckenton, dessen sich die aristokratische Jugend als des besten llnterscheidungsmittels des Adels von anderen Menschen zu be- dienen pflegt. Erlaucht haben die Leute bestellt," antwortete Heilmann, die Achsel zuckend.Es soll Holz zur Küche herangeschafft und gleich- Zeitig ein neuer Weg durch den Wald gebrochen werden." Graf Hugo unterbrach ihn durch ein schallendes Gelächter. Den Kreis der Weber durchlief ein erschrecktes Murmeln. Die Vogelscheuchen?" rief Graf Hugo, immer noch lachend. »Spaßhafter Einfall bei Gott spaßhafter Einfall! Kostbare Laune vom Herrn Bater spaßhaft, bei Gott spaßhaft!" Neumann trat einen Schritt aus dem Kreise. Eine finstere Wolke war jetzt auch auf seine Stirn getreten. Wir sind keine Vogelscheuchen, Herr Graf!" sagte er.Un (Forlsetzung.) glückliche Menschen stehen vor Ihnen, die Spott und Schimpf nicht verdienen." Wa was?" fragte Graf Hugo und nahm den Kneifer von der Nase. Er wischte ihn mit seinem seidenen Taschentuche von beiden Seiten ab, als ob das Wesen, welches zu antworten gewagt, nur mit einem sorgfältig gereinigten Glase zu erkennen sei. lieber Heilmann'S Gesicht flog ein schadenfrohes Grinsen. Die Weber schauten wieder verdrossen drein. Ehe der Graf noch mit seiner Arbeit fertig war, rief Egler: Wir sind nicht zur Parade, sondern zur Arbeit hierher bestellt worden. Wir wollen wissen, was wir zu thun haben." Das Maul gehalten, du Lümmel!" antwortete Graf Hugo, den Kneifer wieder auf die Nase setzend.Die Mäuler halten, merkt euch das Alle. Wer da muckst, den lasse ich in den Thurm setzen oder durch die Hunde wieder in's Dorf jagen." HanS Egler wollte sich auf den Grafen stürzen, Neumann aber hielt ihn zurück. Besudle dich nicht," sagte er.Ein Bube beleidigt nur, wo er sich sicher weiß." DaS sollst du büßen, verdammter Bauer!" schrie Graf Hugo, nach der Seite greifend, wo sein Degen zu stecken pflegte. Ich werde ihn festnehmen lassen," sagte Heilmann,im Hnngerloch wird seine Hitze sich schnell abkühlen." Der Graf war in's Schloß geeilt, um seinen Degen zu holen. Er wird es seinem Vater sagen," höhnte Egler ihm nach. Der Hase hätte auch Muth, wenn er die Flinte und der Jäger nur seine Beine besäße!" Man wird euch die Mäuler schon stopfen, ihr Tagediebe!" schrie Heilmann, in den Hof zurücktretend. Wollen es abwarten," sagte Egler ruhig.Die Tagediebe wohnen drinnen." In diesem Augenblick wurde das Thor heftig aufgerissen und der alte Graf, ein rüstiger Fünfziger, mit starkgeröthetem Gesicht, trat, die Reitpeitsche in der Hand, heraus; die grauen, beweg- lichen Augen sprühten vor Zorn. Wer ist der steche Bursche?" schrie er.