Fiene Well

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Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.

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Erscheint wöchentlich. Preis vierteljährlich 1 Mart 20 Pfennig. In Heften à 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.

Goldene und eiserne Ketten. Erzählung aus schweren Tagen von C. Lübeck.

( Fortseßung.)

Seit langer Zeit war Berner kein Morgen so schön und herrlich erschienen, wie dieser Sonntagsmorgen. Mit Behagen athmete er, in der Thür seiner Laube stehend, die frische, duftige Morgenluft und mit Vergnügen schweiften seine Blicke über den Park, den das erste Licht des jungen Tages mit wunderbarem Glanze schmückte.

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,, Es ist doch ein eigenthümlich Ding, ein Menschenherz," sagte er; ein wenig Sonnenschein in seinem Innern dann ist die ganze Welt ein Frühlingshain voller Sang und Klang." Und in sein Herz war nicht nur ein wenig, sondern eine Fülle belebenden Lichts gefallen. Da war zunächst die Nachricht gekommen- und Frau Köhler selbst war die Ueberbringerin gewesen daß Blumenthal und Marie einander gefunden. Er hätte Frau Köhler beinahe umarmt, so sehr hatte die glückliche Botschaft ihn erfreut.

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,, Da findet sich Alles zusammen, Frau Köhler," hatte er ihr gesagt, als sie ihm mit Zweifeln über die Dauer des Glückes kam, das sie noch immer nicht recht zu fassen wußte. Sei sie nur ohne Sorge, wo Herz und Herz einander finden und der Verstand jubelnd Ja und Amen sagt, da ist nichts zu fürchten."

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Doch das war noch nicht Alles, was ihn in eine so freudige Stimmung versetzt hatte. Am voraufgegangenen Abend war er Am voraufgegangenen Abend war er auf seinen Boden gestiegen und hatte Büttner's Bücher und Papiere, die er einſt in Verwahrung genommen, heruntergeholt. Große amtliche Siegel blickten ihm entgegen, als er die pergament­artigen, vergilbten Papiere entrollte, und manche Andeutung über den Wiesen- und Waldvertrag fand er darin, seiner Ansicht nach aber doch nicht genug, um, darauf gestützt, einen Prozeß anfangen zu können. Die Bücher hatte er am Abend nicht mehr durch gesehen, ein flüchtiger Blick hatte ihn belehrt, daß er es mit Werken Der deutschen Literatur zu thun hatte. Doch was galten in diesem Augenblicke alle wissenschaftlichen Schäße dem Schatze gegenüber, den er suchte! Am Morgen aber hatte er sie, obgleich zum Lesen wenig aufgelegt, doch gleich zur Hand genommen und eine reiche Auswahl der besten Literatur- Erzeugnisse gefunden; lebhaft be­flagte er es, sie nicht schon früher an's Tageslicht gefördert zu

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haben. Alle waren durchblättert und nur ein Buch noch übrig geblieben, das sich in seinem Aeußern wesentlich von den andern unterschied und durch seinen einfachen schwarzen Papierband und sein Geseßsammlungsformat eher auf eine Zierde eines Bureaus als einer Studirstube schließen ließ. Er schlug es auf, es war ein Urkundenbuch des Kreises, das sich, nach den ersten Blättern zu schließen, auf die adligen Güter bezog. Da ein solches Buch für ihn nicht das geringste Interesse besaß, klappte er es wieder zu; doch nahm er es dann noch einmal in die Hand und blätterte zerstreut darin. Auf einmal belebte sich sein Blick; er war auf eine Urkunde gestoßen, welche die Niederlassung der Weber im Riesengebirge und die Erwerbung ihrer Grundstücke betraf. Da war er aufmerksam geworden und hatte weiter und weiter ge­blättert und plößlich einen lauten Ruf der Ueberraschung aus­gestoßen. Im Wortlaute stand in dem alten Urkundenbuche der Vertrag abgedruckt, durch welchen der Großvater Hans Egler's den Falkenburger Wald für sich und die Waldauer gekauft. Er rieb die Augen und glaubte ihnen nicht trauen zu dürfen, und las wieder und wieder. Aber da war an teine Täuschung zu denken; schwarz auf weiß stand es da, und mit einem Jubelrufe war er aufgesprungen. Nun mußte sich Alles zum Besten wenden. Am liebsten wäre er spornstreichs nach Waldau geeilt, um dort­hin die frohe Kunde zu tragen, aber Blumenthal hatte am Morgen kommen wollen, er mußte ihn erwarten, und als er ihn endlich aus dem Parke treten sah, eilte er ihm mit beflügelten Schritten entgegen. Schon von weitem rief er ihm seine Glück­wünsche zu.

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" Zwei Krystalle hat das Leben aneinander geschmiedet," rief er lebhaft, die werden alle Stürme überdauern, von keinem ge­beugt werden, wie freue ich mich, Freund Blumenthal, daß Alles eine so glückliche Wendung genommen. Aber Sie sind ernst, das macht die Heiligkeit des Orts, durch den Sie ge­kommen," er deutete mit den Augen auf den Park. Ja, ja, wo viel Licht, da ist auch Schatten," fügte er ernster hinzu, an Fräulein von Rabenberg denkend. Haben Sie sie gesehen?" Er deutete wieder auf den Park.

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2 Gent 1978