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Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.

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Erscheint wöchentlich.- Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig. In Heften à 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.

Goldene und eiserne Ketten.

Erzählung aus schweren Tagen von C. Lübeck.

( Fortsetzung.)

,, Aber der Wald, Herr Blumenthal, der Wald. Das inter­effirt mich doch sehr. Wenn Sie es mir sagen, dann ist es so gut, als wenn ich es im Hypothekenbuche lesen würde."

,, Soviel ich weiß, besitzt Graf Falkenburg keinen Wald. Der Wald am Schloffe, in den er widerrechtlich ein Forsthaus gesetzt, gehört ihm nicht, ist vielmehr Eigenthum der Gemeinde Waldau." Silberberg wurde ganz blaß. Sie scherzen, Herr Blumenthal. Sie wollen mich armen Mann ängstigen!" rief er in heller Angst.

Ich scherze nicht, Herr Silberberg-in furzer Zeit wird es zum Prozeß kommen. Ich habe vor wenigen Stunden noch eine Urkunde darüber gelesen."

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,, Ich unglücklicher Mann!" rief Silberberg. Und immer hatte der Graf mir gesagt, der Wald gehöre ihm! Wissen Sie, was ich ihm gegeben habe? D, Sie werden es gar nicht glauben für das Geld, das sie mir abgeschwindelt, kann ich drei solcher Schlösser kaufen wie die Falkenburg. Was bin ich doch für ein un­glücklicher Mann ruinirt haben mich die Schwindler- ruinirt!" ruinirt!" Blumenthal war aufmerksam geworden. Ich verstehe Sie nicht ganz, Herr Silberberg," sagte er. ,, Wie man mir mit theilte, verwalteten Sie das ziemlich bedeutende Vermögen des Grafen und bezogen dafür große Provisionen."

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Silberberg lachte höhnisch auf. Nicht ich war sein Ver­walter!" schrie er so laut, daß Blumenthal ihn beschwichtigen mußte, sondern er war mein Verwalter, d. h. er verwaltete mein Geld mit seinem Sohne so, daß ich heute um runde 25,000 Thaler ärmer bin. D, ich Esel!"

Ich begreife Sie immer noch nicht," sagte Blumenthal, dem im Grunde doch schon ein Licht aufzugehen begann.

,, Was ist da nicht zu begreifen? Verstehen Sie denn nicht, Herr Blumenthal? 6000 Thaler baare 6000 Thaler hat mir der Lieutenant gegen Ehrenschein abgepumpt, 4000 Thaler habe ich von ihm übernehmen müssen, um ihn zu retten, macht 10,000 Thaler. Und die Erlaucht hat 10,000 Thaler von mir bekommen, baare 10,000 Thaler! Rechnen Sie dazu die Zinsen so kommen rund 25,000 Thaler heraus, um die ich jetzt ärmer bin. Aber die Schwindler sollen an mich denken!"

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Er stürzte fort, kehrte aber noch einmal zurück. " Sagen Sie, Herr Blumenthal," rief er, hat der Herr von Rabenberg Geld? Ist er reich? Hat er etwas zu erben?"

,, So viel ich weiß," antwortete Blumenthal, lebt Herr von Rabenberg in durchaus bescheidenen Verhältnissen und hofft sie durch die Verbindung mit dem Hause Falkenburg etwas zu ver­bessern. Von Erbschaften weiß ich nichts, eher noch von Schulden." Wieder lachte Silberberg höhnisch auf und eilte dann voller Wuth davon.

*

*

Am entgegengesetzten Ende der Stadt, mitten in einem schattigen Garten, wohnte Dr. Wieser, zu dem jetzt Blumenthal seine Schritte lenkte. Kein anderer Arzt erfreut sich eines so großen Zuspruchs als er, namentlich ist es die ärmere Klasse der Bevölkerung, die ihn mit Vorliebe aufsucht. Kein Arzt in der Stadt ist aber auch so erfahren und in seinen Taren so anspruchslos wie er, doch ist er in seinem Wesen knorrig und grob nach oben hin, was ihm in den besseren Kreisen" der Stadt schon manchen Feind gemacht.

Als Blumenthal zu ihm kam, fand er das geräumige und luftige Wartezimmer gedrängt voller Leute, bleiche, verkümmerte Gestalten, in zerlumpter Kleidung, mit allen möglichen Leiden behaftet. Stumm und gebückt saßen sie da und stierten glanz­losen Auges zu Boden, nur wenn der Doktor die Thür öffnete und sein rothbärtiges Gesicht mit den großen glänzenden Augen in's Zimmer blickte, dann richteten sie sich auf und ihre Blicke belebten sich.

,, Geduld, Kinder!" rief er ihnen jedesmal zu, kommt Alle dran, aber wer zuerst kommt, der mahlt zuerst."

Als er Blumenthal bemerkte, trat er auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand. Kann Ihnen nicht helfen, müssen warten," sagte er. Interessante Illustration zur heutigen Staatsweisheit," fügte er, auf die Kranken deutend, hinzu. Würden unsere Staats­weisen mit ihrer Theorie, den Brunnen zuzudecken, wenn das Kind ertrunken, in diesen Spiegel blicken, es würde ihnen doch etwas beklommen zu Muthe werden."