Goldene und eiserne Ketten. Erzählung aus schweren Tagen von C. Lübeck.

(Fortsetzung.)

Sie sprachen auch über die seltsame alte Frau, welche Blumenthal getroffen, und Berner sagte:Da sehen Sie es wieder, wie die Verhaltnisse die menschlichen Charaktere gestalten. Was hätte aus diesem Förster nicht für ein nützliches Glied der Gesellschaft werden können, wenn er in gesunden Berhältnifsen geblieben wäre." Der Abend war hereingebrochen als Blumenthal sich auf den Heimweg machte. Schwarzes Gewölk trieb am Himmel dahin und Gewitterschwüle lastete auf der Gegend. Das Schicksal spiegelt der Himmel wieder, das sich über Falkenburg zusammenzieht," sagte Berncr, der Blumenthal das Geleit gab.Gewitterhaft must aber auch der Schlag diese hochgeborne Gesellschaft treffen." Das soll er!" rief Blumenthal.Unter dem Blitzregen soll sie gar nicht zu Athem kommen." Für mich soll der heutige Tag ein besonders glücklicher sein," sagte Berner. WeShalb?" fragte Blumenthal. Bisher war meine Wirksamkeit eine beschränkte. Ich konnte nur rathen und trösten, und dabei wohl hin und wieder e n Samenkorn in die Herzen streuen, aber jetzt kann ich mit vollen Händen Sturm säen, unfern Freunden an einem naheliegenden Beispiele klar machen, wie morsch und faul unser Gesellschafts- bau ist. Sie sollen sehen, was für eine herrliche Frucht dieser Saat entsprießen wird." Wenn ich doch mehr als meinen Glückwunsch zu Ihrem Werke beisteuern könnte!" rief Blumenthal.Würden mich nicht Verträge binden, ich bliebe an Ihrer Seite und würde Ihr Kampfgenosse." Am Ziele Ihrer Wanderung finden Sie ein, wenn auch nicht so düsteres, aber doch ebenso reiches Arbeitsfeld," sagte Berner. Dort können Sie ebenso, vielleicht noch mehr als hier nützen." Ich habe es mir gelobt," rief Vlumenthal.Sie können überzeugt sein, daß ich, wo ich es nur irgend vermag, unserer guten Sache nützen werde. Und wenn mich in der Heimath die Freunde nach Schlesien fragen, dann werde ich ihnen sagen, daß

es im allgemeinen eine Wüste ist, aber hier und da gebe es doch schon eine Oase darin. Will man nähere Auskunft von mir, dann nenne ich Waldau und Schönenberg, unsere armen Dörfer. Sind sie heut auch noch wüst und leer, so schwebt doch schon der Geist der Freiheit darüber, und in den Herzen der armen Bewohner geht jene Saat auf, von der Sie sprachen, die Saat der Erkenntniß, die Saat der Freiheit und Menschenliebe, die Saat des Sturms, welche ans jeder Wüste ein Paradies schaffen und aus Ruinen neues Leben erwecken kann. Und fragt man mich weiter, wem man dies Alles verdankt, dann will ich mit Stolz..." Nichts da, lieber Freund, wenn ich nicht zürnen soll," unter- brach ihn Berner.Wollen Sie anregend, ermuthigend wirken, dann weisen Sie meinethalben auf unsere Dörfer hin, die trotz Noth und Elend doch auf die Straße der Freiheit gelangt sind, aber Personen und Namen lassen Sie aus dem Spiele. Unsere Freunde müssen sich daran gewöhnen, das, was sie für die gute Sache thun, als eine einfache, selbstverständliche Pflichterfüllung. und nicht als eine rühmliche Tugend zu betrachten. Ich habe bisher nur gehandelt, wie Vernunft und Herz es mir eingaben und wie ich handeln mußte." Wenn man einen Schatz besitzt, ein Kleinod, dann möchte mar. es gern denjenigen Augen zeigen, die daran Freude empfin- den," sagte Blumenthal;den Freunden den Freund, und das werde ich mir nicht nehmen lassen!" Sie sprachen noch von Blumenthal's Leben in der Ferne, und die Aussicht auf die nahe Trennung stimmte sie weich; tief bewegt schieden sie von einander, und fast zitternd erklang das herzlicheGute Nacht", womit sie von einander Abschied nahmen. Gedankenvoll schritt Blumenthal dahin, dunklen Gestalten begegnete er auf seinem Wege; den Pfarrer glaubte er zu er- kennen, auch Heilmann, und im Walde sah er die hohe Gestalt deS Försters geisterhaft auftauchen doch unbehelligt erreichte er das Schloß.

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