Kone
echt
Ilustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
№ 18.
Erscheint wöchentlich.
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Preis. vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.
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In Heften à 30 Pfennig.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.
Dem Schicksal abgerungen.
Novelle von Rudolph von B...... ( Fortsetzung.)
Am 15. Juni des Jahres 187. hielten die Redakteure des Tageskorrespondenten" ihre erste Konferenz. Zunächst nahmen die beiden Mitredakteure die Auseinandersetzungen ihres Chefs über die gemeinsame Aufgabe und die speziellen Leistungen, welche von jedem einzelnen erwartet würden, entgegen.
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Herrn Schweders Darlegungen waren ungefähr folgende: Der Tageskorrespondent" hat natürlich die Aufgabe, einem dringenden Bedürfnisse des- Publikums abzuhelfen. Parteizeitungen gibt es genug; des Parteigezänks ist das Publifum herzlich satt, besonders die bessere" Gesellschaft, welche vor allem jene Ruhe" liebt, die die erste Bürgerpflicht ist. Darum soll der Tageskorrespondent" über den Parteien stehen. Er soll von Fall zu Fall" die politischen Ereignisse prüfen und zu ihnen Stellung nehmen ausschließlich vom Standpunkte des Gemeinwohls. Ebenso parteilos wird der Tages forrespondent" den wirthschaftlichen Zuständen und Geschehnissen entgegentreten; nirgend soll er dem Privatinteresse dienen- unverwandt wird er das der Gesammtheit im Auge haben. Vorzüglich wird er für die gedeihliche Entwicklung der vaterländischen Industrie und des Handels dem Auslande gegenüber in die Schranken treten. Auf die Pflege der schönen Wissenschaften wird er gleichfalls sein achtsames Augenmerk zu richten haben. Die Künste, allen voran die dramatische Kunst, als das am lautesten zu Herzen sprechende Erziehungsmittel des Volkes, soll er auf das wohlwollendste protegiren und fördern. Dem Neuigkeitsdrange wird er mit den frischesten Botschaften des internationalen Telegraphenverkehrs, dem Bedürfniß nach Unterhaltung wird er mit den besten Erzeugnissen der modernsten Romanliteratur und Novellistit entgegenzukommen haben; für Haus und Hof, Küche und Keller wird er mit gemeinnüßigen Mittheilungen sorgen. Bikante Notizen aller Art werden dem reichhaltigen Ensemble jene scharfe Würze zu verleihen haben, welche der verwöhnte Gaumen des modernen Publikums bedarf.
So sprach der neugebackene Chefredakteur. Dem ausgewanderten Schulmeister stand trotz seiner ,, tüchtigen Kenntniß des amerikanischen Zeitungswesens" der große Mund vor Verwun derung weit offen. Und zu dieser Verwunderung gesellte sich ein gelindes Entseßen, als der Chef so leichthin, als wäre es ein Pappenstiel, was er verlangte, die Herren Kollegen freundlichst ersuchte, im engsten Anschluß an diesen seinen kleinen Vortrag den Prospekt des Unternehmens für die am 25. d. M. zur Ausgabe gelangende Probenummer zu entwerfen- womöglich noch heute.
V. 31. Januar 1880.
1880.
Dann erfolgte die Vertheilung der Geschäfte für die Probenummer. nummer. Den politischen Leitartikel behielt sich Herr Schweder vor. Mit der Abfassung eines wirthschaftlichen beauftragte er den Journalisten von Profession", Herrn Prell, der ja Jura et Cameralia studirt hatte, zweien oder dreien Professoren durch die nationalökonomischen Kollegien gelaufen und dereinst als Referent ein ständiger Gast bei den populären Vorträgen des berühmtesten deutschen Volkswirthschaftsmessias gewesen war. Die politische Uebersicht für Deutschland übernahm der Chefredakteur ebenfalls und einen Roman für das Feuilleton, einen gewöhnlichen Romanband stark, hatte er auch bereits von einem eben in der Mode befindlichen Romancier für den bescheidenen Preis von zweitausend Thalern angekauft. Die Politik von England und Amerika wurde Herrn Hampel, dem Schulmeister, als Monopol zugetheilt; die der noch übrigen europäischen Länder sollte Herr Prell besorgen, und in den Rest möchten sich die Herren nur einfach theilen, meinte der Chef freundlich.
Und so geschah es denn auch. Dem Chef schien alles spielend leicht zu fallen. Bei den beiden andern gab es einige Schwierigkeiten. Schweders Arbeiten waren so sachverständig und geistvoll, daß der Respekt, welchen den Kollegen, auch dem selbst ein bedeutendes Theil von Selbstgenügsamkeit zur Schau tragenden Residenzler, sein sicheres und entschiedenes Auftreten und seine Redefertigkeit eingeflößt hatte, noch um ein beträchtliches wuchs. Herrn Prell, den studirten Volkswirthschafter, brachte sein ökonomischer Leitartikel auch nicht in Verlegenheit. Er hatte blos zwei Stunden suchen müssen. Herr Prell besaß nämlich zwei Koffer. In dem einen kleinen steckten ein grauer Sommeranzug, drei neue Oberhemden mit gestickten Chemisettes, ein frischgewaschenes Nachthemd und etliche Paar Strümpfe beiläufig gesagt, die ganze Garderobe des Herrn Prell, mit Ausnahme dessen, was er auf seinem schlanken Leibe trug; der andre große Koffer, der ziemlich schwer war und vor dem seine Wohnungswirthin wegen seines vermeintlich höchst werthvollen Inhalts eine ungeheure Achtung an den Tag legte, steckte gedrückt voll von alten Zeitungsblättern. Während jener kleine Koffer das umschloß, was den irdischen und materiellen Besitz des Herrn Prell ausmachte, enthielt dieser seine geistigen Schäße; Abhandlungen nämlich und Notizen über alles mögliche Wissenswerthe die Zukunftspolitik des deutschen Reichs, wie über Stiefelwichsfabrikation, über Wissenschaft und Kunst, als die Krone des Menschendaseins, wie über Vertilgung von Schaben und Feld
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