Die Gene Woll
Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
№ 26.
Erscheint wöchentlich.
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Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig.
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In Heften à 30 Pfennig.
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Dem Schicksal abgerungen.
Novelle von Rudolph von B...... ( Fortsetzung.)
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1880.
anderer Mann, dieser Herr Schweder, dachte Wanda, als der gewiß, ob Doktor Wichtel, so viel männlicher, bedeutender auch besser, edler als jener? Denn der junge Wichtel war ihr nimmer so vorgekommen, wie ein guter Mensch, sie hatte nie an ihm das bemerkt, was man Herz zu nennen pflegt. Und wenn er einmal gefühlvoll erscheinen wollte, dann war der Zwang, den er sich dabei anthat, so handgreiflich, daß dann sein Wesen Wanda erst recht antipathisch berührte. Warum sollte nun dieser sein Haupt auf den breiten Schultern so stolz einhertragende Herr Schweder nicht ein guter Mensch sein? Doktor Wichtel hatte zwar immer die seltsamsten, oft wirklich abscheuliche Andeutungen gemacht über Schweders leichtfertige Vergangenheit, über seine unordentliche, oder wohl gar standalöse Lebensweise, und selbst ihr Vater, der Schweder, wie sie wohl bemerkt hatte, wegen seines Verstandes hochschätzte, hatte nur selten und niemals besonders entschieden widersprochen. er wolle das entschieden widersprochen. Aber hatte der Vater nicht auch bei solcher Gelegenheit gesagt, daß alle jüngeren Herren ein flottes Leben führten, und der Doktor Wichtel hatte gewiß keine Ursache, auf andere Leute wegen solcher Ursache den ersten Stein zu werfen.
Schweder mußte, seiner Gewohnheit zuwider, von seinen Gedanken augenblicklich so ausschließlich in Anspruch genommen sein, daß er garnicht bemerkte, was im Saale und dicht neben ihm vorging. Sonst wäre wohl Freund Wichtel nicht so leicht um ihn herum und in die kleine Nebenstube hineingekommen, als es geschah. In der übertriebensten Weise betheuerte der eingebildetermaßen unwiderstehlich liebenswürdige Herr seinem hoch verehrten Fräulein Wanda seine Theilnahme an ihren offenbaren, ihm freilich ganz unverständlichen Schmerzen. Es wäre allerdings unverantwortlich, daß man sie so allein gelassen habe, er speziell mache sich bittere Vorwürfe, obgleich er wohl nicht zu fürchten habe, oder seine Stimme, die bisher prätentiös laut geklungen, mäßigte sich zu zärtlichem Flüsterton dürfe er sagen, zu hoffen habe? daß die kostbaren Thränen, welche zu seinem größten Schmerze Wandas schönen Augen entströmt seien, in irgendeiner Beziehung zu ihm sich befunden hätten. Oder er wolle das nicht voraussetzen, er würde aber dann sehr energisch dagegen ein schreiten sollte Wanda vielleicht irgendeine Belästigung erfahren haben. Ihm solle sie sich vertrauen, er sei Manns genug, sie gegen jedermann das jedermann" betonte er wieder sehr vernehmlich zu vertheidigen.
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Wanda hatte das unerwartete Erscheinen ihres gewissermaßen offiziellen Verehrers und der erste Erguß des Wortschwalls, mit dem er sie überschwemmte, wirklich erschreckt; es hatte für sie aber nur kurzer Momente bedurft, um sich jetzt, grade jezt und grade diesem Menschen gegenüber, rasch vollkommen zu sammeln. Die Thränen versiegten, als sei der Schmerz spurlos verhaucht, das duftige Battisttaschentuch fuhr in zwei raschen Strichen über das rosig erglühte Antlig hin, die vollen Purpurlippen wurden trozzig aufgeworfen und aus den feuchtglänzenden Augensternen des jungen Mädchens traf den unberufenen Schmerzensstörer, der hier wie fast überall darauf hätte rechnen können, nicht willkommner zu erscheinen, als ein Störer der Freude ein entrüsteter Blick. " Ich danke, Herr Doktor, ich bedarf keiner Hülfe. Ich bedurfte nur einen Augenblick lang der Ruhe."
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Während sie das sagte, schritt sie zur Thür. Wichtel begleitete sie, von ihren Worten weder verlegt, noch zurückgeschreckt. Beide schritten bei Schweder, der, ohne ein Wort zu sprechen, nur mit einer höflichen Verneigung gegen Wanda zur Seite trat, vorüber. Als Wanda zu ihm hinschaute, traf sie ein Blick aus seinen großen, seltsam sprechenden Augen. So verständniß- und mit gefühlsvoll erschien ihr dieser Blick. Es war doch ein ganz
Wanda hatte nicht Zeit, diese Gedankenreihe weiter zu verfolgen, wenn sie in dem Jubel und Trubel im Saale auch unbehelligt von einem Ende desselben bis zum andern schreiten konnte.
Denn inzwischen hatte auch der alte Herr Klose seinen Liebling vermißt und war gegangen, Wanda zu suchen. Endlich sah er sie mit Wichtel die sich drängenden Schaaren der Kleinen durchschreiten; rasch trat er auf sie zu, um sie mit einigen von den Frauen des Dorfes bekannt zu machen, die gekommen waren, sich an dem Glücke ihrer Kleinen zu weiden.
Zu großem Aerger Wichtels junior ward Wanda von diesem Augenblicke so umschwärmt von Groß und Klein, daß er seinen festen Entschluß nicht sofort ausführen konnte, den Entschluß, der jahrelangen Quälerei", wie er seine bisher selten mit einigem Ernste betriebene Werbung im stillen nannte, ein schleuniges Ende zu bereiten.
Während Wanda nun als die junge, liebe, herzige Wohlthäterin allgemein gefeiert und mit Danksagungen, Händedrücken, Handküssen in peinvolle Beschämung und Verlegenheit gebracht wurde, bereitete Wichtel die Gelegenheit zu ungestörter oder wenigstens möglichst ungestörter Auseinandersetzung über seine Liebesschmerzen sorgfältig wie ein vorsichtiger Feldherr vor.