Lene Boll

28.

Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.

Erscheint wöchentlich.- Preis vierteljährlich 1 Mart 20 Pfennig. In Heften à 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.

Ein verlorner Mann.

Von Hermann Hirschfeld. ( Fortsetzung.)

Erscheinung sein."

1880.

Ueber meinen Vorschlag betreffs der Maschine sprachen wir| kommen, spricht mit Lob von ihr. Es soll eine liebe, anmuthige nicht weiter, ich hatte den Vater Oswalds gebeten, bis zum Ein­treffen derselben und ihrer Erprobung zu schweigen. Dagegen unterhielten wir uns von mancherlei Dingen, die des jungen Mannes Einsicht und Besonnenheit in das beste Licht stellten,- auch eine unbewußt verrathene Charaktergüte fehlte nicht.

Und dennoch war ich froh, als der Eintritt Bernhardts, meines alten Geschäftsleiters, eine Störung hervorrief. Er brachte Briefe von Wichtigkeit, die Herren empfahlen sich.

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Bernhardt kennt Frankenthal seit Jahren, er nimmt keinen Anstand, von Geschäftssachen, die eben kein Geheimniß des Hauses, vor ihm zu reden. So hielt er ihn noch auf der Schwelle zurück.

,, Sie kennen ja auch den Baron von der Hellen," sagte er, ,, den tollen Verschwender, der, nachdem er in allen möglichen Leidenschaften sein großes Vermögen in der Residenz durchgebracht, sich seit einigen Monaten auf sein von Hypotheken überlastetes Stammgut zurückgezogen hat, seine alten Tage vor den Manichäern alten und neuen Testaments zu bergen. Wir selbst haben be­deutende Forderungen an den Freiherrn ; gestern habe ich ihm in Namen des Chefs eine ernste Mahnung zugehen lassen; soeben erhielt ich die Antwort. Begreifen Sie die edle Dreistigkeit, meine Herren, statt Entschuldigung, statt Bitte um Aufschub, ergeht er sich in nichtigen Redensarten und endet mit der Forderung eines neuen Darlehns im Betrage von zweitausend Thalern." ,, Die der Herr Kommerzrath wohl nicht gewähren dürfte," rief Frankenthal eifrig. Wer in der Runde kennt nicht den Leichtsinn und die Verschwendung des von der Hellen, trotz seines Alters? Es liegt im Blute, glaube ich, ein Glück, daß auf diesen welken Stamm kein neues Reis gepfropft."

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Der alte Freund, der sonst so mild urtheilende, hatte sich in Hize geredet; auch seinem Sohne mußte es auffallen, oder war eine andere Ursache der Grund, mir kam es vor, als läse ich eine gewisse Erregung in des jungen Mannes Zügen, als lausche er mit Spannung dem Gespräch.

Sie irren, werther Herr Frankenthal ," bemerkte Bernhardt, ,, der' Baron ist nicht kinderlos. Einen Sohn besitzt er zwar nicht, wohl aber eine Tochter, ein Mädchen von etwa zwanzig Jahren, bisher in einer Provinzstadt bei einer alten Tante erzogen und herangewachsen. Seit einigen Wochen lebt sie bei ihrem Vater, der, wie es scheint, große Hoffnungen für die Zukunft spinnt. Schade um das Mädchen; jeder, der mit ihr in Berührung ge­

War es Täuschung? Mir kam es vor, als steigere sich die Erregung in Oswald Frankenthals Wesen, doch achtete ich nicht weiter darauf; ich selber hatte nur leichthin zugehört, ein Plan war plötzlich in mir rege geworden und rasch zum Ent­schluß gereift.

Ich habe längst die Absicht gehabt, meinen Besitz zu arron­diren," nahm ich das Wort. Das Areal zwischen meinem und dem hellen'schen Gute steht zu meiner Disposition, und ist der Freiherr des Geldes bedürftig, ließe sich vielleicht ein für beide Theile vortheilhafter Kauf abschließen, ich hoffe, ein coulanterer Gläubiger zu sein, und dies dem edlen Herrn zu beweisen, als andere es sein dürften."

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,, Sie wollen Gut Wolfshagen kaufen, dem Baron, seiner Tochter ihr Eigenthum nehmen, ihr letztes?" Glühende Röthe hatte des jungen Mannes Antlitz überzogen, da er diese Worte hervorgestoßen, nun ward er bleich, er schien sich seines Eifers zu schämen. Erstaunt blickte sein Vater ihn an. ,, Oswald, was kommt dir bei?"

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Ich meine, ein ehrlicher, großmüthig abgeschlossener Kauf sei der Subhastation doch vorzuziehen," erwiderte ich kühl, und ohne Zweifel steht dem edlen Geschlecht, für das Sie besondere Theilnahme zu hegen scheinen, eine solche bevor. Sind Ihnen die von der Hellen bekannt?"

Der junge Mann schien verwirrt. Nicht der Vater, dessen übler Ruf auch bis zu mir drang. Die Baronesse Melanie traf ich wohl hin und wieder in einer Gesellschaft. Ihre Tante lebte zu H., meiner Studienstadt. Soviel ich vernahm, soviel ich weiß, ist sie durchaus des ihr gespendeten Lobes werth."

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Vielleicht habe ich Gelegenheit, mich selber zu überzeugen," sagte ich; ,, morgen früh reite ich hinüber nach Wolfshagen ." Sichtlich wollte Oswald Frankenthal noch eine Bemerkung er unterdrückte sie. Auch verabschiedete sich sein Vater machen, eben, meiner harrten noch weitere geschäftliche Mittheilungen Bernhardts. Unter ihnen die Nachricht, daß gegen Abend die Maschine eintreffe, ich vergaß die Frankenthals, die von der Hellen und meine Pläne.

Zur bestimmten Zeit traf die Maschine ein ein komplizirtes, unförmiges Ding. Ihr Erfinder hat indessen die Aufstellung durch genaue Instruktionen leicht gemacht. Unter Bernhardts

V. 10. April 1880.