Die Zene Welf
№ 32
Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
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Erscheint wöchentlich.- Preis vierteljährlich 1 Mark 20 Pfennig. In Heften à 30 Pfennig. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.
Ein verlorner Mann.
Von Hermann Hirschfeld. ( Schluß.)
Entsetzt wich Melanie von mir zurück.„ Großer Gott, Waldenau, Freund,- was du sprichst, ist entsetzlich. Du bist in einem Zustand, der an Raserei grenzt. Um alles, was dir theuer und heilig ist, beruhige dich. Ich verstehe keine Silbe. Nichts weiß, nichts begreife ich, als daß ein Mord auf unserm Eigenthum geschehen, ein Mord, der nach Gerechtigkeit schreit." ,, Vielleicht in den Augen der Welt, nicht in den meinen. Bei mir schrie die Gerechtigkeit nach dem Morde."
,, Waldenau,"- krampfhaft faßte Melanie meine Schulter,- ,, Waldenau, man nannte den Namen des schwarzen Wolf, man schrieb die Frevelthat einem Streich des Verworfenen zu" ,, Wolf ist unschuldig. Der Mörder Frankenthals bin ich, Kaspar Ehrenfried Waldenau."
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Ich sah die furchtbare Anstrengung, mit der Melanie den Aufschrei unterdrückte, der sich ihrer Brust zu entwinden drohte. ,, Du!" sagte sie dann ganz leise,-nach in die Ewigkeit wird dieser Laut mir tönen. Du hast Frankenthal gemordet? Waldenau, Waldenau, komme zu dir!"
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"
Sie legte beide Arme um meinen Nacken, dann ihre Hand auf meine Stirn; das Entsetzen über die That schien die Angst für mich zu überwiegen, Melanie hielt mich für geistesgestört. ,, Waldenau, Waldenau! Todte können wir nicht ins Leben zurückrufen, aber Lebende uns erhalten; die Nacht, die ihren flaren Geist bedroht, zu verscheuchen, gelingt oft der sorgenden Freundschaft. Waldenau, mein Freund, mein Gatte, komm' zu dir!"
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Ich riß mich los. Du hältst mich für wahnsinnig, ich bin es nicht, noch nicht. Mit vollem Bewußtsein sprach, vollem Bewußtsein handelte ich." ,, Nein, Fieberwahn verwirrt deinen klaren Sinn, das Furchtbare, unerwartete überwältigt dein edles Herz. Du nennst Frankenthal , den harmlosen Mann, besinne dich, einen Schänder deiner Ehre, dich, den Friedlichen, dessen Wandel ein Begriff der Ehre, einen Mörder! Laß uns zusammen unsere Fassung bewahren, zusammen überlegen und in erster Reihe forschen: welcher Grund führte den Mann zu nächtlicher Stunde in unser Eigenthum?"
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,, Melanie!" schrie ich auf. Wie ein Nebel legte es sich vor meinen Augen, ich taumelte wie ein Trunkener.„ Das fragst du, was Frankenthal hier zu suchen hatte?"
,, Das frage ich,
- wie sollte ich eine Ahnung haben?"
1880.
,, Nicht diese Ruhe, Melanie. Entweder ein Engel des Himmels bist du an Reinheit oder ein Dämon, vor dem selbst die Teufel der Hölle bebend zurückweichen. Aber nein, nicht eines, nicht das andere, ich vergesse die Komödiantin, aber der täppische Alte des Kasinoabends sah ins Textbuch und begnügte sich nicht mit der ihm zugetheilten Rolle. Melanie, ich habe den Brief gelesen, den er an dich gerichtet, der draußen in seinem Blute liegt, ein stiller, todter Mann."
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Der Todte hätte mir geschrieben? Heilige des Himmels, ich ahne Entsetzliches, ich soll Waldenau, wen glaubst du das Opfer des frevelhaftesten der Morde? Sieh nicht so bleich, Mann, plötzlich; zittere nicht so,- ins Auge sieh mir und
antworte."
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Meine Zähne klapperten, meine Zunge stammelte: Frankenthal, Oswald Frankenthal."
Unseliger, es ist sein Vater!"
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Kein Wort sprach ich, aber in meinen Zügen mochte sie's Lesen; weit floh sie von mir hinweg. Wie ein Hauch kam es flüsternd von ihren Lippen, und doch hallte schrill jeder Laut in meiner Brust wieder.
Es beginnt zu tagen. Eifersucht verblendete dich; irgendeine schändliche Mittheilung benachrichtigte dich, daß ein Frankenthal zu später Stunde nach Hained komme, Waldenau, bejammernswerther Mann, mit einem Mord belastest du dein graues Haupt, dein Alter?"
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Melanie, um dich, um dich; weil ich dich liebe, liebe, mit jeder Faser meines Herzens dir angekettet. Ich glaubte mich einer elenden Intrigue Opfer;- Melanie, verwirf, verwirf mich nicht, nicht diesen entseglichen Blick der Verachtung, Weib, ich will nicht umsonst gemordet haben, nicht der Verworfenste unter Verworfenen sein."
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Du bist es, alter Mann, denn du bist feige. Du hattest nicht den Muth, einzustehen für deine That. Wie ein Bandit schlichst du dich hinweg und wuschest im geheimen deine blutige Hand. Bittern sollte ich vor dir, ein Heros wolltest du vor mir erscheinen, und bist nichts als ein elender Krämer, der seinen Konkurrenten zum Bankerott treibt, sich seiner Waare, nach der er lüstern, zu bemächtigen um jeden Preis."
,, Melanie, willst du, daß ich bekennen soll, willst du mich in Banden sehen, auf dem Schaffot?"
Möge höheres Gericht dich richten, was du gethan, keinen
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V. 8. Mai 1880,