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№ 34.
Illustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk.
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In Heften à 35 Pfennig.
Preis vierteljährlich 1 Mark 50 Pfennig. Erscheint wöchentlich.- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.
Verschlungene Sebenswege.
Roman von Franz Carion.
Die ernste ältliche Dame war, wie Lucie ganz richtig vermutet hatte, seine Mutter; die junge neben ihr sizende Lady dagegen eine Verwandte derselben, deren Vater, ein sehr reicher Grundbefizer in Yorkshire , sie zum erstenmale nach London geschickt hatte, um die nötige vornehme Bildung zu erlernen, weil auf dem Lande dies eine vollkommene Unmöglichkeit sein würde, " worüber ich auch ganz mit ihm einverstanden bin," fügte Richard bei und sagte dann lachend:„ Lady Vally( Valentine) hat übrigens schon einen Ruhm hier erworben, auf den sie nicht wenig stolz ſein darf. Im Hydepark hat sie sich vorgestern zum Gegen ſtand allgemeiner Bewunderung gemacht, sie reitet und fährt
teufelmäßig wild."
Sie will sich wahrscheinlich zum Liebling der Lady, Ihrer Mutter, machen."
" Das wäre unnötig, sie ist es schon," antwortete Richard. " Ah!... Sie meinen, Ihre Mutter wünscht zwischen Ihnen und der jungen Dame eine eheliche Verbindung anzubahnen... natürlich, Vally ist die Ervin eines reichen Grundbesizers."
" Das ist wohl möglich; aber ich habe noch nichts von einer solchen mütterlichen Spekulation gemerkt," äußerte Sir Clinton. " Ich glaube, sie wird sich wohl sehr dabei bedenken, ehe sie sich darauf einläßt, sie weiß, daß ich auf meine Selbständigkeit halte." Ein Schatten von Unmut überflog die Züge des jungen Herrn und erschreckte Lucie. War das ein Zeichen, daß er schon eine solche Vermutung in sich barg oder hafte ihn Lucie's Bemerkung verdrossen und er dieselbe als eine voreilige Belei digung seines freien Willens aufgefaßt? Sie wagte keine weitere Frage mehr über diesen Gegenstand, der ihn so auffallend ver stimmte, obwohl sie gern erfahren hätte, wie er ihre fünftige Stellung zu ihm gestalten wolle... Schweigen zu beobachten, schien ihr das einzig Ratsame. Der Gedanke, daß sie ihm ein Opfer bringe, war ganz unerwartet erschüttert.
Die Heiterfeit fehrte bei ihm sofort zurück, da Lucie sich willenlos seiner Laune fügte, er erwies sich so liebenswürdig gegen sie, daß auch nicht die geringste Spur einer verdrüßlichen Störung bei ihr zurück blieb. Alles wurde von ihnen besprochen, was die Uebersiedelung Luciens aus dem„ Esserer Riesen" in das Landhaus betraf, welches Richard eigentümlich gehörte.
1882.
( 7. Fortsezung.)
Am nächsten Nachmittag erschien derselbe Mann mit der Augenbinde bei ihr. Unten am Eingange hielt ein von ihm mitgebrachter Wagen für sie, und nachdem ihr Gepäck hinabgeschafft,
verließ sie diesen Gasthof, der ihr in der großen fremden Stadt zur ersten Station ihres bereits begonnenen abenteuerlichen Lebens geworden war.
Vergebens bemühte sich der Portier- Landsmann von ihr,
die ihm ein ansehnliches Trinkgeld in die Hand gedrückt hatte, zu erfahren, wo sie nun wohnen werde, nicht seiner Neugier wegen, sondern aus der einfachen Ursache, wenn etwa Briefe an sie gelangen würden, diese ihr zuzuschicken.
„ Lassen Sie das keine Sorge für Sie sein," antwortete Lucie.„ Die an mich kommenden Briefe empfange ich von... unserm Gesandten. Es würde also unverantwortlich von mir sein, wollte ich eine andere Disposition treffen. Leben Sie wohl!"
Der würdige Portier war durch diese Erklärung vollständig konsternirt und sah dem fortrollenden Wagen mit jener Verblüffung nach, welche recht deutlich bezeugte, daß die Begreif= lichkeit dieser Tatsache seinen Horizont weit überſtieg. Kopfschüttelnd zog er sich in seine Loge zurück.
5. Die Ausweisung.
Die Flitterwochen eines neuvermählten Pares können nicht
wonnevoller sein, als die des ersten Monats, welche Sir Richard
mit Lucie verlebte. Beide liebten das Vergnügen gleich sehr, und da er die Mittel besaß, um dasselbe in immer heiterer Abwechslung zu genießen, so fühlte sie sich sehr glücklich. Freilich blieben ihr
immer noch Wünsche, deren Erfüllung sich nicht absehen ließ, indes die Zukunft muß auch ihr Teil zum Glücklichsein beitragen und leider steht die Zukunft bei den meisten Menschen
auf dem Warte- Etat. Wenn Lucie sich einer Kränkung ausgesezt glaubte, so war es die, daß Sir Richard es vermied, mit ihr an vielbesuchten öffentlichen Orten und in seiner Gesellschaft zu erscheinen. Einmal sich darüber gegen ihn beklagend, antwortete
er ihr ohne Aufregung:
„ Du übersiehst, daß das Recht der Klage allein auf meiner Seite ist, durchaus nicht auf der deinigen. Ich entäußere mich