Diedrene Welt

Nr. 14

Uns

Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

nd so erzählen alte Sagen: Wenn draußen auf dem Walserfeld Der Birnbaum blüht in neuer Pracht, Dann steht am Ziel des Bösen Macht, Dann wird die letzte Schlacht geschlagen. Dann ist die Welt so schlecht geworden, Daß jäh sich trennt, was lang vereint, Zerrissen werden Pflicht und Recht. Dann wird der Sohn den Vater morden, Der Bruder ist dem Bruder feind, Die Frau der Magd, dem Herrn der Knecht. Dann öffnen sich des Berges Pforten, Der alte Kaiser steigt herauf Und hängt den Schild am Baume auf Und hält Gericht. Und aller Orten Hebt sich's wie Krieg und Kriegsgeschrei, Pest schlägt den Hirten und die Heerden, Der Tod fährt seine Ernte ein, Und wird ein Blutvergießen sein, Wie es noch niemals war auf Erden. Und wird ein groß' Wehklagen schallen, Und die gepraẞt in satter Lust,

Die sich genährt vom Schweiß des Armen, Sie schlagen an die sünd'ge Bruſt Und rufen winselnd um Erbarmen. Und sollen kein Erbarmen finden, Und sollen sein wie dürres Laub.

Jochen Duggen.

Kriminalgeschichte von Dietrich Theden.

I.

ee, ick möch blot weeten, 1 wo de Bur bliwmt!" 2 Die alte Haushälterin des Schimmelhofbauern schüttete die Bohnen, die sie in der Schürze hereingebracht hatte, auf den Tisch und strich etliche haften gebliebene Raufen und Blatttheile von der groben blauen Leinwand. Sie hatte die Worte mehr vor sich hin als zu dem Vor­fnechte gesprochen, der sich mit im Zimmer befand und eben bedächtig seine Pfeife stopfte. Sie sah auch nicht nach ihm hinüber; sie stemmte die Arme in die Seite und blickte zum Fenster hinaus.

Jochen Duggen, der Vorknecht, rieb ein Schwefel­holz über die Hose und entzündete qualmend seine

1 wissen. bleibt.

Die lekte Schlacht.

Von Dorothee Goebeler.

Und selbst, die längst des Moders Raub, Die Todten steigen aus den Grüften Und kämpfen mit, bis daß gefallen, Die schamlos lange sich erfrecht, In Grund zu treten Treu und Recht. Dann aber rauscht es in den Lüften Und in des alten Baumes Zweigen Und flammt empor am Himmelszelt. Hus Blut und Thränen wird sie steigen Im Morgenglanz die neue Welt. Da giebt es weder Urm noch Reich, Es schläft der Wolf im Kreis der Heerden, Der Bettler ist dem König gleich, Und ew'ger Frieden wohnt auf Erden.

Der morsche Baum im Walserfeld, Noch will er keine Blüthen tragen, Und dennoch geht durch alle Welt Ein Ahnen von gewalt'gen Tagen. Wie es geraunt in alten Kunden, So brach herein die schwere Noth, Und Treu und Glauben sind entschwunden, Hart ist die Zeit und karg das Brot. Wohl schwelgt in prunkenden Palästen, Der Mammonsdiener freche Schaar, Doch abseits ihren wüsten Festen Bleicht Noth und Gram des Armen Haar.

furze Pfeife. Auf die Bemerkung der Alten ant­wortete er nicht. Er schaute einen Augenblick etwas aufmerksamer als gewöhnlich in ihr runzliches Ge­sicht; dann lehnte er sich aber ruhig gegen die große, altmodische Kommode, in deren Nähe er bisher ge= standen hatte, und sah zu Boden.

" Jochen!"

Hi-"

" Jochen, denn Burn plagt rein de Deuwel!" sagte die Alte, mehr ängstlich als vorwurfsvoll. Acht Dag von to Hus weg, und feen Trügkamen und keen Breef un feen garnicks! Hier fehlt he an allen Ecken un En'n, un wo he nicks to dauhn hett, dar driwwt he sick rüm. He ward doch all' Dag slechter!"

-

Buh! Jochen Duggen blies den Tabaksrauch in dichten Wolken vor sich hin. Aber er schwieg. Er änderte kaum die Stellung, und sein Blick hafte e auf demselben Fleck am Boden wie vorher. Die alte Dore schien eine Antwort auch nicht zu erwarten.

1897

Und ist ein Elend sonder Ende, Und rechtlos keucht in harter Frohn Des Volkes arbeitsmüder Sohn Und harrt der großen Sonnenwende. Schon kocht und gährt es in den Tiefen, Ein Wettergrollen läuft durch's Land. Die manch Jahrhundert stumm verschliefen, Des Goldes willenlose Knechte, Der Armuth Kinder sind erwacht Und heischen heim gestohl'ne Rechte Und rüsten sich zur letzten Schlacht. Nicht mit dem Schwert wird sie geschlagen, Kein Kriegsheld führt die Streiter an, Wie in der Schlacht der alten Sagen; Der Geist schafft ihnen freie Bahn, Der Geist wird seine Treuen retten, Der Geist, der sich zum Lichte ringt, Zersprengt die altersmorschen Ketten, In die das Gold die Menschheit zwingt. Und ob auch Viele unterliegen, Manch tapf'rer Kämpfer sinken mag, Geduld! Wir werden dennoch siegen, Es naht der große Sühnetag.

Da wird das neue Reich geboren, Das Reich des Friedens nach dem Streit, Und unser ist, was lang verloren O kämst du, kämst du, gold'ne Zeit!

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Sie sezte sich und begann mit ihrer Arbeit. Nichts war im Zimmer zu hören als das Tick- Tack der Wanduhr, das ritschende Geräusch vom Schneiden und Streifen der Bohnen und das laute Paffen des Knechtes. Jetzt hob er den Blick und sah über seine Pfeife hinweg nach dem Kanarienvogel, der im Holzbauer am Fenster sich träge aufgeblasen hatte und struppig und häßlich aussah.

"

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De Knarruvogel friggt to veel to freeten, he versludert un singt ni mehr," warf er zerstreut versludert hin und richtete sich aus seiner lässigen Stellung auf. Ick gah na de Rahwisch;' t giww bald Regen, dar mutt dat Hei rin;' t is of all lang drög. Wenn de Bur trügfümmt, mutt dat farrig wesen. Dar­wesen künn he all wedder. Vellicht kümmt he vön= dag' noch. Hüt Nameddag fünnt'n wi no süß Perd 2. mehr brufen. Da fünn't all' rinkamen. En veer­untwindig Foder 3 giww't bull."

1 hente. 2 sechs Pferde. 3 Fuder.