Diedrene Welt
Nr. 31
Bllustrirte Unterhaltungsbeilage.
Sommerfonntagnachmittag. Il
Bunten Menschenschwarms Gewimmel Unter einem Sommerhimmel,
Helles Lachen und Gesang, Offene Kutschen, kecke Reiter, Kremser, Bweirad und so weiter Meberall den Weg entlang.
Fernher eines Hornes Schallen, Einer Flinte luftig' Knallen
Biellos in die blaue Luft... Dort am Waldrand, welches Drängen! Bu den braunen Steingehängen Bieht der Wiesen reifer Duft.
Auf der Walze.
Aus den Papieren eines Fechtbruders. Von F. Riebeck.
( Fortsetzung.) Vierzehntes Kapitel.
Die heilige Dreifaltigkeit.
ieber ein Sonntag! Der dritte, den ich in Thalungen verlebte. Vormittags ward gearbeitet; nach Tisch lag mir, wie der Meister sich ausdrückte, die Ehrenpflicht ob, die Werkstatt aufzuräumen; auch gab es mitunter Werkzeuge zu heilen, die im Laufe der Woche Schaden erlitten hatten. Dann kamen die ersehnten Stunden der Freiheit.
O Sonntagfreiheit! Erlöst ist der Sklave, der sechs ewigkeitlange Tage hindurch vom zeitigen Morgen bis in die tiefe Nacht mit dem Aufgebot aller Kräfte schwer arbeitete und dennoch immer durch die moralische Hezpeitsche gequält wurde. Im Feier fleide verläßt er den engen Pferch; die süße Frucht feines Fleißes und Schweißes in der Tasche, schreitet er hinab die enge Gaffe; vorbei an geputzten Leuten, die er glücklichen Herzens grüßt, und er tritt in den Duftbereich blühender Gärten. An Holzzäunen, an denen die sonderbarsten Pflanzen üppig und ſaftstroßend und in indischer Ueberfülle emporwuchern, zieht er auf kühlem, ausgefahrenem Schattenwege dahin; sein Fuß zögert an einer breitmächtigen, dichten Dornenhecke, die im Verblühen ist und oben ihre dunkelgrün polirten Blättchen entwickelt, während die unteren Regionen in unheimliches Schwarz gekleidet sind und Schlupflöcher aufweisen, die die Phantasie zu Pforten gestaltet, durch die man auf verschlungenen Jrrwegen zu geheimnißbergenden und
Täffig' Schlendern, wie vergebens.. Und ein neues Tied des Lebens
Huscht durch meinen ernsten Sinn. Vor dem Wirthshaus frohe Becher, Lauter Buruf, klirrende Becher, Eine schmucke Kellnerin...
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Raft hier!... auf dem leklen Sike ,, Sie find's, Nachbar? Welche Hike! Nehmt derweil mein Glas zur Hand!" ,, Dank' schön!" Sieh', am Fenster zeigt sich, Tanzerglüht, hinaus nun neigt sich,
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Ganz noch, halb noch abgewandt,
gefahrvollen Höhlen gelangen kann. Die Gärten schwinden, die Lichtfluth des Frühlingsonnentages ergießt sich über den Glücklichen, und das grünlachende Feld, die bunte Ferne und die lockenden Waldhöhen grüßen ihn, den Fremdling, wie einen alten lieben Bekannten.
,, Gehen Sie nur in die Kirche, das ist Ihnen am gesündesten!" sagte in brummigem Tone der Meister, als ich mich verabschiedete. Meister, als ich mich verabschiedete. Sie kommen noch gerade zurecht!" rief er mir nach.
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Ich ging an der Kirche vorbei, vernahm Orgelflänge und beschleunigte unwillkürlich meine Schritte.
Wie lange schon hatte ich keine Kirche besucht! Wohl ein Jahr und länger war es her. Sogar die Pflicht der österlichen Beichte hatte ich versäumt. Das verursachte mir zuweilen die furchtbarsten Gewissensqualen. Wiederholt schwur ich mir in bren nender Neue und unter heißen Thränen zu, mich zu beffern, meine Seele nicht der Hölle preiszugeben, nicht mehr ein finsterer Sünder zu sein. Ich fühlte, daß ich ein Verstoßener war, der kein Anrecht mehr hatte, sich zur frommen Gemeinschaft der Gläubigen zu zählen, und dennoch lebte in mir ein felsenfester Glaube an Gott, an die Menschwerdung des Gottessohnes und an die heiligen Evangelien. Mit Gott Vater wußte ich mich nicht recht abzufinden; ich suchte in schlaflosen Nächten sein Wesen und seinen Willen zu ergründen, fand aber feinen sicheren Halt. Besser stand ich mich mit seinem Sohne, den ich über Alles liebte, in dem ich lebte, sann und träumte; der mein steter Gefährte, mein König, Herr und Freund war, und vor dem ich oft des Tages und stets am Feierabend aufs Kuie sank, um iu verzückter, seliger Jnbrunst und in glühender Ver
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1897
Ach! ein feines, junges Köpfchen! Welch' zwei braune, frohige Böpfchen!
Schon im Unmuth kehrt sie sich... Durch die Thür mit einem Sprunge, Staub und Dunft auf heißer Lunge Wildfang, sieh', schon halt' ich dich!
Duften allzu schwül die Rosen?
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Bärtlich Flüffern, schweigsam Kosen, Herz an Herzen, Schlag um Schlag... Was noch weiter? Glück, o schweige! Noch ging er nicht ganz zur Neige Dieser Sonntagnachmittag
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ehrungsleidenschaft mit ihm zu reden. Beten konnte ich nicht; das widerstrebte mir tiesinnerlich. Ich sagte zwar das Vaterunser her, weil mir gelehrt worden war, daß es das Getet des Herrn sei; allein ich hegte dabei das Empfinden, daß ich die dreicinige Gottheit nicht durch Bitten belästigen, sondern mein ganzes Schicksal ihrem Willen anvertrauen musse. Mit Jesus Christus führte ich oft lange Zwiegespräche, besonders am Abend vor dem Einschlafen. Ich zog ihn zu Nathe über alle meine seelischen Angelegenheiten, legte ihm Rechnung über all mein Thun und meine Abchten und lauschte seiner Stimme, die mir bald wie vernehmbarer Windhauch aus fernen Sternenregionen, bald wie ein milder Klang aus meiner eigenen Seele erschien. Ich suchte seine Stimme zu deuten und Gewißheit zu erlangen, ob ich recht oder unrecht gethan habe, ob es sündhaft wäre, Dies oder Jenes zu thun, diesen oder jenen Weg einzuschlagen, und wie ich es anfangen müsse, sein Wohlgefallen zu erringen. Dabei wälzte ich mich entweder in trunkenem Liebestaumel von einer Seite auf die andere, oder ich lag, je nach den Gedanken, die mich beschäftigten, still wie ein beglücktes Kind am Herzen der Mutter. Christus, der die Sünden einer ganzen Welt auf sich genommen hatte und ans unendlicher Liebe für seine Menschen den martervollsten Tod gestorben war, erwies sich auch mir als der himmlische Nath= geber und milde Verzeiher; ich fand oft Gnade bei ihm, wenn ich aufrichtigen Herzens zu ihm sprach von meinen Schwächen, Sünden und Versuchungen, und ich gewann durch ihn eine Seeleufraft, die mir die Erde als einen wunderschönen Gottesgarten er= scheinen ließ.