Die Neue Welt
Nr. 38
Bllustrirte Unterhaltungsbeilage.
16 Mörder Tod.
Von Ernst Kreowski.
Habt Ihr den Tod gesehn, den Knochengreis? Sein Flatterbart ist flächsern, weich und weiß.
In seiner Hand die Sanduhr rinnt und rinnt; In seinem Hug' die Mordgier brennt und sinnt. Hus Rache, daß er selbst nicht sterben kann, Fällt wie ein Wolf er jedes Leben an.
Wem er das Herz berührt mit frost'gem Hauch, Dem offenbart er bald sich selber auch.
Auf der Walze.
Aus den Papieren eines Fechtbruders. Von F. Ricbeck. ( Fortsetzung.)
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Ibert hatte auch eine eigene Herzensgeschichte zu erzählen, und er vergoß dabei abermals Thränen. Mit wehklagender Stimme berichtete er, daß er aus Thorheit die Liebesauträge eines hübschen Mädchens nicht erhört habe. Dieses Mädchen, die Tochter eines Gastwirthes in der Nähe von Hamburg , wäre eine großartige Partie gewesen; sie hätte die Gastwirthschaft geerbt, und er könnte nun ein reicher Gastwirth sein. Statt dessen müsse er sich nun von einem Grobian„ kuranzen" lassen. ,, Nein, daß ich so ein Esel sein fonnte! Esel, so ein Esel!" rief er kläglich, und die salzige Feuchte lief ihm dabei über die Wangen .
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Aber er tröstete sich rasch mit dem Bemerken, daß er schon irgendwo noch eine Gastwirthschaft finden werde, in die er hinein heirathen könne. Die Tischlerei wolle er aufgeben; Gastwirth werden, sei heutzutage das Vernünftigste; man verdiene ſein Geld und brauche sich nicht zu plagen. Wenn Sie etwa eine solche Gelegenheit finden sollten, wo ich hinein heirathen kann, so sind Sie so gut und schreiben Sie mir," bat er mich.
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Albert hatte keine Ursache, die Tischlerei aufzugeben. Er besaß für das Handwerk ein ausgezeichnetes Geschick. Ich fand Gelegenheit, ihn zu bewundern und mir voll Beschämung zu sagen, daß er mir an Kenntnissen und Fertigkeiten weit überlegen war. Aber er gehörte in eine andere Werkstatt in eine solche, in der es weniger darauf anfam, eine Arbeit in möglichst furzer Zeit fertigzustellen, als vielmehr darauf, ein in jeder Beziehung tadelloses und dauerhaftes Werk zu liefern. Albert war ein sogenannter Tiftler. An Arbeiten, die ich mit der
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Bald hier, bald dort, zugleich an jedem Ort, Beschreibt er grinsend seine Spur mit Mord. Mit jedem Sensenhieb der Knochenhand Streckt er zehntausend Leben in den Sand. Und doch! Ob er uns Tag und Nacht umdroht: Das Leben ist doch stärker als der Tod!
Es sproẞt an ihm hervor millionenfach Und dröhnt ihm den Triumph des Siegers nach!
beherzten Manier eines Zimmermanns in wenigen Minuten erledigte, murkste“ und„ mudelte" er mit seinen zarten Fingern oft eine ganze Stunde lang. Dabei befleißigte er sich der allerpeinlichsten Genauig= keit, und was er schuf, verdiente uneingeschränktes Lob. Unserem Meister war jedoch mit solcher Künstlerschaft nicht gedient; er hatte zwar Sinn für Feinheiten und„ Akkuratesse", allein erst dann, wenn die Arbeit fertig war und seine tadelude Kritik begann; bis dahin aber lautete sein Wahlspruch:„ Nur schnell fertig!"
Albert konnte sich diesem Wahlspruch nicht fügen; seine Natur lehnte sich dagegen auf. Beim besten Willen wäre er nicht im Stande gewesen, sich eine dem Meister wohlgefällige Arbeitsweise anzugewöhnen, und so bildete sich zwischen beiden Seelen ein Zwie spalt, aus dem heraus tagtäglich die schlimmsten Konflikte erwüchsen. Der Meister wollte seine Gr= ziehungskunst an Albert erproben, und, seinem Wesen entsprechend, hielt er kräftiges Schimpfen für das beste Zuchtmittel. Er tadelte und schimpfte, so lange beste Zuchtmittel. Er tadelte und schimpfte, so lange er in der Werkstatt weilte, und wenn er von einem Ausgange zurückfehrte, setzte er seine Methode fort, indem er in gröblicher Art behauptete, während seiner Abwesenheit sei gefaullenzt worden. Nun besaß Albert die verhängnißvolle Eigenschaft, daß er dem Meister regelmäßig widersprach und sich gegen alle Vorwürfe vertheidigte. Das konnte unser Despot nicht ver= tragen; jeder Widerspruch reizte ihn, wie den Stier das rothe Tuch, und mindestens einmal täglich ge= schah es, daß er wie ein sinnloser Stier zu rasen begann.
So ging es fünf Tage hindurch; dann kam es zur entscheidenden Katastrophe.
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Mudeln Sie nicht so! Sie tändeln ja wie'n Kleenes Kind mit'm Pfroppen!" rief der Meister meinem Kollegen zu.
1897
,, Schneller kann ich doch nicht!" betheuerte dieser halblaut, rührte aber dieser Versicherung zum Troßz seine Hände mit verdoppelter Schnelligkeit.
,, Geben Sie mir nicht immer Widerpart!"
„ Ich hab doch weiter nichts gesagt!"
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Mensch, Sie sollen das Maul halten!"
„ Ich sage ja nichts! Man wird doch wohl..." „ Das Maul sollen Sie halten, oder das Donnerwetter holt Sie!"
Albert vermochte nicht zu schweigen. In seiner Natur lag teine Spur von troßigem Eigensinn; er wollte den Wütherich weder kränken, noch reizen; er lebte in Angst und Demuth, und dennoch brachte er es nicht fertig, dem Befehl des Schweigens Folge zu geben. Wohl schnürte ihm die Angst die Kehle zu, so daß er kein deutliches Wort mehr hervorbrachte, allein er konnte sich nicht enthalten, wenigstens ein paar grunzende Gaumentöne von sich zu geben.
Ich zitterte um sein Leben, und wirklich stürzte der Meister wie ein fauchender Tiger auf ihn los... „ Einen Laut noch, und ich erwürge Sie!"
Der Laut erfolgte natürlich, denn mäuschenstill zu sein, war für Albert in solchen Augenblicken ein Ding der Unmöglichkeit und so geschah auch das Schreckliche, das ich voraus geahnt hatte.
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Der Meister, vollständig zur Bestie geworden, hatte seine plumpen Tagen um das dünne Hälschen des harmlosen Gesellen gelegt, und in gräßlichem Tone verkündete er, daß er ihn erdrosseln werde. Das Gesichtchen Alberts färbte sich dunkelroth, die Augen quollen schauerlich aus ihren Höhlen, und die mächtige Oberlippe zog sich so hoch, daß sie nun in Wirklichkeit bis an die Nasenspise hinaufreichte. Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Mit dieser Gesichtsverzerrung sah er aus, wie der Delphin am Springbrunnen.
Ich hielt es für meine Pflicht, ihm Hülfe zu