Diegene Wch
Nr. 39
met Herbst. Ben
Von Vrchlický.
Welk in den Staub Raschelt das Laub.
Bllustrirte Unterhaltungsbeilage.
Leise schlich sich der Herbst herein, Kam über Nacht im Nebel gegangen, Sänftigt die Sluthen, dämpft das Prangen, Färbt die Blätter mit goldenem Schein Und welk in den Staub Raschelt das Laub.
Ich trat aus dem Park. Da waren Feucht die Felder ringsum und leer, Zwischen den Stoppeln wackelten Schaaren Schnatternder Gänse verstreut umher.
Fern dort beim Wald, im silbernen Qualme, Sah einen Schnitter allein ich stehn, Sah ihn die letzten goldenen Halme Still mit der Sense niedermähn.
Und mir war's, der Mann in der Ferne Sei der Herbst, der eben erschien, Thränen zu gießen in Blumensterne, Spinnweb um alle Balken zu ziehn.
Leise schlich sich der Herbst herein. Blätter und Bänder aus fernen Tagen Zieht er aus der Erinnerung Schragen, Aber das Herz hat nicht goldenen Schein, Drin fällt das Laub
Welk in den Staub.
Auf der Walze.
Aus den Papieren eines Fechtbruders. Von F. Riebeck. ( Fortsetzung.)
n wonniger Aufregung stürmte ich von dannen; an einer großen Schaufensterscheibe aber hielt ich inne und that, als betrachtete ich die ausliegenden Waaren; in Wirklichkeit aber wollte ich mich bespiegeln, um zu schauen, wie ein gefeierter Dichter in Lebensgröße aussieht. Das Bild befriedigte mich.
Im Weiterschreiten bemächtigte sich meiner eine schwere Besorgniß. Wie wird der Meister mich empfangen? Wie wird sich der Kirchendiener für die
Hiebe rächen, die er von mir bekommen hat? Ich befürchtete schlimme Dinge, und nur der Gedanke verlieh mir Muth, daß ich einen hochmächtigen Gönner besaß, auf den ich mich in äußerster Noth berufen und zu dem ich flüchten konnte.
Ohne auf den Kirchendiener zu stoßen, gelangte ich an die Bodenkamer. Zu meiner Verwunderung war sie verschossen. Was hatte das zu bedeuten? Noch nie, so lange ich in Thalungen weilte, hatte der Meister sich um das Verschließen der Kammer gefümmert. Zagen Fußes begab ich mich in die Werkstatt. Der Meister trat mir entgegen, packte mich mit nerviger Hand fest an der Brust und fragte: ,, Kerl, was haben Sie beim Bürgermeister gemacht?" Seine Augen funkelten schrecklich, sein Gesicht war leichenfahl.
Ich gab mir die größte Mühe, ruhig und geLassen zu erscheinen.
"
Beim Bürgermeister war ich nicht; beim Herrn Stadtsekretär."
" 1
1897
ich werde schon allein mit ihm fertig! Er hats zwar auch hinter den Ohren sizen, aber so schlimm ist er nicht, wie der Andere."
Anscheinend hatte der Kirchendiener Lust verspürt, auch an mir seine Nohheit auszuüben; allein da er gehindert wurde, begnügte er sich, mir mit seinen ungeheuren Fäusten zu drohen und eine derbe Staudrede zu halten. Ich solle mich vorsehen, erklärte er; denn wenn ich auch so ein verkappter " So ius" wäre, wie der Albert, dann würde mirs noch viel schlimmer ergehen. Er w lle fortan aufw: lle passen, ob ich die heilige Kirche besuche.
,, Sehn Sie sich vor!" Mit dieser Drohung rannte er von dannen.
Ich bat den Meister um meine Entlassung. ,, Wieso denn das?" fragte er überrascht." Ihre Zeit ist doch erst morgen Abend um!"
" Ich möchte heut schon aufhören. Man ist ja vor dem Kirchendiener seines Lebens nicht sicher." , Der wird Ihnen nichts thun! Er hat Ihnen
"
Was haben Sie dort zu thun gehabt? Ich ja die ganze Zeit über nichts gethan. Machen Sie bringe Sie um, wenn Sie nicht reden!"
Er griff auch noch mit der anderen Hand zu und schüttelte mich, daß ich glaubte, das Gehirn wackelte mir im Kopfe. Doch ich bewahrte die Fassung und sagte möglichst ruhig:" Wegen des Sedanfestes hab ich mit ihm gesprochen. Er wollte, daß ich einmal hinkommen sollte."
"
Sie wollen mich belügen, Sie Schubiak, Sie? Mich belügen? Nicht lebendig unter meinen Händen kommen Sie fort, wenn Sie nicht sagen, was Sie dort gemacht haben!"
Jezt spielte ich den Entrüsteten, zog meine Einladungskarte aus der Tasche und hielt sie ihm unter die Nase. Er betrachtete sie und ließ mich los. Dann nahm er die Karte, las sie mit Aufmerksam keit, und seine Pantherblicke richteten sich forschend nach meinem Gesicht.
"
Woher kennen Sie den Herrn Stadtsekretär?" Seit ich das Gedicht habe drucken lassen, sind wir befreundet miteinander," log ich.
"
Deutlich sah ich, wie sein Zorn sich legte und sein Gesicht den Ausdruck der Verduztheit annahm. Wie konnten Sie sich unterstehen, von der Arbeit fortzurennen?"
"
"
Man konnte ja nicht arbeiten vor lauter Menschentrubel. Und ich wollte nur einen Augenblick bei ihm sein; aber er ließ mich nicht los und erzählte mir, daß der ganze Beamtenverein von meinem Gedicht begeistert sei."
"
Waren Sie schon im Beamtenverein?" " Nein; ich will übermorgen erst hingehen zum Sedanfest."
-
Mein Junge
Jezt erschien der Kirchendiener. sagt, daß er da ist!" rief er beim Eintritt.
Als er mich erblickte, tam er mit den Worten: ,, Da bist Du ja, Du Früchtel!" auf mich zugestürzt. Der Meister trat rasch dazwischen und wehrte den gefährlichen Menschen ab. Lassen Sie ihn nur,
nur flint, daß Sie an die Arbeit kommen! Wir haben jetzt Zeit genug versäumt."
Mir fehlte der Muth zu weiterem Widerspruch, und außerdem erschien es mir vernünftig, zum Schluß noch einen vollen Wochenlohn zu verdienen. So nahm ich denn den Schlüssel zur Bodenkammer, ging hinauf und rüstete mich zur Arbeit.
"
Da sind Sie ja jezt ein großer Herr geworden!" sagte der Meister, als ich bereits eine geraume Weile an der Hobelbank stand.
„ Wieso?"
„ Na, wenn Sie zum Beamtenverein geladen sind! Das kostet aber doch viel Geld!"
Der Herr Stadtsekretär sagte, mich koste das Vergnügen keinen Pfennig."
" Wer bezahlt denn für Sie?" " Wahrscheinlich der Verein."
" So, so! Und Alles wegen des Gedichtes?" " Das weiß ich nicht! Aber durch das Gedicht bin ich mit dem Herrn Stadtsekretär befreundet worden."
, Da fönnen Sie lachen!"
-
Das war ein Triumph süß und berauschend! Ich hätte blind sein müssen, um nicht zu sehen, wie ich durch die Einladungskarte, auf die der Stadtsekretär seinen und meinen Namen geschrieben hatte, in der Achtung des Meisters gestiegen war. Er war vollständig verwandelt; solche Artigkeit hatte ich von ihm noch nicht genossen. Sein verändertes Wesen vermochte ich mir aus einem doppelten Grunde zu erklären. Zunächst galt der Beamtenverein als der vornehmste Vercin in Thalungen, und man war gewohnt, eine Einladung zu einer von ihm veranstalteten Festlichkeit als eine hohe Ehre zu betrachten; ferner war mir bekannt, daß der Meister einen gewaltigen Respekt vor dem Herrn Stadtsekretär besaß, weil durch dessen Hand die städtischen Arbeiten vergeben wurden. Die Stadt war im Begriff, mehrere öffent