Die geue Welt

Nr. 40

Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

Es hat in so mancher Geistesschlacht Die Menschheit die Waffen geschwungen, Und hat durch so manche gähnende Nacht Sich jubelnd hindurch gerungen.

Neues Zeit- Tied.

Von Gustav Macasy.

Gar oftmals haben vom Bacchanal Der Luft sich die Völker geflüchtet, Gar oftmals hat sich der Streitenden Zahl Im Kampf um das Glück gelichtet.

Nicht kümmert die Zeit sich um Macht und Gebot, Nicht fragt sie um ewige Rechte! Ihr einzig Gesetz ist des Tages Noth Und das Schicksal das Recht aller Rechte.

Und unter dem Fuße der Herrscherin Zeit Versanken die Herrlichkeiten

Der Vorwelt, zu neuer Herrlichkeit Der Zukunft den Pfad zu bereiten.

Auf der Walze.

Aus den Papieren eines Fechtbruders. Von F. Riebeck. ( Fortsetzung.)

"

in Narr bist du! Ein ganz feiger Narr! Wenn du nicht so schrecklich feige wärst, säßest du jegt im Schwarzen Adler"; vielleicht direkt neben den Herrn Stadtsekretär! So aber rennst du wie ein Verrückter hier herum und flennſt wie ein Kind und weißt nicht, was du anfangen sollst. Die Beamten hätten Dich sicher nicht aufgefressen. Du mußt nicht glauben, daß die Beamten so ungebildet und ungeschliffen sind, wie beispielsweise dein Meister, oder wie der Kirchendiener, oder wie der Herbergs vater, oder wie der Brestrich- Fleischer, der Ochse, der über dein Gedicht wüthend war und dir keine Wurst und kein Trinkgeld gab. Der Herr Stadt­sekretär wird schon gewußt haben, daß ein Tischler­gesell keinen Frack und feinen Zylinder und feine weißen Handschuhe hat. Du bildest dir nur ein, daß du fortwährend gallebittere Verachtung schlucken mußt; sei nur nicht feige und geh hinauf, so wirst du schon sehen, daß du nicht rausgeschmissen wirst.... Eigentlich hats gar keinen Zweck, daß du hinauf gehst! Was hast du davon? Garnichts! Was Anderes, wenn du in Thalungen bliebst! Da wäre ein Glück für dich, wenn die feinsten Leute dich kennen lernten; du würdest dann viel leichter berühmt werden.... Aber geh nur hinauf! Wenn der Stadtsekretär hört, daß du in die Fremde gehn willst vielleicht giebt vielleicht giebt er dir einen guten Rath vielleicht kannst du dann in Thalungen bleiben... man tann ja nicht wissen!

-

1897

Und immer wieder standen sie auf, Die Mächte der Nacht und der Tücke, und wollten im rasenden Seitenlauf Aufhalten das Rad der Geschicke.

Wohin sie der Weg der Zukunft auch bringt, Und was auch am Ende der Zeiten Die Menschheit als letztes Glück erringt Im ewigen Suchen und Streiten:

So fern ist das Ende, so nah noch die Noth, Das Glück und die Sonne so ferne, Und höhnend strahlen auf Noth und Tod Noch die alten, nächtigen Sterne.

-

Ein solcher Herr hat großes Ansehen, und wenn er mit einem Meister spricht... wer weiß, was ge­schieht!... Wenn du auch feinen Frack hast du bist doch ein Dichter, und ein Dichter ist etwas sehr Hohes und Großes. Das wissen die Beamten; sehr Hohes und Großes. Das wissen die Beamten; denn sie sind gebildet. Geh nur getrost hinauf!

Solche und andere sterbensbange und dann wieder hoffnungsheitere Gedanken spann meine flatternde unreife Seele, bevor in ihr der Entschluß reifte, trotz der Fräcke und Zylinder und Handschuhe in den Schwarzen Adler" zu gehen. Doch ehe der Ent­schluß zur Ausführung gelangte, verging eine lange Zeit. Erst nach schwerem Kampfe gelang es ihr, die eigene Bagheit zu überwinden.

Lange stand ich auf der Treppe und lugte ver­stohlen nach der Saalthür, jeden Augenblick bereit, die Flucht zu ergreifen; und ich hätte sie wohl schließ­lich auch ergriffen, wenn nicht ein Kellner gekommen wäre, mich am Arme gepackt und schroff gefragt hätte, was ich auf der Treppe zu suchen habe.

Ich komme zum Feste!" gab ich zur Antwort. Ich werde Dich schon befesten, daß Dir Hören und Sehen vergeht!" schrie er mich an und schüttelte heftig meinen Arm. Zu einem Manne gewendet, der über das Treppengeländer herabsah, fuhr er fort:

Der Hallunke hat was im Schilde! Seit einer Stunde schleicht er hier herum, und sobald Jemand tommit, verbuftet er!"

sich riesenhaft auf, und indem ich dem Burschen einen wüthenden Faustschlag auf die Hand versezte, fuhr ich ihn wild an:" Weg mit der Hand! Ich lasse mich nicht beleidigen!" Dem Mann am Ge­länder rief ich zu: Holen Sie einmal den Herrn Stadtsekretär, damit er mich in Schuß nimmt!"

Der Kellner ließ mich los, packte mich aber bald darauf mit beiden Händen und fragte, wer ich sei.

,, Das geht Sie nichts an! Ich komme hierher zum Feste und bin eingeladen vom Herrn Stadt­sekretär. Hier ist meine Starte!"

"

Mein Feind sah die Karte und wich betroffen zurück. Da entschuldigen Sie, bitte; das konnt' ich nicht wissen!" stammelte er und machte einen Bück­ling; ich merkte jedoch genan, daß in seinen Blicken noch ein verdächtiges Mißtrauen gegen mich lag.

Um ihn vollends niederzuschmettern, erklärte ich, daß ich Beschwerde führen werde, und schritt stolz­gehobenen Hauptes die legten Stiegen empor.

" Zeigen Sie Ihre Karte!" sagte oben der Mann, als ich an ihm vorüberschreiten wollte.

Er betrachtete sie und geleitete mich an die Thür. Der Herr Stadtsekretär sitzt ganz hinten, links neben der Bühne! Gehen Sie etwas leiser; es wird auf der Bühne gespielt."

Just als ich eintreten wollte, erschien neben mir der Kellner; er hatte eine klägliche Büßermiene auf­gesteckt und bat zerknirscht um Verzeihung; er könne

"

,, Uebergieb ihn doch der Polizei!" rieth der nichts davor", und ich möge doch dem Herrn Stadt­Mann am Treppengeländer. sekretär nichts sagen; es trieben sich jetzt so viele verdächtige Kerle" herum und..

Schnell wie ein Schatten vor dem Licht war jezt alle meine Scheu verflogen; mein Stolz recte

,, Gut, gut, gut, ich sage nichts!"