eue Welt

Nr. 45

Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

Ein Lied der Freude. De

Plötzlich überfällt es mich, Daß ich laut muß singen, Plötzlich überhellt es mich: Welt, du hast ein schön Gesicht, Hast ein lieblich Angesicht, Und ich muß vor Freuden springen.

Von Gustav Falke .

Blumen, die am Wege stehn, Muß ich alle pflücken. Kann es Blumen besser gehn, Als der Freude rothen Glanz Noch mit ihrem rothen Kranz Hell zu überschmücken?

Musikanten, nicht geruht, Geigen und Trompeten. Tirili, tiwit und tut.

Das Neller mit dem beinernen Griff.

Von Charlotte Nisle- Klein.

8 dunkelte bereits; der Hausherr war aus­gegangen, eine Seltenheit, auf die wir Tage lang gewartet ein Kunststück von Emil, der ihn beschwatzt und endlich aus der Höhle ge­lockt hatte.

Nun fonnten wir eine Probe vornehmen, nun waren wir sicher.

*

-

Beide, die dicke Hausfrau und mein Vater, welche mitten im Zimmer standen, waren aufmerk­same Zuschauer gewesen. Auch das Schwerste, das Niedergleiten, war gut von Statten gegangen. Unhörbar wie eine Schlange kam ich zu Boden; dreimal hintereinander war mir schließlich das Er periment gelungen.

Nur wenn ich den Körper seitlich durchs Gitter schob, ging es. Die ersten Versuche hatten uns zwar viele Mühe bereitet; es war keine Kleinigkeit gewesen. Hätte mich mein Vater nicht mit den Armen aufgefangen, ich wäre ins Zimmer herein gestürzt. Blutende Ohren, zerschundene Hände, Das that nicht wohl! Aber nun gerade, es mußte gehen, ich wollte es.

-

Plöblich hatte ich den Vortheil weg. Die Beine voran, schob ich mich leicht und sicher durch die engen Stäbe, nachdem ich den unverriegelten oberen Fenster­flügel, über den ein alter, verschossener Rouleaufezen niederhing, aufgestoßen; dann ein Ruck, und mit dem einen Fuß faum das innere Fenstergesimse berührend, auf dem einige Flaschen und Kolben standen, sprang ich lautles ins Zimmer.

1897

Und was mir entgegen tritt, Muß der Lust erliegen. Hüpf ich, Mädel, hüpfst du mit! Schöner glüht dein Angesicht, Lieblicher dein Angesicht, Wenn wir uns im Reigen wiegen.

Küß mich Kind. Noch einmal so. Rosen blühen, wo wir froh Und im Tanz die Erde treten.

--

Mein Vater fuhr mit seiner Hand über mein furzgeschnittenes, borstiges Haar und sagte: Junge, das hast Du gut gemacht," und zu der Frau sich wendend, fügte er hinzu: er ist seiner Sache sicher, wir fönnen uns auf ihn verlassen." Ach Gott , ach Gott, wie wird sich mein Eeeemil freuen, mein füßer Geeemil! Ach Gott, ach Gott, wenn nur erst Alles glücklich vorüber wäre!" Ihre blöden, ab­geblaßten Augen verdrehten sich bei diesen Worten etwas gegen die schmußig- graue Decke, und ein Seufzer hob ihren übervollen Busen.

Darauf wandte sie sich hastig gegen die Thür, den einzigen Ausgang des Hinterzimmers, in dem wir uns befanden. Aber mein Vater ließ sich nicht so rasch abfertigen; er machte mit dem Daumen und Zeigefinger eine Bewegung, und sein Gesicht nahm einen fragenden Ausdruck an.

Langsam griff die Hausfrau in die Ledertasche, welche an ihrer Seite herabhing, und entnahm ihr ein Fünfmarkstück. Neicht nicht." Mein Vater sagte es sehr entschieden. Wir stehen nun vor der also am Entscheidung; übermorgen ist Zieltag Sonntag, oder schon am Samstag Abend wird es ausgeführt; je eher, je besser. Denfen Sie doch darüber nach, wie viel ich risfire zwanzig Mark brauche ich", und als sie noch immer zögerte: Es Ein Gold­kann ja später verrechnet werden." stück wanderte in die Hand meines Vaters. ,, Und ich frieg' auch was." Frech trat ich vor das schwammige Weib hin sonst mach ich ein­fach die Geschichte nicht, und ohne mich könnt Ihr es nie fertig bringen."

-

" 1

-

"

Schau, schau, die kleine Kanaille!" Mein Vater lächelte wohlgefällig. Widerstrebend nur gab mir die Frau einige Nickelstücke, die ich, ohne mich zu bedanken, in meiner Hosentasche verschwinden ließ, und während die Beiden der Thür zuschritten,

trat ich übungshalber den Rückweg wieder durch das Fenster au, durch welches ich eingestiegen. Dies ging viel leichter, weil das äußere Gesimſe frei war.

*

Ein altes, geräumiges Haus, in dem wir wohnten; voller Zimmer, Zimmerchen, Eden und Winkel. Schmale, dunkle Treppen und Gänge. Unten einige Läden; Alles vermiethet bis zu den Dach­fammern.

-

Aber gelegen war es vorzüglich, mitten im Herzen der Stadt; in einer zwar engen, aber ver­kehrsreichen Gasse, die auf den Marktplatz mündete. Der Hausbesizer betrieb im Parterre einen gut­gehenden Schnapsladen, mit dem Schanfrecht ver­bunden; er war ein alter, griesgrämiger, gei iger Mann, der aus seinem Hause schweres Geld 30g, da er sich die unfreundlichen Löcher ganz gehörig bezahlen licß.

-

Mein Vater, früher Schreiber, jezt Winkel­advokat, und ich, sein kleiner Junge, hatten uns in zwei Zimmern des dritten Stockwerts eingenistet. Seit ein paar Wochen logirte Emil bei uns, der zur Zeit stellenlos war ein guter Freund meines Vaters und zugleich der Bräutigam meiner Cousine, der schwarzen Fanny, einer hi bschen, feschen Puzz­macherin. Emil kampirie Nachts auf dem Sopha im sogenannten Bureau meines Vaters; bei Tage trieb er sich in der Stadt herum.

Die alternde Hausfrau hatte sich sofort in den blassen, schlotterigen, whlfrifirten Kerl vergafft, der, wie die meisten Kellner, über gewisse äußere Formen verfügte und sich im Laufe der Zeit ein höfliches, fazenbuckelndes Wesen erworben ha: te. Seine schofle Eleganz imponirte der beschränkten Person riesig.