Die Neue Wel
O
Nr. 46
Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
→ Spätherbst.
Von Gustav Macasy.
Die Sonne schleicht so fahl durchs gelbe Laub. In trüber Luft die Krähe späht auf Raub.
Es dampft das Feld. In fernen Höhen ziehn Die letzten Schwalben gegen Süden hin. Eintönig schallt ein müder Hammerschlag Vom Dorf herüber in den lichten Hag.
Stumm lausch' ich dort, gelehnt am dürren Baum, Dem Sterben der Natur wie einem Traum.
Fast hör' ich nicht der Drossel kühles Lied, Seh' kaum das Wild, das ruhlos waldwärts flieht.
Das Neller mit dem beinernen Griff.
( Fortsetzung.)
Von Charlotte Nisle- Klein.
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ange, lange mußte ich warten, so lange, daß mir der Gedanke aufstieg, ich hätte am Ende das Zeichen übersehen; wie schrecklich! Doch nein, das war unmöglich, keine Sefunde war mein Blick von den Gestalten drüben gewichen; ich hatte gut aufgepaßt, sehr gut.
Hah, endlich! Ich fühlte, wie mir einen Moment das Blut zum Herzen schoß. Das Zeichen, das Signal! Die verabredete Bewegung! Eine Bewegung vom Schlaf Erwachender; ein Ausdehnen und Strecken und wieder Zusammenziehen beider Arme in Haupteshöhe, mit leichtem Zurückneigen des Oberkörpers; deutlich sichtbar durch das nur halbverhängte Fenster.
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Vollste Kaltblütigkeit überkam mich. Lautlos wie eine Stage, nach allen Seiten spähend, schlich ich hinüber gegen das Haus, drückte mich sachte durch den dunklen Flur, der nach hinten führte. Es begegnete mir Niemand. Wie praktisch doch die Filzschuhe waren, die mir mein Vater ertra für diesen Zweck gekauft! Kein Ton! Als ich an der Treppe vorüber kam, tastete meine Hand nach dent von mir bereit gestellten Korbe. Ja, ja, er war noch da; Alles in bester Crdnung. Die kleine, sonst stets verschlossene Thüre, die zum Höfchen führte, öffnete sich geräuschlos, denn sie war nur angelehnt: oh, es war Alles vortrefflich arrangirt, zum Freuen!
Nun stand ich in dem engen, kaum mannbreiten, glasüberdachten Gängchen, das sich zwischen unserem
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Der Nebel lastet wie ein dumpf Geschick Mit grauem Arm auf meinem Sommerglück.
Doch durch die Stille immer lauter schwillt Der Drossel Sang und wird so weich und wild.
Er brennt sich in mein Herz gleich einem Brand, Mein Athem glüht, es zittert meine Hand.
Denn grüßend über Herbst und Nebel winkt Mein Sommerglück und lächelt und versinkt. Dann Ruh! Die Sonne schleicht durchs gelbe Laub. In trüber Luft die Krähe späht auf Raub.
und dem Nachbarhause hinzog. Ein modriger, dumpfer Geruch erfüllte den kleinen Raum. Von den defekten Dachrinnen der beiden alten Häuser tropfte es leicht herab durch die theilweise zerbrochenen Glasplatten auf die feuchtgrünen Steine des Pflasters. Diese waren so spizig, daß ich sie durch die weichen Filzsohlen spürte. Ich wand mich zwischen alten Risten und mannigfachem Gerümpel zum Fenster hin. Vorsichtig lauschte ich zuerst, ob sich was im Zimmer rege. Durch die trüben, staubbedeckten Scheiben ließ sich nichts unterscheiden; nur der matte Schimmer einer fleinen, offenbar tief niedergeschraubten Petroin drei leumlampe war erkennbar. Also Teufels Nameu! Ich stieg auf das niedere Gesims, schwang mich empor, wie sicher ich doch war! Wie glatt ich durch die Stäbe rutschte, - nachdem ich den oberen Fensterflügel geöffnet, wie genau ich fühlte, wo ich Balan e halten mußte, - wie sein ich den Vortheil weg hatte beim Herabgleiten! Jezt! Mit einem Saz stand ich im Zimmer. Nur ein leises Klirren der Flaschen auf dem Fensterbrett.
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Es war gut gegangen, famos! Ich ergriff die kleine Lampe, schraubte höher und näherte mich dem Wandschrank. Das gelbe trübe Licht fiel auf die Kassette, von der ich die Kleidungsstücke, unter denen sie versteckt gewesen, hinweggeschoben.
Schon wollte ich nach ihr greifen; da fielen meine Blicke auf einen Gegenstand, der daneben lag, und blieben wie gebannt darauf haften.
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Das Messer, das Messer des Hausherrn! Das hatte mir schon lange in die Augen gestochen; nach dessen Besitz hatte ich getrachtet, seit ich es zum ersten Male gesehen.
1897
Das schönste Messer der Welt! Ich fannte es, hatte es sogar einmal flüchtig in der Hand gehalten, als es der Alte im Laden herumgezeigt. Da lag es, Tag vor mir! Ein feines Messer vont außergewöhnlicher Größe; stark und fest.
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Das Interessanteste daran war für mich der vergilbte, breite Beingriff. Mit feinen, schivarz nachgeäßten Strichen war darauf eine ganze Jagd mit zarten Konturen auf Radiermanier eingegraben. Es war ein wunderbarer Griff; wie hingehaucht zogen sich die schwärzlich- braunen, leicht mit Querstrichen schattirten winzigen Figuren über das matte Gelb. Ein wunderbares, eigenartiges Messer. Wirklich wunderbar! Ich nahm es und besah es genau.
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Auf der einen Seite befand sich ein Hirsch mit riesigem Geweih; ihm folgte ein Jäger mit Jagdhorn; dann kam ein Baum und zuletzt eine Meute nachjagender Hunde. Auf der anderen Seite war eine Wildsau zu sehen, ein Baum, ein Jäger mit Speer und zwei nebeneinander laufende Hasen.
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Wie verzaubert blieb ich in den Anblick des Messers versunken; ich hatte Alles vergessen, vergessen, wo ich mich befand, vergessen die Gefahr, in der ich schwebte.
Plößlich kam ich zur Besinnung; rasch entschlossen steckte ich das Messer zu mir. Ich war zu Tode
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erschrocken; mir fiel ein, wie lange ich mich aufgehalten, wie viel Zeit ich verloren. Zum Henker, wie konnte ich doch! Nun galt es aber!- Schon hatte ich die Kassette ergriffen, horch! Ein leises Knarren, das Hereinfallen eines Lichtstreifens; die Thüre hatte sich geöffnet.
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Bu spät! Zu spät! Ich wußte es.- Bebend an allen Gliedern, wie versteinert stand ich, die