Diedrene Welt

Nr. 13

Im

Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

Aus dem Gerichtssaale. W

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Von Georg Schaumberg.

Ein Jahr Gefängniß lautet das Verdikt. Vergebens hat der junge Praktikant Sein oratorisches Talent verwandt, Und was von zwölf Semestern ihm geblieben, Was im Kolleg er fleißig nachgeschrieben, Umsonst hat mit Zitaten er's gespickt, Denn die Vertheidigung ist ihm mißglückt. Ein Jahr Gefängniß lautet das Verdikt. Denn also muß nach heil'gen Paragraphen Man ohne Rücksicht den Verbrecher strafen, Der

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hört, wie ruchlos!- jüngst ein Exemplar Von einem Werke, das verboten war, In einer Wirthschaft öffentlich gelesen: Doch nicht allein, denn- hochverräth'risch Wesen!- Sechs Andre haben auf das Werk geblickt Ein Jahr Gefängniß lautet das Verdikt. Der Staatsanwalt nimmt noch einmal das Wort: Ja, meine Herrn!"( er meint die Männer dort, Die, schmunzelnd reibend ihres Bauches Falten,

Bm Bwischendeck.

Memoiren eines Auswanderers. Von Johannes Gaulke.

( Schluß.)

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VIII.

Die Neue Welt.

& war zehn Uhr, als wir den Dampfer ver­Lassen durften. Die Besichtigung der Zwischen­decker seitens der Einwanderungskommission vollzog sich mit derselben Schnelligkeit, die uns schon bei der sanitären Untersuchung in Erstaunen gesezt hatte. Von der Einwanderung wurden nur zwei unserer Schlowaken" unter großem Geheul aus­geschlossen, weil sie eine Bestimmung der Einwanderer­geseze nicht erfüllten. Nun ging es ans Land. In dichten Kolonnen stürmten die Zwischendecker die Anlegetreppe hinunter, einige Leute wurden über­rannt, die Menge geberdete sich wie unsinnig. Es wäre vielleicht ein Unglück geschehen, hätten nicht einige Schiffsoffiziere und Matrosen die nachdrängende Masse gewaltsam zurückgehalten und so lange die

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Verdauungfördernde Siesta halten)

" Ja, meine Herrn! es schwillt der laute Chor Der Unzufriednen mächtiger empor.

Der Geist des Aufruhrs herrscht in unserer Jugend, Sie höhnen schon Gesetze, Sitte, Tugend Hazi!" Profit!" Ein lautes Niesen hört Man da im Publikum, doch ungestört

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Fährt fort der Sprecher: mit dem kecksten Spott, Die Meisten glauben nicht einmal an Gott ! Doch, wenn sie an des Reiches Vesten wühlen, Dann lassen wir sie die ganze Strenge fühlen. Wir fürchten Gott und" hazi! noch einmal Tönt dieses laute Niesen durch den Saal. " Drum ohne Nachsicht jeden Spruch gefällt, Wir wollen warten, wer den Sieg behält." Der Angeklagte kraut den Bart sich stumm, Mustert Geschworne, Richter, Publikum. Dann ballt er seine Hand, die schwielenharte, Und murmelt leis: Ich warte!"

Barrière geschlossen, bis sich eine Kolonne zerstreut hatte. Das Bewußtsein, nun den Boden der Neuen Welt betreten zu dürfen, übte eine geradezu fasci­nirende Wirkung auf die Einwanderer aus; ältere Leute, die stumpfsinnig die Fahrt erduldet hatten, und selbst unsere trägen, Schlowaken" wurden wieder lebhaft, als sie den festen Boden unter den Füßen fühlten. Nun winkte ihnen ein neues Leben, sie fühlten sich plötzlich als Herren ihrer Kraft, fein Gutsherr, fein Fabrikpascha durfte mehr die Geißel über ihrem Rücken schwingen, hier in der Neuen Welt sollte ihnen der Boden gehören, den sie bearbeiteten, und die Früchte ihrer Arbeit brauchten sie mit keinem Anderen zu theilen. Diese Ansicht gab ihnen einen unbezwinglichen Muth und einen unerschütterlichen Glauben an ihre Zukunft, ohne den sie in dem rück­sichtslosen Kampfe ums Dasein in der Neuen Welt bald erlegen wären. Dieses Unabhängigkeitsgefühl hat ihre Muskeln gestählt und ihren Geist geschärft. Mit Bewunderung blicken wir auf die außerordent lichen Leistungen der Pioniere des fernen Westens, die in zäher Ausdauer der ungezügelten Natur ein

1898

Stück Land nach dem anderen abgerungen haben. Die mit Erfolg gekrönte Arbeit läßt den Greis wieder zum Jüngling erstarken, dem Verzweifelten giebt sie Muth und Energie zurück, den Unglücklichen erfüllt sie mit neuer Lebensfreude. Hierin liegt der geheimnißvolle Neiz, den die Neue Welt auf Alt und Jung seit Generationen ausgeübt hat. Man begreift mun, daß die Einwanderer, voran die Deutschen , mit einem Enthusiasmus für die Sache der Union gekämpft haben, zu dem sie in der Hei­math, durch die Ungunst der Verhältnisse verkümmert, sich nicht mehr haben emporschwingen können. Es darf uns nicht Wunder nehmen, daß dann die Erinne­rungen an die Heimath oft vollständig in ihnen ver­blassen, daß selbst die Muttersprache einem fremden Idiom weicht, und in der zweiten Generation sich be= reits ein neuer Typus entwickelt hat: der Amerikaner. Was man in der Nationalisirung fremdsprachlicher Gebiete in Deutschland mit Mitteln der Gewalt vergeblich erstrebt, vollzieht sich hier unter dem Schutz des freien Selbstbestimmungsrechtes ganz von selbst. Die Menschen, die aus dem Zwischendeck heraus­