Diedrene Welt
Nr. 36
( Fortsetzung.)
A
11
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Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
gestin blieb überrascht stehen. War das Ragnhild oder war sie es nicht? Aus dem Kind war eine Jungfrau geworden.
Guten Tag, Ragnhild."
Guten Tag." Ein kurzer verstohlener Seitenblick traf ihn. Das augenblickliche Lächeln, welches den Blick begleitete, verschwand und machte dem unerschütterlichsten Ernst Plaz, während sich gleichzeitig eine tiefe Nöthe über das ganze Gesicht, über Hals und Stirn verbreitete. Er trat näher und reichte ihr die Hand. Sie gab ihm die ihre und lächelte. So sieh mich doch an, Ragnhild!"
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,, Ist an Dir etwas zu sehen?" fragte sie neckisch. " Fast hätte ich Dich nicht erkannt, Ragnhild;
es sind doch drei Jahre, seit wir uns nicht gesehen! Wie bist Du groß geworden und so hübsch."
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und so
Sie sah ihn schelmisch durch die halb geschlossenen Lider von ihrem erhöhten Siz an.
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Du bist nicht viel größer geworden, hast Dich überhaupt nicht sehr verändert, bist vor Allem nicht hübsch geworden."
Ihm schoß das Blut in die Wangen, er richtete sich auf und drehte seinen winzigen Schnurrbart. " Findest Du nicht?"
Sie sah ihn glücklich lachend an. Im Grunde genommen fand sie, daß er sowohl groß, als hübsch geworden war. Und über den kleinen Schnurrbart amüsirte sie sich köstlich.
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Wenn ich genauer zusehe, finde ich doch, daß Du etwas gewachsen bist, etwas aber nicht viel übrigens entsinne ich mich nicht mehr, wie groß Du damals warst."
Agestin war reif genug, um ihre Neckereien zu durchschauen, darum freute er sich darüber und fragte: ,, Weißt Du, was ich dachte, als ich Dich sah, Ragnhild? Ich dachte, da säße eine Huldr." Ein klingendes Lachen erscholl.
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Zwei Menschen. We
Roman von H. Fries- Schwenzen.
Ragnhild lachte:" O, Agestin, Du sprichst mir viel zu gebildet! Was ist Idylle für ein Ding?" Doch ohne auf Antwort zu warten, fuhr sie lebhaft fort: Du hast mir Bücher mitgebracht? Das ist aber hübsch von Dir. Dafür darfst Du auch neben mir ſizen. Komm!"
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Sie machte ihm Plaz, und er setzte sich zu ihr auf den großen bemoosten Stein. Dann sagte sie vertraulich und leise, als ob sie befürchtete, daß Jemand es hören könnte:„ Ich habe auch ein Buch, aber Mutter darf es nicht wissen. Das will ich Dir zu lesen geben."
,, Von wem ist das Buch?"
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Es ist von der Leihbibliothek im Flecken." ,, Nein, ich meine, von wem es geschrieben ist?" Das weiß ich nicht, aber ich glaube, es ist ein dänisches Buch."
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" Pah das, was ich Dir mitgebracht habe, ist von unserem Landsmann Björnson."
Ahvon dem habe ich gehört," rief Ragnhild." In seinen Büchern kommen lauter Bauern vor, nicht wahr?"
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Ganz richtig, und dann sind es Bücher, die Du nicht heimlich zu lesen brauchst."
"
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, Wirklich nicht? Na, Du scheinst meine Eltern nicht zu kennen. Die lassen kein anderes Buch gelten als die Bibel. O, ich freue mich so darauf! Und willst Du mir auch Alles erklären, was ich nicht verstehe?"
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Gewiß, sehr gern. In diesen Büchern steht aber garnichts, was Du nicht verstehen wirst. Das ist Alles so einfach ist Alles so einfach aber wir wollen darüber sprechen, wollen überhaupt viel zusammen sein und über manche Dinge reden, die ich draußen kennen gelernt habe, und von denen man hier auf dem Lande nur wenig Ahnung hat."
" O ja, das wollen wir!"
Agestin sah seine Freundin eine Weile ernst und
Du bist unartig, die Huldr hat ja einen hohlen prüfend an. Rücken und einen Kuhschwanz."
, Deinen Rücken sah ich ja nicht; die Huldr hat,
wie Du weißt, ein schönes Gesicht."
" Sodas wußte ich nicht."
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Du siehst also, daß mein Vergleich nicht un
artig, sondern sehr poetisch war."
"
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Ja so
Wie gebildet Du sprichst! Poetisch! etwas lernt man in der Hauptstadt. Sonst weiß man dort wohl kaum, was eine Huldr ist?"
" O gewiß; ich war einmal im Theater, da kam eine Huldr auf die Bühne; ich habe Dir auch ein paar Bücher mitgebracht, die Du lesen mußt. Daraus wirst Du sehen, was die ländliche Idylle und die Poesie des Waldes und des Berges für Rollen in unserer Literatur gespielt haben."
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Ragnhild, kannst Du schweigen?"
Wie das Grab."
,, Gut, dann will ich Dir mein Geheimniß anvertrauen."
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Ein Geheimniß? O! Es geht nichts darüber, mit einem Zweiten so etwas im Verborgenen zu haben, wovon die Anderen nichts wissen."
" Ich habe ein Drama geschrieben."
1898
„ Und das hast Du geschrieben? Wo hast Du denn das gelernt? Doch nicht in der Universität?"
Er lachte:„ Nein, so etwas lernt man nicht auf der Universität; aber ich bin immer viel mit solchen jungen Leuten zusammen gewesen, die gern Dichter und Schauspieler werden möchten, und dann war ich auch einmal im Theater, weißt Du. Aber Du darfst nichts sagen." Er hielt ihr die Hand entgegen.
Ich bin stumm wie das Grab," erwiderte sie und schlug ein.„ Was Du auch Alles kannst! Aber schickt sich denn das für einen angehenden Pastor, Theaterstücke zu schreiben?"
Agestin zuckte die Schultern.
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Wenn es keiner weiß."
" Ja, soll es denn nicht gespielt werden?"
Er sah sie an mit einem schwärmerischen Blick.
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,, Ach, Ragnhild! Das ist ja mein schönster Traum; was ich jetzt geschrieben habe, wird wohl zu unreif für die Bühne sein, aber ich fühle etwas in mir, etwas wie ein mächtiges Feuer-" er sprang vom Stein herunter und breitete die Arme aus, seine Augen funkelten vor Begeisterung.
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Und ist es so, wie ich hoffe daß ich das Zeug zu einem Künstler in mir habe, o dann will ich auch einer werden, mag es kosten, was es will." Dann willst Du wohl gar nicht Theologie studiren?" fragte Ragnhild halb ängstlich.
"
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Nein, entweder oder. Was ich werde, will ich ganz und gar werden."
Die fleine Glocke drüben auf dem Hof fing an zu läuten.
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" Weißt Du, was Begeisterung ist, Ragnhild?" Es ist Mittag," lachte sie und sprang vom Stein herunter, Mutter wird schelten, daß ich weggelaufen bin, anstatt zu helfen. Komm, wir müssen uns beeilen."
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Agestin wollte in seiner Nede fortfahren, er legte seinen Arm um sie und wollte sie festhalten, aber sie riß sich los und lief ihm durch das Dickicht der jungen Erlen und Birken voraus.
VIII.
Diese zwei Sommermonate waren für Ragnhild und Beret eine glückliche Zeit.
Agestin war gegen seine Mutter die Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit selbst, und mit Ragnhild
Nagnhild rückte ihm näher und hob ihr Köpfchen durchstreifte er Wald und Feld. Man sah ihn auch vertraulich zu ihm empor.
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Ein Drama, sagst Du, was ist das?"
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Ein Theaterstück in fünf Aften, in dem die beiden Liebenden sterben."
manchmal einsame Wanderungen unternehmen. Auf solchen Touren trug er stets ein Notizbuch bei sich, in das er schrieb und zeichnete. In der Erntezeit arbeitete er mit auf dem Felde, und fast immer
Das junge Mädchen sah bewundernd zu ihm sang er bei der Arbeit. Er konnte allerlei lustige
empor.
Lieder, und er verstand es, sie vorzutragen. Burschen