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Nr. 13
Fortsetzung.)
V
Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
Dilettanten des Lebens.
or ihrem weiß umhangenen, gleich frischem Schnee leuchtenden Toilettentisch saß Amalie Langen. Sie fämmte ihr schönes Haar für die Nacht aus, gleichmäßig lang und schlicht hing es ihr tief über den Rücken herunter. Es sah gut aus, wie ihre Arme aus den weiten Aermeln des Frifirmantels herblinkten und den Kamm durch die blonde Haarmasse führten. Am Hals hatte sie ein blaues Band, das kleidete ihrer lichten Gesichtsfarbe vortrefflich.
Das Fenster hinter den Zuggardinen war noch nicht ganz geschlossen, vom Garten wehte ein würziger Duft nach Reſeden und Nelken herein; Lora hatte die auf dem kahlen Fleck unten an der Hauswand gepflanzt, sie hatte so darum gebeten. Frau Langen hatte sonst nicht viel Acht auf das Beetchen; heute athmete sie aber doch den angenehmen Geruch mit Behagen.
Ihre Augen glänzten, ihr Gesicht trug einen weicheren Ausdruck als gewöhnlich. Sie trug heute in sich das Gefühl höchster Befriedigung. Sie war in der Vorstandssitung des Vereins für„ Allgemeine Mildthätigkeit" mit Attlamation zur stellvertretenden Präsidentin gewählt worden. Chefpräsidentin war bie Frau Generalin von Bimmerstein, geborene Freiin bon Weimersheimb, die erste Frau der Stadt; sie Demnach also die zweite- welch' ein Gefühl!
Amalie gelobte sich im Stillen, sich der Ehre, die ihr widerfahren, voll und ganz würdig zu er weisen. Sie hatte ja so viel Zeit für die Mildthätigkeit; der Junge ging in die Schule, die Dienstmägde versorgten das Hauswesen, ihr Mann war auf dem Gericht, und Lora – ach, Lora, die war ein so bequemes Kind, die spielte Engelchen und erzog sich eigentlich ganz allein.
-
Jezt war das blonde Haar in zwei dicke Zöpfe geflochten, Frau Amalie sah hübsch und jugendlich aus; da knarrte die Thür, und der Landgerichtsrath schob sich vorsichtig herein.
Er war blaß und ernst.
" Du bist noch auf?" fragte er erstaunt und heftete einen Blick auf seine Frau; er hatte sie lange nicht so gesehen, meist lag sie schon im Bett, wenn
er fam.
" Ja," sagte sie und schlang sich die Zöpfe um
" Ich
nichts, nichts!"
zugänglich gestimmt; auch kam die Neugier dazu, sie mußte wissen, warum er solch' ein verstörtes Gesicht machte.
1899
Bist Du böse?" fragte Amalie.„ Sage mir, was Du hast, ich will es wissen. Bitte!" Bei dem , bitte spizte sie die Lippen und füßte ihn; und nun
Sie tam auf ihren Mann zu und legte den Kopf noch einmal. schwer an seine Schulter.
Er sah auf ihr blondes Haar, es glänzte und roch wohlgepflegt und wohlgebürstet. Darunter hob sich das hübsch geformte Ohr, und hinter dem blauen Bande der glatte, makellose Nacken.
,, Frib," sagte sie leise, dadurch wurde ihre Stimme angenehmer,„ sage mir doch, was Du hast?" Sie lehnte sich schwerer an ihn; er mußte sich festhalten, um nicht unter der Last ihres vollen warmen Körpers zu taumeln.
-
"
" Ich ich habe nichts, garnichts!" Unwillfürlich seufzte er dabei, sie hob den Kopf und strich ihm über's Gesicht. Laß mur, Amalie! Laß nur, Briefe ich habe wirklich nichts Besonderes ein paar dumme Briefe, das ist Alles. Sprechen wir nicht mehr davon!"
" O doch," beharrte sie. Warum willst Du es mir nicht sagen?" Sie ließ nicht ab zu streicheln mir nicht sagen?" Sie ließ nicht ab zu streicheln und fah ihm forschend in's Geficht mit einem durch die Müdigkeit umflorten Blick ihrer kalten Augen. Du hast Briefe bekommen? Natürlich aus Berlin , andere könnten Dich nicht so verstimmen! Du hast von Lena gesprochen."
"
" Wieso? Zu Dir doch nicht!"
"
Nein aber das Kind Lora sagte " Du hast das Kind ausgefragt? Amalie!" Er sagte weiter nichts, aber er schüttelte vorwurfsvoll
den Kopf.
Sie erröthete tief, und mit diesem Erröthen sah sie ganz so aus wie damals am Sonntag im Garten an der Wupper , als er sich über das Pulsen des Blutes unter ihrer reinen Haut freute. Er vergaß den Vorwurf.
" Sage mir, was haben sie geschrieben?" bat sie. Seinen Arm um ihre Taille ziehend, veranlaßte sie ihn, mit ihr in der Stube auf und nieder zu schreiten. Ein paar Augenblicke sprachen sie nichts.
-
Langen kränkte sich über die Neugier seiner Frau; das Kind ausfragen wie fonnte sie das thun? Aber zugleich ärgerte er sich über sich selbst, daß er sich nicht besser bezwungen hatte. War er denn ganz
Er seufzte wieder aus tiefstem Herzensgrunde; fast gegen seinen Willen entfuhr es ihm:„ Ja, ich habe Briefe aus Berlin !"
"
Zeige sie mir!"
Mechanisch griff er in die Brusttasche und reichte ihr die Briefe.
Hastig riß sie ihm die Papiere aus der Hand, trat dicht an ihren Toilettentisch und las beim flackernden Schein der Kerzen. Kein Zug in ihrem Gesicht verrieth, was sie dachte, nur ihre Lippen kniffen sich dünn zusammen.
"
Nun," fragte sie endlich, ohne ihren Mann anzusehen, hast Du hierauf schon geantwortet?"
" Ich
Nein; ich war schon dabei, aber da"- Er stockte. Seine Lora, die war dazwischen getreten, er hörte auch jetzt ihr Stimmchen: Arme Tante Lena! Da ist doch nir bös zu sein, Väterchen' das Kind war Lena's Fürsprecher gewesen. will mir's noch überlegen," sagte er ausweichend, ,, man muß nicht in der ersten Hize schreiben. Wenn ich's recht erwäge, muß ich bedenken, daß Lena falsch geleitet ist; da ist der Einfluß ihres Mannes und sie sind Beide ja noch jung, unbesonnen, impulsive Naturen," setzte er entschuldigend hinzu. Unbesonnen, impulsiv?" Sie fuhr auf, durch ihre plögliche heftige Bewegung flatterte ihr weiter Frisirmantel, die Kerzen verlöschten. Im lauen
"
Halbdunkel der Sommernacht sah er ihr weißes Gesicht sich gegenüber und ihre scharfumrandeten glitzernden Augäpfel. Wie kannst Du? Wie darfst Du wie darfst Du Dir das gefallen lassen? Es ist unerhört!" Ihr flangloses Organ steigerte Es ist unerhört!" sich, sie faßte seine beiden Handgelenke.„ Du Du hast mir nichts davon gesagt; Du hast ihr Geld geschickt?!"
"
11
Es war von meinem Gehalt," sagte er gepreßt. Also abgespart?! Die Undankbare! Du bist zu gut gegen sie, immer zu gut gewesen. Hast sie immer verzogen! Aber diesmal, diesmal hat sie Dich wirklich zu tief gekränkt! Ich bin beleidigt Was in Dir, ja, so beleidigt!" Amalie weinte.
den Kopf. Sie sah ihn an." Was hast Du eigentlich, unklug? Aber sie drückte sich so fest an ihn; dabei habe ich schon um Lena erduldet?! Mich hast Du Frig? Den ganzen Tag gehst Du verstört herum!"
war er müde und matt, der Tag hatte ihn zermürbt. Es mußte eine Wohlthat sein, sich aussprechen zu auf ihn zu; ihre große Gestalt schob sich wie ein " Doch!" Sie stand auf und kam langsam näher können. Er hatte den lebhaften Wunsch, den Kopf an eine weiche Schulter zu legen, sich streicheln zu Bollwert vor ihn; er sah ordentlich dürftig neben lassen und dabei die Augen zu schließen. Er dachte
ihr aus.
" Sage mir, was Du hast," wiederholte
garnicht direkt an seine Frau, nur dieser eine Wunsch
"
gegen sie zurückgesezt! Aber jetzt- jetzt-!" Sie neigte ihr Gesicht ganz nahe gegen das seine, Thränen der Wuth und der Eifersucht flossen über ihre Wangen; auch Mitleid war wohl dabei." Jeßt mußt Du ihr einen gehörigen Brief schreiben, gleich morgen; er wird ihr nur zum Besten dienen. Vielleicht, daß thu!
fie, halb gebieterisch, halb zärtlich. Die Erfolge des bemächtigte sich seiner, immer dringlicher und dring- sie Umkehr hält in ihrem hochmüthigen Sinn. Thu's, heutigen Tages hatten fie erregt und merkwürdig licher. Er seufzte.