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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
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Jakob.
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( Fortsetzung.)
n Krüger's Haus gab es wieder stille Zeiten.
Für Julie war jener Ball noch weit mehr ein Wendepunkt geworden als fiir Törres. Ihre Freundin, welche sie in das freie Leben und die muthigen Ansichten, die nur halb für sie paßten, hineingeführt hatte die war fort, und dafür kam Jolla Blum mit der vollen Tasche; die ganze Stadt erhob ihre Stacheln gegen sie und ihren Vater.
Und Tante Sophie sah, wie Julie bleicher und spiger im Gesicht wurde, die ärmlichsten Kleider heraussuchte, um die Freundinnen ihrer Mutter zu besuchen zur Erbauung oder zum Thee.
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Du fiechst dahinja, das thust Du, Julie!" „ Ich versichere Dir, Tante, ich bin nicht krank." ,, Doch bist Du krank, und ich weiß, was Dir fehlt," sagte Tante mit großer Sicherheit.
Julie wich aus, denn sie wußte, wo das hinaus sollte.
Aber Tante Sophie war nicht zart; das nächste Mal sagte sie:„ Kannst Du ihn garnicht vergessen?" Wen?" fragte Julie bebend.
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Ach, daß Du Dich vor mir verstellen willst! Du verleugnetest ihn in der Stunde der Noth," sagte Tante Sophie mit Wärme.
Julie wandte sich ab; dasselbe sagte auch Jolla Blum, und gerade hiermit kämpfte sie so oft, wenn sie allein war.
„ Aber Alles kann noch gut werden," meinte die Tante; man könnte sich wieder treffen und erklären
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Niemals Tante!"
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" Oder Du könntest ihn wissen lassen-" " Bist Du toll, Tante? Niemals!" Julie flüchtete auf ihr Zimmer.
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" Ja, entweder Du selbst oder ein Anderer, sagte Tante Sophie für sich; ihre Lebenserfahrung ging in der Richtung, daß Liebe und Jugend zu= sammen gehören, und sie konnte nicht vertragen, daß zwei junge Leute herumgingen und sich das Leben sauer machten, nur weil der Eine nicht zuerst ein gutes Wort geben wollte.
Und Gustav Krüger selbst hatte seine gute Laune verloren; er ging schwerfällig die Treppe auf und nieder zwischen Geschäft und Wohnung, und er hatte nicht einmal Lust zu größerer Geselligkeit, als zu einer Partie Schach und einem Glase Toddy mit dem Oberlehrer.
Aber selbst diese Abende hatten ihren Charakter verloren; Krüger hörte ohne Interesse von den Fortschritten, welche der Oberlehrer mit seinem Buche machte; und erwähnte dieser die Suppenküche für die Volksschule, so lenkte Krüger ab und machte sich über sein Glas.
Bis endlich eines Abends, als es ziemlich spät geworden war und sie nach Beendigung ihrer Partie noch bei einem guten, warmen Glase zusammen saßen, der Oberlehrer einen Ansaz nahm und gerade heraus sagte:
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„ Nein! Jetzt mußt Du mir erzählen, was los ist, Krüger! Es giebt etwas, was Dich bedrückt- jawohl! Du sprichst nie mehr von Deinem Plan, von dem Fonds."
" Dem Fonds?" fragte Krüger und lächelte unflar, so daß der Oberlehrer sogar einen Augenblick glaubte, der Grog wäre heute Abend zu stark gewesen.
Aber Krüger stand auf und ging im Zimmer herum, als ob er nach Jemandem hinter den Möbeln suchte, horchte an der Thür und sah hinaus in den dunklen Raum hinter der Gardine; dem Oberlehrer wurde es immer ungemüthlicher.
" Ja, denn Du kannst nie wissen, wo er ist," sagte Krüger; er kann an den unglaublichsten Stellen versteckt sein."
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Wer? Wen meinst Du?" fragte der Oberlehrer. Er
der Bauernjunge der Vampyr!"
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rief Krüger, ganz verstört im Gesicht.
„ Ach, Quatsch!" sagte der Andere und lachte; " Du bist ja ganz besessen von dem Menschen."
,, Ja, das bin ich, geradezu besessen. Sieh', wie weit er mich schon getrieben hat! Hier zu Hause, in dieser nämlichen Stube, hat er uns einen Standal aufgeführt, den Julie nie verwindet-"
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Du übertreibst, Kriger!"
den sie nie verwindet. Von Frau Knudsen hat er mich geschieden, unsere alte, gute Freundschaft zerstört; er hat uns in diese Konkurrenz hinein gezwungen, die uns Beide vernichtet; er zwang mich, Jessen zu nehmen, um mich zu schüßen, und jetzt nahm er mir Jessen wieder fort, um uns um so schneller zur Schlachtbank zu führen-"
Aber Du wirst ja toll, Krüger! Dieser eine Mensch"
Krüger aber fuhr in starker Bewegung fort: „ Und der Fonds, von dem Du sprachst
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ist fort, fort bis zum letzten Schilling; ich habe an allen Kanten Alles zusammenkrazen müssen, um das Geschäft zu halten, und dennoch geht es bergab, mit reißender Haft; wenn er eines Tages Frau Knudsen dazu bekommt, mir das Endossement zu verweigern, so bin ich am gleichen Tage ruinirt!"
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Aber Gott bewahre! Ist das wahr?" rief der Oberlehrer, welcher nun ernsthaft wurde.
,, Und ich," fuhr Krüger fort, indem er sich schwerfällig in seinen Stuhl sezte und die Arme vorn auf den Tisch legte,„ ich, der ich mir einbildete, ich würde das Geschäft hochbringen, zu Reichthum für Julie und zur Hülfe für Viele! Jetzt bekommt sie vielleicht Recht- meine Frau, wenn sie in Bitterfeit prophezeite, ich würde Alles verderben!- sie bekommt Recht! sie und die Anderen, die ganze Stadt bekommt Recht über mich!"
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Er sank im Stuhle zusammen, und der Oberlehrer blieb ſizen- stumm, und vergaß seine Zigarre. Es wurde so ganz still in dem alten Haus, kein Laut von der Straße, fein Laut in der Stube bis auf Krüger, welcher ab und zu einen schweren Seufzer that, der dahinstarb unter der hohen Decke, von wo alte Engelsköpfe mit verwunderten Augen auf ihn herabstierten.
Inzwischen war die Stadt lebhaft beschäftigt mit Anton Jessen und seinem flotten Geschäft. Es war ein Laden, desgleichen man noch nicht gesehen hatte, eher ein großer Salon mit anstoßenden Kabinetten, wo die junge Frau und drei junge Damen die Kunden bedienten, während Herr Jessen auf und ab ging und seine Rathschläge und Weisungen ertheilte.
Sie gaben ein zierliches Paar ab und paßten füreinander. Er war dunkel und immer noch groß genug, um neben seiner kleinen hellblonden Frau Figur zu machen, während ihre feine Figur in schwarzseidenem Kleide sich von dem Ladenlichte und den fostbaren Stoffen mit den lebhaften Farben abhob. Ihr Gesicht bekam etwas Farbe, und in ihrem Blick lag, wenn sie ihn hob, etwas wie verhaltene Zärt lichkeit.
Sie hatte sich schon eine gewisse Art angeeignet, ihn zu pflegen und darauf zu achten, daß er sich nicht einmal überanstrengte, denn das vertrug er nicht. Schon am Tage nach der Hochzeit hatte die alte Frau Jessen eine gute Meinung von ihrer Schwiegertochter bekommen, als sie sie vollständig angezogen in der Wohnung fand, während der arme Anton, der an große Gesellschaft nicht gewöhnt war, mit Kopfschmerzen bei Hafersuppe im Bett lag.
Gedichten, wollte er selbst seinen Geschmack und sein Ohr ausbilden und so das Talent herauslocken, das bedauerlicherweise so lange ungepflegt in ihm gelegen hatte.
Aber ehe er es merkte, war sein kleines Heim ein Sammelpunkt für Jugend und Frohsinn, wo man sich ganz gewiß amüsirte, aber wo fein Plaz gelassen wurde für die Literatur, kein Boden für das Talent.
Er beklagte sich bei seiner Frau, und ein paar Tage darauf sagte Törres Wall zufälligerweise:
Du, Jessen , mir scheint es sonderbar von Dir, wo Du doch so viele höhere Interessen hast, daß Dir solche Gesellschaften genügen können, wo man nur albert und iẞt."
„ Wer sagt, daß ich befriedigt bin?" antwortete Herr Jessen bitter und fuhr sich über die Stirn.
Aber, mein Lieber, Du hast es doch in der Hand, den Ton anzugeben. Du mußt doch auf etwas verfallen können, was uns Andere heben kann." ,, Anton liest so nett vor," sagte seine Frau, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen.
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,, Er liest vor? Was liest er?" fragte Törres überrascht.
" Besonders Gedichte."
Ach, was mußt Du damit kommen!" rief Jessen verdrießlich.
Aber Törres gab keine Ruhe, bis er Jessen dazu bekam, etwas zur Probe vorzulesen; und noch an demselben Abend mußte er den ganzen Terje Wigen" vor einem bewundernden Kreis auffagen. Und von der Zeit verwandte Jessen alle freie Zeit darauf, ein abwechselungsreiches Repertoire zu be kommen; und wenn Jemand eine gesellige Zusammen kunft bei ihm selbst oder außer dem Hause vor schlug, war er sofort bereit. Seine Mutter war entzückt von seinem Talente.
So verging das Frühjahr in Freude und Sonnens schein; aber so sicher wie Monat auf Monat folgte, ebenso prompt fehrten auf den Tag die Wechsel zurück, um eingelöst oder erneuert zu werden, oder sich auf verschiedene Art zu verwandeln oder zu verpuppen.
Aber Herrn Jessen fehlte es nie an einem Ausweg. Der erste Zulauf zu dem neuen Geschäft hatte nicht blos seine Bücher gefüllt, sondern ihm auch eine Stasse verschafft, welche sowohl den kostspieligen Haushalt bestreiten, als auch den ersten Stoß Wechsel aushalten konnte. Er richtete sich auch mit Ge schmack ein, ohne zum Herbst und zur Wintersaison zu sparen.
Das ging sechs Monate, und es ging zwölf Monate, und es ging noch drei, aber etwas be schwerlich. Die Geschäftsreisenden bekamen längere Gesichter, aber dabei fleinere Köpfe. Aber es gab so viele davon, man konnte ständig bekommen, was man wollte, und der Kredit wurde zäher, je stärker präsident Christensen sich die Nase rieb und die man ihn anzog. Bis plößlich eines Tages Bank Bankdirektion für den kommenden Sonnabend Nach mittag zu einer Sigung bei geschlossenen Thüren zusammenrief.
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XV.
Am Tage vorher also Freitag- war Törres Wall früh aus dem Geschäft heimgegangen. Frau Knudsen hatte ihn eingeladen, bei ihr mit Prediger Er war glücklich über ihre ruhige Zärtlichkeit, Opstad zusammen zu Abend zu essen. Er hatte ohu und sie war ihm dankbar, weil er sie nicht mit Fragen Besinnen dankend angenommen und war darauf nach quälte. Sie fand ihre alte Jugendschwärmerei für Hause gegangen. ihn wieder, etwa wie einen niedlichen Puppenmann; der Andere war die Sünde, diüister und unwider ſtehlich.
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Es war Törres gewesen, der das Haus in Gang gebracht und auf dem Fuße eingerichtet hatte, wie er wollte. Herr Jessen hatte gedacht, sich zwischen seinem Geschäft und seinem Talent, welches er jetzt mit einiger Sicherheit in der Literatur gefunden hatte, zu theilen. Seine Idee war nun: indem er seiner Frau laut Gedichte vorlas von den guten, berühmten
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Er saß mit vielen Papieren vor sich und seine Hände bebten, wenn er etwas anrührte. Und als es an der äußeren Thür pochte, fuhr er zusammen und wurde bleich.
Aber während er aufmachen ging, hellte er sein Gesicht vor dem Spiegel wieder auf und sagte sogar halblaut zu sich selbst:„ Ich dachte gleich, daß es feine sieben Jahre dauern würde."
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