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( Fortsetzung.)

Bllustrirte Unterhaltungsbeilage.

Celestyne.

Novelle von Jan Lier. Autorisirte Uebersetzung aus dem Böhmischen von Franta Hájek.

n der Frühe dann, beim Waschen, prifte Herr Chladet mit forschendem Blick das Wasser in seinem Waschbecken, und ertappte sich auch sonst bei verschiedenen, bei ihm sonst nicht üblichen Handlungen Alles verdächtige Anzeichen einer ab­normen Gemüthsverfassung. Er bestellte für sich zum Frühstück starten, schwarzen Kaffee mit Rum und gab dem Kutscher Befehl zum Anspannen und zur schleunigen Fahrt nach dem Franz- Josefs- Bahnhof .

Herr Chladek fuhr wieder nach Staliz. " Heute fomme ich als Quartiermeister," meldete er dem Ingenieur. Anstatt nach Marienbad zu gehen, einigten wir uns, die Ferienzeit meiner Kinder hier in Staliz zuzubringen. Sie kennen die hiesigen Verhältnisse besser als ich, und können mir am besten rathen, wie und wo ich eine passende Wohnung für unseren Sommeraufenthalt finden kann. Meine Fa milie ist hier gut aufgehoben und ich kann auch bequemer den Bahnbau beaufsichtigen."

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Der Ingenieur wäre am liebsten dem Unter­nehmer um den Hals gefallen, wiewohl er seine Nieren durchschaut und darin die Galle der wahren Ursache, warum er Stalis Marienbad als Villegiatur borgezogen, sehr wohl erkannt hatte.

Sie fanden manchen Bürger, welcher nicht ab­geneigt war, dem Unternehmer ſein ganzes Haus zu überlassen und sich selbst, seine Familie, sowie Alles, was drum und dran hängt ,. auf die Straße zu sehen. In dieser Hinsicht pflegen bei Bahnbauten selbst die berbiffensten Reaktionäre in den fonservativsten Ge­meinden sehr liberal zu sein, ja, sie fühlen sich durch solche Miether" noch hochgeehrt, etwas, was sie in normalen Zeiten gewiß nicht zugeben würden. Die Mehrheit der Häuser entsprach jedoch nicht den Anforderungen des Herrn Chladet einerseits, und der Frau Chladek andererseits, die bei diesen Be­fichtigungskommissionen zwar abwesend, durch ihren Gatten jedoch wiirdig vertreten wurde.

" Für zwei Monate? Hm!" sprach der Herr und Eigenthümer des Hauses, welches Herrn Ghladek halbwegs gepaßt hätte. Der Hausherr überschlug im Geiste die zu fordernde Miethssumme, wobei allerdings weniger der Werth des Hauses, als viel­mehr die ideale Summe, die er in der Tasche des Unternehmers vermuthete, in Betracht kam. Solchen Raltulationen fällt auf dem Lande jedes Mitglied irgend eines Bauunternehmens regelmäßig zum Opfer.

" Jawohl, Herr! Für zwei Monate," bestätigte Herr Chladet nach einer Weile, die der Hausherr brauchte, um im Geiste den Geldbeutel seines zu­Möglicher fünftigen Miethers zu durchwühlen.

"

Weise werden wir uns später noch für längere Zeit einigen.

Das denke ich auch. Schließlich, denke ich,

wird es am besten sein, wenn Sie nur getrost ein­ziehen. Von wegen dem Miethzins können wir ja später auch noch reden."

Es ist nicht meine Gewohnheit, solche Ab­machungen auf die lange Bank zu schieben..."

"

Aber... aber!... Wir auf dem Lande tennen keine Schliche und Kniffe. Und... zum Richter werden wir deshalb wohl auch nicht gehen."

Wenn wir uns sogleich einigen, wird es wohl nicht nöthig sein! Also, wie viel verlangen Sie?"

Der Hauspascha schob die Müße von einem Ohr zum anderen und überlegte, um möglichst viel aus dem Geschäft herauszuschlagen.

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damit keiner von uns zu kurz kommt Nun zweihundert Gulden monatlich. Ein ehrliches Wort, Herr, und nicht übertrieben!"

Aber Mensch! Für das Geld kann ich statt Ihrer acht Stämmerchen in Prag acht schöne Zimmer bekommen!"

" Das will ich nicht bestreiten," erwiderte der Bürger, und entwickelte in der nächsten Viertelstunde Bürger, und entwickelte in der nächsten Viertelstunde so viel Halsstarrigkeit, daß er den Unternehmer schließlich breit schlug.

Herr Chladek blieb gleich in Staliz. Er quar­tierte sich einstweilen in der Bauhiitte ein und theilte fich mit dem Ingenieur in die Geschäfte. Sonderbar genug war diese Theilung. Er überließ es nämlich Zaul, die gemiethete Wohnung einzurichten und ver­grub sich selbst in die Voranschläge und Baupläne und suchte sich im Schweiße des Angesichts in die Bauleitung hineinzuarbeiten und dieselbe allmälig ganz in seine Hand zu nehmen. In einigen Tagen fonnte man schon die Wirkung dieser Banting'schen Kur an ihm wahrnehmen. Der Ingenieur führte inzwischen die Einrichtung des gemietheten Hauses durch, wobei er namentlich auf die Ausstattung und Ausschmückung von Celestynens Zimmerchen viel Zeit und Fleiß verwendete. Er sorgte dafür, daß der Raum nur in hellen Farben erglänzte, keine düsteren Winkel hatte, und daß die Möbel und deren Zu­sammenstellung sofort das Gefühl trauter Behaglich feit erweckten. Das meiste Kopfzerbrechen verursachte ihm die Ausschmückung der Wände mit Bildern. Er stöberte zu diesem Zwecke Alles auf, was in dem Städtchen zu finden war, bis es ihm glückte, endlich etwas seinen Wünschen Entsprechendes zu erwerben.

Ueber dem Schreibtische plazirte er ein Gemälde, welches anscheinend eine Szene aus irgend einem Märchen darstellte: Ein im düsteren Sterker gefesseltes Mädchen, welches die entsetzten Blicke gegen eine es bedrohende Wolfe furchtbarer Gespenster richtet. Die Kerkerthür öffnet sich vor einem Prinzen, der mit der Fluth des goldenen Lichtstrahls in die Finster­niß eindringt und die Erlösung bringt. Auf der

1899

Wand gegenüber trug ein Adler ein junges Lamm in sein unerreichbares Felsennest, doch von dem Pfeile getroffen, sinkt er zu den Füßen des ihn verfolgenden Hirten. Ueber dem Bette befestigte er eine Litho­graphie und darunter einen uralten, von einem Groß­mütterchen vielleicht gestickten Spruch: In Liebe Vergessen und Neugeboren."

Kaum war Chladet's Familie eingezogen, stellte sich der Ingenieur schon zum ersten Besuche ein. Die gnädige Frau schlief noch die überstandenen Reisestrapazen aus, und der Herr nahm sein Bad.

" Im Salon studirt Irene," schloß das Dienst­mädchen seinen Bericht. Wenn es jedoch gefällig ist, treten Sie ein in das Speisezimmer."

Nichts konnte dem Ingenieur angenehmer sein. Das Speisezimmer war mit dem Salon durch ein Kleines Fenster verbunden, und diese Oeffnung unter Umständen wohl geeignet, um die im Salon stu dirende" Irene zu beobachten.

Er täuschte sich nicht. Behutsam betrat er das && Speisezimmer und näherte sich dem Fenster. war unverhillt. Im Salon" saß Celestyne, mit leicht vorgeneigtem Oberkörper, die Hände um ihre Knie geschlungen, schien sie ihrer Schülerin zuzuhören.

Ueber dem Antlig des schönen Mädchens, welches dem Ingenieur halb zugewendet war, breitete sich der Schein eines weichen, sehnsuchtsvollen Selbst­vergessens aus, und derselbe Ausdruck belebte auch die strahlenden Augen, welche, träumerisch in die unsichtbare Ferne gerichtet, irgend welchem glücklichen Gedanken nachzujagen schienen

Neben ihr saß Irene. Sie schaukelte in abge­messenem Rhythmus mit den Beinen und stüßte ihre, in gespannter Aufmerksamkeit zusammengefaltete Stirn in die beiden Hände. Den Kopf über ein Buch geneigt, leierte sie mit langsamer, monotoner Stimme einen Satz nach dem anderen herunter. Sie über­sezte aus irgend einem Konversationsbuche zwecklose Säge und Phrasen in's Französische. Sie übersezte falsch, und Celestyne forrigirte sie nicht. Die lächer­lichsten Schnitzer und Verstöße, die Irene machte, störten die Erzieherin nicht in ihrem Gedankenfluge, der sich in weiter Ferne verirrt haben mochte, nach... nach...? Der Ingenieur hörte:"- und wollen diesen Mann gewinnen? Et voulez- vous obte- voulez- vous gagner cet ah, nicht so homme? Sie verlangen es aufrichtig, jedoch Ihr Herz ist von der Angst erfüllt: Vous le désirez sincèrement, mais votre coeur est pleine d'an­oder goisse. Beruhigen Sie sich: Rassurez nein Soyez calme. Er liebt und vergöttert Sie: Il vous aime, il vous adore. Er will Ihr Glück und wird Sie retten: Il veut que vous ayez

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