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Die Freue Welt

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Nr. 49

( Fortsetzung.)

Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

ar flappte Staffelei und Rahmen zusammen und ging in den Speisesaal, um zu essen. Ersuchte auf der Karte nach seinen Wünschen. Heute kam Marie jedoch nicht zu ihm, wie sonst, und da er nicht drängen wollte, wartete er lange vergeblich, um dann am Ende selbst in die Küche zu gehen. Dort waren die Tante, Marie und der Augsburger= Berliner in eifriger Unterhandlung. Es fiel ihm auf, daß man schwieg, als er eintrat, aber er schenkte dem in seiner Unerfahrenheit keine Bedeutung und bat, ihm eine bestimmte Speise zu bringen. Doch nicht von Marie ward ihm aufgetragen, sondern von der Köchin.

" Wo ist Fräulein Marie?" fragte er in plöß­licher, ausbrechender Angst.

e. Die Brüder. W

Erzählung von Hermann Horn.

sah er auf die Uhr und hatte nur eine Stunde ge­schlafen. Er legte sich wieder hin und dachte bei sich:" Was sie nur hat, was sie nur hat?"

Aber Schlaf fand er diese Nacht keinen mehr.

IV.

Den anderen Tag hatte er für einen Ausflug bestimmt, um Studien zu machen, aber er war des Morgens zu müde und so blieb er den ganzen Tag zu Hause. Erst war er sehr niedergeschlagen, als er jedoch die gestern gemalte Skizze besah, ward ihm wohler zu Muthe, und nachdem er angefangen hatte, sie zu vervollständigen und zu verbessern, wie er es noch im Kopfe hatte, kam er in eine immer bessere Stimmung hinein, in der er am Spätnachmittage

Die hat keine Zeit," erwiderte das Mädchen getrost zu ihr aufbrach, nicht mehr in dem Gedanken: gleichgültig.

Da schob er seinen Teller von sich, und nun sah er auch, wie Marie in der Stube an ihm vorüber­ging, als sei er Luft. Essen konnte er jetzt nicht mehr, er mußte nur beständig grübeln über ihr Be­nehmen, ohne über den Gedanken hinauszukommen: Was sie nur hat?

Heute, als an einem Feiertage, schloß man den Speisesaal sehr früh, und er mußte, da man ihn nicht zum Bleiben aufforderte, zeitig gehen. Draußen auf dem kurzen Gange vor der steilen Treppe be= gegnete er ihr. Sie trug die Flurlampe in der Hand und einen gefüllten Teller, und das Licht beleuchtete ihr ernſtes Gesicht.

" Fräulein Marie," sagte er, habe ich Ihnen etwas gethan?"

"

Nicht daß ich wüßte," antwortete sie kalt, und dann fügte sie hinzu: Gute Nacht, Herr Breiten­bach," und ließ ihn stehen.

Jezt hatte er an ni jts mehr Freude, und seine Staffelei und den Malkasten unter dem Arm, ging er traurig nach Hause.

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Die ganze Nacht fand er fast keinen Schlaf. Immer sah er sie mit der Lampe, die sie so wunderbar beleuchtete; und wenn er zu ihr kam und sie fragte: " Ja, kennen Sie mich nicht?" dann antwortete sie stets: Nicht daß ich wüßte. Gute Nacht, Herr Breitenbach." Und diese Erscheinungen drängten sich aufeinander wohl in die hundertmal, und jedesmal hatte sich ihre Gestalt dabei verändert, und jedesmal ward ihr: Nicht daß ich wüßte. Gute Nacht, Herr Breitenbach!" schärfer und zischender, und jedesmal legte es sich wie ein Stein auf seine Brust, daß er sich vorkam wie unter einem großen Steinhaufen liegend, der immer drückender auf ihm lastete-bis er zu ersticken drohte und jählings erwachte.

Da fühlte er seine Stirne mit Schweiß bedeckt, und weil er glaubte, er hätte eine Ewigkeit gelitten,

"

Was sie nur hat?" sondern in dem besseren: Es wird schon wieder recht werden!"

Mit Absicht hatte er eine Zeit gewählt, wo er sie allein wußte, und gedacht sie rasch wieder für sich zu gewinnen. Als er jedoch die Treppe hinauf ging, klopfte ihm doch das Herz, und vor der Thüre des Speisesaales, die nur angelehnt war, blieb er lauschend stehen.

Er hörte sie mit jemand Fremden sprechen, dessen Stimme ihm ungemein bekannt vorkam, und als er durch den Thürspalt sah, gewahrte er den breiten Rücken einer schwarzen Gestalt, deren ihm zugekehrter, dicker Kopf in der Mitte des Scheitels eine kleine, dicker Kopf in der Mitte des Scheitels eine kleine, runde, glattgeschorene Stelle trug.

"

Was will ein Geistlicher hier?" fragte er sich. Darauf schritt er gefaßt durch die Thüre und wollte gleich, ohne aufzusehen, an einen der hintersten Tische eilen, als er eine laute, deutliche Stimme hörte: ,, Da ist er ja!"

Als er sich umwandte, sah er sich seinem Bruder gegenüber, der aufgestanden war und einen langen, mißbilligenden Blick über seinen Sammitrock mit dem wehenden Schlips und die langen Künstlerhaare warf. Er war über und über bestürzt.

Ich habe Dich auf Deinem Atelier in der Akademie aufsuchen wollen und wurde hierher ver­wiesen," ſagte Ludwig.

Der hielt dieselbe, ohne sie zu drücken, eine ganze Weile schweigend in der seinen und setzte sich dann. Wie geht es Dir, Mar?" ,, Danke

1899

Es ist Freitag heute, mein Bruder."

"

Mar wurde feuerroth, schob den Teller weg und

eine Cemmel, die er einem auf dem Tische stehenden Körbchen entnahm.

Schweigend verzehrten die beiden Brüder ihr Brot, dann begann Ludwig zu sprechen. Seine Worte kamen in gleichmäßigem Tonfalle aus dem Munde, wie die Zeitungsbogen aus einer Druck­maschine, das Gesicht blieb fast unbeweglich, und während die Augen geradeaus gerichtet waren, be­wegten sich nur die wulstigen Lippen.

"

" Nicht immer," begann er, dürfen unsere Win­sche für das Thun unseres Lebens maßgebend sein, nur wenn sie übereinstimmen mit dem, was Gott billig ist, und nicht auf etwas Leichtes abzielen, dürfen wir ihnen bisweilen Folge leisten. Weil mich die Leute unseres Dorfes dort als Priester sehen wollen, weil die Wünsche meiner Mutter mit den meinen über­einstimmen, weil ich weiß, daß ich in meiner Heimath viel thun kann, bin ich hierher gekommen, um per= sönlich Schritte zu thun, dort verwendet zu werden." So bist Du nur vorübergehend hier?" frug Max.

zu.

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Ludwig warf seinem Bruder einen scharfen Blick Das scheint Dir gelegen?"

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,, Nein, nein!" antwortete Max hastig, und ohne daß er es wollte, wurde er wieder feuerroth; und da gerade Marie sich auf einen Stuhl in der Küche mit einem: Mit Erlaubniß, Hochwürden!" nieder­ließ, sagte er, um seine Verlegenheit zu verbergen: ,, Guten Abend, Marie!"

"

"

Guten Abend," erwiderte das Mädchen betreten. Und wieder warf Ludwig seinem Bruder einen scharfen Blick zu. Doch," fuhr er dann fort, nicht allein meinetwegen, sondern auch Deinetwegen bin ich hierher gekommen, Mar! Lange fonnte ich, mit den Vorbereitungen zu meinem Amte beschäftigt, nicht nach Dir sehen, und Bangigkeit befiel mich, Du möchtest die Pfade des Leichtsinns weiter gewandelt sein, die Dich schon einmal so schlecht geführt haben!"

Marie horchte erstaunt auf.

"

Ich habe mich viel beschäftigt, mir feste Ansichten über Kunst zu bilden, und ich hoffe, auch Du wirst danach gestrebt haben, und von der Erkenntniß durch­" Ja, ja," erwiderte Max fast ohne Fassung, drungen sein, daß, wie nur ein Gott ist, auch nur eine Kunst berechtigt ist." Er sah wieder zu seinem und reichte seinem Bruder die Hand. Bruder hiniiber. Wir werden noch darüber sprechen, ebenso wie über Kirche und Religion, daß ich Dich festigen kann in Deinen Ansichten!" Dann begann er von den Wonnen und dem ernsten, harten Ringen des Priesters zu sprechen, von ihrer gemeinsamen Mutter, der gemeinen, und doch so erhabenen, gott­frommen Frau, und bei all' den Worten, die wie harte Hammerschläge an sein Ohr flangen, wußte Max sich nicht ein noch aus.

.. gut!"

Marie brachte Mar hierauf wie gewöhnlich eine schmackhaft zubereitete Speise, Ludwig verlangte ein Stück Brot. Als Mar, um seine Verlegenheit zu verbergen, rasch mit dem Essen beginnen wollte, verbergen, rasch mit dem Essen beginnen wollte, legte ihm sein Bruder die Hand auf den Arm.