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Nr. 53
( Schluß.)
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Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
achdem der alte Pfarrer so gesprochen hatte, suchte er mit seinen furzsichtigen Augen nach seinem Zylinder, den er irgendwo hingestellt hatte und jetzt in der bereits eingebrochenen Dämmerung nicht gleich sah.
Hier ist er," ſagte Ludwig, und holte ihn von einem Stuhl.
"
"
Danke, danke!"
Wollen Sie Licht?"
Nein, nein, danke, Herr Kaplan!"
Ludwig öffnete die Thür und geleitete seinen Vorgesetzten durch den dunklen Gang nach dem Treppenhause und sah ihm dann nach, wie er vorsichtig und zagend die theilweise dunkle Treppe hinabtappte.
Ein verächtliches, bitteres Lächeln umspielte seine Lippen. Dann begann es sich in seinem Inneren zu regen und zu winden in knirschender Wuth, daß er die Fäuste ballte.
Von diesem, diesem sollte er sich solche Dinge sagen lassen müssen! Von diesem, der ebenso ängstlich vorsichtig im Leben war, wie er jetzt die Treppe hinunterging, der jedes Mühsal, jede Aufopferung scheute. Ein Mann, der nie gerungen hatte, Alles. gleich genommen, wie es war, der zu feig war, etwas mit Kraft durchzuführen, der über Alles die Behaglichkeit liebte, der seinen dicken Bauch mit Stapaunen und leckeren Speisen mästete und das Hirn von Wein betäubte wie ein Prasser, ein Epifuräer, ein Sybarit?... O, er schüttelte die geballten Fäuste; der durfte ihm solches sagen, ihm, der entbehrt und gelitten und gerungen hatte, um nach des Herrn Wort zu leben!
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18
Für
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Doch der Herr wollte nicht, daß man auf seine Nächsten zirne, man sollte sie lieben!
Jenen sollte er lieben?
Das lohende Gefühl des Hasses drückte er hinab. Herr, es galt nicht Jenem, sondern nur dem Schlechten, das er that.
Er begab sich zurück in's Krankenzimmer. Doch die Dämmerung, aus der die weißen Kissen des Bettes leuchteten, und das Stöhnen des Kranken und seine Fieberphantasien machten ihn unruhig.
Leise zündete er die Lampe an und begann auf die weiße Stirn des Fiebernden, die leuchtend über dem blutrünstigen Gesichte lag, einen neuen Umschlag zu machen.
Plötzlich kam ihm der Gedanke: Wenn er stürbe? Aber wie der Gedanke gekommen war, war er auch wieder weg, und gleich darauf kam der Arzt.
Da fragte er doch, nachdem sie den Kranken gemeinschaftlich gebadet hatten:" Sagen Sie, Herr Doktor, kann der Ausgang ein tödtlicher sein?"
,, Exitus letalis," erwiderte der Arzt, ist hier
Die Brüder.
Erzählung von Hermann Horn.
We
nicht so häufig, wie man gemeinighin anniuunt, allerdings unser Patient scheint förperlich sehr heruntergekommen zu sein, allem Anschein nach durch heftige, seelische Erregungen oder dergleichen, und man fann nicht wissen. Na, aber nur konsequent, Herr Kaplan! Soll ich Ihnen für die Nacht eine barmherzige Schwester schicken?"
" Nein, nein," wehrte er hastig ab. Bald darauf ging der Arzt.
,, Exitus letalis," begann Ludwig vor sich hin zu murmeln und begann hastig die Umschläge zu erneuern. Nur tonsequent, konsequent, das ist die Hauptsache.
Aber es begann wieder und summte ihm im Ohr: ,, Exitus letalis". Noch nie hatte er solch eine Stimmung gehabt wie heute. Er war in einer seltenen Aufregung und der faltblütige Gleichmuth seiner Gedanken war fort.
War er eigentlich schuld an seinem Tode? Das heißt, konnte man ihm eine Schuld beimessen, wenn der Kranke starb?
Sein Gedankengang ward durch Mar unterbrochen, der laut fieberte. Seltsam, wie das heute von Jenem auf ihn überging, wie dieses Gemurmel seinen Kopf umfaßte, wie mit frallender Geierklane, und ihn beugte, daß er athemlos jedem Geräusch lauschen mußte. Es war zu dunkel, das war es, er mußte noch eine Lampe anzünden.
Er erhob sich.
Doch was beugte ihn da wieder nieder? Dort an der Wand eine ungeheuere, schwarze Gestalt, die eine mächtige Hand mit ungeheueren Krallenfingern nach ihm ausstrecte!
Unsinn, das war sein eigener Schatten.
Er beugte sich, da beugte der sich auch, er schüttelte die Hand, da that der es auch in schattenhafter Uebertreibung.
Wie man ein Pferd zwingt, vor dem Gegenstande, den es scheut, auf und ab zu gehen, ging er einige Male hin und her und beobachtete mit erzwungener Aufmerksamkeit seinen Schatten.
Die andere Lampe steckte er nicht an, sondern setzte sich gebeugt an's Bett. Die Füße schlug er unter den langen Priesterröcken, die er noch an hatte, übereinander, und das Haupt stüßte er in die Hand, daß an der Wand gegenüber ein grauschwarzer Berg zu lagern schien.
Da begann sein Bruder dicht neben ihm wieder lauter zu sprechen:„ Ach Ludwig, Ludwig, ich habe so Kopfweh...! Und warum denn nicht...? Warum nicht, ich kann's nicht einsehen...! Ich war so glücklich...! O, ich... sterben möcht' ich, sterben...!"
Dann war Alles wieder ganz ruhig.
1899
Diese Nuhe packte ihn mit grinsender Angst und trieb ihm die Augen aus den Höhlen. Todt?
Er fuhr mit beiden Füßen auf, daß sein Schatten wild an der Wand schwankte, und beugte sich über den Unglücklichen.
Unheimlich blickte ihm das bleiche Antlitz aus der Dämmerung entgegen.
"
Mar," schrie er,„ May!"
Keine Antwort.
Er fuhr grausend mit der Hand über das Gesicht des Fiebernden, und ein talter Schauer durchlief seinen Körper, als seine Finger die naßkalte Haut spürten. Dann grub er unter der Bettdecke nach dem Herzen. Das schlug noch wild und heftig, er hatte sich ges täuscht, jener lebte noch.
Jetzt fing er an im Zimmer auf und ab zu wandeln von einer Seite zur anderen, daß sein dunkler Schatten in schwankenden Stößen an den Wänden entlang huschte. Dabei begann es in seinem Stopfe zu freisen.
Wenn man todt ist, so hat der Tod eine Ursache, das war klar, und wenn er die Ursache des Todes seines Bruders war, so war er, das war nicht ab= zuleugnen was denn...? Konnte er nicht mehr denken?
-
Nein, halt, etwas Anderes!
Er hielt in seinem Laufen inne.
So ähnlich hatte er gekämpft und gelitten, als ihm die Sünde nahe gewesen war, nächtlich, beim einsamen Gebete. Aber er konnte jetzt nicht beten. Die Willenskraft... fort... Die war fort.
Was fehlte ihm denn? Was für eine Sünde war ihm denn nahe? Der Stolz, die Streitlust oder... Unsinn, Unsinn... die Neue? Lächerlich, das war ja gar keine Sünde.
Er und Neue? der sich nie etwas zu schulden hatte tommen lassen!
Wieder begann er im Zimmer hin und her zu laufen. Dabei kam es ihm einen Augenblick in den. Kopf: Warum Du Dir den Schädel nicht an den Wänden einrennst, und er hatte eine Art Bewunderung seiner selbst, als er, wie der Endpunkt eines Wirbelwindes, als drehe ihn eine heimliche innere Macht, dicht vor der Wand jedes Mal auf den Hacken herumflog.
Dann aber ging Alles mit ihm in einem wiithenden Kreise umher: Wenn der Tod eine Ursache hat, knirsche es in ihm, wenn der Tod eine Ursache hat, dann... dann... vorwärts, dann war er... wenn der Tod eine Ursache hat, dann... war er ein... Brudermörder!
Er brillte auf, wie ein zu Tode getroffener Stier, und seine Stimme schnappte in wahnsinniger