JXv. 15 Jllustrierkes Unkerhallungsblakt 1918 iEm vor q<2fcl)icl)t li'cl)?! Roma n von'9acP~<rXonöo n �einp Urmutter nahm in seinem Gedächtnis nicht viel Platz ein. Wohl die früheste, sicherlich die schärfste Erinnerung knüpfte sich an folgenden Vorfall. Er lag auf dem Waldboden, etwas älter als ein Nestling, aber immerhin noch ziemlich hilf» los. Er wälzte sich auf dem dürren Laub und spielte, leise vor sich hinbrummclnd, mit den trockenen Blättern. Es war ihm wohl und behaglich im warmen Sonnenschein. Vor ihm dehnte sich eine klein» Lichtung, rings um ihn wuchsen Sträucher und Farne, und darüber wölbte sich das Zweigdach der Riesenstämme. Plötzlich hörte er einen Laut. Schnell hockte er sich auf und horchte gespannt bewegungslos. Kein Laut kam mehr aus seiner Kehle. Der Ton kam näher; es klang, wie das Grunzen eines Schwei- nes. Nun schien ein Körper durch da» Unterholz zu streifen. Die Farnwedel schwankten hin und her; dicht bei ihm teilten sie sich. Glut- aug«, eine lange Schnauze mit weißen Hauern starrten ihm ent- gegen. Es war ein Wildeber. Neu- gierig äugte er das kleine Geschöpf an. Er grunzte wiederholt, stampfte mit den Vorderläufen und setzte durch sein Kopfschütteln die Farne in schwingende Bewegung. Das Kind hockte wie versteinert am Boden und blickte, namenlose Angst im Herzen, mit starren Augen das Untier an. Diese Laut- und Be- wegungslosigkeit war wohl an- gebracht, instinktiv unierdrückte es, trotz aller Angst, jeden Schrei, Der Eber trollte nun ganz aus den Farnen beraus und kam auf die Lichtung, Der Ausdruck der Neugierde schwand aus seinen Augen und machte einer grausamen Lüsternheit Platz. Drohend wandte er das Haupt gegen das Kind und kam Schritt für Schritt näher. Jetzt stieß das Kind in seiner Not einen lauten Schrei aus einen gellenden Angst­ruf. Es tat auch jetzt instinktiv wieder das Richtige. Aus der Nähe' antwortete sofort ein anderer Schrei, Durch diese Laute ver- blüfft, stampfte der Eber wieder unentschieden das Erdreich, Durch die Büsche brach jetzt in rasender Eile eine Gestalt. Es war des Kindes Mutter einem großen Orang-Utan oder Schimpansen nicht unähnlich, doch mit un- verkcnnbar anderen Körperverhältnisten. Sie war kräftiger gebaut als diese Affen und war weniger behaart, hatte auch keine so langen Arme, aber kräftigere Beine. Außer ihrer natürlichen Behaarung trug sie keinerlei schützende Kleidung, In ihrer Ausregung glich sie jetzt einer Furie. Wutschnaubend kam sie angerast, Sie fleischte die Zähne, schnitt fürchterliche Gri - massen und stieß fortgesetzt drohende Laute aus, die wiekh ah! kh ah!" klangen. Ihr unerwartetes Erscheinen wirkte so ein- ...................... Mädchen...................... j Wer weiß, was in ihren Köpfen spukt,! Daß eine jede so seltsam guckt. Und daß es um ihre Lippen zuckt. . Ich sah die eine am Fenster stehn, s Die andre sah ich den Feldweg gehn, ! Die dritte Hab ich im Park gesehn. z: ; Und es war Frühling und war April ! Und ein Lüftchen wehte sonnig und still\ | WaS wohl ein jedes der Mädchen will...?- Leo Äeller,! schüchternd, daß der Eber, als sie auf ihn losfuhr, sich unwillkürlich zur Verteidigung duckte und die Haare sträubte. Blitzschnell stürmte sie zu ihrem Kinde. Die momen- tane Verblüffung des Untiers ausnutzend, sprang das Kind auf seine Mutter zu und umklammerte sie mit Armen und Beinen. Mit dem sich festklammernden Kinde sprang die Mutter in die Höhe und erfaßte einen der überhängenden Aeste. Schon im nächsten Augenblicke sauste der Eber m-t wetzenden Hauern unter ihr durch. Er hatte sich inzwischen von seiner Ueberraschung er- holt: mit einem trompetenartigen, quieken- den Schrei stürzte er vorwärts. Das wirkte wie ein Signal. Bon allen Seiten brachen jetzt Wildschweine durch Unterholz und Farne auf die Lichtung, wohl an die zwan- zig Stück, Zu spät. Die Mutter schwang sich auf einen etwa vier Meter über dem Erdboden befindlichen Ast, wo sie mit dem sich an sie anklammernden Kinde in Sicher- heit war. In ihrer großen Aufregung schnatterte, kreischte und schimpfte sie hinab auf die sich unter ihr zusammenrottende, borstige, zähnewetzende Bande. Zitternd schaute das Kind hinunter auf die wütenden Bestien, versuchte aber nach Möglichkeit da» Geschrei der Mutter nachzuahmen. Aus der Ferne kamen jetzt ähnliche, aber tiefer klingende Laute, mehr einem dumpfen Brüllen ähnlich. Das Brüllen wurde lauter und kam näher; das Kind sah seinen Vater heranstürmen. Eine große Schön- heit freilich war dieser Vater nicht. Halb Affe und halb Mensch, kein völliger Affe mehr und doch auch noch kein Mensch. Kurzum, schwer zu beschreiben. Weder auf Erden, noch in oder unter der Erde gibt es heutzutage ähnliche Geschöpfe. Für damalige Verhältnisse muß er ein starker Mann gewesen sein, der mindestens feine 130 Pfund an Gewicht halle. Das Gesicht war breit und platt. Starke Brauen hingen über die Augen. Diese selbst waren klein, tiefliegend und stan- den nahe zueinander. Eine Ras« war kaum vorhanden. Das, wa« man dafür annehmen konnte, war ein kurzer, breiter Hautwulst, offenbar ohn« Steg, mit Nüstern, die wie Löcher aus dem Gesicht starrten. Die Stirn sloh über den Augen weit zurück. Das Haupthaar be- gann dicht über den Augen und reichte bis in den Nacken. Der Kopf war lächerlich klein und saß auf einem ebenso lächerlich dicken und kurzen Hals. Der ganze Körperbau zeichnete sich durch eine außerordentliche Dürftigkeit aus, was wohl bei der Raffe damals allgemein der Fall war Zwar war sein Brustkasten außerorden!- lich hoch gewölbt, aber es fehlten die schwel- lenden Muskeln, die breiten Schultern, Sc«