Nr. 144.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
15. Jahrg.
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Mernsprecher: Amt I, nr. 1508. Telegramm Adresse: „ Bozialdemokrat Berlin".
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Donnerstag, den 23. Juni 1898.
Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.
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Am 16. Junt habt Ihr Eure Schuldigkeit gethan. Ihr habt das deutsche Vater-| den Beschlüssen des Parteitages, unseren Genossen den Weg des Handelns scharf und Jedem land vor der anstürmenden Horde der Großkornwucherer und sonstigen Ausbeuter gerettet, verständlich hingezeichnet. die sich unter dem Zeichen des goldenen Kalbs und der Knute zu gemeinsamem Raubzug Wohl hat auch der 16. Juni die alte Wahrheit von der einen reaktionären gesammelt" hatten. Ihr habt die vaterlandslosen Gesellen, die den Namen des Masse" bestätigt, immerhin sind jedoch innerhalb dieser einen reaktionären Masse" Baterlandes nur dann im Mund haben, wenn sie darauf ausgehen es zu plündern und zu unterschiede vorhanden. Und, während es auf der einen Seite für keinen Genossen einem fnebeln, mit blutigen Köpfen heimgeschickt und ihnen einen Denkzettel gegeben, den sie nie Zweifel unterliegen kann, daß wir in einer Stichwahl zwischen gleich reaktionären Volksvergessen werden. Ihr habt das Spiel der frechen Umstürzler vereitelt, die das feinden( Junkern, Bauern[ richtiger Bauernfängern] bündlern, Antisemiten, ChriftlichGrundrecht des deutschen Volkes, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht vernichten Sozialen, Nationalliberalen und anderen Konservativen aller Schattirungen) absolute und unser Vaterland, durch Zerstörung des einzig sicheren Rechtsbodens der Neutralität zu beobachten haben, so unterliegt es auf der anderen Seite ebenso wenig Volkssouveränität, zur Befriedigung schnöder Sonderinteressen in den einem Zweifel, daß es selbst mörderische Thorheit wäre, wenn Kandidaten solcher Strudel der Revolution stürzen wollen. Parteien, die wenigstens einen Theil unserer eigenen Forderungen vertreten, von uns mit gleichem Maße gemessen würden, wie die Kandidaten der Großkornivucherer und Wahlrechts- Umstürzler, deren einziges Ziel es ist, das Volk auszupressen, aus. zuhungern und politisch zu entmündigen. Die Erklärung unseres Zentral- Wahlkomitees spricht nur aus, was jedem Parteigenossen seine eigene Vernunft sagen muß. Laßt Euch nicht täuschen durch gleißende Versprechungen! Prüft die Thaten und nicht die Worte.
Ihr habt Euch wohl verdient gemacht um das Vaterland. Und der Dank des Vaterlandes gebührt Euch!
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Aber der Kampf ist noch nicht zu Ende. War auch der 16. Juni ein ruhmreicher Siegestag für das deutsche Volt und für die Sozialdemokratie, auf welcher das Wohl und die Zukunft des deutschen Volkes beruht, so hat er doch in einer sehr großen Zahl von Wahlkreisen noch nicht die endgiltige Entscheidung gebracht; und der Hauptwahlschlacht, obwohl das feindliche Heer geschlagen und zersprengt ward, muß deshalb noch eine Reihe von Stichwahlen folgen, damit der geschlagene Feind sich nicht mehr an Punkten festjeßen kann, von denen aus er im stande wäre, sein volts- und vaterlandsfeindliches Treiben wieder aufzunehmen.
In mehr als hundert Wahlkreisen ist unsere Partei direkt am Kampfe betheiligt. Hier ist die Losung einfach und klar:
Nieder mit dem Feind! Und der kräftigste Hieb der beste! Wo die rothe Fahne der Sozialdemokratie weht, da winkt der Sieg. Und ist auch anscheinend die Uebermacht noch so erdrückend,
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Vor der Wahl lügen die Feinde des Volkes das Blaue vom Himmel herunter nach der Wahl kommen die Fußtritte, der Aderlaß durch erhöhte Kornzölle und indirekte Steuern, der Knebel und wenn dieser nicht genügt: die Flinte, die schießt, der Säbel, der haut!
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Dem Fabrikpafcha und dessen Agenten, der Euch seine Liebe zum allgemeinen Wahlrecht betheuert, und bei der Wahl durch die verwerflichsten Kniffe und die brutalsten Einschüchterungen die freie Wahl unmöglich zu machen sucht dem ruft zu: Heuchelei und Lüge!
Dem Großkornwucherer, der seine Zunge vor Liebe zum Volk und zum Vaterland ruft ihm zu: Heuchelei und Lüge!
,, nicht zählen wir den Feind, nicht die Gefahren all!" Viel Feind', viel Ehr'. Je mehr Feind', desto mehr Ehr'! Nieder mit dem Feind! Gleichviel ob er den Bettelsack des Junkers, die triefen läßt- Hungerpeitsche des Schlotjunkers oder das Hasenpanier des liberalen oder gar demokratischen Angstphilisters schwingt. Wer nicht für uns ist, ist wider uns! Und Kleinen, der wider uns, schont unser Hieb. Da giebt es blos einen Gedankeu; blos ein Ziel: Nieder mit dem Feind! Nicht so einfach und klar liegen die Dinge in den Wahlkreisen, wo gegnerische Parteien im Kampf gegen einander stehen, und wir nicht direkt zu kämpfen haben. In Bezug auf diese Wahlkreise hat das Zentral- Wahlkomitee unserer Partei, gemäß
Freifinniger Flitterkram.
Laßt Euch nicht täuschen, laßt Euch nicht beirren- Furcht kennt der Sozialdemokrat ja nicht! seid gefeit gegen jede Lockung, gegen jeden Trug! Ihr kennt Eure Pflicht!-
Ihr kennt Eure Feinde!-
Zhut Eure flicht, schlagt Eure Feinde! Nieder mit den Junkern und Junkergenossen!
Rentiers überwuchern mit ihrem Einfluß und vertreten rück- in einer Klasse auf einer Bank zusammenfigen müssen? sichtslos und ausschließlich ihre Interessen. Und das nennt und dann, wozu hat er seine Vertretung in der Gemeinde? Zu einem der beliebtesten Schaustücke freisinniger Agita- man in der freisinnigen Sprache demokratische Grundsäge. Die Vorschule in unseren höheren Lehranstalten hat nie unter tionstünste gehört die Betonung ihrer demokratischen Grund- Hören wir einmal, was der Führer der freisinnigen der Ueberfüllung des Klassenzimmers zu leiden; in der Volksfäße. Die Partei prahlt mit den schäbigen Resten der bürger- Partei, als in seinem Lager selbst Zweifel an diesen frei schule, da mag sich der Lehrer mit 50 bis 60 und mehr lichen Demokratie, die sie mit Mühe und Noth in ihr Pro- sinnigen Grundsäßen laut wurden, antwortete. Er schrieb im Kindern abmühen. Für die Kinder, der besitzenden Klasse ist gramm hineingeflickt hat. Nur noch bei den Wahlen werden August 1894 in der Freisinnigen Zeitung" in bezug auf das gesorgt, sie brauchen sich auf den Schulbänken nicht zu drängen. die alten Ladenhüter als Lockspeise für die Arbeiter an-| allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht zu den Die Trennung der Kirche vom Staat läßt gepriesen, sonst mag der liberale Philister nichts von ihnen Gemeindevertretungen: freisinnige Mannen bei der Programmberathung in heftigen hören. Zorn gerathen. Die freisinnigen Führer haben den liberalen Philister richtig eingeschätzt. Er braucht den Zuspruch des staatlich besoldeten Pfarrers, damit er ihm Absolution ertheile für seinen Verrath an den Volksrechten.
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„ Die Anwendung des Reichstags- Wahlrechts würde auch in Aber die Arbeiter sind mißtrauisch geworden; nicht in den fleinen Landgemeinden mit ungleichartigen Besitzverhältnissen dazu Händen der Freisinnigen glauben sie ihre politischen Rechte in führen, daß einzelne Grundbesißer durch ihre Knechte und sonstige sicherer Hut, sondern dort, wo die Demokratie in Jugendfrische feſt von ihnen abhängige Leute die ganze Gemeindeverwaltung beund unerschütterlich ihr Ziel verfolgt. Und sie haben gegenwärtig Herrschen." Bei Militärforderungen hat die freifinnige Partei mehr denn je Anlaß, aus den Thaten der Freisinnigen, aus ihrem Nichts als Spiegelfechterei ein solcher Einwand. Gerade nur immer ihr Gebot unter das der Regierungstage gehalten. Hin- und Herschwanken in wichtigen politischen Fragen, ihrer das Zensus- Wahlrecht giebt dem Junker auf dem Lande die 1893 handelte es sich darum, ob sie zu 25 000 Mann mehr Sucht, nach oben zu gefallen und den satten Bourgeois gegen die Herrschaft in die Hand, im Gutsbezirk hat er sie so wie so. ja fagen, oder dem Regierungsprogramm entsprechend „ Begehrlichkeit" der Arbeiterklasse zu schützen, die Schluß- Die Gemeinde wird sich mit dem Reichstags Wahlrecht weit das Gebot auf 36 000 Mann erhöhen sollte. Sie hat dem folgerung zu ziehen, daß mit der Demokratie von dieser Seite eher seine Herrschaft vom Halfe halten, aber es fällt auch Militärstaat ihre Verbeugung gemacht; wenn von sozialdemo ein Gaufelspiel getrieben wird. Ihre politischen Grundsätze die Macht des Geldprogenthums in den großen kratischen Rednern wuchtig die Militärmißhandlungen gesind Flitterkram, der hübsch glänzt und manchen beirren tann, Städten und da packt den freisinnigen Führer das Ent- geißelt werden, beschleicht sie ein Gefühl der Unbehaglichkeit, hinter dem aber nichts steckt, als das nackte Interesse des segen. Das ist der Kampf der freisinnigen Partei gegen das und schließlich stimmt sie einer Militär- Strafprozeß- Ordnung mobilen Kapitals. Junkerthum, daß sie lieber die Gemeindeverwaltung den Händen zu, die in nur zu vielem noch an die Zeiten der Profoffen Die wahre Demokratie will die Antheilnahme aller am des Junkers anvertraut, als den Arbeitern. und des mittelalterlichen Söldnerthums erinnert, aber nicht politischen Leben, sie will die Rechte des reichen Proßen nicht Da wir einmal bei den ländlichen Arbeitern sind, so ist vom Geist einer modernen Rechtsauffassung getragen ist. Unhöher bewerthen, als die des einfachen Arbeiters. Will das es nicht minder bezeichnend für den Freisinn, welche Stellung entschlossenheit, zaghaftes Zurückweichen, wenn die Regierung die freisinnige Partei nicht auch? Jedenfalls nicht für alle er zur Beseitigung der Gesinde- Ordnung einnimmt. In der energisch ihren Absichten Geltung verschaffen will, das ist politischen Vertretungen. Für die Gemeinde lehnt sie in Polemik mit der Berliner Volfs- Beitung" über diesen die parlamentarische Taktik der Partei.
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ihrem Programm das allgemeine gleiche direkte und geheime Punkt erhebt die Freisinnige Zeitung" im Jahre 1894 In sozialpolitischen Fragen vertritt sie einen Wahlrecht ab, weil sie hier in einigen Städten vermöge des den Einwand, es gäbe außer der preußischen durchaus rückständigen Standpunkt. Feindin jeder Arbeitszeit. Zensuswahlrechtes die Herrschaft besikt und weil sie befürchtet, Gesinde- Ordnung in Deutschland noch zahlreiche andere; hätte begrenzung von seiten des Gesetzgebers, vertheidigt sie unter die Sozialdemokratie könnte dann als erbberechtigt auftreten. man also im Programmentwurf die Aufhebung der preußischen der Maske der Arbeiterfreundlichkeit den Standpunkt des soMan will den besigenden Klassen das Vorrecht des politischen Gesinde- Ordnung verlangt, so hätte man auch die Aufhebung genannten freien Arbeitsvertrages. Das heißt, dem Unternehmer. Einflusses lassen und der„ demokratische Freisium" erkennt der übrigen verlangen müssen, und dann wäre das Programm soll das Recht der uneingeschränkten Ausbeutung der Arbeiter gedieses Begehren als berechtigt an. Ja sämmtliche freisinnige zu lang geworden. wahrt bleiben. Diesem schönen Grundsatz haben es auch die
Vertreter haben im Landtag in Sachsen- Meiningen die Hand Ganz diesem Standpunkt entsprechend, hatte denn auch bei städtischen Gasanstaltsarbeiter zu verdanken, daß sie bei ihrer. dazu geboten, das Wahlrecht zu verschlechtern, um der ärmeren Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuchs der Abg. Lenzmann schweren Arbeit 12 Stunden angestrengt thätig sein müffen Bevölkerung in den Gemeinden ihr politisches Recht zu rauben. von der freisinigen Partei einen Antrag der Sozialdemo- und am Ende der Woche in der Wechselschicht sogar 18 Stunden Wie kann eine Partei den Namen Volkspartei führen, die allen kraten, der die Beseitigung dieser slavischen Rechtsordnung frohnden. Ein Arbeiterausschuß in diesen Betrieben wurde demokratischen Grundsägen ins Gesicht schlägt, für die das verlangte, niedergestimmt. Das Programm der Partei ist mit erst von der freisinnigen städtischen Verwaltung eingeführt, gleiche Wahlrecht ein unbequemer Ballast wird, wenn er ihrem dieser Forderung nicht beschwert, über seine Länge kann man nachdem die Arbeiter zum Streit gegriffen hatten, um sich Streben nach politischer Herrschaft gefahrdrohend werden kann. sich nicht beklagen. Dagegen enthält es so dehnbare und ge- gegen die übermäßige Arbeitszeit zu wehren. Gerade die gegenwärtige Zeit fordert gebieterisch, die drechselte politische Grundsäße, daß kein freisintiger Vertreter Das sind freisinnige Musterbetriebe! politischen Rechte der Besitzlofen zu erweitern. Die moderne Gefahr läuft, mit ihnen in Konflikt zu gerathen. Aber die Herren achten auch die Aus- 1 Entwickelung im Handel, in der Industrie läßt tausende aus Eine alte Forderung der Demokratie ist die Einheit beutungs- Freiheit in Privatbetrieben. Wie dem Mittelstande ins Proletariat hinabsinken. Der kleine Hand- lichkeit der Volksschule. Bei der Programm- ist nicht die Pferdebahngesellschaft bei Abschluß ihres Verwerker, der selbständige Kaufmann, der Arbeiter, sie alle, die im berathung schwebte einigen Freifinnigen auch etwas von diesen trages im Jahre 1897 mit den freifinnigen Berliner Stadt schweren Kampfe um ihr Fortkommen auf eine geringe Einkommen Dingen vor. Aber wieder trat der Allgewaltige Eugen Richter räthen umgesprungen. Einen Vortheil nach dem anderen stufe herabgedrückt werden, verlieren bei dem Zensus- Wahlsystem hervor, um sich sehr entschieden gegen dieses Verlangen schacherte ihnen die geriebene Gesellschaft ab, das Publikum in der Gemeinde ihren Einfluß. Der Besiz, ein paar Leute auszusprechen. Was wäre auch daraus geworden, wenn die und die Angestellten mußten herhalten, um die hohen Profite der Großindustrie, des Großhandels, der Grokbank, die reichen Kinder des reichen Börsenjobbers mit denen des Proletariers sicherzustellen. AS von den sozialdemokratischen Ver
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