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für 1891 unter Nr. 6469.
Vorwärts
8. Jahrg.
Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vor mittags geöffnet.
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Redaktion: Beuth- Straße 2.
An die Parteipreffe. Die Expeditionen der Parteiblätter werden ersucht, während der Dauer des Parteitags zu Erfurt eine Anzahl Exemplare der in ihrem Verlag erscheinenden Parteiorgane an das Lesezimmer des Parteitags zu senden.
Die Bourgeois- Republik.
Dienstag, den 13. Oktober 1891.
Expedition: Beuth- Straße 3.
theilung der öffentlichen Lasten. Das sind tische Regierungsform ist, immer gleich unfruchtbar bleibt Redensarten, wie sie jede Regierung im Munde führt an tieferen sozialpolitischen Jdeen und wie sie immer gerade und die darum feinen besonderen Werth haben; die den Fragen, um die sich die ganze soziale Bewegung Phrase von der„ Versöhnung zwischen Kapital und Arbeit" unserer Zeit dreht, ängstlich auszuweichen beslissen ist. beweist, daß Herr Freycinet die Natur des großen Herr von Freycinet könnte aus der französischen modernen sozialen Prozesses nicht erfaßt hat und daß er Geschichte wissen, daß schon einmal eine französische die Bedeutung der Klassenkämpfe verkennt. Aber er hat Republik zu Grunde gegangen ist, weil sie sich in sozialauch positive Maßregeln in Aussicht gestellt; er sprach politischen Dingen von der Engherzigkeit der Bourgeoisie von Schiedsgerichten für Streifangelegenheiten, von Maß- leiten ließ. Mit entsprechender Umänderung eines beregeln zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arkannten Thiers'schen Wortes sagen wir daher: beiter und von Kranken- und Altersversicherung. Die Republik wird sozialistisch sein, Wenn die Franzosen wollen, so können sie diese Art oder sie wird nicht sein!" von Sozialgesetzgebung beffer machen, als die gleichartige
Es ist nicht das erste Mal, daß Herr von Freydeutsche; sie können die Dürftigkeit und die bureaukratische cinet, wie er fürzlich in seiner Rede gethan, ein sozial- Einseitigkeit vermeiden, die für die Bismarc'sche Sozialpolitisches Programm für die französische Regierung auf- reform so charakteristisch ist. Aber die französische
geſtellt hat. Er und andere Staatsmänner des republi- Bourgeoisie ist nicht anders als die deutsche und sie wird Politische Leberlicht.
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tanischen Liberalismus in Frankreich haben schon sehr oft gern darauf verzichten, sich eine vernünftige Berlin , den 12. Oktober. betont, daß es dringend nothwendig sei, mit sozial- Revanche" zu verschaffen, indem sie die Sozial politischen Reformen vorzugehen, jedoch ist es fast immer gesetzgebung Bismarck's durch eine bessere und praktischere Die wirthschaftliche Nothlage, über die in ganz dabei geblieben, einige schätzenswerthe Enqueten und andere in den Schatten stellt. Der franzöfifche Bourgeois giebt Deutschland geklagt wird außer Seitens der wenigen Anläufe abgerechnet. Herr Freycinet gehört zu den eben auch lieber einen Sack voll Patriotismus auf, als Glücklichen, für die es überhaupt keinen Nothstand" und dauerhaften" Ministern in Frankreich und hätte als sol- einen Franken von seinem Unternehmergewinn. teine soziale Frage giebt lastet mit ganz besonderer cher gewiß Zeit und Gelegenheit genug gehabt, sich mehr Was aber besonders bezeichnend ist an dem Freycinet- Schwere auf dem industriell hochentwickelten Sachsen . Zu der allgemeinen wirthschaftlichen Krise tommen dort die mit sozialpolitischen Reformen zu beschäftigen. Aber er schen sozialpolitischen Programm, das ist, daß es sich ganz Foiu de famosen Bismarck'schen Wirthschaftshatte Wichtigeres zu thun; er mußte Frankreich mit einem genau auf das Gebiet beschränkt, auf dem sich die politik, die das Ausland, namentlich die Vereinigten Gürtel von Befestigungen umgeben, der die Republik über Bismarck 'sche sogenannte Sozialreform bewegt hat. Das Staaten von Nordamerika zu Repressalien veranlaßt hat. eine Milliarde Frants gekostet hat, ein Werk, von dem ist kein Zufall, sondern nur die Wiederholung einer häu- Die Mac Kinley Bill hat in keinem Theile Deutschman noch nicht weiß, ob es den militärischen Werth hat, figen Erscheinung. Bismarck hat in seiner Sozialreform lands so verheerend gewirkt wie gerade in Sachsen . Die den ihm Freycinet beilegt. Während man hier so ver- das Gebiet abgenagt, auf das sich die von der Bour- amtlichen Ausfuhrlisten sprechen eine beredte Sprache. Und schwenderisch war, wird bei den in Angriff zu nehmen- geoisie im Moment zu erreichenden Konzessionen beschränken; zwar leiden nicht blos die direkt betroffenen Industrieden sozialpolitischen Reformen bei jeder Gelegenheit auch das von seinem Nachfolger vorgelegte„ Arbeiterschutz- zweige, z. B. namentlich die Wirkerei und Weberei, sondern darauf hingewiesen werden, daß man die Mittel Gesetz" ist darüber kaum formell, prinzipiell gar nicht auch andere Industriezweige, wie z. B. die Maschinenbranche, die durch die Stockung der Wirkerei und des Staats nicht allzusehr in Anspruch nehmen dürfe, hinausgegangen. Es ist nur ein Beweis, wie dürftig es weberei in die Krise hineingezogen wird, da für diese und der Bourgeois- Defonom Leroy- Beaulieu hat mit der sozialpolitischen Weisheit der verschiedenen Bour- direkt betroffenen Industriezweige natürlich keine Maschinen bereits den Franzosen einen blauen Dunst vorgemacht, geois- Regierungen bestellt ist, daß sie alle den Bismarck - gebraucht werden. indem er betonte, eine Altersversorgung für Arbeiter, die fchen Spuren gefolgt sind. Sie haben diese kümmerliche Wie groß die Nothlage in Sachsen ist, erhellt mit eretwas splendider ist, als die deutsche, müsse die Finanzen Bismarck 'sche Sozialreform für ein Mittel gehalten, die schreckender Deutlichkeit aus der Thatsache, daß in den der Republik zu Grunde richten. Armes Frankreich , das Klassenbewegung des Proletariats auf Abwege zu leiten, Wählerlisten für die( morgen) bevorstehenden LandtagsJahrhunderte lang die Pumperei seiner Fürsten aushielt, und Herr Freycinet hält sie, wie man sieht, heute noch dafür. Ersatzwahlen Tausende von Wählern gestrichen worden das auch an den Schröpfereien der republikanischen" Die Bourgeoisie aller Länder athmete auf, als der Ober- sind, weil sie den durch das Wahlgesetz gebotenen MinimalBourgeoisie nicht stirbt und nun elendiglich an den Kosten Bourgeois von Friedrichsruh ihr diesen vermeintlichen fatz von drei Mart Steuern nicht zahlen können, für eine Altersversorgung der Arbeiter zu Grunde gehen Ausweg zeigte. Daß Herr Freycinet dem alten Köhler- also ein jährliches Gesammteinkommen von 600 Mart nicht mehr besigen. Wobei zu bemerken, daß das muß! glauben noch huldigt, ist nicht gerade ein Zeugniß von sächsische Landtags- Wahlrecht überhaupt auch in der Das sozialpolitische Rüstzeug des Herrn Freycinet politischem Scharfblick. " guten Zeit" nur den besser fituirten Arbeitern ist recht dürftig, so dürftig, daß man nur erstaunt fragen Auf die Franzosen wird diese Programmrede schon erreichbar war. Gut die Hälfte der sächsischen Arbeiter fann, warum Herr Freycinet damit so spät kommt. Er deshalb keinen besonderen Eindruck machen, weil sie sind auch unter normalen Lohnverhältnissen durch den sprach im Allgemeinen von Versöhnung zwischen dergleichen schon gar so oft gehört haben. Im Uebrigen 3 Mart- Zensus vom Wahlrecht ganz ausgeschlossen. Kapital und Arbeit, Verbesserung des tann der Eindruck nur sein, daß man sieht, wie die Beiläufig genügt das den sächsischen„ Liberalen " nicht, und Looses der Armen und gerechtere Ver- Bourgeoisie in allen Ländern, gleichviel welches die poli- wollen sie den Zensus noch erhöhen!-
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
Er kehrt zurück!
Driginalroman von Jean Meroz.
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Das ist der Herr, welcher sich Larirettes als Pfleger angenommen hat.
Sein Gehirn funktionirte nicht und konnte ihm daher Ach, der Bürger Marche- Seul! rief der Lehrling feine Hilfe bringen. Was konnte er sagen, wenn seine aus. Und auf Philibert deutend fügte er hinzu: Tochter ihn mit Fragen bestürmte? Würde sie nicht aus seinen Augen herauslesen, daß er log? Er wollte um feinen Und dann, während Marche- Seul noch immer in Preis, daß sie die Wahrheit erführe, denn dann mußte ihr flar werden, daß er ihr Vater nicht war; das letzte Band, seine trüben Betrachtungen vertieft den Assistenzarzt begrüßte, welches ihn an das Leben fesselte, war dann für immer begann Mijoulet mit großer Lebhaftigkeit das zu erzählen, zerrissen. Ruhig wollte er überlegen, stundenlang und was ihm passirt war, als er sich dem Portier des Hospitals Sie sollten sich von Neuem um sie versammeln und allein; er wollte irgend eine Geschichte erfinden und sie vorgestellt hatte. Als er aber endlich bemerkte, daß Marche- Seul dann sollte es sich zeigen, was eine Frau leisten kann, mit aller Wahrscheinlichkeit ausstatten. Er erhob sich deswelche haßt. Aber der Wagen hielt plöglich. Sie war in halb, nahm seinen Hut, welcher auf dem Kamin lag, um gar nicht auf ihn hörte, entschloß er sich, ihn zu indem er ihm mittheilte, daß sie im dem Hofe ihres kleinen Hotels angelangt. Die Thüre armte Charlotte und gab Michel die Hand, der gar nicht verlassen, öffnete sich und Deshommes' Frau stieg eiligst die Frei- wagte ein Wort zu sprechen, während Madame Ferrand Begriffe ständen, Michel Ferrand zu besuchen. treppe hinauf, um sich in ihr Schlafzimmer zu begeben. ruhig und unbeweglich wie eine Statue am Fuße des Bettes Und sie entfernten sich, während der alte Revolutionär Die Kammerfrau wollte ihr die Namen Derer mittheilen, ihres Sohnes stand dann ging er eiligst davon, da er gekrümmter als je mit schwankendem Schritte seinen Weg welche sich in ihrer Abwesenheit hatten anmelden lassen, sich zu schwach fühlte den perlenden Thränen gegenüber, verfolgte. aber sie wies sie kurz ab. Ju ihrem Busen tochte es, und welche aus den Augen derjenigen rollten, die er seine taum hatte sie mit fieberhaftem Griff ihren Hut herunter Tochter nannte. gerissen und ihr Korset geöffnet, als sie auf ihr Bett sank, Als er auf der Straße war, konnte er sich über den eine Beute furchtbarer Nervenanfälle. Entschluß, den er fassen sollte, nicht klar werden.
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Plötzlich blieb er stehen, er hatte einen Augenblick die Absicht, umzukehren, um Mijoulet und seinem Begleiter zu folgen, welche an der Ecke der Rue Julien- le- Pauvre ver schwanden. Aber mit entmuthigter Miene ließ er diesen Gedanken Als Deshommes wieder zu sich gekommen und die Was sollte er thun? Welchen Roman sollte er erfallen, schielte nach links und richtete seine Schritte nach Schwäche abgeschüttelt hatte, welche die plögliche Erscheinung finden? seiner Frau hervorgerufen hatte, blickte er um sich. In Mit diesen Gedanken beschäftigt richtete er seine Schritte dem Quai Montebello. Er wollte wissen, was das Volk dem Zimmer herrschte Halbdunkel, der Tag ging schnell zu nach der Place Maubert, als er am Ende der Rue Gallande über die neue Regierung dachte, welche es sich gegeben Ende, da der Himmel die bleigraue Farbe des Monats und der Rue des Anglais einen freudigen Ausruf hörte. hatte, und wollte nach dem Place de l'Hotel de ville zurückFebruar zeigte. Ueber Paris lagerte jenes Schweigen, das Er erhob den Kopf und bemerkte vor sich Mijoulet tehren, wo noch gewaltige Massen auf und ab wogen hundertmal furchtbarer ist, als das Pfeifen der Kugeln und strahlend vor Freude in Gesellschaft Philibert's. Sie famen mußten, wenn auch weniger fieberhaft erregt und weniger der Donner der Geſchüße. Charlotte hatte sich aufgerichtet aus dem Hospital und schritten langsam weiter, indem sie lärmend als zuvor. Dieselben erschienen ihm deshalb beund betrachtete ihn mit gefalteten Händen und flehender, über die Ereignisse dieser letzten drei Tage und besonders fähigter, zu denken und die neu geschaffene Situation zu trauriger Miene. über die Wunde Larirettes und über die Güte, die hohe ermessen. Doch Marche Seul hatte sich getäuscht, das Volk war Er begriff, daß sie sprechen und fragen wollte, aber Gesinnung und den mannhaften Muth der kleinen Blumendort noch ebenso erregt, als in den heißen Stunden des verkäuferin plauderten.
was sollte er dann antworten?
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