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Nr. 241.

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für 1891 unter Nr. 6469.

Vorwärts

8. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Sern spredj- Anschluß: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Die Kalernenmoral.

Donnerstag, den 15. Oktober 1891.

Expedition: Beuth- Straße 3.

Kein ernsthafter Sozialpolitiker ist darüber im Zweifel, fungen ,, wie ihn die Bordelle angeblich durch daß die Verelendung der Massen, wie sie der Kapitalis- die Kontrolle gewähren, ein eingebildeter, das ist durch Hatte in der Erörterung des Falles Heinze die Kreuz- mus systematisch erzeugt und tagtäglich potenzirt, der die mannigfachsten Erfahrungen der Vergangenheit dar Zeitung" kurzerhand eine Verschärfung der strafgesetzlichen Springquell auch der modernen Prostitution ist. Die gethan.

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Bestimmungen gegen das Zuhälterthum gefordert, so er- Fortschritte, welche die Industrialisirung des Weibes ge= Aber es handelt sich gar nicht um eine sozialpolitische scheint die Bossische Zeitung" mit einem anderen Vor- macht hat, offenbaren sich auch in der Entwickelung der Maßregel. Man hütet sich, den wunden Punkt zu be­schlag auf dem Plan. Sie empfiehlt mit allerlei Vor- Prostitution. Denn die schlechtbezahlte Weiberarbeit, der rühren, man begnügt sich damit, die Dirnen in Freuden". behalten, auf welche kein Gewicht zu legen ist, und unter reichsprudelnde Born des kapitalistischen Profits, die schlecht- häuser zu sperren, den Besuchern möglichst gesundes mancherlei Ausflüchten, die auch gar nichts bedeuten, als bezahlte Weiberarbeit, welche allen Tücken und Wechselfällen, Material" zu liefern, den schimpflichsten Mädchenhandel ein Hilfsmittel gegen die Louiswirthschaft die kasernirte allen Krisen und Stockungen, dem zügellosen ,, Spiel der wirth- der Bordellwirthe zu einer geduldeten, ja gebilligten That­Prostitution". schaftlichen Kräfte" preisgegeben ist, sie ist die sozial- fache zu machen, und das ist Alles. Was die Reformatoren" der Bourgeoisie fordern, ist Die tafernirte Prostitution", das heißt die staatlich wirthschaftliche Grundlage der greuelvollen Erscheinung, genehmigten, die staatlich beaufsichtigten, die staat gegen welche der Liberalismus das Bordell, der Konser- diktirt durch schnöde Heuchelei, die vor dem Aergerniß lich geduldeten, Erregenden" zittert, durch energische Rücksicht auf die die staatlich konzessionirten Huren- vatismus das Zuchthaus empfiehlt. häuser. In ihrer Herzensangst vor Die schlechtest bezahlten Schichten der weiblichen sexuellen Bedürfnisse der oberen Behntausend, durch krasse den Greueln, Sie zufällig einmal in Arbeiterschaft geben immer neue Refruten an die Prostitution Selbstfucht, welche die Prostitution verewigen möchte, wie das hellste Tageslicht ge­rückt und bei der bürgerlichen Welt die übliche Sen- ab, zur ständigen Prostitution, in welcher die lumpen- sie die Ausbeutung für alle Zeiten zu verewigen wünscht, sation" erregten, flüchtet die Tante Voß ins Bordell." Hier proletarische Welt üppig wuchert, tritt die fluktuirende, welche die Ausbeutung, mit welcher die Prostitution als ihre hofft sie, wenn nicht Rettung, so doch Linderung ihrer die letzte Silfe von Arbeiterinnen, die nicht blos wenn sie Folge steht und fällt. Leiben zu finden. arbeitslos, sondern auch wenn sie vollauf beschäftigt, dank Der schurkische Zuhälter soll ersetzt werden durch den der infamen Entlohnung oft genug sich feilhalten müssen, schurkischen Bordellwirth, der Staat soll amtlich die Ober­Daß die Prostitution ein naturnothwendiges Erzeugniß um nicht zu verhungern. Dies Gewerbe, den Proletariern hoheit über die Hurenhäuser erhalten, und zu den Kasernen unferer heutigen Gesellschaft, daß sie als soziale Massen- durch die Ausbeuter aufgezwungen, ist nothwendiger der Armee sollen die Hurenkasernen treten. Das ist auch erscheinung in den herrschenden wirthschaftlichen Zuständen Nebenberuf, komplementares erbe neben dem anderen, ein würdig einer abgelebten Klaff, melchehe wurzelt, diese Erkenntniß dämmert auch der Bochen und es wird nur zu oft Haupt- oder alleiniges Gewerbe. tieffien Niedergange begriffen, sich nur noch aufraffen kann Beitung" auf, und es ist der Mühe werth, von solchem Auf wessen Kerbholz kommt dies? Auf dasjenige der zu Bordellphantasien. Geständniß Akt zu nehmen. Doch müßte das deutsch - heutigen Produktionsweise.

freifinnige Blatt nicht den höchst entwickelten Klassen- Und für wen in erster Reihe ist die Prostitution da? instinkt haben, der ihm thatsächlich eignet, wenn es Für die Bourgeoisie. Der Proletarier, dessen frühes nicht troß des Aufleuchtens oder gerade wegen des Auf­

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Beirathsalter eine bekannte Thatsache, bedarf ihrer nicht, Politische Leberlicht. leuchtens befferer Einsicht seinen rollenwidrigen Seiten- sozial genommen, die besitzende Klasse bedarf ihrer. sprung sofort selbst desavouirte und sich mit sanftem Ihr Heirathsalter ist höher, sie sucht Entschädigung und Berlin , den 14. Oktober. Eifer für die echte bourgeoise Vogelstrauß- Politik aus- Genuß in der käuflichen Liebe. Goldene Jugend" und Die Wahlen zum sächsischen Landtag sind als eine spräche. Prostitution sind zwei sich ergänzende Erscheinungen. Von weitere Etappe auf dem Siegeszuge der deutschen Sozial­Der Gewährsmann der Bossischen Zeitung" ist ein allem anderen ganz zu schweigen! demokratie zu bezeichnen. Sie hat ihre legte Stimmenzahl fächsischer Arzt, der als nationalliberaler Landtags- Weshalb plädirt der sächsische Gewährsmann der um mehr als die Hälfte vermehrt. Es waren 30 Ab­Kandidat sich kürzlich auf das Entschiedenste gegen die Bossischen Zeitung" für Bordelle? Anständige Frauen geordneten schieden 4 aus; bei den Neuwahlen sind die geordnete zu wählen. Von den sozialdemokratischen Ab­von der sächsischen Regierung nach langem Zögern durch begegneten Abends den Straßendienen, die Prostitution 4 Size derselben wiederum der Sozialdemokratie zugefallen geführte Aufhebung der Bordelle ausgesprochen hat. Es niste sich überall in der Stadt ein, dringe in Arbeiter- und 3 neue Size erobert. Es ist jetzt die Sozial­ist selbstverständlich, daß bei der Frage: Bordelle oder und Kleinbürger Familien, seit die Kasernen der Prosti- demokratie im sächsischen Landtage durch 11 Abgeordnete nicht, die Kernfrage, die Prostitution nämlich, nicht ge- tution, die Bordelle, geschlossen seien. Sehr wohl! Die vertreten. Bei den sächsischen Wahlen entscheidet bekanntlich troffen wird, daß es sich einfach darum handelt, die Prostitution soll nicht beseitigt, sie soll hinter Schloß die relative Majorität; die Sozialdemokratie aber konnte, Prostitution zu reglementiren im Interesse der bürger- und Riegel gebracht, sie soll von Staatswegen gezüchtet da überall, wo sie Aussicht auf Erfolg hatte, alle anderen lichen Gesellschaft. Nicht der Prostitution die Wurzeln werden. Um die Louis los zu werden, etablire man Bor- Barteien sich gegen sie vereinigten, nur mittelst absoluter abgraben will man, man will sie organisiren. Aber man belle. Statt der Zuhälter Hurenwirthe, das ist der Weis- Majorität siegen. Um so größer ist der Triumph der Sozial­kann auch nicht vom Standpunkte des Bürgerthums der heit letzter Schluß. Das muthen die Eideshelfer des demokratie, als sie ihre Siege nur gegen das vereinte Auf­gebot all ihrer Gegner erringen fonnte. In mehreren Wahl­Prostitution ernsthaft zu Leibe gehen, weil die bürgerliche Klaffenstaates der Würde des Klassenstaates zu. Daß die kreisen unterlag die Sozialdemokratie ihren vereinten Gegnern Gesellschaft damit sich selbst negiren, ihre Daseins Buhälterwirthschaft trotz der Bordelle bleiben, daß neben nur mit einer Minderheit von wenigen Stimmen, so daß berechtigung leugnen, die Fundamente, auf welchen sie sich den Bordelldirnen die Winkelhurerei in der ärgsten Weise es feinem Zweifel unterliegt, daß bei den nächsten Wahlen aufbaut, zerstören würde. fortbestehen wird, daß der Schutz vor Erkran- uns auch dort der Sieg zufallen wird. Wenn auch die

Feuilleton.

Nachdrud verboten.]

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Er kehrt zurück!

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Das beklagt sich über Elend und läßt sich dennoch er am Abend des 24. Februar erhalten hatte, hätte ihn scheeren, wie ein Schafheerde. Um solche Menschen zu zer- tödten können. Es war wahrhaftig ein Wunder, daß er reißen, dazu bedarf es gar keiner Wölfe, das besorgen noch lebte und sich, wenn auch noch sehr leidend, doch wieder schon die Flunkerer auf dem Rathhause. Aber nur Geduld, in seine Bude seßen und weiter arbeiten konnte. Als er wenn die armen Teufel kein Stück Brot mehr zu beißen bei dem brutalen Angriff jenes Menschen zusammengestürzt haben werden, wenn ihren Füßen das Schuhwerk fehlen war, der als Arbeiter oder republikanischer Rebell sich durch und der legte Fezen ihrer Blouse oder ihres die Verleumdungen eines gemeinen Polizeispions hatte Originalroman von Jean Meroz. Paletots bei einem Windstoß fortfliegen wird, wenn täuschen lassen, hatte Marche- Seul das Bewußtsein verloren. Sein Körper, in seinen weiten alten Ueberrock gehüllt, Was arbeitet denn Ihr Mann? Was für ein ihre Frauen und ihre Kinder mit leerem Magen vor Handwerk hat er denn? Hunger heulen werden, dann werden sie sich vielleicht ent- lag da ohne Bewegung, und welch furchtbare Fronie, man Er ist Kunsttischler, mein Herr. schließen, aus ihren schmutzigen Wohnungen hervorzufriechen hatte auf seine eingefallene Brust ein Blatt gelegt, auf dem Gut, dann mag er in die Staatswerke gehen, man und die Zähne zu zeigen Aber dann wird's zu spät sein. in großen Buchstaben die Worte standen: " Tod den Verräthern!" wird ihn zu Erdarbeiten verwenden, die freilich etwas Man wird sie niederschießen und mit bleiernem Gelde für anderes sind als Bildhauerei! das dreimonatliche Elend bezahlen, das sie im Dienste der Da er gerade im Winkel der Grèvestraße in der Nähe Und ohne der unglücklichen Frau, deren Aussehen wahr. Republik gekostet haben! der Brücke von Ariole gefallen war, schleppte man haft jämmerlich war, Zeit zu einer Erwiderung zu lassen, Marche- Seul wurde still. Er hatte ein Stück neues ihn bei den Füßen fort und ließ ihn schließlich auf dem fügte der alte Schuhflicker hinzu: Leder genommen, dasselbe in ein Gefäß mit Wasser Damme liegen. Dort starrten seine Augen den Himmel an, und Schon gut, billig müssen wir es hier machen, getaucht, welches ihm zur Seite stand dann während aus seinem Munde, den ein furchtbarer Schmerz ängstigen Sie sich nicht. Da Ihr Mann mun einmal feiern auf einem großen schwarzen Kieselstein gelegt, großen schwarzen Kieselstein gelegt, der verzerrte, Blutstropfen auf Blutstropfen sickerte. muß und Zeit hat, so sagen Sie ihm, er möchte heute Abend vom Langen Gebrauch wie polirt aussah. Und Die Menge, welche an ihm vorüberging, bemerkte vor 7 Uhr seine Stiefeln selbst abholen, sie sollen fertig nun schlug er mit dem Hammerkopf so fieberhaft darauf ihn entweder nicht, oder schenkte ihm keine Aufmerksamkeit, sein und wie gesagt, ich werde die Sache schon einrichten, los, als ob er den Kopf seines ärgsten Feindes bearbeite. Da man ihn für todt hielt; sie hatte deren so viele also keinen Rummer, liebe Frau. Aber bald hatte er einen bösen Hustenanfall, der ihn zwang, gesehen während der letzten drei Tage. Gegen Sie entfernte sich mit jenem unsicheren, zaghaften Schritt, sich zu erheben, und aus seiner Bude herauszutreten. 11 Uhr hatte Mijoulet, nachdem er mit seinem mit Bezug auf welchen einst Diderot so treffend sagte, daß während er nur mühevoll athmete, verzerrte sich sein Ge- neuen Freunde Philibert Nachrichten über Michel Ferrand der Arme, den das Elend gar zu sehr drückt, einen ganz sicht und seine Augen füllten sich mit Blut. eingezogen hatte, sehen wollen, was an dem Rathhaus vor­anderen Gang hat, als andere Menschenkinder. Sein Körper war einen Augenblick lang heftig er ging. Als sie fort war, erhob Marche- Seul das Haupt. Seine schüttert; und als er sich den Mund wischte, zeigte sein Beide verließen Marche- Seul's Wohnung und traten den ohnehin mageren und abgezehrten Züge erschienen gelber Taschentuch Blutflecke. Weg dorthin an. als sonst und spiegelten ärger als je zuvor Verachtung und Teufel, sagte er, Kolbenhiebe lassen sich schlecht ver- Als sie an das Ende der Brücke von Ariole tamen, Haß wieder. Dann murmelte er zwischen seinen blutleeren dauen. stand Mijoulet, welcher rechts ging, plöblich still und Lippen! Und Marche- Seul hatte Recht, der Kolbenschlag, welchen| sagte:

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