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4. Jahrgang.

Dem

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik.

Samstag, 26. Juli 1924.

Gedenten der Opfer des Weltkrieg s.

rannt, die Internationale vom Ansturm so wohl der Hezze als auch der falschen Begeiste­rung in Trümmer gelegt.

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Nr. 176.

1920-1924.

Herr Kreibich, wann haben sie die Arbeiter zum Narren gehalten?

Der unaufhaltsame politische und morali­sche Verfall der kommunistischen Richtung kommt anläßlich der Antikriegskundgebungen der im Leben Schiffbruch erlitt, dann verbittert in frassester Form zum Ausdruck. Wie einer, in ein müßiges Krafehlertum verfällt und den anderen zur Last wird, beschränken sich die Weltrevolutionäre von Anno dazumal ſeit ge­raumer Zeit darauf, die Sozialdemokratie an­zustänkern, so oft sie zum Kampf gegen die bürgerliche Welt antritt. Unseren Stampfruf, Strieg dem Kriege!" beantworten fie mit der Parole Krieg der Sozialde­mofratie"; unserer Sorge: Wie ver­hindern wir fünftige Massen.

In tiefstem Schmerze, zitterndes Wch in nebeln, das grauenhafte Ereignis, das sich der Seele, treten wir heute zu den Gräbern doch mit blutigem Griffel in alle Herzen und der Millionen. Zu namenlosem Leiden krampft Hirne gegraben hatte, vergessen zu machen und sich an diesem Tage, da sich der Beginn des Doch nicht gelang es den kapitaliſtiſch­furchtbarsten Mordens zum zehnten Male nationalistischen Mächten, die gelähmte inter unseren eigenen Reihen fanden sich Leicht traurig zu fagen an diesem Tage in jährt, unser Herz zusammen, und ehe wir noch nationale Idee leblos zu machen. Wie auch sinnige und Toren, die die einige Masse zer­vermögen, Blick und Stimme zu erheben, auf berghoch aufgepeitschtem Meere, wenn Hüfteten und die heute abseits stehen, uns im senten sich unsere Häupter und Fahnen zur Sturm, Wogengang und finstere Nacht Sicht Kampfe gegen die stärkere Macht behindern. Erde und die Träne quillt für die Sefatom- und Rettung zu verhindern drohen, das Licht Das ist, wie gesagt, tieftraurig. Doch über sie ben von Opfern, die dem arbeitenden Wolfe, des Leuchtturms nicht verlöscht und sein Fun wird die Geschichte richten. Wir aber gehen die der Menschheit aus verbrecherischem Wahn ten und Strahlen den Todbedrohten den Weg unseren Weg, den man wohl verzögern, nie­abgezwungen wurden. Sie, die da liegen in zeigt, so erhob sich auch vom ersten Tag an, mals aber aufhalten kann, festen Schrittes den Steppen und Sümpfen des Nordens, in da das Chaos entfesselt war, den Lichtjuchen weiter nach vorwärts. Aus Millionen Gehirnen den Gefilden Frankreichs und in den Bergen den der Hoffnungsschimmer des sozialistischen, find Leidenschaft, Empörung und stahlharter und Tälern der Alpen und des Karsts, sie internationalen Gedankens. Und je furcht- Wille gegen das Verbrechen des Völkermords fönnen unsere Klage nicht hören. Aber wir barer die Wellen von Mord und Blut stiegen, nie mehr zu bannen. Die Jungen unter uns, schlächtereien?" stellen sie die Erwägung schwören bei ihren toten, zerrissenen Leibern, daß sie ihren Tod nicht umsonst starben, daß wir ihrer nie, niemals vergessen, und daß wir ihren Opfertod durch unbeirrbaren Kampf fühnen wollen, der den Geschlechtern nach ihnen statt blutigen Mords lichtvolles Leben bringen wird.

Mit gesenkten Fahnen, gramvollen Her­zens, wenden wir uns auch zu jenen anderen Opfern des Weltkrieges, die er vor der Nacht des Todes zwar verschonte, die er aber auch zu Millionen, in übermenschlichem Leiden zu Märtyrern machte: in Mitleid und Liebe gilt unser Wort den Ungezählten, deren Leib oder Geist Sugeln und Granaten, Krankheit und Siechtum schändeten, den Ungezählten, die im Wüten und Donnern der Kanonen oder in der martervollen Hölle daheim ihre Gesundheit auf dem verhaßten Altar des Kapitalismus und Imperialismus opfern mußten. Erschüttert stehen wir vor der unermeßlichen Qual der Mütter, die Tag für Tag, Nacht für Nacht um ihre Söhne bangten und sie nicht mehr sahen, vor dem Dulden der Frauen, die ihre Männer nicht mehr wiederfanden, dem Unglück der Abermillionen unschuldiger Kinder, die ohne Führer, großer, unerseßlicher Liebe beraubt, vaterlos in den Lebenskampf gesandt wurden. Ihnen allen, den Jammer­beladenen, gilt heute unsere Trauer und unser Mitleid, sie alle, die Blutzeugen, rufen wir heute als Schwurzeugen auf: mit unseren besten Kräften, mit allem Hingabevermögen unseres Geistes und unserer Seele wollen wir dafür streiten, daß niemals mehr solch unbe­schreibliches Weltleid über das Proletariat fomme.

Damals, als vor zehn Jahren die ruch­losen Allmächtigen: Monarchen, Staatsmän­ner und Heerführer, mit der grell- drohenden Kriegssackel dastanden, und als die befizenden Stlassen mit ihren politischen Parteien in woll­

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entgegen: Wie können wir der sozial demokratischen Partei einige Mit= glieder abjagen?" In ihrem Uebereifer bemerken die Kommunisten aber gar nicht, wie sie sich selber bespeien und besudeln, wenn sie uns mit ihrem Berleumdergift zu treffen ver meinen.

Man bedenke: Die meisten der heutigen Sommunisten waren bis 1920 Mitglieder und Bekenner der sozialdemokra tischen Partei. Manche ihrer Vertrauens männer haben bei uns an hervorragender Stelle gewirkt, haben die sozialdemokratische Bewegung mit aufbauen helfen, haben sie in schweren Kämpfen gegen ihre Widersacher be­schützt. Viele von ihnen sind erst nach 1918 zur Sozialdemokratie gestoßen und haben sich plötz lich für deren Leistungen und Ziele begeistert. Fast alle, die heute Kommunisten sind, haben sich bis 1920 jelbst als ein Teil der So­zialdemokratie betrachtet. Bei den Wah­len im Jahre 1920 haben sie wader mitge­fämpft für den Sieg der Sozialdemokratie. Kreibich, der heutige Oberfommunist, war in Nordböhmen sozialdemokratischer Listen führer; Warmbrunn ist in Westböhmen als Soziale demokrat don Sozialdemokraten gewählt wor­den. Andere Kommunistenführer von heute fan­didierten an weniger aussichtsreichen Stellen als jozialdemokratische Wahlwer­ber. Alle standen sie auf dem Boden des sv- zialdemokratischen Wahlaufru= fes, der den Arbeitern in flammenden Worten zurief, fic sollen am Wahltage nicht vergessen:

... Daß die Deutsch nationalen, die Christlich sozialen, die deutschen Agrarier die Stügen jener Dreigra. fenregierung Stürgth- Tisza- Berchtold waren, die den Weltkrieg mit den ungehen. ren Opfern an Menschenleben, Ge. sundheit, Wohlstand und Glück auf dem Gewissen hat. Denket daran, daß die­ses fluch würdige Verbrechen niemals möglich gewesen wäre, daß cure Söhne, eure Bäter, eure Gatten, die der Krieg gemordet hat, die elend zugrunde gegangen sind, noch am Leben wären, noch für euch arbeiten und sorgen würden, wenn diese Parteien die Kriegapoli. tit dieser Grafenregierung nicht ge.

diesem Verbrechen, das an euch begangen wurde, an dem unermeßlichen Elend, das ihr noch immer erbulben müßt."

lustiger Spannung nur auf den Augenblick desto kräftiger strahlte dieser Schein, den Irren- von der Kugel verschont, die den Kameraden warteten, da der erste Funfen ins aufgehäufte den und Verzweifelnden Ziel und Rettung traf, die Mütter, die ihr Liebstes hergaben. Pulver falle damals gab es nur eine weisend. Von allen Seiten bekämpft und ver- die Witwen und die Waisen sie sind eine breite Schichte, nur eine klasse und nur folgt brach sich der Friedensgedanke der So- Armee, die unüberwindlich mit uns streitet. eine Partei, die in allen Landen sich heiß zialdemokratie dennoch Bahn, und als dann Vor zehn Jahren zu schwach, sind wir in die­bemühte, den Fackelträgern in den Arm zu das Ringen zusammenbrach, sammelten sich die sem Meer von Blut und Tränen stark und fest fallen, das Unheil aufzuhalten, das mit dröh- Verführten und Verblendeten in gewaltigen, geworden. Nie mehr, jo geloben wir feierlich deckt hätten. Sie sind die Mitschuldigen an nenden Schritten, riesige Schatten vorauswer fast unübersehbaren Scharen allüberall unter an diesem Tage traurigen Gedenkens, werden fend, herannahte: diese Bannerträgerin gegen den Fahnen der Sozialdemokratie. Mächtig wir Aehnliches zulassen und ertragen; wie ein Krieg, Kriegsheße und Kriegsgefahr war die und stark wie nie zuvor, lebte der getretene Riesenblock, den keine Menschenhand von der Partei der Arbeiterschaft, die Sozialdemo- Gedanke des Sozialismus und Internationa Stelle schaffen kann, wollen und werden wir fratic. Dem Gedanken blutiger Austragung lismus in den gepeinigten Massen wieder auf dastehen, an unserem eisernen, unbeugjamen zialdemokratischen Redner( auch die, die heute kapitalistisch- imperialistischer Gegensätze stellte Gar mancher von den allzu Vergeßlichen, Willen sollen und müssen in Zukunft alle Ge- Sommunisten sind) in den Wählerversammlun sie die Idee der internationalen Verständigung ist seitdem wieder von uns abgeirrt. Das Bürlüfte friegswilliger Mächte zerschellen. Besser gen gesprochen, im gleichen Sinne haben dte der Nationen, den Friedensgedanken gegen gertum hat die immerhin erstaunliche Leistung bewehrt als ehedem, redt sich heute gegen sozialdemokratischen Blätter( auch der Reichen­über. Doch ihr heißer Wille wurde durch Lügen zustandegebracht, tausende Köpfe, selbst nach Strieg und Kriegsgedanken die eiserne Faust des berger Vorwärts") an die Wählermassen ap­und Tücken ohne Zahl, über den Haufen ge- diesem riesenhaften Erleben, wiederum zu um Proletariats. pelliert. Das war eine einzige große Anklage

Im Sinne dieses Aufrufes haben alle so­

Wir rufen euch zur Massenbeteiligung

an an den

Antikriegs- Demonstrationen der Sozialdemokratie!