Nr. 234.
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Ternsprecher: Bmt 1, Mr. 1508. Telegramm Adresse: Bozialdemokrat Berlin".
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Wegen des außerordentlichen Depeschenandranges mußten wir die Unterhaltungs- Beilage heute ausfallen laffen. Die Redaktion.
Donnerstag, den 6. Oktober 1898.
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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
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den Jahren 1892-1896 durchschnittlich 74,75 pet. und im folgenden nach wie vor nach bestem Ermessen selbst regeln. abtheilung der Königlichen Charitee betrug die Sterblichkeit in nur ein Achselzucken haben. Ihre Angelegenheiten werden sie Jahre, nach Einführung einiger einschneidender Verbesserungen doch noch 58,55 pCt. Daß das zu einem großen Theile die Folge der Die Konservativen ärgern sich über die glänzende Lage Verhältnisse ist, unter denen die Kinder vor der Aufnahme unserer Partei, die durch die auf dem Parteitag erstatteten in das Krankenhaus gelebt haben, geht daraus hervor, daß ein sehr Berichte wieder einmal in das hellste Licht gerückt und zur erheblicher Prozentsatz in der Charitce 35 pt. schon bald staunenden Kenntniß aller Arbeiterfeinde gebracht wurde. Die nach der Aufnahme, beziehungsweise in der ersten Woche stirbt. Konservative Korrespondenz" hat mit heller Wuth vernommen, Das ergiebt fich auch daraus, daß die Waisenkinder in dieser Beziehung besonders ungünstige Verhältnisse dar- daß die Sozialdemokratie in der Lage war, 4 Millionen bieten; vor etwa vier Jahren wurde festgestellt, daß von den Mark für Wahlzwecke auszugeben und sie ruft dazu wehSäuglingen, welche der Charitee von dem Waisenhause zur Pflege müthig aus: überwiesen werden, 93 pet. sterben.„ Es ist leicht verständlich," so führt Heubner aus, daß diesen früh verwaisten oder verlassenen Kindern in den Wochen oder Monaten, bevor die Waisenpflege in die Lage kommt, sich ihrer anzunehmen, eine einigermaßen geeignete Pflege und Ernährung gewöhnlich nicht zu theil wird. Dadurch ge= rathen fie in einen Zustand von Lebensschwäche, dem eben sehr häufig auch durch die beste Pflege nachher nicht mehr Einhalt zu thun ist."
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Wie kläglich nimmt sich dagegen die Finanzgebahrung" anderer Parteien aus! Wahrlich, die Sozialdemokratie zeigt, daß sie die Macht des Mammons zu schäzen weiß, möge ihr stolzer" Bericht auch in staatserhaltenden Kreisen eine die Taschen auftnöpfende Wirkung haben.
Die Kinder des Proletariats. Nachdem im Jahre 1890 das Sozialistengesetz gefallen war, rüstete sich, wie bekannt, der Führer der freisinnigen Partei, Herr Eugen Richter , um gegen die Sozialdemokratie den Kampf mit geistigen Waffen" aufzunehmen, den er in seiner bekannten Ritterlich feit so lange hatte ruhen lassen, als unserer Partei durch Ausnahmegesetz der Mund geschlossen war. So entstanden zunächst„ Die FrrLehren der Sozialdemokratie", und deren Erfolg wiederum begeisterte den Verfasser zu einem noch fühneren Unternehmen: er, der bis dahin seinen Hauptehrgeiz darin gesehen hatte, bei der Etats: Nun, wir wollen den Konservativen nun verrathen, wie berathung durch die vollkommene Beherrschung des trockenen die Sache zusammenhängt, daß die Sozialdemokratie Bahlenmaterials zu glänzen, wurde zum Dichter und entwarf in troßdem sie die Partei der Aermsten im Lande, der feinen Sozialdemokratischen Zukunfsbildern" eine phantasievolle Freilich zum andern Theile trägt auch die durchaus ungenügende mühsam 11111 ihr täglich Brot ringenden LohnDarstellung des Zukunfsstaates. Unter den traurigen Erlebnissen Beschaffenheit der Krankenhäuser die Schuld an diesen traurigen proletarier ist dennoch weit bedeutendere Kriegskosten der ehrsamen Buchbindersfamilie, über welche dort berichtet wird, Sterblichkeitsverhältnissen. So lange der Moloch Militarismus alle aufzubringen vermag, als die Parteien der reichen Großwar eine Glanznummer der Tod der jüngsten Tochter, der kleinen verfügbaren Geldmittel an sich reißt, und das wird ja nach bourgeoisie und des Feudaladels. In den Reihen der armen Annie; fie ging elendiglich an einer Erkältung zu grunde, weil sie unserer Ueberzeugung so lange sein, als die bürgerliche Gesellschafts Arbeiter loht die Begeisterung für eine große und edle Sache, die Gewohnheit hatte, sich nachts bloß zu strampeln, und ordnung besteht bleibt eben für derartige Zwecke nichts übrig. weil die Aufseherin der zukunftsstaatlichen Kleinkinder- und doch könnten selbst verhältnißmäßig bescheidene Summen hier die Begeisterung für die Befreiung ihrer Klasse und der ganzen Bewahranstalt auf diese leidige Angewohnheit nicht die gebührende sehr viel gutes schaffen. Menschheit. Darum bringen sie mit Freuden, wenn auch Rücksicht nahm. Einem unter dem obersten Prinzip der möglichsten Aus- unter steten, schweren Opfern, die Summen zusammen, die schaltung von Infektionsgelegenheiten( mit Quarantänezimmern 2c.) nöthig sind, um den Befreiungskampf zu führen. Die Parteien erbauten Säuglings- Krankenhause prognostiziren wir Resultate, die der Bourgeoisie dagegen, die immer über Geldmangel jammern das Vorurtheil gegen die Wassenverpflegung kranker Säuglinge müssen, vertreten eine absterbende, hoffnungs- und begeisterungsenergisch zum Schweigen bringen werden. Wir können diese Blüthenleje nicht schließen, ohne einen Auslose Gesellschaftsklasse ohne Ideale, und von solchen hoffnungsspruch zu zitiren, der schildert, wie wenig diese Verelendung der lofen Leuten ist natürlich nicht zu verlangen, daß sie für Kinder des Proletariats, welche die Folge der bestehenden Birth- Biele, an die sie nicht glauben, einen besonderen Opfermuth schaftsordnung ist, bisher die öffentliche Meinung beschäftigt hat. Die bekunden sollen. Darum glauben wir auch, daß der Kassenöffentliche Aufmerksamkeit," sagt Prof. Baginsky, der Direktor des bericht unserer Partei, so sto Iz er lautet, bei der Bourgeoisie Kaiser und Kaiserin Friedrich Kinder- Krankenhauses, wird nicht troßdem keine„ die Taschen auffnöpfende Wirkung" haben erregt dadurch, daß tausende der öffentlichen Fürsorge anheimgegebene Kinder schwächlich aufwachsen, um vielleicht nach Jahr und Tag der Kommune vollkommen oder mehr oder weniger stark zur Last zu fallen; ja, sie wird kaum dadurch erregt, daß die Sterblichkeitsziffern dieser Kinder weit über das normale hinausgehen, vielmehr wird dies alles wie ein nothwendiges Naturgesetz hingenommen.
Diese traurige Geschichte von der Strampel- Annie", welche ein so anschauliches Bild von der Gefährdung der Kinder im sozialisti schen Zukunftsstaat giebt, fam dem Schreiber dieser Beilen jüngst bei der Lektüre einiger medizinischer Auffäße über Säuglingspflege" wieder in den Sinn; er fand nämlich in diesen Aufsägen eine Fülle von Material, das auf die traurige Lage der Proletarier finder im Gegenwartsstaat ein grelles Licht wirft. Freilich unbedingt Neues und bisher Unbekanntes findet sich in diesen Auffäßen nicht, wenigstens nicht für die Aerzte und nicht für das Proletariat selbst, das ja aus eigener Anschauung die Verhält nisse fennt, unter welchen seine Kinder leben und leider so häufig frühzeitig zu grunde gehen müssen. Trotzdem aber wird eine Wieder gabe einiger besonders bezeichnender Stellen ein gewisses Interesse schon deshalb haben, weil die Verfasser dieser Aufsätze Professoren und Assistenten an hiesigen Universitäts- Justituten gewiß über den Verdacht einer Uebertreibung aus sozialdemokratischem ParteiInteresse erhaben sind.
Dr. Finkelstein, Assistent an der Kinderklinik der königlichen Charitee, schreibt in einem Auffaze, in welchem er über die auf der Säuglingsabtheilung gemachten Erfahrungen berichtet:
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So liegen die Dinge im Gegenivartsstaat! Ohne daß man auch nur Vermuthungen über die Handhabung von Kinderpflege und Kindererziehung in der Zukunftsgesellschaft zu äußern braucht, wird man darum doch das eine kühnlich behaupten können: schlechter, wie im Gegenwartsstaat, fann es gar nicht werden! Und so wird das traurige Schicksal der Strampel- Annie die weitere Ausbreitung der sozialistischen Ideen auch nicht aufhalten können.
" In beiden Jahren( 1895/96 und 1896/97) wiesen nur 6 bis 7 pct. der Kinder unter 14 Jahr( bei der Aufnahme in das Krantenhaus) ein annähernd ihrem Alter entsprechendes Gewicht auf." " Die Durchschnittszahlen liefern das bezeichnende Resultat, daß das Kind, dessen Pflege unserem Krankenhause zufällt, bereits im ersten Monat mehr als ein In der Zusammenstellung der gewerblichen Unfälle nach Kilogramm hinter dem ihm zukommenden den einzelnen Wochentagen im gestrigen Leitartikel be= Normalgewicht zurückbleibt und daß diese treffen nur die Zahlen der ersten Reihe unter 1892 die bei der Differenz langsam aber stetig sich bergrößert, fo Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie Deutschlands zur daß Ende des ersten Lebensjahres das Meldung gelangten Unfälle, während alle andern Reihen nicht nur Krankenhaus- kind mit einem Minus von mehr als Unfälle der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, sondern 3 kilogramm einem Normalkind von 3-4 Monaten( wie auch in den vorhergehenden Säßen gejagt) die von den Gewerbegleich zustellen ist." Aufsichtsbeamten der betreffenden Bezirke allgemein ermittelten Zahlen angeben.-
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Und er schließt das betreffende Kapitel mit folgenden Sägen: " Zum Schluffe dieses Abschnittes mag noch angedeutet werden, welche Ausblicke unsere Zahlen auf das Geschick des hilflosen Kindes aus den untersten Schichten der Großstadtbevölkerung eröffnen. Kurz nach der Geburt der Mutter entzogen, die es zumeist nicht bei sich behalten kann, viel seltener nicht behalten will, gelangt es in die ungeschickten Hände Fremder oder wird der Kommunalpflege Unsere lieben Bürgerlichen gerathen jedesmal in ein überwiesen. In der mangelhaften Pflege ertrantt schon im ersten bedenkliches Schütteln des Kopfes, wenn in unserer Partei Quartal ein großer Bruchtheil tödtlich, der kleinere, glücklicher oder wie es gegenwärtig wieder der Fall ist und wie die Partei zäher, entgeht der grausamen Auslese. Die verminderte Schaar es sich infolge ihrer inneren Straft leisten kann in aller stellt dem Krankenhaus auch eine entsprechend verminderte Quote Oeffentlichkeit und ganz ungenirt wieder und wieder die Grund- das zeigt der Sturz von der Höhe der Aufnahmezahl fragen der zu befolgenden Taktik erörtert und alle unter den Gedes dritten Monats zu der des vierten. Gehemmt in der Entwickelung, von Krankheit und Siechthum umlagert, schleppt nossen vorhandenen Differenzen rückhaltlos ausgesprochen und ersich dieser Rest mühsam in die höheren Altersstufen, bis er in der ledigt werden. Auch die gegenwärtig in Stuttgart gepflogenen man gestatte das Wort Kondition( Körperverfaffung) eines Diskussionen machen unseren bürgerlichen Politikern sehr viermonatigen Kindes durch das Ziel am Ende des ersten viel zu schaffen. Aber in der Beurtheilung dieser Debatten Jahres geht." und in den für die bürgerliche Politit daraus zu ziehenden Daß nicht böser Wille der Eltern, sondern deren Unvermögen Schlußfolgerungen gehen die Herren sehr weit auseinander. in den weitaus meisten Fällen die Ursache der ungenügenden Wartung Heute dafür nur zwei ergögliche Beispiele. Das Scharfund Ernährung der Kinder ist, ist im obigen schon angedeutet. macherorgan die" Post" schreibt zn den Stuttgarter Debatten Schon allein eine hygienischen Anforderungen genügende Zubereitung über die Taktik: der Kuhmilch zur Säuglingsernährung ist für Proletarierfamilien taum durchführbar. Treffend werden die hierbei sich ergebenden Schwierigkeiten in einer Broschüre geschildert, welche den Direktor der obengenannten Klinik selbst, Professor Dr. Heubner, zum Verfaffer hat.
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Aber die Schwierigkeiten mehren sich erst im Haushalt der wirthschaftlich Schwachen in der Bevölkerung. Hier fehlt, besonders in kinderreichen Familien, die Zeit zu sorgfältiger Zubereitung der Nahrung, es fehlen tühle Orte zur Aufbewahrung, es fehlt die nöthige Zahl reinlicher Gefäße, die genügende Reinigung der Saug flaschen und Hütchen, das nöthige Feuermaterial zu genügender Erwärmung, ja oft genug sogar die genügende Menge Milch, wodurch die armen Mütter genöthigt sind, zu allerhand Surrogaten ( Ersatzmitteln) zweifelhafter Natur ihre Zuflucht zu nehmen."
So finden auch die geradezu grauenhaften Sterblichkeitsziffern der Kinder, welche nicht an der Mutterbrust ernährt werden, ihre Erklärung. Während von den Brustfindern in Berlin im ersten Lebensjahr nur 7,4 auf Tausend sterben, gehen von den mit Kuhmilch ernährten 42,1, von den mit Kuhmilch und Milchsurrogaten ernährten gar 125,7 pro Mille zu grunde.
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„ Ein positives Ziel fehlt der Sozialdemokratie entiveder ganz, oder es besteht nur in den schwankendsten Umrissen, und das negative, welches sie ins Auge faßt, die Zerstörung der Monarchie und der Eigenthumsordnung, läßt sich nicht anders als durch Blut und Eisen realisiren. Wundern muß man sich nur über den Mangel an Selbsterkenntniß oder Gerechtigkeitssinn, der darin liegt, daß eine Partei, die auf solchem Boden steht, die der bestehenden Rechtsordmung Urfeh de geschworen hat und mit ängstlicher Beflissenheit auf die Hervorkehrung ihres antibürgerlichen Charakters bedacht ist, jedesmal ein so großes Lamento erhebt, wenn man Miene macht, ihr in gleicher Münze heimzuzahlen und sie den Dank auch fühlen zu lassen, den sie sich durch ihre Bestrebungen feitens der Staatsgewalt und aller ordnungsliebenden Faktoren berdient hat."
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Indessen selbst diese Ziffern erscheinen noch flein gegenüber der Sterblichkeit der Kinder, deren Aufnahme in ein Säuglingshofpital nothwendig geworden ist. Aus den Berichten einer Reihe von Säuglingsstationen geht hervor, daß zumeist nur 30-40 pet. der Pfleglinge die Anstalt lebend verlassen; in der Säuglings- so
wird.
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Anarchistenbekämpfung. Die italienische Einladung zur Theilnahme an einer die Abwehr der anarchistischen Gefahr be ziedenden Konferenz ist, wie der Münchener Allg. 3tg." drahtlich gemeldet wird, in Berlin eingetroffen. Bei den engen freundschaftlichen Beziehungen zu Italien verstehe es sich von selbst, daß diese Aufforderung die wohlwollendste Aufnahme finde." Bestimmte Vorfchläge in bezug auf Ort, Zeit und Programm der Konferenz seien noch nicht bekannt geworden.-
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Kaiserreifen. Zur Jerusalemfahrt des deutschen Kaisers wird dem Herold- Bureau" aus Venedig telegraphirt:
Die ganze Bahnstrecke Ala- Venedig wird während der Fahrt des deutschen Kaiserpaares vom Militär und Karabinierie befekt gehalten. Alle an der Strecke liegenden Bahnstationen werden für das Publikum abgesperrt."
In der Nationalhymne heißt es zwar:„ Nicht Roß. nicht Reisige sichern die steile Höh', wo Fürsten stehn". Aber ab und zu scheint man doch bei Kaiserreisen die russische Methode zu bevorzugen und Militär und Karabinierie für sicherer zu halten.
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Von einem Rückgang in der Sozialpolitik so leitartikelt die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fönne gar feine Rede sein. Das Reich sei auf dem sozialpolitischen Gebiet bahnbrechend vorangegangen und nachdem dann eine Pause eingetreten fei, werde nun wieder weiter gearbeitet werden. Allein es dürfte sich der Natur der Sache nach nicht sowohl um Lösung neuer zialpolitischer Probleme, als vielmehr um ein behutfames planmäßiges Fortschreiten auf der bisherigen Bahn handeln."
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Es wird dann in einem Zitat aus dem amtlichen Dresdener Journal" dargelegt, daß sich der Reichstag mit den Versicherungsgesetzen beschäftigen werde, und dann heißt es wörtlich weiter:
Eine wichtige soziale Aufgabe für den Reichstag ist ferner der Schutz der Arbeitswilligen gegen den Streifterrorismus. Die Nothwendigkeit eines solchen Schutzes ist ebenso unbestreitbar, wie es müßig ist, sich heute auf längere Erörterungen einer Vorlage einzulassen, von deren Inhalt amtlich noch nichts bekannt ist. Wenn die Sozialdemokratie die bloße Ankündigung des bezüglichen Gesezentwurfs zu Agitationszwecken wahrgenommen hat, so ist das nicht zu verwundern; denn von jener Seite wird keine Gelegenheit versäumt, den vielfach verödenden Parteiversammlungen neues Interesse zu verleihen. Eine besondere Zugkraft hat die Losung: das Koalitionsrecht ist bedroht, gleichwohl nicht erwiesen. In immer weitere reise, namentlich in die gutgesinnter Arbeiter, dringt die Erkenntniß ein, daß eine schranken= Iose Koalitionsfreiheit den Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitern immer mehr hinausschieben und nur der sozial revolutionären Bewenung nüßen würde..
Daß die Arbeiter selbst zu der Erkenntniß gekommen sind, daß ihnen das schrankenlose Koalitionsrecht" schadet, wollen wir den Preßkulis der Regierung und Großunternehmer schenken. Für solche Entdeckungen werden sie bezahlt. Aber unbezahlbar ist es, wenn hier die Bearbeitung der Buchthausvorlage, die den Arbeitern das Koalitionsrecht illusorisch machen soll, zu den aufbauenden fozialpolitischen Gesetzen gerechnet wird.
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Aus ganz anderer Tonart aber schreibt die„ Vossische Der Fall des Sozialistengesetes im Jabre 1890 giebt den „ Staatserhaltenden" Parteien und Persönlichkeiten noch immer Anlaß Man wird zugeben, daß diese Verhandlungen von Stuttgart zu Erörterungen und Erklärungen, so sehr bedauern die Herren das die allgemeine Aufmerksamkeit verdienen, weil sie den Beweis er- Bunichtewerden des Schandgesetzes. Keiner will die Ursache gewesen sein, bringen, daß die Sozialdemokratie in einem Mauserungsprozeß daß die nichtswürdige Waffe des Sozialistengesetzes zum alten begriffen ist, den durch eine Gewaltpolitit zu stören falsch und verkehrt wäre, den vielmehr zu fördern alle Parteien Anlaß sehen sollten."
So lange das Bürgerthum in seinem Urtheil über uns weit auseinandergeht, werden die Arbeiter für dieselben
Eisen geworfen wurde, und die Herren suchen sich gegenseitig die Schuld an diesem traurigen Vorkommniß in die Schuhe zu schieben. So erläßt jezt der Herr von Helldorff- Bebra, der damalige Führer der Konservativen, der nachher wegen seiner Beliebtheit bei Hofe aus den Vorderreihen der Partei verdrängt wurde, in der