Einzelpreis 70 Seller.

Redaktion

Prag , 11.,

Be..

fovo nám..

Telephone:

Tagesteduttion: 6795.

Nachtredattion: 8797.

Postschedamt: 57544.

Inferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlab

4. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowatischen Republit.

Sonntag, 19. Ottober 1924.

Bezugs Bebingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bel Bezug durch die Doft: monatlich... 16.­

oferteljährlich

48.­

8

halbjährig

"

ganzjährig

96.­192.­

Rüdftellung von Mann­fripten erfolgt nur bei Ein sendung der Retourmarten.

Erscheint mit Ausnahme bes Montag täglich( rib.

Nr. 247.

Ein Denkmal für 3ofef Geliger.

PENGER

Abordnungen aller Organisationen der deutschen Arbeiterschaft dieses Landes werden heute nach dem Schönauer Friedhofe in Teplitz Schönau ziehen, zu jenem Grabe, das den Leib unseres geliebten und under geßlichen Führers Josef Seliger birgt. Danfbare Liebe feiner Freunde und Genossen hat es mit einem Dent­male geschmüdt, um das sich heute die Abgesandten aller Arbeiter Organisationen versammeln werden zu einer Gedächtnisfeier für den großen Toten.

Um Seligers Andenken lebendig zu erhalten, bedarf es feines Denfmals. Er lebt fort in feinem Werke, in der Partei, die er geschaffen, in ihrer Politit, die er bestimmt, in der Arbeiterklasse selber, die er empor führen half aus dumpfem Sklavendasein zur Höhe ihrer heutigen Kultur. Was die deutsche Arbeiterklasse dieses Landes ist, das dankt sie zum großen Teile ihrem besten und treuesten Sohne, dankt fic dem Arbeiter Josef Seliger . Ausdruck dieser unauslöschbaren Dankbarkeit soll das Denkmal sein, ein Zeichen der Liebe und Ver­ehrung, die uns für immer mit dem toten Führer ver­bindet.

Aus breitem Fundament steigt ein drei Meter hoher Block auf, der sich in fünf Spitzen teilt, dar­stellend die fünf Erdteile, die zusammen eine Einheit bilden, die Internationale, der Josef Seliger diente und der er gehörte. Denn immer war ihm die Inter­nationale mehr als ein Zweckverband der das Gleiche wollenden Arbeiter aller Nationen, sah er in ihr die tommende Organisation der Menschheit. Ergebnis seines unbedingten Internationalismus, der gleiche Unabhängigkeit und gleiche Freiheit für alle Völler forderte, war auch sein Stampf um das Selbstbestim mungsrecht. Steiner war berufener als er, für die Freiheit seines Voltes einzutreten, da er allzeit die Freiheit aller Völker gewollt hat.

Aus dem Block springt ein steiles Dreieck vor, aus­laufend in die mittelste der fünf Spizen. So stolz, so

kühn, so umbeirrt strebte auch Seligers Geist empor. So wollte er auch den Aufstieg des Proletariats. Auf strebende, Aufwärtswollende sind auch die Arbeiter, die dieses Dreieck beleben: Eine Gruppe von Arbeitern und Arbeiterinnen, Alte und Junge, Hand- und Kopf­arbeiter. Sie drängen dicht aneinander, Masse werdend. Gebieterisch weisen ihre linten Hände nach) abwärts, auf den Boden, auf den sie stehen, abivehrend etwaigem feindlichen Zugriff, das Errungene wahrend und wah rend ihr Recht. Soch heben sich die rechten Armc. Zur Spipe weisen die Hände. Zu einem Chor des Schwures vereinigen sie sich. In dieser Masse, in diesen Arbeitern, in ihrer Sehnsucht, in ihrem Wollen, in ihrer Kraft, in ihren nach oben sich wendenden Gesichtern lebt Seliger, lebt seine Sehnsucht, sein Wille. Darunter, unter dieser Gruppe, nur ein Wort, nur der Name Seliger. Mein Spruch, kein Satz, der kündet, wer Seliger war, was er gewollt. Auch das Denkmal will zeigen, daß dieser Tote lebt. Es darf, um des Schicksals der deutschen Arbeiter dieses Landes willen, nic nötig werden, zu sagen, wer Seliger war und warum ihni ein Denkmal gesezt wurde.

Das Denkmal ist ein Werk des jungen Teplitzer Bildhauers Johannes Wazal, der als Professor an der staatlichen Fachschule in Tepliz- Schönau wirkt. Es ist staatlichen Fachschule in Teplitz- Schönau wirkt. Es ist wohl das besie seiner Werfe, einen hohen Grad künst lerischer Reife beweisend, den der strebfame, cifrig schaffende Künstler erreichte. Es ist ein schönes Zeugnis deutschen Kunstlebens in der Tschechoslowakei . Man darf wohl annehmen, daß nur ein deutschböhmischer darf wohl annehmen, daß nur ein deutschböhmischer Sünstler vermochte, so glücklich mit den einfachsten Mitteln Wesen und Wert des größten deutschböhmischen Arbeiterpolitikers zu symbolisieren, der bei allem Welt­bürgertum doch so ganz ein Sohn seiner deutschböhmi­bürgertum doch so ganz ein Sohn seiner deutschböhmi­schen Heimat war.

Für die Freiheit dieser Heimat hat Seliger gekämpft bis in die letzten Stunden seines Lebens.

Aber er verstand unter dieser Freiheit etwas anderes als gemeiniglich unter Freiheit verstanden wird oder doch nach dem Willen der Herrenklassen eines jeden Volkes verstanden werden soll. Ihm war es nicht darum zu tun, daß deutsche Arbeiter nur für deutsche Kapitalisten fronen sollen. Nicht darum, Fremdherr schaft abzuwehren, um dem deutschen Bürgertum die Herrschaft über das deutsche Volk zu erhalten. Er wollte den Arbeiter von aller Herrschaft befreien und darum wandte er sich ntit gleicher Leidenschaftlichkeit gegen nationale Fremdherrschaft wie gegen jegliche Kapitalsherrschaft. So war ihmt das Selbstbestimmungs recht etwas ganz anderes als den Deutschnationalen. Es sollte sein auch das Recht des Volkes, über die Art der Gütererzeugung und Verteilung, über seine soziale, Ordnung zu bestimmen. Eine Waffe im sozialen Be­freiungskampfe des Proletariats- und nicht nur des deutschen

So hat es Seliger verstanden. Und deshalb führte er den Kampf darum als Inter­nationalist wider den Nationalismus, als Arbeiter gegen den Kapitalismus.

Früher Tod hat dem Tapferen die Waffe vorzeitig entwunden. Unvollendetes Wert hat er uns hinter­lassen. Die Arbeiter, die Seliger zur Freiheit führen wollte, sind noch nicht frei. Zwiefaches Unrecht dulden sie, zwiefache Retten tragen sic. Der imperialistische Friede weigerte ihnen die nationale Freiheit, er ver­hinderte ihre soziale Befreiung. So muß denn der Stampf weitergehen. Jener Kampf, der das Erbe Seligers ist. Das fündet uns sein Grabdenkmal, was er gewollt und was wir wollen müssen, was er be­gonnen und wir vollenden sollen. Wir werden an Seligers Grab treten, um zu geloben, sein Erbe treu zu verwalten. Und die zum Schwur erhobenen Hände auf Seligers Dentmal sollen Symbol sein auch unseres Schwures.