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4. Jahrgang.
Sozialdemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.
Dienstag, 4. November 1924.
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Erscheint mit Ausnahme bes Montag täglich fel. Nr. 258.
Abschied von Karl Čermaf
erstatten, hielt Besprechungen ab und suchte vom Strankenbette aus, is nachgerade zum Sterbebette geworden war, durch Anregungen und Ratschläge zu wirken.
Gestern haben wir unseren Karl Čermak stellbar und diese Zuversicht ließ ihm zum rissen wurde, ist auch uns wie ein mitten im| In Vertretung des Präsidiums des zu Grabe getragen. Unser geliebter Freund ist Glück den Gedanken an ein mögliches Ende Satz verstummtes Wort, wie ein plößlich ab- Abgeordnetenhauses war Genosse Tonicht mehr! Dieses Bewußtsein schlägt wie ein trotz der sichtbar fortschreitenden Verschlimme- gerissener Akkord. maset, als Vertreter der Regierung MiniHammerschlag auf uns nieder. Ist das Un- rung seines Leidens nicht nahe kommen. Bis faßliche wirklich schredliches Ereignis? Die in seine letzten Augenblicke hinein nahm er er reißt eine schier unausfüllbare Lücke auf. ordneten und Senatoren die Genossen Win Der Tod Karl Čermaks trifft uns hart, ster Habrman, für den Slub der tschechischen sosialdemokratischen AbgeTränen fließen um ihn, den teueren Toten, nicht nur an allen politischen Vorgängen im Das Unheil drohte seit langem, dennoch trifftter, Soukup, Meißner, Nemeč, Hampl und wir schämen uns dieser Tränen nicht. Inlande und Auslande, sondern auch am uns sein Verlust mit ungeminderter Wucht. Mit und Tayer le erschienen. Die kommuniWen gäbe es unter den sozialistischen Ar- inneren Getriebe der Partei innigen Anteil, Sorgen und Bangen haben wir monatelang stische Partei entsandte die Abgeordneten Leitern der Sudetenländer, der nicht bewun- las aufmerksam die Zeitungen, ließ sich Bericht nach seiner Krankenstube hingehorcht, nicht nur Warmbrunn und Toužil. Die tschechi dernd und vertrauend zu ihm aufgeblickt hätte! weil wir uns um seine unerseßliche Straft, schen Nationalsozialisten vertraten die Die sozialdemokratische Partei treibt mit ihren sondern auch um ein liebes, wertvolles FreunAbgeordneten Buřival und Zeminova. Vertrauensmännern, die sie an ihre Spige gedesleben ängstigten. Der Tod hat allem Hoffen Abgeordneten Spina, Böhr, Kafta, Die deutschen Parteien waren durch die stellt hat, keinen Personenkultus, aber die ein Ende gemacht. Karl Čermaks müdes, frankes 2odgman, Knirsch und Payel vertreten. demokratische Selbstzucht, die wir üben müssen, Und dieser Mann, dieser geliebie Freund, Herz hat zu schlagen aufgehört. Sein Geiſt Der Verband der deutschen Selbstverwalhindert nicht, Hingebung, Größe und Opfermut ist nicht mehr! Wir können die Größe seines aber wird unter uns weiter leben! Das ist fein tungskörper hatte die Abgeordneten Lodg dankbar anzuerkennen und in Liebe jenen zu- Verlustes noch kaum ermessen und erfassen. leeres Wort. Und wir werden am schön man und Böhr sowie Genossen Bö131 mit getan zu sein, die ihr Leben, ihr Denken und Nosa Luxemburg schrieb einmal auf den Tod sten Cermats Vermächtnis hoch seiner Vertretung betraut.) Fühlen der Sache des Proletariats gewidmet eines lieben Freundes:„ Es ist mir wie ein halten, wenn wir jeder einzelne Seit Freitag abends war Karl Cermats haben. Das war bei Cermat wie sonst nur bei mitten im Satz verstummtes Wort, wie ein in seinem Geiste, wie er, mit allen Leiche in der Halle des Wolfchaner Friedhofes wenigen der Fall. Er gehörte der Partei nicht plöglich abgerissener Afford, den ich immer se räften für die Partei, für den aufgebahrt. Um hab zei Whr nachmittags hat nur mit jedem Herzschlag. seines Wesens an, er war auch ein Stück ihrer möglich? Wie eine abgerissene und zertretene en werden! Lasset uns an feinem schaften der Republit servie die Vertreter der etcher er noch höre.... Ich begreife es nicht: iſt das Sozialismus kämpfen und wir- fen sich die Bertreter der deutſchen Arbeiter und selbst. Bluine...." Daß Karl Cermak in der Voll- Grabe, das die frische Erde deckt. tschechischen Bruderpartei an der Bahre eingefunkraft seines Schaffens aus unserer Mitte ge- dies Gelöbnis tur!
Wir haben bittere Jahre durchlebt, die Bartei hat in den Jahren nach dem Kriege, die seit drei Jahrzehnten schwerste Krise durchgemacht, da alles schwankte, alles erschüttert schien. In dieser Zeit war es Čermak, der nicht einen Augenblick versagte, der seine Zuversicht daran, daß die Arbeiterschaft aus der durch den Bolschewismus und die Reaktion bewirkten Wirr
Čermats letzter Weg.
Der Tod hält in unseven Reihen reiche Erute. Doch nicht vernaubt ist die Wunde, die uns Seligers Tod schlug und nun wird sie von neuem aufgeriffen. Nun senkt sich wieder tiefe Tranter in unsere Brust, da wir von Karl Cermat Abschied nehmen müssen.
den. Ein aus den Delegierten der ArbeiterGesangvereine zusammengesetzter Chor sang zunächst vor der Ausbahrungshalle, in der an Čer mats Sarg bereits eine große Zahl von Kränzen niedergelegt worden war. Zahlreiche Organisationen und die Angestellten verschiedener proletarischer Institutionen hatten rotbebänderte Prag , am 3. November 1924. Wir haben| Atemzug, so wollen wir seinem Andenken die Kränze niedergelegt. Die reichsdeutsche und die nis doch wieder herausfinden werde, nicht ver- Abschied genommen. Noch einmal sind wir mit Treue halten, indem wir sein Werf fortseßen! österreich ſche Sozialdemokratie und das Abgeord lor und an dessem Glauben wir uns aufrichte- Starl Čermak gegangen. Ein kurzer und schmerznetenhaus der Nationalversammlung hatten eben Starl Čermat, toter Freund und Führer! falls Stränze gewidmet. Turner tvugen den Sarg fen. Manche, wollten fleinmütig werden, woll- licher Weg war es. Sonst war er der Führer. Wir haben heute dein heißes Kämpferherz, von der Halle zum Grab. Zu Häupten des offe fen verzagen, Genosse Cermat blieb einer der der Bannerträger und wir folgten. Heute ging dein starkes rotes Proletarierherz in die fühle nen Grabes standen die Bannerträger der Arersten unter den Wenigen, die unerschüttert ein stiller Mann mit uns. Zum erstenmal haben Erde gejenkt. Aus ihm werde die Flammen beiterturnvercine, Kränze und rote Bänder beblieben. In der Partei lagen die Wurzeln wir in geführt, den letzten traurigen Weg zum schlagen, wenn wieder die Stunde des Kampfes deckten den Sarg. Als Vertreter sämtlicher Or ſeiner Straſt, ihr galt ſeine Liebe, feine Arbeit. Grabe.- Alle waren gekommen, deren Kämpfe naht. Das Feuer der Begeisterung und des ganisationen der deutschen Arbeiterklasse der ReMit ihr litt er ebenso, wie er jeden ihrer er mitgekämpft, deren Sorgen er geteilt, deren Opfermutes wird sich entzünden an der wilden public und der vielen Genossen, die Karl Cermat Fortschritte und Erfolge wie ein persönliches Mut er belebt, deren straft er organisiert hatte Slut deines großen Herzens, das kein Grab auch persönlich nahegeſtanden hatten, sprach Glüd empfand. Er fannte sie wie fein zweiter zum zielsicheren Stoß. Aus den Industrie erstickt. In diesem Sinn empfange unsere nächſt Genosse Dr. Czech Worte der Würdi bis in ihre äußersten Verzweigungen und Ver- dörfern Nordwestböhmens, den Fabrifen, üftelungen und es gab kein Gebiet der Arbeiter Schächten und Hütten, aus den kleinen Böhmer: rüße, wenn wir Abschied nehmen von deinem gung und des Abschieds. Er führte aus: Effen Grabe! Und es ist, als ob du uns Ant. bewegung, dem er nicht seine volle Aufmerk- walddörfern und aus dem Riesengebirge sandten famkeit zugewendet hätte. Er war ein Organi- die Proletarier Deutschböhmens ihre Boten. wort ricfest und letzte Mahnung: fator großen Stiles nach len seinen Wesens- damit sie dem toten Führer die rote Nelle ais eigenschaften, von ihm liefen Fäden zu allen Symbol des Abschiedsgrußes ins Grab würfen. Organisationen und Vertrauensmännern, deren Umffort waren die roten Fahnen, die Starl Nach Josef Seliger Starl Černiat! Ju Eifer er durch Anregungen und durch Zuspruch Cermak so oft zum Siege geführt, und grau diesen wenigen Worten drückt sich die ganze Tragil in nimmermüder Weise zu beleben und anzu- umsfort vom leisen Regen des Allerseelentages Den Massen der Arbeiter avar es nicht ge- unseres Ungemachs aus, in ihnen veranschaulicht feuern wußte. Er war der Mann an der fein- waren Grab und Trauerzug. Leßte Abschieds- gönnt, dent toten Führer das letzte Geleite zu sich die Größe des Loids, das unſtillbar in unserer negliederten Maschinerie der Partei, der jeden worte der Freunde, letzter Gruß der Arbeiter geben. Fern von den Stätten, die das eigentliche Seele brennt, in ihnen versinnbildlicht sich die Hebel kannte und der ihr immer neuen Antrieb sänger und auf starl Cermats Sarg sentten sich Gebiet seiner Arbeit waren, ist Starl Cermat zu Tiefe des Schmerzes, der quälend an unseren Her zu geben verstand. grüßend die Fahnen der Revolution. Nichts Grabe getragen worden. Aber aus allen Teilen gen veißt, in ihnen offenbart sich die Schwere des Oder denken wir an ihn als Redner! Nie kann das Leben eines Menschen schöner und Deutschböhmens hatten sich Vertreter der proleta Schicksalsschlages, der uns ef bis ins Innere sprach er, ohne daß er wirklich Gediegenes und würdiger frönen als der Dank derer, denen rischen Organisationen eingefunden, um von dem aufwühlt. Ein blühendes Leben ist ausgelöscht. Treffendes zu sagen wußte. Seine Reden wirk- jein Wirken galt. Die am offenen Grabe auf- toten Genossen Abschied zu nehmen. Sämtliche ten durch ihre Klugheit, ihren Aufbau, ihre flammende Liebe der Arbeiter zu ihrem Führer Sereisorganisationen und fast alle Be- unserer größten Hoffnungen ist unbarmherzig erinnerliche Durcharbeitung. Sein Thema, über besiegelte sein Leben und schließt sein Gedächt. sirksorganisationen unserer Partei hat tötet. Ein wuchtiges Schwert ist gebrochen. Ein ten Delegierte entsendet. Die Gewerbschaf- hervliches Stück aus unserem stolzen Gebäude gedas er rach, das er nicht durchdacht, in seiner nis ein in die Geschichte der Auferstehung der ten waren sowohl als Einzelverbände waltsam herausgeriffen, eine weithin sichtbar klafTiefe nicht erfaßt hätte. Nie als haftete er an Menschheit im revolutionären Befreiungskampf wie auch durch Abordnungen der Zentral- fende Lücke in unsere Reihen geschlagen. Schon der Oberfläche der Erscheinungen, niemals des Proletariats. Wenn aber das Leben des gewertschaftskommission und der beim bloßen Gedanken bäumt sich alles in uns geizte er nach billigen rethorischen oder gar Führers im fräftigsten Schaffen unterbrochen reis Gewerkschaftstommissionen auf und man nröchte sich am liebsten dem tückischen demagogischen Effekten, er suchte durch leber- wird, wenn er sein Werk unvollendet zurüä- vertreten. Der Verband deutscher Wirt- Schicksal entgegenwerfen, so rebelliert alles in uns die Großdagegen, daß wir ihn hingeben sollen. redung und leberzeugung die Zuhörer zu ge- läßt, dann bohrt sich der Stachel des ohnschaftsgenossenschaften, Wohl ist der Tod als Erlöser an sein Stranmächtigen Schmerzes in unsere Brust. Starl eintaufsgesellschaft für Stonsumvercine,
winnen.
Die Fahnen hoch!
Und die Köpfe hoch!
Es war ein rastloser, scharfer und bohren- Cermat hatte noch viel zu schaffen. Sein Leben die Se onsumgenossenschaften, der Ver- fenlager getreten, wohl hat er als Freund und Be der Geist in ihm. Unsägliches mag er gelitten erlojd), als es erst die größten Früchte tragen band der Strankenkassen, im besonderen die freier seine fühle Hand auf das franke Herz gehaben, als die tüdische Strankheit ihn erfaßte, sollte. Deshalb war in allen, die heute mit ihm Bezirkskrankenkasse Tepliß- Schönau, der Arbeiter legt, das jahrzehntelang in hellen Flammen für ihn von der Parteiarbeit, der er bis dahin gingen, nichts als der große, verzweifelte Turn- und Sportverband, der Ardie leidende Menschheit loderte, wohl hat er ihn beiterradfahrerbund, der sozialistische troß monatelangen schyveren Leidens als einen restlos feine Sträfte gewidmet hatte, gransom Schmerz der Verlassenen. Wenn etwas diesen Jugendverband, der Arbeiterverein in- Ahnungslosen sanft entschlummern lassen- wie lesriß und zur Untätigkeit verdammte. Sein Schmerz besänftigen fann, dann ist es nur die berfreunde, der Arbeitertouristenverein Na- Wenigen ist solches Glück beschieden!, doch was körperliches Leiden ertrug er mit stoischer Ge- Soffnung, daß es uns gegönnt sein werde, das turfreunde, die Arbeitergesangber- bedeutet diese kleine Tröstung, gemessen an der duld, das Losqerissensein von seiner Arbeit war erk des toten Führers zu vollenden. Die eine, der Freidenkerbund, der Abst i großen Trauer, die unsere Herzen ganz erfüllt, ihm unerträglich. Daß er von em geliebten roten Nelfen, die wir ihm ins Grab nach- nentenbund und selbstverständlich die in die mit jedem Augenblid größer wird, da es zur Wirken in der Partei für immer Abschied warfen, sie waren auch Symbol eines Gelöb- Prag befindlichen Institutionen der Partei waren Wirklichkeit geworden ist, daß soir ihn verlieren müssen. nehmen müsse, das war ihm schlechthin unvor- nisses. Wie er uns treu war bis zum leßten durch Delegierte am Grabe Cermats vertreten.