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Nr. 247.

Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin : Vierteljährlich 3,20 Mart, monat­lich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Ginzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit

bem ,, Sonntags: Blatt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Unter Kreuzband : Für Deutschland u.Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste

für 1891 unter Nr. 6469.

Vorwärts

8. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Fernsprech- Anschluß: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Das altpreußische Beamtenthum.

die Kamph

Donnerstag, den 22. Oktober 1891.

Expedition: Benth- Straße 3.

staatlichung der Eisenbahnen, die unter seinem Ministerium Aber neben der Pflichttreue geht auch die Schmiegsamkeit erfolgte, zu Spekulationen hätte benutzen können, die ihm und das Streberthum mit und trägt das Beamtenthum Millionen einbrachten. Der parlamentarische Korrespondent das Gepräge der Bourgeoisgesellschaft, untermischt mit der freisinnigen Breslauer Zeitung" schreibt über Herrn den Anschauungen feudaler Ueberlieferungen. Wenn man Bitter: das ,, altpreußische Beamtenthum" mit besonderem Gewicht hervorhebt, so laufen unter demselben, was nach Baare ja überall vorkommt, so manche geflickte Schienen" mit, die wir nicht als bloße Schönheitsfehler" betrachten

" In sein Privatleben und später auch in sein Grab nahm Herr Bitter den Ruf mit sich, daß seine persönliche Führung eine tadellose gewesen sei. Alsbald nach seinem Tode stellte sich aber heraus, daß er in zerrütteten Verhältnissen gelebt habe, daß er eine große Menge von Schulden hinterließ, welche der möchten. Franzose mit einem unübersehbaren Ausdruck als dettes criantes zu bezeichnen pflegt, und in welche Niemand geräth, Kaiser

ber ſein Leben von schweren Vorwürfen rein erhält die Politische Leberlicht.

Wilhelm I. griff damals persönlich ein, um wenigstens Wittwe des Verstorbenen aus unerträglichen Lagen zu befreien. Es griff damals allgemein ein Unmuth darüber Play, daß man nicht, ehe man Jemanden zum Minister macht, sich über das Privatleben desselben mit derselben Sorgfalt unterrichtet, die angewendet zu werden pflegt, ehe man Jemanden zum Kommissionsrath macht."

Berlin , den 21. Oktober.

Das altpreußische Beamtenthum, das vielfach mit einer wahren Ehrfurcht hervorgehoben wird, ist etwas ebenso Märchenhaftes, wie die" gute alte Zeit", von der die Großmütter und alle alten Weiber beiderlei Ge­schlechts zu erzählen wissen. Wir finden wohl im alten preußischen Beamtenstand einige kernige, ehrenfeste Naturen, aber die Regel sind sie nicht gewesen. Das Gros der Beamten waren im besten Falle verknöcherte Pedanten, starre Bureaukraten, unterthänig vor jeder Autorität. Und an kriechenden und niederträchtigen Speichelleckern der Macht hat es gewiß nicht gefehlt. Wie hätte es auch anders sein sollen? Unter Friedrich dem 3iveiten, Der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahl Fabrikation erläßt ein Zirkular, in welchem eine Anzahl genannt der Große, war für selbständige Naturen kein Abnehmer seine Schienen ihm deren Güte bescheinigen. Wir Raum. Unter seinem Nachfolger herrschten die Wöllner wollen das Lob der Schienen nicht kritisiren; für uns und Bischofswerder und unter Friedrich Wilhelm III. Ja, wenn es ein kleiner Schulmeister gewesen wäre, bildet den Kern der Angelegenheit die Anschuldigung Fus­waren die hervorragendsten Staatsmänner gehemmt durch da hätte der altpreußische Beamtengeist wohl nachgespürt, angel's betreffs der gefälschten Stempel. Von den ver­- und Schmalzgesellen, die dem König am ob derselbe ein Wirthshaus besucht, mit wem er umgeht öffentlichten Schriftstücken lassen übrigens einige die Stempel­kontrolle als ein reines Possenspiel erscheinen. So erklärt chnet. 1ympathischsten waren. Die philiströse Ehrbarkeit mag und ob er wohl gar Stat spielt. vorherrschend gewesen und die Geschmeidigkeit gefehlt Es sind nicht zu viele Jahre her, da beschäftigte sich der Betriebsdirektor der holländischen Eisenbahn, Nier­die gute" Gesellschaft und die Bresse mit einer Standal- it r a ß: Das Vertrauen in die Leitung der Werke ist selbst so groß, morgen als weiß verherrlichte, was sie gestern als schwarz geschichte. Ein junger Graf, Sohn eines sehr hohen daß wir, wie ich mich erinnere, unfern Stempel an die Fabrit verdammt hatte. Die Heuchelei entbehrte der Eleganz, fie Beamten, war mit der Frau eines Freundes durch- bibten und die Stempelung dort durch die Besitzer selbst fonnte auch plumper auftreten zu einer Zeit, wo man gegangen. Diese Standalgeschichte war ein willkommener vornegmen Iteßen. jeden Widerspruch als Anmaßung des beschränkten Stoff für das Klatschbedürfniß, aber hinderte den jungen Der Direktor der niederländischen Staats- Eisenbahn Unterthanenverstandes" abfertigen konnte. Als nach Mann nicht, in wenigen Jahren die ganze Leiter der van Nievel hält die Anschuldigung wegen gefälschter 1848 trotz der Verfassung die Reaktion in verschärfter Beamtentarrière bis zu den höchsten Stufen zu ersteigen. Schienen für eine Blödsinnige Behauptung. So viel Arbeiter Weise eintrat, als sie Rache dafür zu nehmen hatte, daß Es gehört zum guten Ton, die Flecken und Wunden der Unternehmer hätte, so viele Ankläger würde er haben. Er meint: fie hochgestellter Persönlichkeiten nicht zu berühren, und gerade müſſen, als die Zeit tam, wo das Unrecht jede Scham das läßt sich sehr vermuthen, daß es sich um weit ver­verloren hatte", da mochte man gegenüber der in den breitete Uebel handelt, und die geübte Duldsamkeit und] Regierungs- und Beamtenkreisen sich geltend machenden Schonung auf Gegenseitigkeit beruht. Niedertracht und Verfolgungssucht, der kein Mittel zu schlecht war, wohl noch als Gegensatz die Tugenden" hüllung der Verwendung des Reptilienfonds zur Regu­des altpreußischen Beamtenthums hervorheben, indem man lirung der Verhältnisse eines Minister- Schwiegervaters nischen Eisen- und Stahlwerke, die Herr van Nievel kennt, Das Bochumer Werk, wie überhaupt alle großen rhei­an einige Zierden desselben erinnerte. Das Schlagwort hinweg? Sand darüber! vom altpreußischen Beamtenthum" mochte damals viel­stehen bei ihm über jeden Verdacht erhaben. Eher giebt er Es sind zwanzig Jahre seit der Gründerperiode ver- bie Wahrscheinlichkeit", daß die Arbeiter Fälschungen be­floffen und wie zahlreich war die Zahl hoher Beamter, gehen, zu. Jedenfalls werfen die Aeußerungen des Herrn aber fann man es gewiß mit anderen Fabelwesen in die die an den Gründerorgien Theil nahm! Wie viele Be- van Nievel auf das Wesen der Akkordarbeit ein treffendes Rumpeltammer werfen. amte, und zwar hochgestellte, traten in den Dienst der Licht. Der Schaden der mangelhaften Arbeit, für den in Das altpreußische Beamtenthum" wurde wieder Industriellen als Direttoren oder Kommis! Hat sich den meisten Fällen der Arbeiter nichts kann, wird am Ar­hervorgehoben bei den Enthüllungen, die der Prozeß etwas geändert in den letzten zwanzig Jahren? Wohl! beitslohn gebüßt. Manché über den früheren Finanzminister Bitter brachte. Das, was man damals als Uebel empfand, ist heute un­

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Mit welcher Leichtigkeit ging man über die Ent­

Wahrscheinlich ist es, daß Arbeiter ohne Wissen und Willen der Direktion in solcher Weise manipuliren. Gewöhnlich arbeiten diese Leute im Afford. Wenn ein Ingenieur der Fabrit eine Anzahl der durch eine Arbeitergruppe abgelieferten Schienen als untauglich zurückweist, entsteht den Leuten ein Lohnabzug, den sie möglicherweise in der angedeuteten Weise zu vermeiden suchen.

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Ein dritter Zeuge ist Herr Middelberg, Betriebs­direktor und technischer Leiter der südafrikanischen und Batavia Ostbahngesellschaft. Er rühmt die Bochumer Zeichen seiner Tugend hervorgehoben, daß er mit zer­Es fällt uns durchaus nicht ein, zu bestreiten, daß Schienen überaus und hebt besonders hervor, daß er sie rütteten in unserem Beamtenstand zahlreiche ehrenhafte Persönlich- billiger kaufe, als die deutschen Bahnen und ebenso aus demſelben schied, obwohl er doch die Ver- feiten existiren, die ihrer Pflicht getreulich nachkommen. se I b ft.

Nachdruck verboten.)

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Feuilleton.

Er kehrt zurück!

Driginalroman von Jean Mero z.

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Aber warum stellen Sie mir alle diese Fragen? fie fühlte jetzt Mißtrauen. Was wollte diese Person von ihr? Sie hatte hundertmal von Deshommes und Charlotte sagen hören, daß sie keine Verwandte in Paris hätten. Die Frau erschien ihr unbegreiflich. Die verschleierte Dame hatte ihrerseits die Gedanken ziemlich errathen, welche in der kleinen Blumenhändlerin auf­stiegen, und wollte weiter für den Augenblick nicht gehen. Sie behielt sich vor, recht oft wieder zu kommen, das Ber­trauen dieses jungen Mädchens zu gewinnen und dasselbe ausführlicher zu befragen.

aus dem Hospital gekommen sind. Es hat mir viel daran gelegen, Sie baldigst aufzusuchen. Und sie fuhr fort, ohne zu bemerken, daß Larirette erröthete, und etwas sagen wollte: Sie kennen den Herrn Deshommes, mein Fräulein? Ja, gnädige Frau, ich kenne ihn sehr gut; es ist ein braver Mann und ein ausgezeichneter Arbeiter. Wenn Sie Schuhwerk in Ordnung zu bringen haben, wird er es Kummer haben, und wartete stumm, zurückhaltend, und in Arme Frau, dachte sie, sie muß irgend einen großen mit Vergnügen thun. Er arbeitet sehr gut. Die Dame machte eine unbestimmte Handbewegung und achtungsvollem Schweigen auf einen Wunsch. Aber ohne zu fuhr fort: -Danke sehr, aber nicht dazu brauche ich ihn; Herr nicht wahr? empfohlen worden ist, von der man mir oft gesprochen Ja, gnädige Frau, das ist meine beste, meine hat. Aber ich möchte gern, daß sie nicht erfahren, wie sehr verleben, und ich werde sie heute Abend besuchen. Die arme Charlotte! Sie muß sehr traurig sein, ihr schmerzt es sie, zu sehen, daß er alt und nicht sehr kräftig ist, denn der Arzt hat gesagt, daß er sich schwer von der schrecklichen Wunde erholen würde, die er in die Brust be­

or in die Hand gekommen war und gab ihr ein goldenes

20 Franksstück. Ach, gnädige Frau, sagte die Blumenhändlerin, ich

Deshommes hat eine Tochter von ungefähr achtzehn Jahren,

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-Danke sehr, sagte sie

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wissen wollte, ich intereſſive mich für diese Familie, vie mir

bitte sehr um Verzeihung, ich muß Sie ein wenig warten einzige Freundin, ich will den Sonntag Nachmittag bei ihr ich mich mit ihnen beschäftige. Sie werden mit ihnen nicht

lassen, um kleines Geld zu holen.

Nein, mein Fräulein, bemühen Sie sich nicht, be­

von mir sprechen, nicht wahr, mein Fräulein? -Warum nicht, gnädige Frau; wenn Sie ihnen wohl­

halten Sie das Goldstück für sich, es wird Ihnen Glück Vater ist sehr frank gewesen, und obgleich er geheilt ist, wollen, warum suchen Sie dieselben nicht auf?

bringen und mir auch.

gnädige Frau, dieses Bouquet ist keine 15 Sous

werth, das ist zu viel.

Als die verschleierte Dame den Namen Charlotte aus­

Aber Summe erschien ihr wirklich zu groß; sie wollte sprechen, Und sie wußte nicht, wie sie sich verhalten sollte, die kommen hat. fie streckte schon die Hand aus, um das Geldstück wieder- sprechen hörte, zitterte sie und murmelte mit sehr leiser zugeben, als die Dame, mit der sie sprach, sie durch eine Stimme: Handbewe gung veranlaßte, inne zu halten, und zu ihr sagte: Sie, es wird der Preis für das Bouquet sein, welches ich Behalten Sie doch das Geldſtück, mein Fräulein, ich bitte

und

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Charlotte!..

Ist sie schön, das Fräulein Charlotte?

gewählt habe, und für einige Aufschlüsse, die ich brauche Charlotte ist hübsch, ja sie ist ein schönes Mädchen und ein um die ich Sie befragen will. Ich weiß, daß Sie

Doch gestatten Sie, daß ich Ihnen sage, Ihr Goldstück brennt mir in den Händen, ich weiß nicht wes­halb, aber ich habe die Empfindung, daß Sie ihnen Böses wünschen, statt Gutes. Nehmen Sie Ihr Geld zurück, ich mag es nicht.

Aber ohne Erwiderung hatte die Dame sich umgewendet und eilte mit schnellen Schritten ihrem Wagen zu, ohne sich umzuwenden und anscheinend, ohne Larirette zu hören, welche rief:

Gnädige Frau, gnädige Frau! Oja, gnädige Frau, wie fömen Sie nur fragen, Die Blumenhändlerin hatte voll Rathlosigkeit und Un­gutes dazu; wenn man sieht, wie zärtlich, liebenswürdig ruhe ihre Bude verlassen und war Hals über Kopf hinter ihr hergestürzt.

jehr schwer frant gewesen, und erst heute Morgen und pflichtgetreu fie gegen ihren Vater ist...