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7. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Schulreform.

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Zur selben Zeit, da die österreichi­sche Sozialdemokratie von rechten

Donnerstag. 4. August 1927.

Bierjährige Pause im Flottenbau.

Ein japanischer Vermittlungsvorschlag.

und linken Arbeiterfeinden als ein geschlagenes New York , 3. Auguit.( Reuter.) Staatssekre=| viel hänge davon ab, ob sie imstande sein würden, Seer hingestellt wird, hat sie einen großen tär Kellog ist augenblicklich dabei, den japa- ihn umzudrehen. Erfolg errungen. Die bisher versuchs- nischen Vorschlag einer genauen Prüfung zu weise durchgeführte Schulreform. ist unterziehen in der Hoffnung, daß dieser Vor­Gesetz geworden, die Volksbildung wird schlag zumindest die Grundlage für ein Ab­in Oesterreich auf ganz neue Grundlagen ge- rommen über eine vierjährige Flottenbaupause tellt. Die Reform hat natürlich nicht den bilden werde. Umfang, den ihr die Sozialdemokratie Der japanische Vorschlag, dessen Kernpunkt Sinne des Linzer Programms geben würde. wäre sie an der Macht; fie greift natürlich eine Art Moratorium im Schiffsbau ist, nicht so tief in das gesamte Bildungswesen ein, sicht ein zeitweiliges Abkommen bis zur Revi­wie Glödel es in seinen Reformplänen vor- fion des Washingtoner Vertrages im Jahre 1931 gesehen hatte. Aber die österreichische Schul- vor. Seitens der amerikanischen Delegation reform führt im Prinzip doch jene Ideen wurde gestern erklärt, die Japaner hielten gegen­durch, die unter der Ministerschaft Glöckels zu wärtig den Schlüssel der Lage in Händen, und leitenden Grundsäßen des Reformnwerkes ge­macht wurden.

Auf die vierklassige Volks­Bolts Coolidges Verzicht nur ein Manöver? schule wird in ganz Desterreich, so wie es New York , 3. Auguſt. ( Reuter.) Der Ent bisher in Wien versucht wurde, die Haupt- schluß des Prsidenten Coolidge, daß er im Jahre schule folgen. Der Name dieser Schule, aus 1928 nicht zum drittenmale als Präsident der der Maria- Theresianischen Schulordnung ent- Republik fandidieren wolle, hat in amerikanischen nommen, ist fast das einzige Zugeständnis, politischen Kreisen eine ungeheuere Sen­das den Christlichsozialen in dieser Frage ge­sation hervorgerufen. Personen aus der nächsten Umgebung des macht wurde. Aber, ob Hauptschule Präsidenten sind der Ansicht, daß dieſe ſeine oder Allgemeine Mittelschule, wie Erklärung seine Kandidatur im Jahre 1926 Glöckel diesen Typ nannte, an die Stelle der definitiv unmöglich macht. Dies aber ist alten Bürgerschule tritt jedenfalls eine moderne feineswegs die Ansicht des größeren Teiles der und vor allem eine umfassende Bildungsan- Presse und der Politiker, die Gelegenheit hat stalt, die Gemeingut des Volkes, und nicht ten, während der letzten Monate unmittelbar Privileg der Besitzenden, sein wird. Jeder mit dem Präsidenten in Verbindung zu treten. Schüler, der das Lehrziel Volksschule erreicht Diese Politiker und Journalisten famen zu der Ansicht, es sei nicht ausgeschlossen, daß dieser hat, wird in die Hauptschule aufgenommen, de- Entschluß des Präsidenten eine sehr feine ren Lehrplan sich von dem der alten Bürger- politische Berechnung ist, und daß der schule nicht nur methodisch, sondern auch in der Präsident seine Gegner in der republifanischen Auswahl der zu lehrenden Fächer unterschei- Bartei auf diese Weise enthüllen will. Diese Per det. Die Hauptsache wird so eingerichtet sein, fonen find überzeugt, daß Coolidge sich eine sehr daß sie im allgemeinen die gleiche Bil- feste Basis schaffen wird, wenn er gezwungen dung vermittelt wie die Unterschule.

stunden war nicht bekannt, ob ein Fortschritt in Genf , 3. Auguft. Bis in die späten Abend den Verhandlungen erzielt und ein Stompromiß gefunden wurde, das den Mißerfolg der Marine hüllen würde. Von verschiedenen Seiten wird abrüstungskonferenz wenigstens teilweise ver­zwar eine neue Verschiebung der für Donnerstag 15 Uhr anberaumten Plenarsizung vorgeschlagen, doch zeigt sich Widerstand dagegen, da infolge des ablehnenden Standpunktes Amerikas zu den japanischen Vermittlungsvorschlägen eine wei tere Verzögerung der Konferenz als gegenstandslos angesehen wird.

sein wird, auf allgemeines Ersuchen des Landes zum drittenmale das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Wenn er es übernimmt, wird er dies offensichtlich gegen seinen Willen und gegen seine Absicht tun.

Hoover Präsidentschaftskandidat.

London , 3. August. Der New Yorker Korre­spondent des Daily Telegraph " berichtet: Wenn Coolidge bei den nächsten Präsidentenwahlen nicht wieder fandidieren würde, würde nach Ansicht vieler Personen der Handelssekretär Hoover sein Nachfolger werden.

Panit an der New Yorker Börse .

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Nr. 181.

Deutsche Unternehmer.

Der Deutsche Hauptverband der Industrie als Arbeitgeberorganisation im Jahre 1926.

Der Deutsche Hauptverband der Industrie gibt in seinem Bericht über die Tätigkeit im Jahre 1926 ein sehr umfangreiches Bild über seine Ein­flußnahme auf die Gestaltung der Arbeits-, und stellung über die abgeschlossenen Verträge in den Lohnverhältnisse in den Betrieben. Aus der Auf­letzten Jahren ist ein bedeutendes Sinken der Ver­tragsabschlüsse festzustellen.

Verträge abgeschlossen:

1922 1923 1924 1925 1926

Für Arbeiter. 591 501 371 609 351 Für Beamte. 61 49 34 44 13 In dem Bericht wird vor allem darauf ver­wiesen, daß der Verband sein Hauptaugenmerk darauf richtete, Lohnerhöhungen sowie auch Zuwendungen an die Arbeiterschaft zu ver hindern. Es werden eine Anzahl von größeren Bewegungen angeführt, durch welche Lohnerhö­hungen erzielt werden sollten, die Unternehmer jedoch auf Weifung des Verbandes auf ihrer Ab­lehnung beharrien. In einer Reihe von Industrie­zweigen wurden sogar Lohnabbane durchge­führt. Wenn es den Arbeitern im Bauberufe nicht gelungen wäre, Lohnerhöhungen durchzusetzen und auch die Landwirtschaft keine Lohnerhöhungen be­willigt hätte, so wäre, nach der Erklärung des Verbes, der Lohnabbau in viel stärkerem Maß Ausdruck gelangt. Der Lebensmittel­inder sand nach den Feststellungen des ſtatiſtiſchen Staatsamtes im Jänner 1925 auf 899, um im Juli auf 916 zu steigen. Er senkte sich jedoch int Dezember desselben Jahres auf 873, uni bis zum Dezember 1926 neuerdings auf 912 zu steigen. Der Verband gibt also selbst zu, daß sich die Le­bensverhältnisse wesentlich verteuert haben, und trotzdem wurde die ablehnende Haltung gegenüber Lohnerhöhungen eingehalten.

New Yort, 3. August. Infolge der Erklä rung des Präsidenten Coolidge , daß er bei der nächsten Präsidentenwahl nicht kandidieren Der Verband gibi selbst zu, daß, als in der werde, fam an der heutigen New Yorker Börse zweiten Hälfte des Jahres 1926 die Lebenskosten ein starker Rüdgang der Kurse der Wertpapiere die vorjährige Höhe erreicht hatten, durch die Ein­zum Ausdruck, der den Charakter einer Banif führung der Sozialversicherung und die Eintrei­annahm. bung der Einkommensteuer für die Arbeiterschaft wwwwwwww eine Verschärfung der bisherigen Verhältnisse ent­Meine Uebergang aus der Bürgerschule fast unmög- ſtand. Trotz dieses Umstandes wurde der bis­lich ist, wir kennen natürlich keine Arbeiter berige Grundsatz, die bestehende Lohnhöhe nicht zu mittelschule und auch keinen Schultyp, überschreiten, und auch der Arbeiterschaft, soweit dieselbe nicht durch Vertrag oder Gewohnheit zu­halbwegs modern zu nennen wäre.

der

gestanden wurden, teine Aushilfen zu ge­währen. Es ist ein direktes Verbot an die Mit­gliedsfirmen ergangen.

Damit wird vor allem erreicht, daß proleta- eine moderne Schule zu schaffen, die der Wis­rische Kinder aus der Hauptschule, deren Ve- senschaft den gebührenden Raum jreigibt und juch mit feinen befonderen Opfera die die konfessionelle Erziehung auf ein erträgli­Eltern verbunden ist vor allem nicht ins Maiz einschränkt. Der Sturm der kle­jozialistischen Gemeinden. die für kostenlose rikalen Reaktion ist abgeschlagen. Oesterreich Was auch auf anderen Gebieten zu be­Lehrmittel forgen unmittelbar in die ber hat eine Schule, die, als ein Stompromis zwi- merken ist, gilt ganz besonders auf dem der mittelschule übertreten fönnen, wenn fie se- fchen Sozialisten und Bürgerlichen natürlich Stulturpolitif: Oesterreich hat wirklich In allen ihren Wirtschaftsberichten lagen fähigt sind und die Eltern das finanzielle nicht unserem Ideal gleichkommt, die aber auf einen Umsturz" erlebt, eine geistige die Unternehmer darüber, daß die Konsumfähig­Opfer zu bringen imstand: sind. Bon Ser der Höhe der Zeit steht. In einer allgemeinen Umstellung der Menschen, Oesterreich ist eine feit der Bevölkerung start gesunken sei und da zweiten Selasse der vierklassigen Hauptschule an Aera der Reaktion, wenige Wochen nach dem Demokratie, ist trop der flerifalen Regierung durch der Absatz der Industrie gedrosselt werde. wird unobligat eine Fremdsprache gelehrt. so blutigen Massaker von Wien, konnte die öster- ein fortschrittliches Land; die Tschechoslo- Troydem die Unternehmer im verflossenen Ge­schäftsjahre, wie aus den veröffentlichten Bilan­daß auch der sprachliche Unterbau für die Mit- reichische Sozialdemokratie als opposi- wakei aber ist die Fortsetzung des die Fortsetzung des zen ersichtlich ist, bedeutende Gewinne erzielt telschule gegeben ist. Nun werden nicht alle tionelle Partei der Regierung eine alten Oesterreich, sie hat nur die Far- haben, lehnen sie alle Forderungen der Arbeiter Schüler der Hauptschule befähigt sein, das Schulreform aufzwingen, deren Gesetzwerdung ben und Embleme geändert, nur an die Stelle ab, und tragen dadurch zur Niederhal­Lehrziel zu erreichen, das den besten Schülern von der flerifalen Presse mit süß- saurem Ge- der schwarz- gelben die tschechische Herrenschichte tung der Konsumfähigkeit der Be­gesteckt ist. Deshalb wird die Sauptschule in ſicht quittiert wird. Eine Saat ist gefät, die gesetzt, ihr Geist ist aber der des Habsburger - völkerung bedeutend bei. Sogar in zwei lassen zügen geführt, einem für erst in Jahren aufgehen wird, deren frucht staates. Im Heerwesen, in der Verwaltung, Füllen, wo der Unternehmer bereit wäre, solche die befähigten Schüler und einem anspruchslo- baren Ertrag wir aber heute noch gar nicht in der Stulturpolitik traben wir immer noch Zuwendungen den Arbeitern zu machen oder jeren für die Minderbefähigten. Gewisse Ge- absehen können. im alten Geleise, treten wir die Spuren ihnen die Löhne zu erhöhen, wird dies, wie aus dem Berichte hervorgeht, von der Unternehmer­genstände werden gemeinsam, andere geson- Will man aber die Größe dieser Errun österreichischer Bürokraten aus. organisation untersagt. dert unterrichtet werden. Auch aus dem aenschaft der österreichischen Genossen ermes- Eine der Ursachen unserer Rückschritt- Bemerkenswert war der Versuch, zum Zwede zwiten Klaſſenzug der Hauptschule wird aber fen, so mag man nur zum Vergleich lichkeit ist der nationale Kampf, der des Streifschußes, die gesamte Textilindu­der Uebertritt in die Mittelschule möglich sein, unsere Schulreform" heranziehen. jeden Fortschritt hindert, der vor allem im ſtrie in eine Zentralstelle zuſammen zu fassen, um peil auch für besondere Ueberleitungs- Seit Jahren, genau solange, wie man in Schulwejen erst bereinigt, durch eine wirkliche in allen 114 Vertragsgebieten von einer Stelle lajien aejorgt ist. Oesterreich systematisch für die Schulreform Schulautonomie beigelegt werden müßte, che aus die Entscheidungen zu treffen. Bisher ent­Die Mittelschulen werden sämtlich arbeitet, wird bei uns in der stümperhaftesten man an eine großzügige Schulreform für alle ſcheiden diese Gebiete in ihrem Wirkungsfreise achtklassig sein, auch die bisher sieben- Weise laboriert. An eine großzügige Reform Nationen des Staates denken könnte. Eine selbständig. Die Beratungen, welche zu diesem 3wvede gepflogen wurden, führten jedoch infolge Die erste Fremdsprache zu denken, hat man überhaupt nicht gewagt, andere und schwerer wiegende Ursache unseres der verschiedenen Meinungen, die in den Kreiſen ( Latein oder eine moderne Sprache) beginnt nie wagen können, weil auch die sozialistischen Elends ist aber die 3errissenheit der der Textilindustriellen vorherrschten, zu keinem in der zweiten Klaffe, die zweite erst in der Schulminister an die Kompromisse mit den Arbeiterklasse, die sich bei uns unter Resultat, aber trotzdem wurde der Arbeitgeber­Obermittelschule; nur das humanistische Gym- ferifolen acbunden waren. So hat man da den gütigsten Konstellationen nicht jenen Ein- hauptstelle ein größerer Einfluß auf die Entschei nasium beginnt mit dem Griechischen schon eine Stunde gestrichen, dort eine angeflickt, fluß sichern fonnte, den die einige öster- dungen bei den Lohnforderungen der Arbeiter­in der vierten Klasse. Aus dem Lehrplan der Gutachten eingeholt, damit dann das Gegen- reichische Arbeiterschaft unter den schaft eingeräumt und es hat sich derselbe bei den bon Glöckel zu Versuchszwecken eingeführten teil gemacht werden konnte, die Lehrpläne ungünstigsten Voraussetzungen auf die Gesetz- Bewegungen der Tertilarbeiter schon sehr be­Deutichen Mitteli chule werden einige in Sleinigkeiten geändert, unbrauchbare Lehr- gebung nehmen kann. Ob Regierungspolitik merkbar gemacht. Die Aussperrungen dürften da­wertvolle Elemente übernommen, so vor allem mittel approbiert, aber an dem Geist der oder Opposition, erscheint angesichts des öster besonders die Textilindustrie auf den Absatz unter der erweiterte Deutschunterricht. Besonders schule hat sich nichts geändert. Ganz reichischen Beispiels faſt als nebensächliches den breiten Kreisen der Bevölkerung besonders att­bedeutungsvoll ist die Einführung von Ar- abgesehen davon, daß man das deutsche Problem der Arbeiterklasse; die Hauptsache, gewiesen ist, und die Hebung derselben, eine wich­beitericulen", Abendkursen, die dem Schulwesen, das auf einer hohen Stufe das entscheidende Moment ist, daß die ge- tige Voraussetzung für die Entwicklung der Indu­manuellen Arbeiter auf den Besuch einer Hoch- stand, durch Sperrungen und Drosselungen amte Kraft der einigen Arbeiter- stric darstellt, was der Tertilfabrikant Liebieg aus schule vorbereiten sollen. an seiner Entwicklung gehindert hat, geschah klasse eingesetzt werden kann, wenn es um Reichenberg in einem Artikel in der Bohemia" Ueber die Einzelheiten der Reform wer- auch für das übrige Schulwesen nichts," was wichtige Dinge geht. Gegen eine solche Macht selbst erklärte, bemüht man sich jedoch andererseits, den ja auch bei uns pädagogische Fachleute eine geistige Auffrischung bedeuten würde. iſt ſelbſt Seipels schwarzer Block schwach und die Löhne der Arbeiter niedrig zu halten, und nach­zu Worte kommen: der Geist des Geet- Wir haben noch immer die alte und ganz un- unser Bürgerblock wäre es nicht minder. Eine es ist jedenfalls ein moderner, ein genügende Bürgerschule, wir haben weder zerrissen nd uneinige Arbeiterklasse wird ozialer Geist. In das Bildungsprivileg Begabtenklaisen noch solche für Minderbegabte, mit keiner Taktik Erfolge erringen können, die der Besißenden ist Bresche gelegt. in einem von wir haben an den Mittelschulen die Fremd- denen der österreichischen Genossen gleich Meritalen beherrschten Lande ist es gelungen, sprachen schon auf der Unterstufe, so daß ein kommen.

mit in engem Zusammenhange stehen. Obwohl

dem die Preise im allgemeinen steigen, die Kon­sumfähigkeit der Bevölkerung noch mehr herab­zudrücken. Da könnten die Unternehmer, die ihren Arbeitern so oft von den Leistungen der Arbeiter in Amerika erzählen, von den dortigen Unterneh

mern sehr viel levnen. Sie wollen jedoch nur auf