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9. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralergan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowalischen Republit.

Mit jager Hand entriegelt fich Der Morgen beim Erwachen. Ein grauer Himmel spiegelt sich

In breiten Regenlachen.

Am Horizont nur glimmen fahl Zwei schwefelgelbe Streifen,

In die mit Aesten, schwarz und kahl, Die Straßenbäume greifen.

Ich wandre in den trüben Tag Auf tiefzerweichten Wegen,

Es peitscht der Wind mit scharfem Schlag Mir ins Gesicht den Regen.

Ein Schwarm von Krähen treibt vorbei Mit struppigem Gefieder

Und fällt mit frächzendem Geschrei Auf nackte Aeder nieder.

Sonntag, 31. März 1929.

Ostern 1929.

Ich lasse weit die Augen schn

Und horche in die Runde:

Den Frühling wollt' ich grüßen gehu In dieser Morgenstunde.

Wohl floh der Winter aus dem Land Hinauf zum hohen Norden- Doch nun, da seine Herrschaft schwand, Ist's wieder Herbst geworden?

Da fiche! Einer Wolke Rand Fängt purpurn an zu bluten, Und plötzlich ist das ganze Land Getaucht in rote Gluten.

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Die Schollen glühn wie wilder Mohn, Es brennt in allen Zweigen, Und einer Amsel Flötenton Klingt selig in das Schweigen:

Es tropft mir Zuversicht ins Herz Des fleinen Vogels Kunde, Und eilig fehr' ich niederwärts Zur Stadt zurüd im Grunde.

Bezugs Bebingungen:

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Xadfränge

( triptes erfolgt ba G fenbung ba Returmete

Gridem mus bes Mantas Aali

Nr. 78.

" Der Frühling kommt, der Frühling kommt, Wie auch die Nebel drücken!

.

Der Frühling fommt, der Frühling kommt Und will die Welt beglücken. und häit sie jetzt in strenger Saft Auch noch des Winters Wille, Es eint indes die ganze Kraft Der Frühling in der Stille.

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Bald zicht er als der Sieger ein Du mußt es nur erwarten!- Dann blüht die Welt im Sonnenschein Gleich einem großen Garten. Der Frühling fommt, er ist schon nah, Ich selber bin sein Bote,

Ich und am Horizonte da Das Morgenlicht, das rote!"

Ihr Brüder alle, seid nicht zag! Ob rauh die Stürme wehen, Es tommt, es kommt der Ostertag, Das große Auferstehen!

Paul Mochmann.

Wahre Auferstehung.

mehr bekennen. Die arbeitende Menschheit sieht| fen und die Kirche, die Verkünderin des christ­ihr Los nicht als eine unabänderliche cöttliche lichen Erlösergedankens steht ihnen dabei hel­Fügung an, sie erhofft ihre Erlösung auch fend zur Seite, aber sein Mut, seine Ruver­nicht mehr durch überirdische Mächte und hat sicht, seine Siegesgewißheit fann durch feinen erkannt, daß ihre Befreiung das Werk ihrer Jüdichlag, feine Bemühungen seiner Heinde eigenen Kraft sein muß. Als vor sechs gebrochen werden. oder sieben Jahrzehnten die ersten Vorfämpfer

Die Kirche, deren Diener im Weltkriege das jüngste Gericht, verlegt. Damit wurde die hüben und drüben Kanonenschlünde und die Hoffnung auf eine baldige Erlösung aus dem zur Schlachtbank geführten Soldaten segneten, irdischen Elend auf ein nebelhaftes Jenseits­dieselbe Kirche, deren Oberhaupt soeben aus reich verlegt und vertröstet. Das messianische dem Vatikan eine Agentur des Mussolinischen Gottesreich, es sollte den gebrüdten und lei­Fascismus gemacht hat, die Kirche, die gegen denden Menschen nicht schon in dieser materiel­den ausbeuterischen Kapitalismus und feine len Welt, sondern erst in der anderen Welt Auswüchse niemals mehr als einen Schein- beschieden werden, das Leben im fündigen des Sozialismus daran gingen, die Massen Aus den Tiefen der menschlichen Gesell­kampf zur Täuschung der ihr folgenden prole- irdischen Jammertal sollte nur der Vorberei- mit dem neuen Erlösergedanken zu erfüllen, schaft sieht die Welt neues Leben auferstehen. tarischen Massen geführt hat, feiert Ostern, tung für ewiges Leben im Jenseits dienen. begegneten sie bei den Nußnießern der heuti- aus qualvoller Knechtschaft und Erniedrigung das Fest der Auferstehung. Wie sich der Erlöserglaube wandelte, so gen Unrechtsordnung Spott und Sohn. Wie, ringt sich die Klasse der Erniedrigten zu freiem Nach der christlichen Lehre ist Ostern die auch das Christentum und seine Vertreter. Die diese dummen, verachteten Proleten wollen ihr Menschentum empor. Die bürgerliche Welt Zeit des Gedenkens und der Feier der Aufer- hoffnungsgläubige Entsagung auf die Freuden Schicksal selber schmieden? Wollen eine neue und ihre Vasallen suchen die Lehre des So­stehung des auf Golgatha von seinen Feinden der irdischen Welt wurde in der Hand der und bessere Welt aufbauen? Behaupten, eine zialismus zu widerlegen, durch Gesetze und gekreuzigten Gottessohnes, der in der Gestalt herrschfüchtigen, nach Macht strebenden Hierar Mission, die Mission der Befreiung der Arbeit Polizeibüttel den Aufstieg der Arbeiterklasse eines Zimmermannssohnes aus der Stadt hie zu einem Mittel der geistigen und physi- von der Unterjochung durch den Kapitalismus, zu hindern. Was weiß das Bürgertum von der Nazareth vom Himmel zur Erde herabçeschickt schen Unterdrückung. Die Lehre von der Enis erfüllen zu wollen? Spott, Verachtung und Welt der Arbeiter, was weiß es von den ge­worden war, um die Menschheit zu erlöjen. jagung, von der stillen Ergebung in das Verfolgungen haben das Freiheitsstreben des waltigen und erstarkenden Triebträften im Pro­Die christlich- gespenstische Mystik knüpft wie Schidial, das einſtens in einem anderen Leben Proletariats nicht unterdrücken können. Im letariat, von der es erfüllenden beglückenden bei manchen anderen der Feste der katholischen mit ewiger Glückseligkeit belohnt werden mer mehr der Proletarier sind es, die aus Freude, am Baue einer neuen, glüdlicheren Kirche an alte heidnische Naturfeste an. Lange würde, wurde von den Reichen und Mächti- dumpfem Schlafe erwachen, sich sammeln und Gesellschaft, einer höheren Gemeinschaft der vor dem Erstehen des Urchristentums gab es gen in Gemeinschaft mit der herrschgierigen zum Kampfe zusammenschließen. Furcht, Menschheit mitzuhelfen! Hätte es eine schon ein Ostern, von den Menschen festlich Prieſterkaste zu einem Bändigungsmittel der Gleichgültigkeit und alle Laſter der Stlaven Ahnung von dem im Proletariat sich mächtig begangen als eine symbolische Feier des Natur- Massen gemacht. Was die Menschen zu erbul- werfen sie von sich, bereichern ihren Geist, regenden Auferstehungsglauben. es erwachens, als das Fest neuen Werdens und den hatten, sollten sie als dem unerforschlichen suchen Wissen und Bildung, um für den gro- müßte einsehen, daß gegen diese Sträfte die An­der Auferstehung der vom Winter in Fesseln Ratschluß der göttlichen Vorsehung entspre- en weltgeschichtlichen Kampf ihrer Selasse reif wendung aller mechanischen Machtmittel geschlagenen Natur. An diese Tradition knüpfte chend, mit Demut und Geduld hinnehmen. zu werden. schließlich ebenso unwirksam bleiben muß, wie

das Erlösungssehnen des Urchristentums an. Auch heute noch ist der Kirche die gesellschaft- Mag das Ziel manchem auch noch in alle Versuche, die Idee und den Glauben des In der Trostlosigkeit grauenvoller sozialer liche Ordnung eine von Gott gewollte. Die weiter Ferne liegend erscheinen, dem zähen, Sozialismus zu widerlegen. Unaufhaltsam Not ichmachtete in den Zeiten des Verfalles Formen der kirchlichen Herrschaft haben sich opferwilligen Stampf des sozialistischen flas- vollzieht sich der Aufstieg der Arbeiterbewe­der Römerwelt die Masie der Menschen. Aus verändert, geblieben aber ist der Mißbrauch fenbewußten Proletariats ist es doch schon ce- gung in allen Ländern der Erde, trotz mancher dieser Not erhob sich die Hoffnung und der der Machtmittel der Kirche zur Niederhaltung lungen, manchen Erfolg an seine Fahnen zu Verirrungen in den eigenen Reihen des Pro­Glaube an eine neue beisere Zukunft, auf eine der Wassen des Volkes. Die Erlösung, die Auf- heften, manche Bresche in das Bollwerk der letariats. neue clücklichere Welt. So wedie die Stunde, erstehung der leidenden Menschheit aus Not einde zu brechen. Der Proletarier von heute Geschichtliche Umwälzungen unterliegen daß der Erlöser aus dem Grabe, in das er und Bedrückung hat die Stirche nicht gebracht. ist längst nicht mehr das, was der Proletarier eigenen Gefeßen. Sie können nicht künstlich be nach erlittenem schmachvollen Kreuzestod ver­noch vor wenigen Jahrzehnten gewesen ist, der schleunigt werden, es gilt nur, ihr Kommen Das Machtstreben der Kirche hat das unter überlanger, zermürbender Arbeitszeit zu erkennen und in ihrem Sinne zu wirken. schwunden sei, bei den sehnsüchtig der Erlösung aus ihrem Elend Harrenden den Glauben an Christentum verfälscht, es zu einem Lippen- ein kaum menschenwürdig zu nennendes Leben Zwei Menschenalter erst ist es her, seit sich die die Wiederkunft des Messias, der kommen christentum gemacht. Troß zweitausendjähriger führen mußte, keinerlei Rechte teilhaftig, ohne Arbeiterklasse aus dem Zustand der Dumpf­werde, um das neue herrliche tausendjährige Herrschaft der Kirche schmachtet der größte den geringsten Schuß seiner Arbeitskraft und heit und Entrechtung zusammenzuschließen be­Reich der olloemeinen Glückseligkeit zu grün- Teil des Volkes unter der vom Kapitalismus ohne Einfluß in Staat und Gesellschaft. Die gann, sie hat seither manche Machtposition er= den. Die Mühseligen und Beladenen übertru- ausgeübten wirtschaftlichen und sozialen Be- verstumpften Arbeitssklaven von einst nehmen obert und in manchen Ländern ist sie der herra gen diesen mustischen Gedanken aud) auf sich drückung. Ist darum der Auferstehungsgedanke am öffentlichen Leben, an der Politik, an Büschenden Bourgeoisie bereits so nahe an den und ihr eigenes Schicksal und sahen in der erloschen? Wohl ist es wahr, daß die Oster- chern, Wissenschaft und Kunst immer regeren Leib gerückt, daß diese in panifartiger Stim Auferstehung des Weltheilands, als der ihnen aloden immer größer werdenden Massen des Anteil, ihr Anteil an der Kultur ist im Stei- mung alle ihre demokratischen Traditionen der Gekreuzigte erschien, die Bürgschaft für Ptoletariats keine Verheißung bedeuten, doch gen. Noch seufzt der Arbeiter unter der Aus- über Bord zu werfen fucht, um sich vor der ihre eigene einftiae Auferstehung. Später, als der Auferstehungsdrang, die Erlösersehnsucht beutung des Kapitalismus, noch machen ihm sozialistischen Flut zu retten. Alles vergevens! die Nutznießer der bürgerlich- kapitalistischen Der Siegeslauf des Sozialismus fann für im römischen Reiche das Christentum Staats- lebt in ihnen stärker als je.

religion geworden war, wurde die Idee es Daß es göttlicher Ratschluß sei, zu der Geſellſchaft den Einfluß auf die Geſchicke des eine Zeitlang gehemmt, doch nichi dauerne ge kommenden göttlichen Reiches von der irdischen Erlösung im Jenseits gehöre Entsagung und Staates und Volkes streitig, noch suchen sie brochen werden. Die Bourgeoisie gründet Bür. Welt in ferne Regionen über den Geftirnen. tiefe Knechtichaft im Diesseits, zu dieser Auf- mit allen Kräften ihn in Nacht, Rechtlosigkeit gerblöcke und wirft sich mit dem Popft an der die Auferstehung an das Ende der Welt, vor fassung will sich das moderne Proletariat nicht und schrankenlose Unterdrückung zurückzuwer- Spiße dem blutigen Fascismus in die Arme.