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11. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republit.

Staatssekretär Mellon

in London .

Donnerstag, 18. Juni 1931

Ender will außerordentliche Bollmachten.

London , 17. Juni. ( Renter.) Der in London zur Herstellung des Budgetgleichgewichts und zur Lösung der Kreditanstaltfrage

weilende amerikanische Schoßsekretär Mellon stat­tete dem Premierminister Macdonald im Unterhause sinen Besuch ab und hatte mit ihm eine längere Unterredung.

Die erste Fühlungnahme.

Wien , 7. Juni. Heute traten in der hiesigen ungarischen Gesandtschaft der bevollmächtigte Minister Dr. Friedmann mit dem Führer der ungarischen Handelsvertragsdelegation Ge­sandten Niti zusammen und gaben einander gegenseitig den Standpunkt ihrer Regierung be­fannt, worauf sie nach Prag , resp. nach Budapest Bericht erstatteten. Es besteht die Hoffnung, daß bereits in der nächsten Woche die tschechoslowa­tische und die ungarische Delegation zu neuen handelspolitischen Verhandlungen zusammentre­

ten werden.

Bombenanschläge in Turin .

Berlin , 17. Juli. Die Vossische Zeitung" meldet aus Mailand : Nach einer Mitteilung ber Agenzia Stefani sind heute nacht offenbar in terroristischer Absicht an verschiedenen Stellen im Zentrum der Stadt Turin drei Sprengförper zur

Explosion gebracht worden. Der Eingang einer Bila

wurde beschädigt, aber niemand verlegt. Von den

Urhebern fehlt ebenso wie bei den Vorkommnissen in Bologna am Tage noch der Hinrichtung des

Anarchisten Schirru jede Spur.

See the Willen Dezang wird neuerlich eine

Hiße und Trodenwelle gemeldet.

Wien , 17. Juni. ( Eigenbericht.) Heute haben den ganzen Tag über Verhandlungen wegen Beilegung der Regierungskrise stattgefunden. Früh morgens wurden u. a. auch Dr. Renner, Seiß und alle anderen Parteiführer vom Bundespräsidenten über ihre Mei­nung über die Krise befragt.

Am Nachmittag fanden Beratungen der christlichsozialen Vereinigung statt und um jieben Uhr abends begab sich dann Dr. Ender, der sich den ganzen Tag geweigert hatte, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen, aber unter starken Druck der Partei ge­stellt wurde, wieder zum Bundespräsidenten und erklärte, er könne der Aufforderung des Bundespräsidenten , die Kabinettsbildung zu übernehmen, nur dann Folge leisten, wenn gewisse Vorbedingungen geschaffen würden.

Die erste Bedingung sei die, daß das Parlament der Regierung weitgehende anzer­ordentliche Vollmachten für eine angemessene Zeit erteile, um das Gleichgewicht im Bundes­haushalt wieder herzustellen und in den die Kreditanstalt betreffenden Fragen die nötigen Maßnahmen zu treffen. Dabei wäre die Mitwirkung eines kleinen Parlamentsausschusses vorzusehen. Eine weitere Bedingung sei die Bereitwilligkeit gewisser Persönlichkeiten, die nicht genannt werden, zur Mitwirkung in der neuen Regierung.

Der Bundeskanzler soll morgen bei einer Fühlungnahme mit den Parteien und den in Betracht kommenden Persönlichkeiten feststellen, ob diese Bedingungen erfüllt werden, und dann seine Entscheidung darüber treffen, ob er die Betrauung übernimmt.

Reichsregierung ermägt Transferaufschub.

Die Stimmung in der sozialdemokratischen Partei selbst dürfte dahin zu kennzeichnen sein,

ichüßten

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Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post: monatlich vierteljährlich halbjährig ganzjährig

Ke 16.­

48.­

P

96.­

BO

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.

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Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich Trilh.

Nr. 142.

Ein Mann und ein System.

Nochmals der Fall Stříbrny.

Wenn die Erledigung des Falles Stři­brný mehr als die Demütigung oder Beseiti­gung eines privaten und lästigen Gegners des Herrn Ministers Beneš sein soll, dann wich es nötig sein, ohne alle Illusionen die Män gel bloßzulegen, die nicht nur die Cha­raftere einzelner öffentlicher Funktionäre, son­dern die das ganze System aufweist. Nur wenn die Gesetzgeber den Mut haben, dem Uebel auf den Grund zu gehen, der eben nicht einfach im Geschäftstalent der Brüder Stři­brný zu suchen ist, werden sie ihm steuern tönnen. Und ihm zu steuern, wäre eine drin­gendere und dem Staat nützlichere Aktion als sämtliche Spielereien der Staatserhaltenden, von der militärischen Erziehung der Jugend bis zu den Luftmanövern.

Man muß sich vor Augen halten, daß der Fall Stříbrný, sicher nicht der einzige, wenn auch vielleicht der größte Fall öffentlicher Korruption, nur durch eine Reihe von Zufäl len aufgedeckt und zur Diskussion gestellt wurde. Nicht, daß sich die Geschäfte der Bri der Stříbrný im Dunkel abgespielt und daß die Oeffentlichkeit den Führer der fascistischen Liga für einen makellosen Ehrenmann gehal­ten hätten. Was jetzt im Bericht des Unter­

Borher erst Besprechungen mit den beiden amerikanischen Staatssekretären. Berlin , 17. Juni .( Eigenbericht.) Der zunächst noch nicht zu übersehen. Auf dem Welt- uchungsausschusses niedergelegt ist, war durch; gestrige Beschluß der sozialdemokratischen Reichs- markt ist eine Beruhigung eingetreten Jahre mehr minder öffentliches Ge­tagsfraktion, nicht die Einberufung des Haus heute hat die Reichsbant etwa für 14 Millioner heimnis und Gesprächsstoff von Politifern, haltsausschusses zu verlangen, sondern auf Devisen einlösen müssen, also für einen weit Journalisten, Geschäftsleuten. Dennoch konnie Grund der Erklärungen des Reichskanzlers in geringeren Betrag, als in den letzten zwei Wochen es erst jest zum Gegenstande einer parlamen Berhandlungen mit der Regierung über die Ab- zu verzeichnen war. Wenn die neuen Verhand- tarischen Untersuchung gemacht werden, weil Die soziale Not in Amerita. änderung der Nowverordnung einzutreten, hat in lungen über die Aenderung der Notverordnung politische Motive den Sturz Stribrnýs rätlich der Presse zu lebhaften Diskussionen Anlaß ge- beginnen, ist noch nicht bekannt. Die Regierung erscheinen ließen. Hätte Jiři Stříbrný sich das Washington, 17. Juni .( Reuter.) Das geben. Je nach der Stellung zur sozialdemo selbst scheint die Absicht zu haben, erst die An- mit begnügt, Provisionen zu fassieren, et wäre Rote Kreuz veröffentlichte soeben einen Tätig fratischen Partei wird der Ausgang der Krise funft, der amerikanischen Staatssekretäre Stim- vielleicht der Führer seiner Partei geworden; keitsbericht, aus dem hervorgeht, welche Ausbrei- als ein Erfolg der Sozialdemokratie oder als ein son für Auswärtiges und Mellon für Fierst als er zu intrigieren und zu rebellieren tung die wirtschaftliche Not in den Vereinigten Sieg des Kabinetts Brüning bezeichnet. In der nanzen, abzuwarten, die ungefähr für den Staaten gefunden hat. Nach den Schäßungen Rechtspreise wird behcmptet, die Regierung habe 20. Juli in Berlin erwartet werden. Die Re- begann, nach der Krone des Parteiführers waren in den 22 Staaten Nordamerikas in den sich an die Sozialdemokratie verkauft, während gierung wird hiebei den Versuch unternehmen, griff und die Kreise des Dr. Beneš störte, warf letten sechs Monaten 2,700.000 Personen die Kommunisten behaupten, daß sich die Sozial- die Frage der Neuregelung der Reparationen auf- man ihn aus der Partei. Und hätte er sich auf die Hilfe des Roten Kreuzes an demokratie Brüning unterworfen habe. zurollen. Daß es dabei zu einem greifbaren Er- wiederum mit der Präsidentschaft der ,, Sparta " gewiesen. In den Südstaaten, die im vergan­gebnis kommen wird, ist nicht anzunehmen. und mit der Herausgabe von Revolverblättern genen Jahre durch katastrophale Hizewellen heim­Man nimmt an, daß die Reichsregierung begnügt, statt eine politische Partei zu grün­gesucht wurden, sind noch heute 38.545 Familien auf die Hilfe des Roten Kreuzes angewiesen. Aus daß volle Uebereinstimmung über den brutalen dann den Transferaufschub für die ge- den und die Kampagne gegen die Burg " ins Angriff der Notverordnung die Lebensinter­eisen der arbeitenden Massen besteht. In einigen Aufschub bezieht sich auf den geschüßten Teil ner jetzigen Gegner eingefallen, ihn vor das Bezirken ist bereits zu der gegenwärtigen Situ- der Jahreszahlungen, soweit er in Gold zu leisten Tribunal zu ziehen. Es ist das tief Bedauer­ation Stellung genommen worden. So hat ist. Es handelt sich dabei um 308 Millionen Magdeburg- Anhalt sich für die Weiterführung der Mart, die drei Monate nach dem Aufschub des liche an der Reinigungsaktion, die jetzt im bisherigen Politik erklärt, troßdem die unge Transfer in Reichsmart auf das Konto der Gange ist, daß sie gewissermaßen der politischen Einladung zur Weltabrüstungs­heuren Schwierigkeiten anerkannt werden, die Bent für internationale Zahlungen zu über- Notwehr und nicht dem Reinlichkeitsgefühl tonferenz. der Agitation der Partei daraus entstehen. Die weisen wären. ihrer Urheber entsprungen ist. Wie mancher Genf , 17. Juni. Wie vom Völkerbundfetre- Berliner Organisation hat, nach einem Referat Allerdings wird die deutsche Regierung sich Mörder wegen Mordes freigesprochen, aber tariat mitgeteilt wird, hat der Generalsekretär des Reichstagsabgeordneten Aufhäuser und zu diesem Schritt nur dann entschließen dürfen, wegen Uebertretung des Waffenpatents, oder des Böfferbundes jetzt die offiziellen Einladungen nach einer lebhaften Diskussion verlangt, daß der wenn sie der Zustimmung der anderen an den wegen Fälschung des Meldezettels verurteilt für die Weltabrüstungskonferenz, die am 2. Feber Kampf gegen die Notverordnung mit den Reparationen interessierten Regierungen ficher wird, so könnte Stříbrný unter Umständen. ist, weil sonst die schwerste finanzielle und wirt wegen Verbalinjurien gegen Beneš verurteilt, 1932 in Genf beginnt, ergehen lassen. Es find schärfsten Mitteln weitergeführt werden solle. Wie die wirtschaftliche und politische Entschaftliche Schädigung des Reiches darans ent- aber des Delifts, das ihm der Untersuchungs­sämtliche dem Völkerbund angehörende Staaten eingelanden worden, außerdem noch Afghanistan , wicklung in Deutschland weitergehen wird, ist stehen könnte. ausschuß vorwirft, lediggesprochen werden. Brasilien, Costarica , die Vereinigten Staaten von Was gibt uns unter solchen Umständen die Nordamerika, Aegypten , Ecuador , Mexiko , die unsterblich gemacht, indem sie den Bergarbeitern, Gewähr, daß Stříbrný der einzige ist, dec Türkei und Sovjetrußland. Die Eingeladenen als es ihnen vorübergehend ein wenig besser ging, genommen" hat, was beweist, daß er nicht im find gebeten worden, dem Völkerbundsekretariat zu das Wort von den Börseanern der Ar- Heeresministerium ähnliche Praktiken gegebener Zeit die Zusammensetzung ihrer Dele­Im Bericht des parlamentarischen Unter- be it" entgegenschleuderte; nun, auch die drei verfolgt hat und eine Untersuchung dieses gation mitzuteilen. suchungsausschusses gegen Stribrny spielt bekannt- Millionen, die das Haus Petschef den Stribrnys Ressorts nur unterbleibt, weil man fein In­lich auch eine Dreimillioen Einlage in den Rachen warf, stammen von Börscánern teresse hat, an die geheiligten Traditionen zu des großen Brager Banfiers Pet der Arbeit", find Mehrwert aus der furchtbaren rühren, die sich an Heereslieferungen knüpfen! ichet sch et eine nicht unbeträchtliche Rolle. Diese drei Arbeit der Kohlengräber auf den Petschef- Schäch- lierten Rüstungsfonds, der jährlich Haben wir nicht einen völlig untontrol­beitsfonieren; hat heute in ihrer Vollversammlung Dillionen Petschets, scheinbar zur Sanierung der ten. Warum will die vornehme Bohemia 315 Millionen verschlingt und von dem nun beschlossen, die Frage des Mindeſtalters für die Diskontbant hergegeben, sind in die Taschen rade davon nichts wissen? Wenn die Petschefs verlautet, er sei bis 1938 estomptiert? Bulaffung von Kindern zur Arbeit in nichtge- Franz Stribrnys geflossen. Hier handelt Millionen haben, die sie an Korruptionisten ver- Tatsächlich wird, wie über Stříbrný merblichen Berufen auf die Tagesordnung der es sich nach dem Bericht des parlamentarischen schwenden können, warum versucht ausgerechnet jahrelang gesprochen wurde, heute noch über nächstjährigen Arbeitstonferenz zu Ausschusses nicht um eine strittige, sondern um die Bohemia", das der Oeffentlichkeit vorzuent- den und jenen geredet. Tatsächlich erzählt jeder feßen. Die Konferen; hat die Aufstellung eines Fragebogens gutgeheißen, der den Regierun- eine erwiesene Sache. Die" Bohemia" halten? Daß da ein Zufall in der Redaktion der Geschäftsmann Schaudergeschichten über die gen zugestellt werden soll, damit sie sich auf der aber verschweigt die ganze Petschef- Deutschen Zeitung Bohemia" gewaltet Korruption der Bürokratie aller Zweige. Tai­Grundlage dieses Fragebogens über ihre Stellung geschichte. Warum? Der Auszug des Berichts haben könnte, als sie von den Dingen zwischen dem sächlich kann man an jedem Kaffeehaustisch nahme zu einem internationalen Abfüllt in der Bohemia" volle zwei Seiten aber jüdischen Banthaus und den tsch e chi Dinge hören, die manche der Meisterleistungen Tommen schlüssig werden können. über die drei Petschef- Millionen findet sich dort schen Korruptionisten schwieg, wird sie Stříbrnýs als Lehrlingsarbeit erscheinen las­auch nicht eine einzige Zeile! Warum? nie behaupten und wird vor allem niemand glau- sen. Aber wer würde angesichts unserer Gesez­Warum? Da staunt der Laie und der Fachmann ben tönnen. Also die Gründe, die Gründe! Gibt gebung und unserer Justiz wagen, mit An wundert sich oder wundert sich nicht. Jedenfalls es etwa feinste Beziehungen zwischen Betscher und haben zwei Gesetze, die eine wirksame flagen in die Oeffentlichkeit zu gehen! Wir niöchten Laien und Fachleute gern wissen, ob und Bohemia", so daß dieser das Tattgefühl verbot, Stritit der öffentlichen Korruption einfach ver­In Komotan sind die Ofensekergehilfen welche Gründe die Bohemia" hat, ihren Lesern die Brüder Betschek mit dem bekannt goldenen hindern: das Gesetz zum Schuhe der Re­wegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. von diesem Spezialkapitel der sauberen Affäre Herzen, mit der fabelhaften Anständigkeit einmal publit und das Preßgesek. Jenes be­Zuzug ist fern zu halten! Střibrny gar nichts, aber rein gar nichts mitzu- in einem anderen, reineren" Lichte sehen zu straft jede Kritik und Polemit, in die ein teilen. Die Bohemia" hat sich einmal traurig lassen? Würdenträger einbezogen wird oder die staat­

Die Frage der Kinderarbeit

auf der Internationalen Arbeitskonferenz. Genf , 17. Juni. Die Internationale Ar­

Ofensehergehilfen, Achtung!

Stříbrný und Betschef

und die Bohemia".

- tschechi

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