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11. Jahrgang.

1597

Sozialdemokrat

Genosse Dito Braun,

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

der preußische Ministerpräsident, zu dessen Sturz sich die halenkreuzlerisch- kommunistische Reaktion verschworen hatte.

Kommunistische Mordtat in Köln .

Köln , 9. August. In der vergangenen Nacht wurde der Führer des Stahlhelmber bandes in Köln , Adalbert Seister, am Ein gang seiner Wohnung erschossen.

Dienstag, 11. Auguft 1931

Ein Sieg der Vernunft:

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2

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Nr. 186.

Der Volksentscheid verkracht!

Blamable Niederlage der Hitler- Thälmann- Koalition.- 312 Millionen Stimmen zu wenig. Nur 37 Prozent für die verbündete Hakenkreuz- Sowjetstern- Reaktion. Berlin

, 10. August.( Eigenbericht.) Das Ergebnis des Volksentscheids stand bereits Sonntag mitternachts fest. Nach der amtlichen Zählung, die sich nur noch unbedeutend verschieben dürfte, wurden beim Volfsentscheid ins= gesamt 10,3 4 0.3 5 6 Stimmen abgegeben, davon lauten

9,793.328 für die Auflösung des Landtages,

rund 360.000 dagegen und 184.000 waren ungültig. Zur Annahme des Volksentscheids wären 1 3,2 2 8.000 Stimmen erforderlich gewesen. Die für den Volksentscheid eintretenden Parteien, die bei der Reichstagswahl insgesamt 12,594.559 Stimmen erhalten haben, verlieren demnach gegen: über dem Vorjahr fast drei Millionen Stimmen.

Nur in den Wahlkreisen Merseburg und Pommern erreichte die Zahl der Ja- Stimmen mehr als 50 Prozent. In Berlin stimmten nur 30 Pro: zent der Wahlberechtigten mit Ja, im Wahlkreis Köln Aachen nur 16 Prozent. Die ländlichen Wahlkreise erreichen im Durchschnitt 40 bis 50, die industriellen 30 bis 40, die stärkst industrialisierten feine 30 Prozent. Das beweist, daß die Arbeiterschaft trotz der fascistischen Aktion, trotz der Ver­ratsparole der Kommunisten ferngeblieben ist.

Gegen Brüning?

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teen te bele werben fat. Attentat auf den Zug Basel - Berlin .

Zu dem Attentat gegen Heister jol­

gende Einzelheiten gemeldet: Heister war gegen

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15. Berlegte.

Nationalsozialisten als Zäter? Berlin , 9. August. Auf den Schnellzug Basel- Frankfurt a. M.- Berlin , der um 22 Uhr 22 Minuten auf dem Anhalter- Bahnhof eintreffen sollte, wurde gestern um 21 Uhr 45 Minuten bei Jüterbog ( Reg.- Bez. Potsdam) ein Sprengstoffattentat verübt. Surz hinter der Station hörte der Lokomo tivführer einen scharfen Knall, worauf er sofort bremste und versuchte, den Zug zum Stehen zu bringen. Ehe dies gelang, entgleisten Personen: wagen, stürzten um und fielen die Böschung hinunter. Trotz der Schwere des Unfalls wurden nur drei Personen schwer und 16 leichter verletzt. Zote sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Auf die ersten Meldun Igen hin eilte von Jüterbog ein Hilfszug herbei. Die Untersuchungskommission Der Reichsbahn sand an der Unfallstelle einen 200 Meter langen Draht mit Zündschnur und stellte fest, daß auf einer Schiene ein Stück herausgesprengt worden war. Die Oberstaatsanwaltschaft wurde sofort benachrichtigt und ent­sandte noch in der Nacht eine Untersuchungsfommission. Die Reisenden wurden mit dem D- Zug Nr. 23 aus München , der furz nach dem Frankfurter Zug die Strecke passiert, nach Berlin weiter befördert, wo sie furz nach 1 Uhr eintrafen. *

Uhr nachts mit einer Autodroschke nach seiner Die Schienen gesprengt. Wohnung in der Stein- Gasse zurückgefehrt. Vor dem Haus gab er einem Trupp jüngerer Stahl. helmer Anweisungen über die Zettelpropaganda. Während der Unterhaltung fam ein Stahlheimer auf einem Rade hinzu und teilte mit, daß Ko m munisten unterwegs seien, von denen einer eine geladene Pistole mit sich führe. Hei ster nahm die jungen Leute mit in den Hausflur und schloß die Türe ab. Die Kommunisten versuchten nun die Tür einzutreten. Als ihnen dies mißlang, schoß einer durch das Lichtfenster. Die Kugel prallte an der eisernen Berzierung ab, durchschlug als Querschläger die Scheibe und traf Heister in die linke Brustseite. Heister schleppte sich noch ein paar Schritte weiter und brach dann tot zufammen. Der Täter wurde von der Polizei bereits festgenommen. Im ganzen wurden acht Kommunisten verhaftet, die an dem Mordüber­fall mitbeteiligt sind.

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Auf den Verfassungstag, den heute, am 11. August, die Deutsche Republik begeht, fällt ein voller Lichtstrahl, der erste seit dem schwarzen Tag des neuen Reichs, dem 14. September 1930. Der Ansturm der vereinig­ten Reaktionäre auf die preußische Bastion der deutschen Demokratie ist abgeschlagen, die Er folge der Bankrotteure sind weit auch hinter den optimistischen Erwartungen der Demo­fraten zurückgeblieben. Rund 13.5 Millionen Ja- Stimmen wären nötig gewesen, unt den Bolksentscheid über die Auflösung des preußi­schen Landtags zum Siege zu verhelfen. Aber nicht einmal zehn Millionen haben die ver­bündeten Reaktionäre aufgebracht, eine halbe Million Abstimmender hat mit Nein votiert oder ungültige Zettel abgegeben das sind ohne Zweifel jene Wähler, die der Terror ihrer Brotherren an die Urne gezwungen hat, die sich aber zu helfen wußten.

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Bei den Katastrophenwahlen im Septem ber 1930 haben die nunmehr verbünde­ten Parteien, also Nationalsozia Listen, Kommunisten, Deutschna­tionale, Volksparteiler, Wirt schaftspartei, Landvolk, Evange lischer Volksdienst, Hannovera ner, Konservative man sicht, welch bunter Haufe sich da unter der Hakenkreuz­fahne zusammengefunden hat! 12.5 Mil lionen Stimmen aufgebracht. Sie glaubten nach dem Beitritt der Kommunisten zu der Allianz Hitler- Hugenberg den sicheren Sieg in der Hand zu haben, galt es ja nur noch eine Million neuer Wähler aufzubringen. Aber die blieb aus. Zum erstenmal seit den September­wahlen zeigt sich, daß der Wählerzustrom zum Lager der Reaktion nicht nur stockt, sondern daß er bedenklich abnimmt. Um zweieinhalb Millionen ist die Wählerzahl der Reaktion gegenüber der Ziffer zurückgeblieben, die sie seit dem 14. September als ihren sicheren Be­sihstand ansah. Bedeutet die moralische

Salle, 9. Auguft. Die Pressestelle der freis abgesperrt und mit der verstärkten Silfe­Reichsbahndirektion teilt über die bisherigen Er- leistung konnten die Bergungsarbeiten verhält gebnisse der Untersuchung des Sprengstoff- An- nismäßig schnell beendet werden. Die Niederlage der Reaktion. Schlages auf D- 43 mit: An einer Telegraphen- Der Anschlag ist mit großem Raffinement Niederlage der Reaktion in diesem Berlin , 9. August. Die theoretisch errechnete stange neben der Unfallstelle war eine Num verübt worden. Es war eine Stelle ausgesucht Augenblick, da Deutschland um seine Existenz Zahl der bei der Reichstagswahl vom September mer des Angriff" mit der Bunt- Stift worden, in der der Zug beim Entgleisen aus der fämpft und das Vertrauen des Auslands von hinter den Parteien des Voltsentscheides stehen Inschrift: Achtung! Achtung, das Atten- Sturve und die Böschung herunter geworfen wer- dem Ausgang des preußischen Plebiszits ab­den Anhänger hätte bei einer unveränderten Be- tai geht noch weiter!" befestigt. Die Kom den mußte und die ganz einsam liegt und schwer hing, einen gar nicht hoch genug einzuschäzen­teiligung dieser Wähler ein Ergebnis von 47.7 mission fand in nächster Nähe des Unfallortes zugänglich ist. Zu der Unglücksstelle führen auch den Erfolg, so ist die Abnahme der fascistischen Brozent Ja- Stimmen erbracht. Dabei waren in tatsächlich zwet schwere Schwellen über keine Straßen, sondern nur einige Feld- und Stimmen ein erfreuliches Zeichen der 10 von den 23 Stimmkreisen Mehrheiten der die Schienen gelegt. Die Untersuchung wird weis Waldwege. Die Verbrecher haben eine 170 Meter Ernüchterung des deutschen Volkes. Boltsentscheidparteien, die sich zwischen 50.2 und ter geführt. Die Reichsbahndirektion Halle hat lange elettrische Klingelschnur, die mit einem Freilich scheint der Großteil der Verluste auf 64 Prozent der Stimmberechtigten bewegten. Das 1000 R.-M. Belohnung ausgeschrieben. Der Sprengstoff verbunden war, am Fuße des Bahn­Belohnung ausgeschrieben. Der Sprengstoff verbunden war, am Fuße des Bahn­vorliegende Ergebnis zeigt, daß diesmal in feinem Knall der Sprengung wurde in einem Umkreis dammes entlang geführt, bis zu einem Busch, der das Konto der Kommunisten zu gehen, deren einzigen Streise dieses theoretische Abstimmungs- bis zu 15 Kilometer gehört. In Zinna haben bei sie von der Explosion genügend entfernt hielt und Selbstmordparole gerade in den proletarischen ergebnis erreicht worden ist und auch nur in der Explosion Teller und Gläser in den Woh- auch ein Versteckt gegen Sicht bot. Als der Zug Wahlkreisen auf den Widerstand der Arbeiter zwei von den 23 Stimmtreisen, Pommern und nungen geflirrt. In der Nähe der Unfallstelle heranbrauste, haben sie die Schnur offenbar mit stieß, die sich weigerten, unter Hitlers Füh Merseburg, die Mehrheit der Stimmberechtigten wurde noch eine zweite Nummer des Angriff einer Batterie in Verbindung gebracht und da- rung gegen die Preußenvegierung zu kämpfen eine Ja- Stimme abgab. Besonders start bleibt gefunden, die mit mehreren Hakenkreuzen und mit die Entzündung hervorgerufen. Die Ursache und die Hohenzollerngarde in den Sattel zu das Ergebnis hinter dem nach dert Reichstagswahl der Inschrift: Achtung! Achtung! Attentat! Hoch des Unglücks wurde erst klar, als man merkte, heben. Nur in zwei Kreisen scheinen sich tat­ergebnissen vom 14. September errechneten in die Revolution! versehen war, daß 3.5 Meter Schienen fehlten. Nach der Art sächlich mehr als 50 Prozent der Wähler für der Explosion ist zu schließen, daß die Verbrecher- den westlichen Stimmkreisen zurück: In West­ falen- Nord mit 400.700 gegen 606.626, unt mehr Zum Sergang des Unfalls wird noch wei- ausgezeichnete Sprengstoff Fachleute gewesen sein die Mommunazi Stoalition entschieden zu haben; in Berlin , in den rheinischen Indu­als ein Drittel, in Westfalen - Süd mit 551.217 gegen 749.032, in Hessen- Nassau mit 554.557 ge­Nachdem der Zug Jüterbog verlassen hatte, Nach Ansicht der Sachverständigen ist es striefreisen, im ehemals besetzten Gebiet, wo gent 764.376 und besonders in Köln- Aachen mit fuhr er mit einer Geschwindigkeit von geradezu ein Wunder, daß das Unglück doch die Nazi vor allem auf Zulauf rechneten, 245.442 gegen 543.233, um weit mehr als die 100 Kilometer. Der Lotomotivführer be- teine schlimmeren Folgen gehabt hat, übersteigen die Wählerzahlen das Drittel nicht. Hälfte. Auch in Düsseldorf - Oft mit 531.055 gegen richtet, daß er plöglich einen donnerähnlichen zumal der Zug sehr start besetzt war. Immer wieder haben in den letzten 803.771 und in Düsseldorf - West mit 401.847 ge- nall hörte und Feuergarben um sich herum- Das hat seinen Grund einmal darin, daß die Wochen die Führer des Stahlhelms und des gen 537.059, ferner in Südhannover mit 346.178 sprühen jah. Er 30 sofort die Schnellbremse und neuen Hülsenpuffer sehr viel stär- Hitler- Hugenberg- Blocks behauptet, daß die gegen 445.340 find außerordentlich starke Abwei- bemerkte gleich darauf, daß der Zug entgleiste ter find als die alten und deshalb einen viel mehrheit der Wähler auf nichts so brenne wie chungen gegenüber der Stimmenzahl der Reichs und auf den Schwellen weitersprang, wobei dieje größeren Druck aushalten, so daß dismal ein In- auf eine ,, nationale" Regierung in Preußen. tagswahlen zu Ungunsten der Volksenischeid- eingedrückt wurden. Der Zug hat sich auf diese einanderschieben der Wagen vermieden worden parole zu verzeichnen. Weise noch etwa 400 Meter weiter be- ist. Außerdem hat der Lokomotivführer mit be Sie haben in der sicheren Hoffnung auf einen wegt. Nur Lokomotive und Padwagen standen wunderungswerter Geistesgegenwart sofort rich- Sieg den Volksentscheid heraufbeschworen, ob­noch, alle anderen Wagen stürzten um. In der tig gehandelt. Die starke Bremswirtung ist auch wohl sie damit den preußischen Wahltermin in Schüffe auf Reichsbannerleute. Dunkelheit herrschte natürlich eine wilde Pa- noch durch den lockeren Sand unterstützt worden. besten Fall um fünf Monate vorverlegen konn Behoe( Schleswig- Holstein ), 10. August. Auf nit, Schreckenschreie und Angstrufe gellten durch Wie weiter gemeldet wird, kann man taum ten. Millionen Mark wurden für die Propa­Reichsbannerangehörige, die auf dem Nudmarich die Nacht. Wer irgend konnte, arbeitete sich aus von Kundgebungen in Dithmarichen in der Nacht dem Innern der Wagen durch die Fenster her- von Schwerverletzten, sondern nur von ich wegierung, Millionen für die Durchführung des rer Verlegten sprechen. Zu ihnen gehört der Narrenstückes hinausgeworfen. Nun zeigt sich, zum Montag Jhehoc passierten, wurden mehrere aus. Erste Hilfe wurde dann von den Einwoh- och der Mitropa , der an Kopf und Hän- daß die fascistischen Parteien einschließlich Schüsse abgegeben. Ein Reichsbannermann ist nern von Dorf. Zinna geleistet, die die Explosion den durch Waffer verbrüht wurde, und die Ber- ihrer kommunistischen Helfer von der Mehr­durch einen Kopfstreifschuß verletzt worden. Te gehört hatten. Nach einiger Zeit tamen dann auch finerin Sophie Selzmann, die Rippenquetschun- heit in Preußen noch weit entfernt sind, daß Schüßen zwei junge Rationalsozialisten- flüch Reichswehr - und Feuerwehrabteilungen von teten und versteckten sich im Schiff ant Stor Jüterbog , die vor allem mit Fackeln und Schein handelt es sich um geringfügigere Kopf, Fuß ein Wahnsinn wäre, weil die Nationalisten Schein- gen erlitten hat. Bei den übrigen Verwundungen die Auflösung des Landtages schon deshalb Ufer, wo sie von der Polizei nach länger werfern dafür sorgten, daß die Unglücksstelle be- handelt Rippen- und Handverlegungen. nicht start genug wären, eine eigene Regie­Suchen aufgefunden und festgenommen wurden. leuchtet wurde. Dann wurde sie in großem Um­

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ter gemeldet:

müssen.