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11. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Mittwoch, 19. August 1931

Die Verhandlungen mit Ungarn Trotz Hooverjahr und Stillhalteaktion:

haben begonnen.

Budapest , 18. August. Die tschechoslowa­fische Delegation für die Handelsvertragsvers handlungen mit Ungarn ist in Lilafüred einge troffen und hat im Hotel Palace" Aufenthalt genommen. Die erste Besprechung fand heute vormittag statt, während am Nachmittage in die regelmäßigen Beratungen eingegangen wurde. Es entwickelte sich ein allgemeiner Ideenaustausch über sämtliche mit dem abzuschließenden Vertrage zusammenhängenden Fragen. Bon tschechoslowakischer Seite zeigte sich lebhaftes Interesse für die neuen finanziellen Maßnahmen in Ungarn . Die ungarischerseits erteilten Aufklärungen wurden von den Mitglie­dern der tschechoslowakischen Delegation mit Be­ruhigung zur Kenntnis genommen. In ihren Begrüßungsansprachen wiesen die beiden Dele­gationsführer daraufhin, daß die allgemeine europäische Krise die Wiederherstellung des nor­malen Wirtschaftsverkehres zwischen den beiden Nachbarstaaten gebieterisch vorschreibe. Es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß die in Genf

Unverminderte soziale Krise in Deutschland .

In Basel Verlängerung der kurzfristigen Kredite, aber keine Regelung der ausländischen Markguthaben erreicht.

Berlin , 18. August.( Eigenbericht.) In den finanzpolitischen Verhältnissen Deutsch­ lands ist jeßt eine gewisse Beruhigung eingetreten. Nach den offiziellen Schäßungen sind jetzt noch im Reich ungefähr sechs bis sieben Milliarden Mark turzfristige Auslands­kredite, die nach den Baseler Beschlüssen um sechs Monate, später wahrscheinlich um noch mehr verlängert werden. Der Kapitalsentzug von vier bis fünf Milliarden Reichs­mark ist zum kleineren Teil wettgemacht worden durch den Rediskontkredit der Reichsbant und neue kurzfristige Kredite. Für viele Unternehmungen war die Lage außer ordentlich schwierig geworden, weil ihnen entweder das Betriebskapital fehlte oder weil die hohen Zinsen für sie unerschwinglich wurden.

Die festgestellte Steigerung des Exportüberschusses ging auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung vor sich und war nur durch den Abbau der Löhne und der sozialen Lei­stungen ermöglicht. Eine weitere Steigerung des Exports würde die Lage der Arbeiterschaft daher noch verschlechtern. Am bedenklichsten ist die Tatsache, daß diese Exportsteigerung parallel geht mit einem starten Sinten der Konsumkraft der Bevölkerung.

offengebliebenen Fragen bereinigt werden und Reichsregierung verlangt Lohnabbau bei den öffentlichen Angestellten.

daß es zu einer für beide Teile befriedigenden Lösung der Detailfragen kommen möge. Die Ver­handlungen gingen dann im Zeichen gegenseiti­ger Verständigung vor sich. Wie verlautet, ist zur leberbrückung der Schwierigkeiten in der Frage des tschechoslowakischen Mehlzolles ein neuer ungarischer Vorschlag aufgetaucht, der jetzt von der tschechoslowakischen Delegation eingehend ge­prüft wird. Die Sigung wurde um 20 Uhr beendet. Die nächste Sigung findet morgen nach mittag um halb vier Uhr statt.

Zentrum weist nationalsozialistische Anbiederungen zurüd

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Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

Nr. 192.

Hakenkreuz auf dem Rückzug.

Herr Jung zerstört die Illusionen vom ,, kommenden Dritten Reich".

Die Nationalsozialisten werden mindest nicht in den nächsten Jahren allein eine Regierung stellen fönnen. Sie werden auf Bundesgenossen angewiesen bleiben, obzwar sie die weitaus stärkste Partei im Deutschen Reichstag sein wer den. Man muß sich vor Augen halten, daß zu einer Mehrheitsbildung aus eigener Kraft 300 Mandate notwendig wären. Jedermann weiß, daß diese Zahl selbst bei den allergünstigsten Aussichten nicht er. reicht werden kann. Daher wird die Partei auf Bündnisse angewiesen sein. Man wird vielleicht einverfen, daß sie dann eben ,, diktatorisch" regieren wide. Aber das sind Einwände politisch Ungschulter, welche übersehen, daß ja die NSDAP . nicht mit illegalen Mitteln, sondern durchaus legal, also auf demokratisch- parlamentarischem Wege, on die Macht gelangen will." Diesen Grabgesang auf alle Hoffnungen

im

Die Regierung hat diese Tendenz bisher Reichsarbeitgeberverband war aber durch die Not- von der kommenden nationalen Dittatur und unterstüßt und gefördert. Von Zeit zu Zeit fün- lage der Gemeinden gezwungen, sich um finan- der Aufrichtung des Dritten Reiches in abseh­digte sie zwar an, daß endlich auch der Preis- zielle Unterstützung an das Reich zu wenden, das barer Zeit lesen wir mit froher Genugtuung abbau und die Mietensenkung tommen solle, bis die Hergabe von Mitteln von der Durchführung in einem Leitartikel des Tag", gezeichnet mit her war aber davon noch nicht viel zu spüren. der Notverordnung in der Lohnfrage abhängig R. J., unter welchem Signum sich diesmal Gerade jezt bereitet sie eine neue Aktion zur machte. Hierauf bat das Arbeitsministerium ein bescheiden die Führermeinung des Herrn Par­Her absehung des Lohnftandes vor. gegriffen und bestimmte Vorschläge für die Lösung teivorsitzenden Rudolf Jung verbirgt. Er hat Durch Abwälzung der Unterstüßungen für die des Konfliktes den Parteien unterbreitet, die sich recht, wenn er vorausschickt: Diese Meinung aus der Arbeitslosenversicherung Ausgeschiedenen bis Mittwoch nachmittags sechs Uhr über Au­auf die Gemeinden sind diese in eine finanzielle nahme oder Ablehnung zu erklären haben. Die mag zwar auf manche unserer Leser und Ge­Krise geraten. Nunmehr sollen die Gemeinden Arbeiterorganisationen, neben dem Gesamt- finnungsfreunde wie ein kalter Wasserstrahl einen ohn abbau von 20 bis 25 Prozent verband ist der christliche Zentralverband der wirken." Fast scheint es, als ob dieser Wasser­von den Gehältern der Angestellten vor Gemeindearbeiter beteiligt stellen in den Forstrahl auch ein wenig gegen die Schriftleitung nehmen. Die Berhandlungen zwischen den Arbeit dergrund den Grundsatz tariflicher Abmachungen des Tag" gezielt wurde. Denn sie schwelgt gebern und Arbeitnehmern find bisher ergebnis mit der Maßnahme auf, daß Lohnkürzun just in derselben Ausgabe in den fühnsten Berlin , 18. Auguft. Das Organ des los geblieben. Das Reichsarbeitenministerium gen, zu denen sie angesichts der finanziellen Lage Brophezeiungen eines weiteren lawinenhaften Reichskanzlers, die Germania ", beschäftigt sich hat einen Vermittlungsvorschlag gemacht, der der Gemeinden bereit sind, erst nach Ablauf Anwachsens der Hakenkreuzbewegung unter der Ueberschrift Wahrheit und Klarheit" auch für die Gewerkschaften annehmbar sein der bestehenden Lohntarifverträge Reiche. Ausgerechnet die Volfsentscheid- Bla mit der Aeußerung der Nationalsozialisten über tönnte. Bis Mittwoch sollen sich die beiden Par- eintreten sollen. Weiterhin vertreten sie die Reiche. Ausgerechnet die Volfsentscheid- Bla­die eventuelle Beteiligung an der Reteien entscheiden. Sollte die Regierung ihre Auffassung, daß auf Grund der Vereinbarung mit mage wird dort zum Anlaß genommen, um gierung. Das Blatt schreibt: Inhaltlich zeigen Forderung durch ein Diktat durchseßen wollen, den Arbeitgeberverbänden vom Dezember 1930, den Einzug von 175 bis 200 Nazi- Vertretern diese parteioffiziellen Ausführungen nichts ande- wären schwere Kämpfe unvermeidbar, welche die die unter bestimmten Umständen eine Verkür in den nächsten preußischen Landtag anzukün res als die gleiche Ueberschäßung, die die gesamte Arbeiterschaft mobilisieren würden. Die zung der Arbeitszeit vorfah, eine digen. Und die nächste Reichstagswahl soll gar Nationalsozialisten schon immer gehabt haben. Sozialdemokratie unternimmt die letzten Ber- Erfüllung dieser Vereinbarung den Gemeinden 216 nationalsozialistische und 365 Abgeord Sie werden doch nicht etwa glauben, daß eine so suche, um diese Kämpfe, welche bei den heutigen weitgehende finanzielle Entlastung bringen würde, nete der ,, nationalen Opposition" aus den überhebliche Einstellung, als ob es eine politische Berhältnissen schwere Gefahren für die Arbeiter ohne daß zu Arbeiterentlassungen geschritten zu Urnen steigen lassen. Nach all dem wäre die und fulturelle Wiedergeburt des deutschen Volles schaft mit sich bringen müßten, zu verhindern. werden brauchte. Der Gesamtverband hat errech= nur ganz allein von Hitlers Gnaden" gebe, auf net, daß durch die Angleichung, wie sie in der Machtergreifung des Hakenkreuzes nur eine das Zentrum Eindrud machen kann. Sollte man Notverordnung gefordert wird, in ganz Deutsch - Frage der nächsten Wahlgänge in Deutsch sich in diesen Kreisen einem solchen Glauben Berlin , 18. August.( Eigenbericht.) In land etwa 40 millionen RM. eingespart werden land. Aber zur rechten Zeit fommt Herr Jung hingeben, dann ist es an der Zeit, daß man sich der Notverordnung von Anfang Juli wurden die könnten; auf Berlin umgerechnet, würden bei mit seinem falten Wasserstrahl von ihnen befreit. Es ist ausgeschlossen, Länder und Gemeinden verpflichtet, die Gehälter einem Gesamtjahresetat von über 1.25 Milliarden Wir hören also von autoritativer Seite, daß das Zentrum sich ins Schlepptau einer ganz ihrer Beamten denen der Reichsangestellten a it etwa 4 Millionen eingespart werden. Falls die daß es mit der Alleinherrschaft des Hafen­einseitigen Bewegung nehmen läßt. Das Blattugleichen. Das ist bisher in den meisten Maßnahmen der Regierung zur Durchführung freuzes über das deutsche Volk noch seine wendet sich weiter gegen den erneuten Versuch, Städten nicht geschehen. Insbesondere die Bürger gelangen sollten, lehne der Gesamtverband die guten Wege hat. Auch die mit jugendlichem der Reichskanzler habe seine Fühler nach rechts" meister und amtsführenden Stadträte beziehen Verantwortung für die weiteren guten Wege hat. Auch die mit jugendlichem Furor dahinstürmende Hitlerbewegung wird ausgestreckt. Diese Behauptung entspreche in fei- Gehälter, welche die der gleichgestellten Beamten Folgen ab. bald auf die Krücken politisch- parlamentari­ner Weise den Tatsachen. Die Regierung sei sich des Reiches manchmal um ein Bedeutendes über­scher Bündnisse angewiesen sein. Dies sagt der Schwere des kommenden Winters wohl be steigen. Das ist zum Beispiel auch in Berlin der der Herr Jung. Dabei glaubt er vor allem, wußt; sie sei an der Arbeit, um ein umfassen Fall. Jetzt hat der Oberpräsident von Branden des Wirtschaftsprogramm vorzuberei burg verlautbart, daß er die Zahlung der Zu auf eine ungetrübte Dauerehe zwischen Hitler ten, mit dessen Hilfe der Winter überwunden schläge des Reiches zu den Wohlfahrtszwecken ein­Die Einigung, die in Basel erreicht wurde, und Hugenberg, also der nationalsozialistischen werden soll. Es werde, wie auch in früheren stellen werde, wenn die Notverordnung nicht in ,, Arbeiterpartei" und der deutschnatio­Fällen, allein Sache der Parteien sein, zu zeigen, dieſem Bunkie durchgeführt werden würde. Unter beinhaltet im wesentlichen, daß die noch in nalen Schwerindustrie rechnen zu fön­wie sie sich zu diesem Programm einstellen, und diesem Drucke hat die Stadt Berlin mitgeteilt, Deutschland befindlichen, auf fünf bis sieben nen. Doch die ganze nationale Opposition ob sie sich für eine Politik der Verantwortung daß sie die Gehälter vom 1. April des tom. Milliarden Reichsmart geschäßten ausländischen einschließlich der reaktionären Junker und und Vernunft entschlichen. Auch die national menden Jahres so weit fürzen werde, daß sie sozialistische Partei werde Gelegenheit haben, zu den Gehältern der Reichsangestellten in der kurzfristigen Kredite um sechs Monate verlän- 3ünftlerscheint ihm bis auf weiteres zur gert werden. Dagegen erfolgte feine Einigung Machtergreifung zu schwach zu sein. Wer käme befunden, wie sie sich zu den fommenden Auf- gleichen Stufe entsprechen. über die ausländischen Martguthaben. noch in Betracht? Die Kommunisten? Sie gaben stellt.

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Kurzfristige Auslandskredite um sechs Monate verlängert.

Auch die ,, Kölnische Volkszeitung" beschäftigt Die Mitglieder des Internationalen Still scheinen nach den Erfahrungen des 9. Auquir Berlin , 18. August. Der Gesamtverband der fich mit dem Appell Hitlers an das Zentrum Arbeitnehmer der öffentlichen Behaltefonsortiums traten am Montag um 22 Uhr nicht mehr als verläßliche Sekundanten des und bemerkt: Hitler übersicht eins: daß es fich triebe und des Personen- und Warenverkehrs, erneut am Size der BJZ. zu einer Sigung zu- Fascismus zu gelten. Was hilft es schon, jet nämlich nicht um parteipolitische Fragen der rund 700.000 Mitglieder hinter sich stehen sammen, um einen letzten Versuch zu machen, wenn die bolschewistischen Führer dem Hafen­einer Regierungsbildung handelt, sondern um hat, hat für morgen mittags telegraphisch jämt auch in dieser Frage eine völlige Einigung mifreuz fachliche Aufgaben. Zu diesen wird er Stellung liche Funktionäre aus dem Reich zu einer Sitzung den deutschen Delegierten herbeizuführen. Wie kreuz in den Sattel helfen möchten, wenn nehmen können, wenn das Notprogramm der eingeladen, in der zu dem Vorschlag des Reichsversichert wird, hat auch dieser legte Versuch aber die kommunistischen Arbeiter nicht mit­Reichsregierung vorliegt. Im übrigen sei festzu- arbeitenministers in der Besoldungsfrage fein Resultat gebracht, obwohl die Verhand- tun? Herr Jung deutet den Ausweg zart an, stellen, daß gerade der Voltsentscheid bewiesen Stellung genommen werden soll. lungen bis Mitternacht ausgedehnt wurden. Da indem er die kommenden Möglichkeiten" noch von fast jeder Gruppe ein Bantier in Basel genau überlegt und schreibt: zurückgeblieben ist, besteht immerhin noch die Möglichkeit, daß heute vormittag neue Verhand lungen stattfinden.

wolle. Bulgarisch

- jugoslawischer Grenz­zwischenfall.

,, Es müßte schon ein besonderer Glücksfall sein, wenn dabei das Zentrum ausgeschaltet werden könnte. Dieses wird kaum so geschwächt werden, daß es ausgeschaltet zu werden vermag. Es muß also auch für die natio rale Politik im Reiche der Posten Zentrum" in die Rechnung eingestellt werden."

habe, daß das deutsche Bolt nicht hinter Die Stellung des Gesamtverbandes ist etwa Hitler, sondern hinter Dr. Brüning stehe. Es folgende: Der Verband betrachtet die Bestim sei als höchst deplaciert zu bezeichnen, in welcher mungen der Notverordnung, die eine Angleichung Weise Hitler über Brüning zu Gericht siken an die Reichsarbeiterlöhne vorsehen, als einen Einbruch in das durch die Verfassung gewähr­leistete Tarifrecht der Arbeitnehmer. Außerdem Arbeitslosigkeit in Stalien steigt. hält der Verband die durch die Notverordnung bestimmte Angleichung an die Reichs- Rom, 18. August. Nach dem Ausweis vom arbeiter mangels vergleichbarer Arbeiter 31. Juli ist die. Zahl der Arbeitslosen im Das schaut ja bald so aus, als ob die gruppen nicht für möglich. Die Organis vergangenen Monate wieder um rund 64.000 völkische Erneuerung in Deutschland auf die gütige Mithilfe der schwarzen Internationale fation habe, wie in einer Pressebesprechung aus angewachsen. Während am 30. Juni die volfische Erneuerung in Deutschland auf die geführt wurde, trotz alledent den Versuch unter Arbeitslosenzahl 573.593 betrug, wurden am nommen, mit den Gemeinden, die ihrerseits eben- 31. Juli 637.156 gezählt. Arbeitslosenunterstüt- angewiesen wäre. Gehts nicht mit Mostan, falls die Vergleichbarkeit ablehnen und grund zung bezogen 230.000 Personen. Die Ursache der vielleicht gehts mit Rom ! Ist es ein Zufall, fäßlich Gegner der Notverordnung in dieser Zunahme der Arbeitslosenzahl ist in der land- daß fast gleichzeitig mit diesen kompromißleri­Richtung sind, eine Vereinbarung zu treffen. Der wirtschaftlichen Krise zu suchen. schen Andeutungen der Bölkische Beobachter" Belgrad

, 18. Auguft.( Avala.) Heute früh versuchte ein Trupp Bewaffneter in der Nähe der Militsirwache beim sogenannten Sieges ftein" im Bezirk Bejiljgrad, von Bulgarien tommend, die jugoslawische Grenze zu überschreiten. Die jugoslawischen Grenz­wachen trieben die Leute zurück.