Ginzelpreis 70 Seller.

Sozialdemokrat

Zentralorgan d. Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik.

11. Jahrgang.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

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Mittwoch, 23. September 1931

Distonterhöhung von 5 auf: Brozent. Der ratlose Bölkerbund.

Prag , 22. September. Der engere Ausschuß

Vom ,, Sparen".

der Tschechoslowakischen Nationalbant hielt heute China verlangt zurückziehung der Truppen und Untersuchung an Ort und Stelle. Noch für jede Wahl haben sich die bür

unter Vorsitz des Gouverneurs Dr. V. Pospi­šil eine außerordentliche Sigung ab, in welcher mit Gültigkeit vom 23. September 1931 die Er höhung des Diskontsakes für Wechsel und Wert­papiere auf 6 Prozent, des Lombardsages für Staatspapiere auf 7 Prozent und für andere Werte auf 72 Prozent beschlossen wurde.

Beratung der Wirtschaftsminister. Die Lage der Staatswirtschaft zufriedenstellend.

Sapanische Verschleppungstaktit.

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gerlichen Parteien ein Maskenkostüm zurecht geschneidert. Diesmal treten sie vor die Wähler Genj, 22. September. Zahlreiches Publikum| Landes besetzt sei und die japanische Regierung als die ,, Sparer" hin. Durch Sparen joll hatte sich heute vormittags zu den Verhandlungen zu anderen als diplomatischen Mitteln gegriffen Ordnung und Gleichgewicht in die Gemeinde­des Völkerbundrates über den chinesisch- japa- babe? haushalte gebracht, allen, unnüßen" Aus­nischen Konflikt eingefunden, der durch China Der Vertreter Großbritanniens , Lord Cecil , gaben soll vorgebeugt, die Taschen der Steuer­auf Grund des Art. 11 des Völkerbundpaktes betonte, es ſeien nicht genügend Einzelheiten bekannt, zahler sollen geschont werden. Jede einzelne dem Rat vorgelegt wurde. Der Vertreter Chi- um es dem Rat zu ermöglichen, sich mit der Frage nas im Rate, Sze( Gesandter in London ), der direkt zu befassen und darüber zu entscheiden. Es der Parteien will das Patent auf die richtige sofort das Wort erhielt, schilderte an Hand der sei dies aber nicht der erste Fall dieser Art, der Art des Sparens besitzen und selbstverständlich neuesten Telegramme die jüngsten Ereignisse in den Rat beschäftige. Es gebe dafür schon eine feft- werden alle anderen, vor allem die Soziet der Mandschurei und erklärte, daß von der gesetzte Prozedur. demokraten, als Verschwender hingestellt, die Offupation ein Gebiet von der Größe Zum Schluß verweist Lord Cecil darauf, daß nicht verwalten können und welche die sauer Großbritanniens und Frlands befür die Angelegenheit schon mit Rücksicht auf den erworbenen und zusammengetragenen Steuer­troffen fei. Kelloggpakt auch die Vereinigten Staaten Interesse gelder leichtsinnig vergeuden. In Ermangelung Prag , 22, September. Offiziös wird mit- Zahlreiche Städte seien von den Japanern haben fönnten. Er empfehle deshalb, den Ver- eines ernsten kommunalpolitischen Programms geteilt: Dienstag, den 22. September d. I., fand besetzt worden, die Japaner hätten die Telegraphen- einigten Staaten den Inhalt des Protokolls über und nicht eine einzige der bürgerlichen eine Sigung der Wirtschafskommission der Regie- und die Telephonleitungen zerschnitten und zahl die Verhandlungen des Rates im chinesisch- japani Parteien hat ein solches soll das öde, nichts­rung statt. Finanzminister Dr. Trapl erstattete reiche Lokomotiven beschlagnahmt. Weiters wird an- schen Konflikt mitzuteilen. geführt, daß in einem Abschnitt der mandschurischen jagende Schlagwort vom Bericht über die Wirtschafts- und Finanzlage. Bahn eine japanische Verwaltung eingefeßt wurde, ter von neuem das große Intereſſe dar, das Dienſt tun, soll an die Filzigkeit des Spießers ,, Sparen" seinen Am Nachmittag legte der japanische Vertre­Es wurde zur Kenntnis genommen, daß die Ent- daß die Japaner in Mulden in die Privatrefidens Japan für die Lage in diesem Gebiete habe und appellieren und den bürgerlichen Parteien, die wicklung der tschechoslowakischen Staatswirtschaft des Marschalls eingedrungen seien und dort plin haben müsse. Die Lage der Japaner in diesem in der Rolle von gewissenhaften, sachkundigen troß der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu- derten, weiters daß der Generalstabschef und Gebiete sei in der letzten Zeit bedeutend schtvie- Verwaltern der Gemeindevermögen auftreten, friedenstellend ist. Die Wirtschaftsminister Mitglieder der Provinzialregierung verhaftet wurriger geworden und der europäische Beobachter die Wähler zutreiben. Gleichzeitig wird mit den n. a. m. Außerdem hätten die Japaner zwei könne sich nur sehr schwver ihre Lage vergegen- diesem für den Wählerfang zurechtpräpariertent trafen Vorbereitungen für die Sigung des Divisionen and Korea als Verstärkung in die Um- wärtigen. Schlagwort noch ein anderer Zweck verfolgt: Ministerrates, der zur Entscheidung über das gebung von Mukden gesandt. Einige Städte feien Der chinesische Delegierse replizierte, die die Aufmerksamkeit von den an dem Elend der Budget für 1932 am Donnerstag zusammentritt. teilweise vernichtet worden und litten unter Brän- Nachrichten, die er im Laufe des heutigen Tages Gemeindefinanzen wirklich Schuldigen abzu­In der Situng wurde außerdem ein eingehender den. Bis jeßt dauern die Kämpfe an und man erhalten habe, beweisen, daß sich die Lage von lenken. Bericht über den Stand der Handelsvertragsverspricht von 600 Toten sowohl Zivil- als auch minute zu Minute verschlechtere Militärpersonen und etwa 1000 Gefangenen. handlungen zwischen der Tschechoslowakei und Und wer diese Schuldigen sind, das zu er und daß eine sofortige Lösung gefunden werden Er schloß mit der Ankündigung, der Ankündigung, China müsse. Deshalb wiederhole er das Ersuchen, daß forschen wird kein Kundiger auch nur einen Ungarn erstattet. werde eventuell auch unter Berufung auf andere die japanischen Truppen unverzüglich von dem Augenblic lang im Dunkeln tappen. Viele Artikel des Pattes weitere Anträge beim Völker- von ihnen besetzten Gebiete zurüdgezogen Gemeinden sind in Notlage, doch seit wann bundsrat stellen. Nach Sze sprach sodann der Vertreter werden mögen, und daß eine schnelle Enquete an find sie es? Seit ihnen die Einnahmsquellen Ort und Stelle von einer Sonderkom­Japans im Rate, der Gesandte in London , mission durchgeführt werde. verstopft, ihre Selbständigkeit untergraben und Yoshisawa, der beantragte, die Verhand ihre Steuerhoheit auf ein Maß eingeschränkt Wien , 22. September. ( Eigenbericht.) Im lung auf die nächste Sigung des Völkerbund wurde, daß sie trotz der später vorgenomme Hauptausschuß erstattete heute der Bundestanz rates zu vertagen, da er ungenügend in­nen Lockerung der allerärgsten Feffeln nicht ler Bericht über seine Genfer Verhandlungen. formiert" sei und daher heute noch nicht zu dem einmal imstande sind, die laufenden und aller­Der Hauptausschuß genehmigt einstimmig, daß Fall Stellung nehmen könne. durch Ersparungen im Budget die Staatsausga­1. Einen dringenden Appell an die Regie- dringendsten Auslagen zu decken, geschweige ben auf höchstens 1900 Millionen Schilling her in der Mandschurei aufmerksam, wo einige hundert- rungen von China und Japan zu richten, sich daß sie vielen Aufgaben, die einer ordentlichen abgesetzt und die Einnahmen mit zwei Milliar tausend Japaner angesiedelt und die japanischen jeder Handlung zu enthalten, die geeignet wäre, Gemeindeverwaltung zugewiesen sind, einiger den festgesetzt werden, wovon 100 Millionen zur Interessen durch internationale Verträge garantiert die Situation zu verschlimmern oder der fried maßen entsprechend erfüllen könnten. Es ist Tilgung der kurzfristigen Schulden verwendet jeien. das elende Machwerk der sogenannten Ge­werden sollen. Im Jahre 1931 sollen 35 Millio- eien. Die chinesischen Truppen zählen in der lichen Regelung der Frage vorzugreifen; Mandschurei 220.000 Mann, während Japan dort 2. in Verbindung mit den Vertretern Chinas meindefinanzreform, an dem die Landbündler nur über insgesamt 10.000 Mann(?) verfüge. Zu und Japans die geeigneten Mittel zu suchen, die und Christlichsozialen zur Zeit des Bürger­Der Bundeskanzler erklärte, daß die Hälfte den Ereignissen sei es infolge Provokationen seitens es den beiden Ländern gestatten, sofort zur Zurück- blocks mitgearbeitet haben, an dem sie die volle der Ersparungen durch Verminderung chinesischer Abteilungen gekommen, die Chinesen ziehung ihrer Truppen zu schreiten. Er bat fer- Verantwortung tragen, da es ohne ihre Mit­des Personalaufwandes gedeckt wer- hätten einen Teil der Bahnstrecke bei Murden verner, zu beschließen, daß alle Dokumente, die diese hilfe niemals zustandegekommen wäre und Die Sozialdemokraten gaben die Erklärung nichtet und Japan sei mur darum eingeschritten, Angelegenheit betreffen, ab, daß sie die Herabsetzung, der Ausgaben auf um das Leben und Eigentum feiner Beremigten Staaten zu Informationsweden das gründlich zu reformieren sie auch jetzt Angehörigen zu schützen.

Desterreich spart auf Kosten

Jeiner Beamten.

nen Schilling erspart werden.

den soll.

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Er mache auf die großen Interessen Japans

Der Vorsitzende des Völkerbundrates Leroux bat hierauf den Rat, die Diskussion auf die nächste Ratssigung zu vertagen und ihm folgende Vollmacht zu geben:

übermittelt werden.

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noch sich weigern, das diese Zustände geschai­1900 Millionen für möglich halten, wenn auch fen hat, Zustände, die zum Himmel schreien unter schweren volfswirtschaftlichen Nachteilen, Die japanische Regierung habe ihre und die von keinem einzigen Menschen mehr daß sie aber jede Kürzung der Ausgaben für ruppenkommandanten angewiefent, Das einzige Resultat: als haltbar und wünschenswert angesehen Arbeitslosenversicherung und Notstandsaushilfe ihre Truppenkommandanten angewiesen habe, werden, nur eben, daß Agrarier und Christ­entschieden ablehnen. Eine Kürzung der alles zu unterlassen, was den Konflikt ver Zwei Telegramme. lichsoziale glauben, diese trostlosen und ver Ausgaben sei auf dem Gebiet des Bundesheeres, schärfen könnte. Japan wolle feinen Krieg der Polizei und Gendarmerie möglich. Eine Er gegen China führen und würde auch den Vor­Genf, 22. September. In Ausführung des zweifelten Verhältnisse ließen sich durch allerlei höhung der Einnahmen sei möglich durch Erhöfchlag auf Eröffnung direkter Verhandlungen hung der Steuer auf große Einkommen und auf wischen beiden Ländern sehr begrüßen. Durch heutigen Ratsbeschlusses hat der Präsident des fleinliches Flichwert bessern, so durch Sparen" Vermögen, auf teuere Tabake und Luruswaren. übereilte Schritte werde jedoch die öffentliche Böllerbundrates an die chinesische und japanische oder durch Ueberweisung etlicher bisheriger Eine Kürzung der Beamtengehälter wäre erft Meinung in Japan unnötig erregt und Regierung Telegramme abgesandt, in denen Agenden der Gemeinden an den Staat. Glau möglich, wenn alle diese Forderungen erfüllt die friedliche Erledigung des Zwischenfalles er- die beiden Regierungen aufgefordert werden, sich ben sie dies ernsthaft? Man muß dies sehr jeder Handlung zu enthalten, die geeignet sei, die bezweifeln, aber als Wahlköder erscheint ihnen find, aber auch dann nur nach Verhandlungen schwert. mit den Beamten. Der chinesische Delegierte erklärte in seiner Lage zu verschärfen oder der friedlichen Regelung doch das Schlagwort vom Sparen gut genug. Es könnte noch so viel gespart", noch so viel Replik, was die von dem japanischen Vertreter der Frage vorzugreifen. angezweifelte Richtigkeit der von China behaup­teten Tatsachen betreffe, so sei

Zum Schluß erklärte der Bundeskanzler, daß er das Parlament für den 30. September ein berufen und dort die Beamtenvorlage einbrin­gen werde.

China bereit, die Untersuchung einer Kom­mission des Völkerbundes zu überlassen. Wie könne aber China in direkte Verhandlungen eintreten, wenn ein beträchtlicher Teil seines

Eigenmächtigkeiten

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ning und Reichstagspräsident Lo be die Tages des japanischen Generalstabs? London , 22. September. Daily Mail" mel­

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Der Absendung ging eine Konferenz beim an den Auslagen gedrosselt werden, die Ge­Ratspräsidenten vorauts, an der außer den strei- meindefinanzen würden dadurch noch immer tenden Parteien die vier ständigen Ratsmächte, nicht auf einen grünen Zweig gebracht wer­also auch der deutsche Außenminister, teilnah- den können. Das wissen die bürgerlichen Par­men. In dieser Konferenz wurden verschiebene teien ebenso gut wie wir, aber sie wollen nicht Vor der Reichstagseinberufung. Ginzelfragen erörtert. zugeben, am allerwenigsten jetzt vor den Ge­Brüning verlangt Generalpardon. meindewahlen, daß das von ihnen seinerzeit Mukden sandte, jedoch entschieden, daß neue mitbeschlossene Gemeindefinanzgesetz ein Ver­Berlin, 23. September. ( Eigenbericht.) Heute Truppensendungen nicht mehr erfolgen sollen. brechen an der Selbstverwaltung war, ein Un­bormittags besprachen der Reichskanzler Brü Der japanische Kriegsminister hat ferner finn und ein niederträchtiger Anschlag auf die dem Kommandanten der japanischen Armee in ordnung für die bevorstehenden Verhandlungen Kwantung die Anweisung erteilt, daß die Ber- Silfsbedürftigen, auf Fortschritt, Gerechtigkeit des Reichstages. Es wurde vereinbart, daß in der Eröffnungsfiyung eine Erklärung der Reichs- det aus Tokio , daß man gestern die ersten waltung aller von den japanischen Truppen be- und Menschlichkeit. Man erinnert sich da der Parole, unter regierung abgegeben werden wird. Voraussichtlich japanischen Verstärkungen für die Mandschurei fetten Städte in Zusammenarbeit mit dürften mit der Besprechung dieser Erklärung alle und Storea abgesandt habe. Dieses eigen- den Chinesen durchgeführt werden soll und der alle bürgerlichen Parteien und ihre natio­bisher vorliegenden Regierungsentwürfe, Notver mächtige Vorgehen des Militärs nicht durch die japanischen militärischen Stellen nal ,, sozialistischen " Helfershelfer im Jahre 1923 in den Gemeindewahlkampf gezogen sind: ordnungen und Anträge der Barteien zu diesem widerspreche der Politit des japanischen Kabinetts allein. und die Beziehungen zwischen diesem und dem Gegenstand verbunden werden. Zschiantaischet will demiffionieren. ,, Die Sozialdemokraten haben versagt!" is Der Reichstanzler will für die gesamte Generalstab seien äußerst gespannt. Der General­Stanton, 22. September. ( Reuter.) Die Stan- dahin hatten die Sozialdemokraten in einer Tätigkeit der Regierung seit den Frühjahrsver- stab sei nicht dem Kabinett, sondern dem Monar­handlungen um Indemnität nachsuchen. Er chen direkt verantwortlich. toner Regierung läßt mitteilen, daß Tschiantai- Anzahl von Gemeindevertretungen die Mehr scheint die Absicht zu haben, ausführlichen Ver- Die japanische Regierung hat das Verhalten schet, der Präsident der chinesischen Zentralregie- heit und sie verstanden es auch in den meisten handlungen über die einzelnen Phasen dieser des japanischen Oberkommandanten in Korea rung, seine Absicht zu demissionieren fundgetan Fällen, diesen Machteinfluß in einer den arbei­tenden und hilfsbedürftigen Menschen dien­Tätigkeit auszuweichen. poft facto gutgeheißen, der Verstärkungen nach hat.