Einzelpreis 70 Heller.

Sozialdemokrat

Zentralorgan d.Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d. Tſchechoslowakischen Republik.

11. Jahrgang.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.

Redaktion und Verwaltung: Prag II., Relásanta 18 Telephon: 26795, 31469( Nachtredaktion): 26797 Boltidedami: 37544

Mittwoch, 30. September 1931

Nr. 227.

Krisenwahlen- dennoch erfolgreich behauptet!

-

Vertrauensvotum der Wähler für die beiden sozialdemokratischen Parteien. nationalen Lager: Hakenkreuzler gewinnen auf Kosten ihrer Nährväter. Kommunisten. -Erfolge unserer Partei in Mähren .

-

-

*

*

-

Umschichtung im Stillstand der

Die Einzelergebnisse.

Kreis Aussig - Bodenbach- Warnsdorf.

Bezirk Auffig.

1931

1927 St. Mand. St. Mand.

In ruhigeren Formen als sonst vollzogen schaftskrise und zur Linderung des Elends der demokratie teinen Schaden bereitet hat, und Wahlkampf gezogen. Nicht zu allen Zeiten sich diesmal die Wahlen für die Gemeindever- Arbeitslosen verschwiegen oder zu ungunsten daß fast nur sie die Leidtragenden sind. kann die Sozialdemokratie in siegreichem Vor­tretungen. Es waren eben doch keine allgemei- der sozialistischen Parteien gefärbt; es war Eine Erscheinung, die sich in Deutschland dringen sein, es gibt auch solche, wo es schon nen Wahlen, da viele Dußende von Gemein- wohl nicht ehrenhaft, erschien aber unseren schon früher gezeigt hat, ohne daß unser Bür Anstrengungen kostet, um ihre Stellungen zu den und gerade die größeren, nicht mitwählten. Gegnern gesund, fest drauf los zu verdrehen gertum daraus gelernt hätte. verteidigen. Eine solche Zeit ist die gegenwär Mit Ausnahme einzelner Orte und Gebiete, und zu lügen, den sozialistischen Parteien die Bemerkenswert an dem Ergebnis der tige, da Millionen ein äußerst gedrücktes Da­wo der Wahlkampf leidenschaftlicher geführt Schuld an allem und jedem beizumessen. Zu Wahlen ist auch der sichtbare Stillstand der sein führen und Hunderttausende, denen aus­wurde, zeigte die Wählerschaft, von der sicher sichtbar aber war die günstige Auswirkung des kommunistischen Partei, umso bemerkenswer- giebige Hilfe zu bringen wir noch zu schwach nur ein Teil den Zusammenhang der Entschei- sozialistischen Einflusses in der Regierung, als ter und für sie umso schmerzhafter, als er in- find, verzweifelt an die Schrecken des kommen­dung bei diesen lokalen Wahlen mit der allge- daß die vereinigten Anstrengungen der Bür mitten gesteigerter Wirtschaftsnöte und Maj - den Winters denken, was sie leicht geneigt meinen Bolitik begriff, eine gewisse Apathie. gerlichen und Kommunisten die Tatsache des senarbeitslosigkeit eingetreten ist. In manchen macht, der skrupellosen Demagogie der sich Zu zu viel des Leids, des Unglücks und der Un- ehrlichen und kraftvollen Wollens, ihre Be Gebieten haben die Kommunisten trotz der radikal gebärdenden Parteien, Folge zu leisten. sicherheit der Existenzverhältnisse stürmt in die- mühungen und Erfolge, hätten wegestamotie- größten Anstrengungen, die seelischen und ma- Wir haben uns in schwerster Zeit ehrenvoll fer Zeit auf die arbeitenden und erwerbenden ren können. Immerhin nuk gesagt werden: teriellen Nöte der Menschen politisch zu frut behauptet und das beweist, daß der innerste Schichten der Bevölkerung ein, als daß ste um in dieser wirren, schrecklichen Zeit, in die tifizieren, sogar nicht unbeträchtliche Einbußen Kern sowohl wie die Kadres unserer Parrei gegenüber der ihnen wenn auch irrtümlich ser Zeit des Hungers und der Not nicht den erlitten und ob sie diese in vollem Maße durch gesund und schlagkräftig geblieben sind, obwohl für ihr Schicksal nicht entscheidenden er- Schlagworten der extremen Barteien zu ver- Erfolge in anderen Gebieten wettzumachen wir hart gegen den Strom uns durchkämpfen scheinenden Frage der künftigen Zusammen- fallen und die Zuversicht, den Glauben an die imstande waren, dürfte zweifelhaft sein. müssen. Inmitten der wütendsten Angriffe setzung der Gemeindevertretungen jene starke Sozialdemokratie nicht zu verlieren, da doch Noch ist eine restlose Uebersicht über das unserer Feinde ist unsere Position in den Mas­Anteilnahme hätten erweisen können, wie sie Hakenkreuzler wie Kommunisten rascheste und Wahlergebnis aus allen Teilen der Republit sen unerschüttert geblieben, während manche bei früheren Wahlen wahrzunehmen war. Ge- gründlichste Rettung versprechen, das erfordert nicht möglich, eine genauere Wertung dessel- von denen, die uns Tod und Untergang berci­rade auf diese Stimmung und auf die in wei ein hohes Maß von Vertrauen und politischer ben muß daber einem späteren Zeitpunkt vor- ten wollten, jetzt selber ihre zerschlagenen testen Streisen herrschende Unzufriedenheit und Bildung. Die in der Schule der Sozialdemo- behalten bleiben. Soviel ist jedenfalls klar, daß Knochen zusammenklauben können. Das ist im Verbitterung setzten im deutschen Lager die fratie erzogenen Arbeiter haben diese politische die beiden sozialdemokratischen Parteien mit gegenwärtigen Augenblid ein Resultat, das extremen Parteien, Nationalsozialisten und Schulung bewiesen. Unter widrigen Verhält- dem Wahlausfall zufrieden sein dürfen. Wir uns froh und zuversichtlich der Zukunft ent­Kommunisten, aber auch die Christlichsozialen, nissen sind wir in den Wahlkampf gegangen, sind mit teinerlei fühnen Erwartungen in den gegen sehen läßt! Deutschnationalen, Landbündler und sogar die wir gehen aus ihm mit Ehren und nenge­A.- und W.- Gemeinschaftler ihre Hoffnungen. stärkt hervor! In einer Hinsicht zeigte und zeitigte der Wahl­Gewisse Regierungsparteien hätten es kampf dieselben Erscheinungen wie alle vor herigen: er wurde von den bürgerlichen Bar- gerne gesehen und darin begegneten sich teien und von Hakenkreuzlern und Kommuni- ihre Wünsche mit jenen der Kommunisten sten in derselben verlogenen und lumpigen und Hakenkreuzler- wenn die sozialistischen Weise gegen unsere Partei geführt, wie noch Parteien unter dem Ansturm der Fascisten stets vorher, womöglich noch um einige Grade und Bolschewiken zermürbt worden wären, nichtswürdiger und verlogener. Und alle ihre was den Auftakt zu: Erfüllung eines Lieb- Gewählt wurde in 40 Gemeinden. Wir kandidier- Deutsche sozdem. Arbeiterp. 18.833 252 13.416 247 Angriffe richteten sich fast ausschließlich gegen linaswunsches aller dieser Elemente, die Her- ten in 22 Gemeinden. Bürgerliche Einheitslisten Stommunisten die deutsche Sozialdemokratie. Sie ist ihnen beiführung einer sozialistenreinen Regierung, in 16, gem. Listen der Sozdem. mit den Bürger- Tschech. sozialdem. Bartei eben allen das stärkste und einzige Hindernis gebildet hätte. Scheitert die gegenwärtige lichen in 2 Gemeinden. Abgegeben wurden gültige Deutsche Nationalsoz. auf ihrem Wege, das niederzurennen sie als Regierungsmehrheit, innerhalb der die bürger­ihre wichtigste Aufgabe ansehen. Ihre Ausein- lichen Barteien bis zu einem gewissen Grade andersetzungen untereinander waren im Ver- ihre Hände gebunden fühlen, nicht an irgend­gleich zu dem Haz und der Wut, mit der ste einem Streitobjekt, an dem Ausfall der Ge- Deutsche Sozialdemokraten. ms gegenübertraten, Nedereien und über- meindewahlen wird sie nicht zugrunde gehen, Remmunisten schritten nirgends die Grenzen eines Frosch denn unstreitig bedeutet das Votum der Wäh- Tsch. Sozdem. Mäuse- Krieges. In der deutschen Sozialdemo- lerschaft eine Gutheizung der bisherigen P.- Deutsche Nationalsozialisten fratie dagegen, das wissen sie, trafen sie das litik der sozialistischen Parteien. Das ist also Bund der Landwirte wichtigste Bollwerk der Arbeiterschaft, das sie auch eine gescheiterte Hoffnung unserer Geg- Deutsche Gewerbepartei. ner: aus den Gemeindewahlen wird nicht ein Teutsche Christlichsoziale hemmt, das sie fürchten und hassen. Arbeits- u. Wirtschaftsgemeinsch. Die Wahlen haben weder im deutschen neuer Bürgerblock hervorgehen! noch im tschechischen Lager die Hoffnungen der Grundstürzende Veränderungen in den Tschech . Nationalsozialisten Klassenfeinde des Proletariats erfüllt. Es ist politischen Gruppierungen waren von diesen Tschech. bürgerl. Partei vielmehr vielfach das Gegenteil eingetreten. Wahlen nicht zu erwarten, immerhin haben sie Deutsche Wahlgemeinschaft Sowohl die deutsche wie die tschechische Sozial- einige bemerkenswerte Erscheinungen gezeitigt. demokratie hat sich des Ansturmes ihrer unter Innerhalb der deutschen Wählerschaft ist schiedlichen Gegner glänzend zu erwehren ver- durch das Abschwenken eines Teiles derselben ntocht, ja sie beide haben an manchen Orten zu den Hafenkreuzlern unleugbar eine natio­ihre Siegesfahnen noch ein Stück über ihre nale Radikalisierung eingetreten. Wenn die bisherigen Positionen hinaus zu tragen ver- Machthaber Zeichen zu deuten verstehen und standen. Den Gegnern schien es diesmal be- Lehren überhaupt zugänglich sind, jo fann sonders leicht, der Sozialdemokratie eine fühi- ihnen. die sich dem kleinsten Fortschritt auf bare Schlappe zuzufügen. Die Sozialdemokra- dem Wege zur nationalen Gerechtigkeit zähe Deutsche Sozilademokraten ten sind seit fast zwei Jahren in der Regie- und borniert entgegenstemmen, das Wachstum Kommunisten ungsmehrheit, da lonnte man doch nicht fehl- der deutschen Nationalsozialisten zu denken Tschech . Sozialdemokraten gehen, sie in den Augen der Wählerschaft zu geben. Freilich ist dieses Wachstum nicht ein Deutsche Nationalsozialisten diskreditieren, man brauchte sie nur für alle so großes, wie es die Nationalsozialisten selber Deutsche Nationalpartei Fehler, Unzulänglichkeiten und Unterlassungen erhofft haben, aber doch könnten die tschechisch­der Regierung verantwortlich zu machen. So bürgerlichen Parteien daraus lernen, daß es lautete das Kalfül und die Praxis der bunt die Deutschen nicht gerade dem Staate anglei­scheckigen Feindesscharen, die einträchtig das chen heißt, wenn man ihnen hartnädig iede, selbe Kriegsgeschrei erhoben: die Sozialdeme auch die geringste Konzession an ihre berechtig­traten sind in der Regierung und doch Wirt- ten Forderungen verweigert. Dem deutschen schaftsnot, Arbeitslosigkeit, Elend und doch Bürgertum, das sonst gerne mit dem Fascis­gibt es noch Militarismus, nationales Unrecht mus fofettiert, wird die reine Freude an dem und unzulängliche Unterstützung der Opfer Wahlerfolg der Nationalsozialisten beträchtlich Bon 39 Gemeinden im Bezirke Tetschen haben der Krise! Wohlweislich wurde der Anteil der durch die Tatsache getrübt erscheinen, daß fie verschiedenen Kräfte innerhalb der Regierung die Hauptkosten daran tranen, ab affe an den Maßnahmen zur Milderung der Wirt- gogie der Hakenkreuzler der deutschen Sozial­

Stimmen: 1931: 12.275, 1927: 14.683.

1931

7079 58

6996 Arbeits- u. Wirtschaftsgem.

1765 25 2293 31 935 4 1001 8990 102 6954 77 5815 Deutsche Nationalpartei 43 4558 40 2141 1927 Bund der Landwirte 75 2352 82 800 St. Mand. St. Deutsche Gewerbepartei 8 938 10 1507 8 1425 8 .12.275 160 14.683 Deutsche Christlichsoziale 156

6

.

.

·

1051 5

7407

51

738 Tschech . Nationalsozialisten. 1142 6256 Tschechische Klerikale.

4

480 13 935 4

113

126

4213 19

.

966 61

6047 Tschech . Nationaldemokraten 1196 Tschech. Minderheit

250 1

378 3

103 1

144 1 2323 11

430 Deutsche Wahlgemeinschaft

1195 26

1155

31

2596 Hausbesitzer

367 9

3011

10

Deutsche Wirtschatsspartei

182

2773

13

2004 Frei Gruppe.

32

2 3

221 4 295

2334

18 2648

Bezirk Karbiz.

1675 35 5630

Bezirk Bensen.

1 364

Gewählt wurde in 22, unsere Partei fandidierte in 21 Gemeinden. Bürgerliche Einheitsliste: 1. Gültige Stimmen: 1931: 12.071.

Gewählt in 23, unsere Partei kandidierte in 13 meinsame Listen der Sozdem. mit den Bürger­Gemeinden. Bürgerliche Einheitslisten in 4, ge­lichen in 2. Gemeinden. Gültige Stimmen: 1931: Deutsche Sozialdemokraten

8881, 1927: 14.666.

6

1931

Kommunisten 1927 Deutsche Nationalsozialisten St. Mand. St. Deutsche Nationalpartei Bund der Landwirte 2141 85 2261

1486

35

2114 Deutsche Gewerbepartei

.

695

22

.

1389

40

907 Deutsche Christlichsoziale 1942 Tschech. bürgerl. Partei

4

650 Deutsche Wahlgem.( örtl.)

806

35

1574

346

9

568

545

15

8

Deutsche Gewerbepartei Bund der Landwirte. Deutsche Christlichsoziale Arbeits- u. Wirtschaftsgemeinsch. Tschech . Nationalsozialisten ichech. bürgerliche Parteien Deutsche Wahlgem.( örtl.).

329 237 7 387 10 1105 47

Bezirk Zetschen- Bodenbach.

.

1931 1927 St. Mand. St. 4964 139 5529

602 1116

17 765

17

757

692 9 447

.

8

3292 129

3504

914 24

261 4 137 1

627 231

222

Bezirk Böhm.- Kamnik.

754 Gewählt in 18, unsere Partei kandidierte in 16 474 Gemeinden. In den Städten B.- Kamnik und 395 Steinschönau wurde nicht gewählt. Bürgerliche 434 Einheitsliste in 1, gemeinsame Einheitsliste der 2593 Sozdem. und Bürgerl. in 1 Gemeinde. Gültige Stimmen: 1931: 8104, 1927: 6849.

Sonntag 30 gewählt. In 3 Gemeinden bürger- Deutsche Sozialdemokraten liche Einheitslisten. Gültige Stimmen: 1931: Kommunisten Deutsche Nationalsozialisten.

39.602, 1927: 36.613.

1931 1927 St. Mand. St. 3741 126 3237 239

6 171

341

9