Einzelbild herunterladen
 

Nr. 52.

Abonnements Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illustrirter Sonntags. Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post Beitungss Preisliste für 1899 unter Br. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat.

=

Erscheint täglich außer Montage.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

16. Jahrg.

Die Insertions- Gebühe beträgt für die fechsgespaltene Rolonel­getle oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzetgen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition tft an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Ternspredjer: Hmt I, nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Bentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Parteipolitische Gährungen in der Schweiz .

8ürich, 27. februar.

In den bürgerlichen Parteien der Schweiz geht es ſeit einigen Monaten drunter und drüber. Den direkten Anstoß zu diesem Wirr­warr hat die von der sogenannten äußersten Linken" aufgestellte Doppelinitiative betreffend die Volkswahl des Bundesrathes und die Proportionalwahl des Nationalrathes gegeben, aber die inneren Gründe dazu sind schon seit Jahren vorhanden und wirksam. Es ist die fortschreitende wirthschaftliche und soziale Entwickelung, das in beiden Lagern, bei den Besitzenden wie bei den Besitzlosen, immer mehr zum Durchbruch gekommene Klassenbewußtsein, die Erkenntniß des Gegensages der Interessen von Arbeit und Kapital, welche die Sozialdemokratie geboren und die Verhältnisse der bürgerlichen Bar­teien verschoben haben.

Donnerstag, den 2. März 1899.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3

01

schauungen und Grundsätze unter das Joch der über den Brotkorb Ein ruchloser Kerl, dieser Herr Vorwärts". Er treibt Hehlerei, gebietenden radikalen Partei zwingt, anderseits aber nach rechts teine ja stiftet sogar möglicher Weise zum Einbruchsdiebstahl an. Noch Grenze zieht, muß sich die Bildung einer einzigen bürgerlichen Partei mehr: Er raucht gestohlene Stumm- Bigarren, wie die gesinnungs­vollziehen, deren Hauptaufgabe dann die Bekämpfung der Sozial- verwandten Berliner Neuesten Nachrichten"- die demokratie ist. Diese parteipolitische Entwickelung ist schon seit Jahren das Ideal ber kapitalistischen Neuen Zürcher Zeitung ", die" Post" hat offenbar diesen Verlust noch nicht gemerkt andeuten fich ihre Vorbilder von den deutschen Nationalliberalen und zu können so glücklich sind, die da enthüllen: Stonservativen holt und diese Politik schon bor drei Wie demoralisirend die Sozialdemokratie auf die Massen ein­Jahren anläßlich der Nationalrathswahlen in Zürich mit Erfolg wirkt, diese Thatsache erfährt wieder eine drastische Beleuchtung gegen die Sozialdemokratie getrieben hat. Bereits damals dankte durch folgenden Vorfall. Das Pult eines Redakteurs der" Post" durch ihre Haltung die demokratische Partei als solche ab und seit ist erbrochen und daraus find Briefe des Freiherrn von der Zeit hat sie durchaus nicht gewonnen, sondern nur verloren. Stumm gestohlen worden. Durch gleichzeitige Ent­In die bürgerliche Presse ist unter dem Einflusse dieser Vor- nahme einiger Zigarren suchte der Dieb die gänge die reinste Konfusion gefahren. Liberal- konservative Zeitungen Sache zu verdecken. Von den gestohlenen Briefen hat der haben auf ihren Titel freifinnig- demokratisches Organ" geschrieben, ,, Borivärts" mehrere veröffentlicht. Er hat sich also mindestens ohne an der Zusammensetzung der Redaktion etwas zu ändern; zum Hehler hergegeben. Allerdings ist diese schändliche politische demokratische Blätter haben den Kompaß verloren und irren ziellos Kampfart bei der Sozialdemokratie nicht neu. Die Sache wird Es ist übrigens nicht leicht, sich in dem Durcheinander der in der Wüste der Politik umher und der Zuschauer dieser Komödie aber ein gerichtliches Nachspiel haben und dabei werden hoffentlich Bürgerlichen Parteien zurechtzufinden, namentlich in dem des der Irrungen findet den Schlüssel zum Verständniß der Dinge nur Hehler und Stehler gebührend gebrandmarkt und gestraft werden." Kantons Zürich . Die Dinge fließen da ineinander und in der um jeden Preis aufrechtzuhaltenden Herrschaft der radikalen Als wir den Herrn Vorwärts" wegen dieser Schandthaten man würde am besten thun, einfach von dem bürgerlichen Bartei, sowie in dem gemeinsamen wirthschaftlichen und sozialen zur Rede stellten, versicherte er frech, die Zigarren hätten ihm noch Mischmasch als einheitlicher Phalang gegenüber der sozialdemo- Klaffeninteresse aller dieser bürgerlichen Gesellschaftsschichten. tratischen Partei zu reden. Wir haben da die Liberaldemokraten oder Liberalfonservativen, die Freifinnigen oder Radikaldemokraten bewegung in die Konfusion verwidelt und zwar durch die eine oder öffentlichen werde, die nach den Neuesten Nachrichten" gestohlen sein Zum Theil ist leider auch die sozialdemokratische Arbeiter besser geschmeckt als die Briefe. Vergeblich aber versuchten wir von ihm herauszubekommen, ob er denn noch die anderen Briefe ver­besonderes Programm; das der Demokraten ist das weitestgehende. in seinem Statut die Bestimmung, daß er auf dem Boden sollen. und die Demokraten schlechthin. Jede dieser drei Parteien hat ihr andere Sektion des Grütlivereins. Derselbe hat zwar seit Jahren Aber was wollen in einer bewegten Zeit Programm besagen! Man der sozialdemokratischen Grundsäge steht, aber viele seiner Mitglieder Wenn Stumm der" Post" zufolge den Herrn Vorwärts" benugt sie, wenn es paßt und man verleugnet sie, wenn es zweck- sind nicht Sozialdemokraten und vielfach ist er trop der tausendfachen wegen Hehlerei denunzirt hat so ist das erheiternd. mäßiger ist. Steht doch als erster Punkt an der Spize des im schlechten Erfahrungen noch immer der Tummelplatz bürgerlicher Wir verstehen es aber nicht, wie die Staatsanwaltschaft aus Jahre 1892 aufgestellten neuen Programms der demokratischen Partei Streber, Aemterjäger und Politifer. das Postulat: Eidgenösische Verwaltungsreform und Wahl des Grütlianer" und" Demokraten " und vermeidet ängstlich das Wort denkende Bersonen in der unglaublich prompten Weise vor­Man giebt sich dann als dieser Beschuldigung eines Abstraktums die Nöthigung herleitet, gegen Bundesrathes burch das Bolt, und nun, da sich Sozial: Sozialdemokrat, wodurch die Bewegung gefälscht und geschädigt wird. demokraten und linksstehende Demokraten daran gemacht haben, dem Erfreulicherweise ist die ganze 1ozialdemokratische Presse einig in zugehen, wie es geschehen iſt. Hat der Denunziant angegeben, Postulat Leben und Gestalt zu geben, bekämpfen fie es und geberden der Auffassung dieser Dinge in dem Sinne, daß da eine reinliche wann der märchenhafte Einbruchsdiebstahl verübt worden ist? Hat fich gegen die Bertheidiger desselben wie Berserker. Die Renegaten Ausscheidung und Klarheit für unsere Sache nur von Nuzen sein er bezeichnet, wie viel Briefe angeblich gestohlen worden sind? wüthen ja bekanntlich immer am ärgften gegen das, was sie fann. Entweder entscheide man sich offen und ehrlich für die Sozial- Herrn v. Stumm's Phantasie ist augenblicklich mit Diebstahls- Vor­borher selbst vertreten haben und sie tragen dadurch das Meiste demokratie und nehme alle damit verbundenen Konsequenzen mann- ftellungen erfüllt, weil er in Saarbrüden bestohlen worden ist. dazu bei, sich bei allen anständigen Leuten höchst verächtlich zu haft auf sich, oder man habe den Muth zurückzutreten unt sich der Mit gestohlenen Briefen aber wissentlich Politik zu treiben, das machen. Herrschenden Geldjackspartei in die Arme zu werfen. Man könnte auf dieses charakterlose Renegaten- und Streber­ist eine Eigenthümlichkeit reaktionärer Parteien, vor der die Sozial­Je früher diese parteipolitischen Gährungen zum bschlusse demokratie stets sich sorgsam gehütet hat. thum die Worte Byron's anwenden: Jetzt sind sie liberal, doch stets gelangen, desto besser ist es gerade für unsere Partei. In wenigen erbötig, den Rod zu wechseln und die Haut, wenn nöthig", allein Monaten finden im Kanton Zürich die Kantonsrathswahlen, im Herr v. Stumm mag sich ärgern das verstehen wir. Wenn die Liberalen befinden sich in der gleichen Lage, Im Jahre 1893 Ottober in der ganzen Schweiz die Nationalrathswahlen statt. Eine er im Aerger den Vorwand eines Einbruchsdiebstahls benutzt, gaben fie fich ein neues Parteiprogramm, dessen sechster Punkt flare Situation mit einer unverfälschten und unverschleierten Sozial- um seine Gegner zu denunziren so begreifen wir auch das lautet: Billige Vertretung der Minderheiten in demokratie stärkt die Einheitlichkeit und Aktionsfähigkeit der Bartei, schließlich. Aber sind unsere Behörden wirklich dazu da, die ver­ den Bundesbehörden", also Proportionalwahl des National begeistert die sozialdemokratischen Arbeitermassen und veranlaßt fie, legten Gefühle des Freiherrn v. Stumm zu schüßen? Die" Post"- rathes und Berücksichtigung der Minderheiten bei der Wahl des bis auf den letzten Mann zur Urne zu gehen und ihre Pflicht zu Geschichte von dem Einbruchsdiebstahl ist genau so wahr, wie etwa Bundesrathes; allein wie verhalten sich jetzt die Herren zur Doppel- erfüllen, während das konfuse Durcheinander und die überflüssige die Behauptung, daß die" Post" unabhängig von Herrn v. Stumm initiative, welche ihre eigene Forderung verwirklichen will? Am Kompromißlerei auf die proletarischen Genoffen lähmend und ab- sei, genau so wahr, wie die Verwechselungskomödie Lorenz und 12. Februar 1899 hielten sie in Winterthur einen Parteitag fühlend wirkt. Aus der Auflösung und dem Zerfall der alten ab, auf dem einstimmig von 242 Mann eine Resolution Parteien muß die junge aufstrebende Partei der Sozialdemokratie orenzen, genau so war, wie die Versicherung, daß die Sozial­angenommen wurde, in der beide Initiativbegehren zurück- neue Kraft durch allseitige Ausbreitung und erhöhte Schlagfertigkeit demokratie die Löbtauer Exzesse gebilligt habe, genau so wahr, wie gewiesen wurden und speziell bezüglich der Proportionalwahl ziehen. Das Alte fällt, es ändert sich die Zeit und neues Leben dies Organ eines toll gewordenen Kapitalismus stets zu sein pflegt!

-

"

Stumm's wahre Antwort.

-

-

-

Politische Uebersicht.

Der Reichstag

Berlin , den 1. März.

des Nationalrathes gesagt wird, daß die Minderheiten im blüht aus den Ruinen!" Ständerathe bereits eine ungemein starke Bertretung besitzen.. Welche raffinirte Verschiebung der Sachlage! Die Sozialdemokraten, welche bei ihrer Stärke von etwa 100 000 Stimmen nur zwei Ver­treter im Nationalrath und gar keinen im Ständerath haben, fordern die Proportionalwahl des Nationalrathes und die Liberalen Die vernichtende Veröffentlichung dreier Briefe des Freiherrn entgegnen, daß die Minderheiten bereits start im Ständerath ver­treten find! Politisch ehrlich wäre es gewesen, wenn sie erklärt. Stumm hatte den Gewaltigen zunächst leichtsinniger Weise ver- beschäftigte sich heute mit allen möglichen und unmöglichen ein bunteres Allerlei hat es nie gegeben. Bier, hätten, fie als Minderheitspartei sind schon jetzt verhältnißmäßig viel führt, einen Gang mit geistigen Waffen zu versuchen. Indessen seiner Dingen zu start vertreten, weil sie als die Partei der Millionäre, Groß- Schwäche auf diesem Gebiete wohlbewußt, kehrte er alsbald reuig Pariser Weltausstellung, Stärkezucker, Südpol- Expedition, die industriellen und Großlaufleute überall, auch von Seite der herrschenden zu seiner bequemeren Taktik der Zwangspolitik zurück und die Ornamentik des Reichstags, Gemälde, Feuerbestattung, Urnen­raditalen Bartei die weiteste Berücksichtigung finden und es sei daher Staatsanwaltschaft wurde mobil gemacht, auf daß der begreifliche furz ein luftiges Durcheinander. Und niemals ist im Reichstag für sie ihr Programmpunkt erfüllt. Born des Königs von Saarabien sich auszuleben vermöchte. soviel von Kunst und Wissenschaft" gesprochen worden. Es Die aus Gründen nackter und brutaler Parteiherrschaft die Wir sind in der angenehmen Lage, einmal die Behörden auf- herrschte eine wahrhaft Bosse'sche Begeisterung. Am glühendsten Doppelinitiative bekämpfenden Radikalen, im Allgemeinen eine sehr richtig loben zu können, wenn wir auch bei unserer Abneigung gegen war die Begeisterung der Zentrumsleute; sie dürfte der des heterogene, zusammengewürfelte Gesellschaft, die über jede nichtige Frage, namentlich wenn sie sozialpolitischer Art ist, auseinanderfällt Herrn v. Stumm uns nicht zu dem Geständniß zu überwinden ver- Herrn Bosse nichts nachgeben. Sehr beruhigend war die und sich in mehrere Lager spaltet, und die nur zusammengehalten mögen, daß seinem erzieherischen Einfluß die erstaunliche Leistung Erklärung des päpstlichen Kammerherrn Lingens, daß das Ver­wird durch das gemeinsame Suterefie am staatlichen Futtertrog, über zu verdanken ſei. brennen von Menschen gegen die Religion sei. Schade nur daß den sie verfügen, benußen die Initiativbewegung zu einer reinlichen Man stelle sich vor. Am Sonntag werden Briefe des Freiherrn die christliche Kirche das nicht anderthalb Jahrtausend früher entdeckt Scheidung von allen Elementen, welche nicht blos schöne demagogische v. Stumm veröffentlicht, und bereits am Mittwoch Nachmittag werden hat, dann würde die Million Keger, die auf Scheiterhaufen Phrafen und Programme im Munde führen, sondern auch volls- fast gleichzeitig in den verschiedensten Theilen Berlins und der Vororte geendet haben, in ihren Betten gestorben sein. thümliche Thaten verrichtet sehen möchten; die radikale Partei will bei einer größeren Anzahl unbescholtener Personen auf Requisition Recht gut verlief die Bierdebatte, obgleich der Bierredner fich mausern zur entschiedenen Geldsackspartei und darum müssen die der Staatsanwaltschaft Haussuchungen vorgenommen, weil man par excellence, Dr. Alexander Meyer, auch in diesem Reichstag linksstehenden und vorwärtsdrängenden Männer hinausgeschmissen diese Leute plöglich der-- Hehlerei verdächtig hält. Der schwere fehlt. Sträftig trat in unserem Namen Genosse Wurm ein, daß das Bier ausschließlich aus Hopfen, Diese Herrschende radikale Bartei fönnte man ohne jede Ein Verdacht gründete sich ausschließlich auf die Beziehungen, die die dafür ein, daß das und Surrogate schränkung die Partei der Renegaten nennen. Die meisten, beinahe Betroffenen mit dem Vorwärts" verbinden. Nicht nur die Malz Wasser, ohne jegliche Es ist das un­alle ihre Führer, gaben sich in den jungen Jahren als mehr oder Redaktionsräume wurden durchstöbert, sondern auch die Privat- andere Ingredienzien herzustellen sei. weniger entschiedene Sozialdemokraten und Arbeiterführer, die meisten wohnungen der Redakteure, soweit sie nicht durch ein Reichstags- zweifelhaft die Meinung des Reichstags mit einziger Aus­machten auf den Schultern der organisirten Arbeiter ihre Karrière, mandat gesichert waren. Allein das Bemühen der Behörden ist nahme der Agrarier, die auch andere landwirthschaft­wobei der Grütliverein in der Regel die Hauptrolle spielte, und alle erfolglos geblieben; denn die gestohlenen Briefe des Herrn v. Stumm" liche Produkte" zur Bierbereitung verwandt wissen wollen, haben die Arbeiter verrathen, haben ihnen den Rücken gewendet, wurden nirgends gefunden. Bierverfälschung nennt sich da ,, Schutz der Landwirth­fobald sie das Ziel ihres moralischen und materiellen Strebens erreicht hatten und bekämpfen jetzt alles, was von den Arbeitern ausgeht. Darum nämlich handelt es sich, wie die" Post" im Voraus an- schaft. An solche Wortspiele sind wir bei den Herren gewöhnt. Morgen Fortsetzung der Etatsberathung. Der Antrag Und das Gleiche gilt von einem großen Theile der Anhänger und zukündigen wußte. Das Organ, in dem verruchte Redakteure nicht Wähler der radikalen Partei. Tausende von Handwerkern, Kaufleuten, einmal die Reichstagsreden Stumm's zu lesen scheinen, verkündet auf Errichtung eines Goethe- Denkmals tommt als einer der Angestellten 2c. waren früher in den politischen und gewerkschaftlichen im triumphirenden Sperrdruck folgende juristische Spaßhaftigkeit: ersten Punkte zur Verhandlung. Es ist daher nöthig, sich bei Arbeiterorganisationen, viele davon als Partei oder gelegentliche Beiten einzufinden.- Streitführer, um jetzt das zu verrathen und mit Füßen zu treten, wofür sie früher fämpfen.

werden.

Unter dem Einflusse dieses Prozesses und auch unter der aus inneren Gründen heraus fortschreitenden Verschärfung der Klassen­gegensäße und Klaffentämpfe ist auch in der Schweiz seit Jahren ein fast völliger Stillstand der Sozialpolitit eingetreten. Besonders deuts lich ist dies in Zürich zu sehen. Im Züricher Kantonsrath wie im Züricher Großen Stadtrathe dominirt das Unternehmer, das Geld­sadsinteresse derart daß die paar sozialdemokratischen Vertreter in diesen Behörden meistens allein stehen, wenn sie die Arbeiterinteressen in genügender und wirksamer Weise wahrgenommen wissen wollen. Demokraten, Freifinnige, Liberale und Konservative sind da in der Regel ein Herz und eine Seele.

Die Demokraten und Radikalen stehen also bereits sehr weit rechts und die gegenwärtige Mauserung bedeutet eine weitere starke Schwenkung in dieser Nichtung. Indem man die linksstehenden Elemente ganz abstößt oder sie unter Preisgabe ihrer besseren An­

"

und

Ein strafrechtliches Verfahren wegen Hehlerei ist bei der töniglichen Staatsanwaltschaft gegen den Vorwärts", der Briefe veröffentlicht hat, die nach einem in unserer Redaktion ver­Die Berathung des Eisenbahn- Etats. übten Einbruchdiebstahl in seinen Besitz gelangt find, Das preußische Abgeordnetenhaus begann heute die zweite beantragt worden. Der Antrag stüßt sich auf§ 259 des Straf- Lesung des Etats der Eisenbahnverwaltung. Der eigent­gesetzbuches, welcher lautet: Wer seines Vortheils wegen Sachen, liche Eisenbahnminister, v. Miquel, war am Erscheinen verhindert von denen er weiß, oder den Umständen nach annehmen muß, daß sie und so mußte denn der offizielle Eisenbahnminister Thielen die mittels einer strafbaren Handlung erlangt sind, verheimlicht, ankauft, Verhandlungen einleiten. Was er sagte, war allerdings so sehr im zum Pfande nimmt, oder sonst an sich bringt, oder zu deren Absatz Miquel'schen Geiste gehalten, daß dessen Abwesenheit nicht allzu sehr bei anderen mitwirkt, wird als Hehler mit Gefängniß bestraft." vermißt wurde. Wie ein rother Faden zog sich durch seine Rede Von dem Resultat der zu erwartenden Ermittelungen wird es ab- der Gedanke, daß die Eisenbahnen nicht ein reines Verkehrs­hängen, ob auch wegen Anftiftung zum Diebstahl gegen den Institut bilden, sondern daß fie dazu dienen müßten, hohe Ueber­" Vorwärts" Anklage erhoben werden wird. Wenn uns persönlich schüsse für andere Ausgaben der Staatsverwaltung abzuiverfen. In auch, wie wir bereits betont haben, wenig an der stattgehabten derselben Weise, wie sein Kollege von der Post, Herr v. Podbielski, Veröffentlichung der in Rede stehenden Schriftstücke gelegen ist, so so hielt es auch Herr Thielen für angebracht, die Beamten vor den erscheint es uns doch im öffentlichen Interesse geboten, den Einflüssen einer gewissen Partei" zu warnen. Die Bemerkung, er ,, Vorwärts" darüber zu belehren, daß man gestohlene Briefe nicht werde alles thun, um die Beamten und Arbeiter vor der Ver­ungestraft veröffentlichen darf." führung der Sozialdemokratie zu bewahren, läßt daranf schließen,

00