Ginzelpreis 70 Heller.

Zentralorgan d. Deutschen ſozialdemokratischen Arbeiterpartei i.d.Tschechoslowakischen Republik.

11 Jahrgang.

Was geht in Serbien vor?

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früb.

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Freitag, 25. Dezember 1931

Alexanders Pariser Ausflug.

Es gärt in der Armee.

Der König Alexander von Jugoslawien ist| dieser Tage in Paris eingetroffen, angeblich um sich dort ärztlichen Rat zu holen. Ueber den wahren Charakter dieses Besuches schreibt Ge­noffe Otto Rosenfeld, der außenpolitische Redakteur des Populaire", im Organ unserer französischen Genossen:

Begleitet von seiner Gattin, ist dieser Herr inkognito, wie die Zeitungen sagen, im Hotel Riz abgestiegen. Er ist gekommen, er­flärte man in offiziellen Kreisen, aus Ge­sundheitsgründen. Er habe, scheint es, die Ab­ficht, einen Spezialisten zu fonsultieren, aber alle Welt weiß, daß der König nicht gelommen ist, um einen Doktor der Medizin aufzusuchen, sondern einen Doktor der Finanzen. Alexander braucht Geld, biel Geld. Seine Polizei und seine korrupte Bürokratie tommen ihn sehr teuer. Die Steuern tragen nichts. Wenn man dazu nimmt, daß der Königsdiktator viel Geld ausgeben muß, um im Ausland eine gute Presse zu haben, so ver­steht man seine dauernden Bedürfnisse nach französischen Franken. Wird er es noch ein mal erhalten troß den neuen Skandalen, die unsere Genoffea der Finanzkommission zur Kenntnis gebracht haben?

Friedlose Welt.

Nr. 300.

Wenn heuer die Kirchenglocken Friede Mordmaschinen in den Dienst der Kriegs­den Menschen läuten, so wird dies von Mil- rüstungen der Regierungen gestellt und dunk lionen mehr als sonst als bitterer Hohn auf- Mächte sind überall am Werke, um die Fraße gefaßt werden. Und die Wunden, die ihnen des Krieges wohlgefällig herauszuschminken. Noch eine Sache ist sehr sonderbar. Heute der harte, grausame Daseinstampf geschlagen, Von Abrüstung wird gesprochen, aber zugleich ist der Geburtstag des Königs. Alle Jahre feiert er ihn durch einen großen Ball, im Laufe werden erst recht aufbrechen und bluten. Seit sinnt man darüber nach, wie der kommende dessen er in seinem Palast die Generäle und dem Striege hat es kein trüberes, traurigeres Krieg noch weit herheerender und schrecklicher Offiziere seiner Armee empfängt. Ist die Weihnachtsfest gegeben als dieses. Nicht nur als alle vorangegangenen gestaltet werdent Krankheit des Königs so schwer, daß er sich für jene, die unfreiwillig seit Wochen und kann. Wüßten die Herrschenden nicht, daß gezwungen sieht, Hals über Kopf die Haupt- Monaten ihre Hände feiern lassen müssen selbst wenn es ihnen durch den ihnen zu stadt am Vorabend dieses traditionellen Festes und die von Sorgen beschwert, von Not und Gebote stehenden Lügenapparat ebenso wie im zu verlassen? Diese unerwartete Abreise scheint Elend gequält sind, auch für zahllose andere, Weltkriege gelangt, die Menschen im Rausch eher eine Flucht, als eine normale Luft- die in Kummer dem Morgen entgegenblicken, zur Schlachtbank zu führen, dem Rausche dies­veränderung zu sein, und man weiß, daß die das ihnen das gleiche Schicksal bereiten fann. mal viel früher das furchtbare Erwachen fol­Unzufriedenheit der südslawischen Be­völkerung von Tag zu Tag wächst und daß sie Wenige sind es nur, wenn es überhaupt gen würde, so wäre die Kriegsbestie schon selbst die militärischen Kreise er welche gibt, die der alten christlichen Heils- längst wieder entfesselt worden. Der Kapita­greift, fann man sich wohl fragen, ob der botschaft einen Sinn abgewinnen können, die lismus, der den Widersprüchen und der eidbrüchige König nicht ernste Gründe hat, ein ohne Sorgen das Weihnachtsfest feiern fönnen, Anarchie seiner Gesellschaftsordnung ohn­Zusammentreffen mit seinen Offizieren zu für die große Mehrzahl ist es bestenfalls eine mächtig gegenübersteht, treibt zum Krieg. vermeiden. Wie immer es sei, der Mann, der kurze von Liebesbeweisen ihnen naher Men- und die Kirche, die heute wie alljährlich zu Land ruiniert und entehrt hat, befindet sich schen erhellte Pause, denn selbst für die, die Weihnachten die Friedens- und Erlösungs­zur Stunde in Paris . Hoffentlich wird er Ge- noch zu leben haben, entbehrt es inmitten der botschaft verkündet, sie würde abermals in legenheit haben, hier Alfons XIII . zu begeg- bon Jammer, Elend, Härte und Unterdrüf- allen Ländern die Waffen der Kriegführenden nen. Der fönnte ihm ein ge nüßliche Ratschläge fung erfüllten Welt jedes Glanzes, den es fegnen, wie sie jetzt schon in den Ländern des erteilen. Nur vergesse der König nicht, daß früher ausstrahlte. Für jene gar, die ohne zum Losschlagen bereiten Fascismus die Südslawien nicht Spanien ist. Es lohnbringende Beschäftigung auf die schmale Mordwaffen der fascistischen Banditen segnet. ist leichter in Madrid seinen Kopf Ration der Arbeitslosenunterstützung gesetzt zu retten, als in Belgrad !" sind oder oft genug nicht einmal diese erhalten Kein Friede zu Weihnachten! Neben den und denen es oft felbst am Unentbehrlichsten fehlt, um die Blößen ihres Störpers zu bere heulenden Derwischen Moskaus sind es die hüllen und ihren hungernden Magen zu berlogenen Ründer des Dritten Reiches", stillen, hat die Botschaft vom Frieden und deren wüstes Geschrei sich in den Ton der von der Erlösung jede Bedeutung verloren Kirchenglocken mischt und die auch bei uns herrschende furchtbare Not für ihre seelenver­und sie antworten ihr mit Hohnlachen. giftende Propaganda auszunüßen suchen. Ihre wahren Absichten, die Haß, Krieg und Knech Seit zweitausend Jahren verkündet die tung des arbeitenden Volkes sind, verbergen Kirche das Evangelium der Liebe und des fie hinter sozialen Phrasen. Nationalen Friedens. Mehr als eine Trösterin ist sie nie Sozialismus" nennen sie das Giftgewächs, gewesen und wollte sie nicht sein. Wirkliche das aber mit Sozialismus nicht abs geringste Hilfe den Mühseligen und Beladenen zu brin- gemein hat. Im Dritten Reich", das, wie gen, lag ihr immer fern. Sie wollte herrschen, bekannt gewordene Dokumente verraten, für suchte die Menschen in Demut und Unter- bie Arbeiter ein mittelalterlicher Slavenstaat Wien , 24. Dezember. Nach hartem Ringen würfigkeit zu erhalten, sie stand zu den sein soll, wollen die Köpfe rollen" lassen, Berlin über die eingefrorenen" deutschen Kre­mit den Christlichsozialen ist das Gesetz über die Reichen und Mächtigen und so wurde die nicht die der Besitzer des raffenden Kapi­dit berabenden Bankiers folgendermaßen dar: Die deutschen Schuldnerbanken beharren auf Erhöhung der Wiener Wohnbauftener gestern Botschaft vom Frieden und vom Wohlgefallen tals", das zu bekämpfen sie heucheln, sondern bem Standpunft, daß fie nichts oder so spät abend im Wiener Landtag beschlossen wor- aller Menschen zur Phrase. die der Arbeiter, der Sozialisten, Kommuni­gut wie nichts zahlen tönnen. Sie den. Diese Steuer belastet bekanntlich mit zehn Dem Menschengeist ist es gelungen, un- ften und aller jener, die sich, sei es auch nur verlangen die Konsolidierung von elf Prozent die größten Wohnungen und soll all übersehbare Fortschritte zu erzielen, doch sie im geringsten, gegen die den Massen des Milliarden furzfristiger Stredite, die ein jährlich den Bau von wenigstens tausend neuen dienten in dieser kapitalistischen Gesellschafts- Bolles zugedachte Sklaverei auflehnen woll­sie eine Erniedrigung des Binsfuzes. Opposition fordert von der Bundesregierung den ordnung immer nur wenigen, niemals der ten. Strieg, erbarmungslosen Krieg hat der Wissenschaft und Wirtschaft, Kapitalismus der von ihm ausgebeuteten und Die ausländischen Gläubigerbantiers widersetzen Einspruch gegen diesen Beschluß des Wiener Gesamtkeit. Technik und Chentie haben sich bis zu früher entrechteten Arbeiterschaft angekündigt. In sich natürlich diesen deutschen Ansprüchen und Landtages. nie geahneten Dimensionen entwickelt, doch dem ungeheuren Weltbeben der Wirtschafts­fordern zumindest Teilzahlungen und Ga aller Fortschritt hat die Massenausbeutung trise, aus dem er keinen Ausweg finden tann, Paris , 24. Dezember. Wie der Sonderbericht und das Massenelend nicht zu beseitigen ver fühlt er die Grundlagen seiner Herrschaft er­erstatter des Petit Parisien" meldet, ist es längs mocht. Gigantische Maschinen vermögen un schüttert und ernsthaft bedroht. Noch einmal der Eisenbahnlinie bei Yinkau zu kämpfen ge- gebeure Mengen Waren herauszuschleudern, will er versuchen, zu retten, was zu retten ist fommen. Es scheine, als ob die Japaner eine alle Ansprüche, von den einfachsten bis zu oder sich doch wenigstens eine Galgenfrist zu Umfassung der chinesischen Armee den luxuriösen der Besitzenden können befrie- fichern. Darum bewaffnet er mit seinem

Der Zwed dieses Königlichen Besuches ist also nicht geheimnisvoll, dagegen sind die U m- stande ber plöglichen Abreise des Königs reichlich wirr. In Belgrad felbft hat man nur durch das Tekret, daß die König liche Machtvollkommenheit dem Minifterium überträgt, von der Abreise des Königs erfah ren und niemand wußte, in welcher Richtung der König abgereift sei.

Die eingefrorenen Kredite. Elf Milliarden Mark Ende Feber fällig.

Paris, 24. Dezember. Tem Matin" zu­

Die südslawischen Informationen des Po­pulaire" find immer ausgezeichnet gewesen." Er hat im Sommer das Verfassungsoliroi wochen­lang vorhergejagt. Man darf daher auch der Nachricht glauben, daß es in Südflawien bedent. lich aussieht und der König allen Grund hat, eine Wiederholung der Ereignisse zu befürchten, die im Juni 1903 seiner Dynastie auf den Thron berholfen haben!

lage vom Senate vorgenommenen Abänderun­gen weder die Ziffern noch den Sinn des Textes Ser ursprünglichen Vorlage betreffen.

folge stellt sich die Lage der stonferenz der in Erhöhung der Wiener Wohnbaufteuer.

tantien

Die letzte Forderung der Gläubigerbanfiers ftellte eine 10prozentige Teilzahlung dar, de jedoch von deutscher Seite abgelehnt wurde. Die amerikanischen Bantiers kritisieren sehr scharf die deutsche Unnachgiebigkeit.

der Abgeordneten.

am

Japanische Umfassungsmanöver.

dortige

"

21

Der Kampf mit der Bank von Frankreich von drei Seiten planen, urt fie nach Weften ab- digt werden. Aber viele der Maschinen stehen Gelbe wo es nur irgendwie geht, die fascisti zudrängen. Der japanische Befehlshaber erklärte heute still, die Feuer der Hochöfen sind er- schen Horden. Wo dies noch nicht geht, bort Sozialisten erzwingen persönliche Berantwortung jedoch, daß er nicht Tschingtschau besehen, aber die loschen. Unſchäßbare Reichtümer birgt die follen die Arbeiter durch gleißnerische Ber­Banditen Gegend bon Paris, 24. Dezember. Sehr viele Deputierte, wolle; er wisse allerdings nicht, wie weit dielerde, Rohstoffe sind in Fülle vorhanden, aber heißungen und dick aufgetragene Verdächti die bereits auf Weihnachtsferien nach Hause ge- Aftion führen werde. Die neue Nanking- Regie- Arbeitermassen, die sie zutage fördern oder gungen der Vertrauensmänner der Arbeiter fahren waren, und die Vorsitzenden ihrer Klubs rung soll ihre Truppen angewiesen haben, verarbeiten, sind zur Untätigkeit verdammt. aus der Gefolgschaft der sozialistischen Par­Indessen fehlt es Ungezählten an Kleidern teien losgelöst werden, um die Abwehrkraft Damit betrauten, in den letzten Kammerfizungen Widerstand zu leisten. und Nahrung und obwohl auf den Halden des Proletariats zu schwächen. Krieg wird an für sie zu stimmen, wurden berie früh in Eile Borah bleibt tonfequent. and die Kohle hochgetürmt liegt, ist in den Woh allen Fronten geführt, vor allem an der telegraphisch und telephonisch zu einer Seiligen Abend um 18 Uhr stattfindenden Paris, 24. Dezember. Die Blätter melden nungen der Armen eisige Kälte und vielen Klassenfront. Die Widerstandskraft, die schwer Sizung der Deputiertentammer einberufen. Die Sozialisten berlangen aus Stockholm: Die Tageszeitung Stockholm fehlt sogar ein menschwürdiges Obdach. Schön errungenen sozialen und politischen Errungen­nämlich die persönliche Anwesenheit Tibningen" legte zahlreichen Persönlichkeiten, und reich ist die Welt, doch Hunderttausende, schaften der Arbeiterschaft sollen vernichtet, auch dem amerikanischen Senator Millionen zerfrißt monatelanges, jahrelanges fie foll aller Rechte beraubt werden, damit und die persönliche Stimmabgabe eines jeden darunter Deputierten bei der Beratung des Abkommens Borah die Frage vor: Wie wird das Jahr vergebliches Suchen nach Arbeit und Brot der Kapitalismus sich aus der Sintflut der das Leben. Neben gefüllten Läden und Maga- Krise errette, darum schickt er sein letztes Auf­zwischen dem Staate und der Bank von Frank 1932 beschaffen sein?" Senator Borahs Antwort lautete: Ich zinen darben die Menschen und durchleben gebot, seine fascistischen Söldnerscharen vor. reich. Zur Verwirklichung eines solchen Verlan­gents genügt in der franzöfifchen Kanumer ein glaube nicht, daß die europäischen Probleme wer- alle Schrecken der Arbeitslosigkeit. von 50 Deputierten unterzeichneter Antrag. Nach den gelöst werden können, ehe nicht die Friedens­den Ausführungen der sozialistischen Deputierten verträge und die Frage der Reparationen einer Und der Friede auf Erden? In vielen schen Zeitalter waren die Gegensätze so scharf, fet es notwendig, daß die Regierungsvorlage Revision unterzogen werden. Der gegen­über das zwischen dem Staat und der wärtige Frieden ist auf den Rüstungen begrün phrasenreichen Reden der Diplomaten und der Saß gegen die um Recht, Leben und Men­Bant von Frankreich getroffene Abkom- det. Die Abrüstung Europas wird unmöglich Staatsmänner wird der Friede wohl geprieschenwürde kämpfende Arbeiterklasse so hell men der Fammer in zweiter Lesung vorgelegt fein, solange der polnische korridor, das werde, da der Senat in dem ursprünglichen ambutierte" ngarn und die russische ſen und von der Abrüstung gesprochen, doch lodernd, nie noch der Kampf so hart. Den­Texte gegen den Sannerbellus einig ende- Drohung andauern werden. Die gegenwärtige all die vielen Tagungen und Konferenzen, auf noch: Wie lange kann sich dieses kapitalistische tungen vorgenommen hat. Die Regierung ber- rije wird nur durch die Zusammenarbein denen sie zusammenkommen. haben fein Er System, das unnennbares Elend in die Welt tritt demgegenüber die Ansicht, daß eine zweite Europas mit Amerika überwunden werden gebnis gezeitigt. Während in Verträgen der gebracht hat, noch dadurch halten, daß es deu Krieg geachtet wurde, wurden immer neue Arbeitermassen vom Lebensnotwendigsten wegs Befung nicht notwendig sei, weil die in der Vor- tönnen.

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Friedlose Welt! Noch nie im kapitalisti